Der Hase im Rausch - Заяц во хмелю

Hier könnt Ihr Bücher vorstellen, die Ihr gelesen habt und über die Ihr diskutieren möchtet. Russlandbezug sollte natürlich wie immer vorhanden sein.

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Axel Henrich
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Der Hase im Rausch - Заяц во хмелю

Beitragvon Axel Henrich » Freitag 15. April 2016, 15:15

Durch das Osterfest zufaellig auf folgendes Gedicht gestoßen.

http://www.stihi-rus.ru/1/Mihalkov/20.htm
Заяц во хмелю

В день именин, а может быть, рожденья,
Был Заяц приглашен к Ежу на угощенье.
В кругу друзей, за шумною беседой,
Вино лилось рекой. Сосед поил соседа.
И Заяц наш как сел,
Так, с места не сходя, настолько окосел,
Что, отвалившись от стола с трудом,
Сказал: "Пшли домой!" - "Да ты найдешь ли дом? -
Спросил радушный Еж.-
Поди как ты хорош!
Уж лег бы лучше спать, пока не протрезвился!
В лесу один ты пропадешь:
Все говорят, что Лев в округе объявился!"
Что Зайца убеждать? Зайчишка захмелел.
"Да что мне Лев!- кричит.- Да мне ль его бояться?
Я как бы сам его не съел!
Подать его сюда! Пора с ним рассчитаться!
Да я семь шкур с него спущу!
И голым в Африку пущу!.."
Покинув шумный дом, шатаясь меж стволов,
Как меж столов,
Идет Косой, шумит по лесу темной ночью:
"Видали мы в лесах зверей почище львов,
От них и то летели клочья!.."
Проснулся Лев, услышав пьяный крик,-
Наш Заяц в этот миг сквозь чащу продирался.
Лев - цап его за воротник!
"Так вот кто в лапы мне попался!
Так это ты шумел, болван?
Постой, да ты, я вижу, пьян -
Какой-то дряни нализался!"
Весь хмель из головы у Зайца вышел вон!
Стал от беды искать спасенья он:
"Да я... Да вы... Да мы... Позвольте объясниться!
Помилуйте меня! Я был в гостях сейчас.
Там лишнего хватил. Но все за Вас!
За Ваших Львят! За Вашу Львицу!-
Ну, как тут было не напиться?!"
И, когти подобрав, Лев отпустил Косого.
Спасен был хвастунишка наш.

Лев пьяных не терпел, сам в рот не брал хмельного,
Но обожал... подхалимаж.



http://das-blaettchen.de/2013/03/der-ha ... 23108.html

Der Hase im Rausch


von Sergei Michalkow

Der Igel hatte einst zu seinem Wiegenfeste
Den Hasen auch im Kreise seiner Gäste,
Und er bewirtete sie alle auf das Beste.

Vielleicht ist auch sein Namenstag gewesen,
denn die Bewirtung war besonders auserlesen.
Und gradezu in Strömen floß der Wein,
Die Nachbarn gossen ihn sich gegenseitig ein.

So kam es denn, daß Meister Lampe bald
Zu schielen anfing – er verlor den Halt.
Er konnte nur mit Mühe sich erheben
Und sprach die Absicht aus, sich heimwärts zu begeben.

Der Igel war ein sehr besorgter Wirt
und fürchtete, daß sich sein Gast verirrt.
„Wo willst du hin mit einem solchen Affen?
Du wirst den Weg nach Hause
nicht mehr schaffen.
Und ganz allein im Wald
dem Tod entgegen gehen.
Denn einen Löwen, wild,
hat jüngst man dort gesehen.“

Dem Hasen schwoll der Kamm, er brüllt in seinem Tran:
„Was kann der Löwe mir? Bin ich sein Untertan?
Es könnte schließlich sein, dass ich ihn selbst verschlinge.
Den Löwen her, ich ford’re ihn vor die Klinge!
Ihr werdet seh’n wie ich den Schelm vertreibe,
Die sieben Häute, Stück für Stück, zieh ich ihm ab von seinem Leibe
Und schicke ihn dann nackt nach Afrika zurück!“

Und so verließ der Hase also bald
Das fröhlich laute Fest, und er begann im Wald
Von einem Stamm zum anderen zu schwanken
Und brüllt dabei die kühnlichsten Gedanken
Laut in die dunkle Nacht hinaus:
„Den Löwen werde ich zerzausen,
Wir sah’n in dem Wald schon ganz andre Tiere hausen
Und machten ihnen doch den blutigen Garaus!“

Infolge des geräuschvollen Gezeters
Und des Gebrülls des trunk’nen Schwerenöters,
Der sich mit Mühe durch das Dickicht schlug,
Fuhr unser Löwe auf mit einem derben Fluch
Und packt den Hasen grob am Kragen:
„Du Strohkopf, willst es also wagen,
Mich zu belästigen mit dem Gebrüll? –
Doch warte mal, halt still!
Du scheinst mir ja nach Alkohol zu stinken!
Mit welchem Zeug gelang es dir, dich derart sinnlos zu betrinken?“

Sofort verflog der Rausch dem kleinen Tier,
Es suchte rasch, sich irgendwie zu retten:
„Sie, wir, nein ich… Oh, wenn Sie Einsicht hätten –
Ich war auf einem Fest und trank viel Alkohol…
Doch immer nur auf Euer Gnaden Wohl!
Und Eurer guten Frau und Eurer lieben Kleinen!
Das wäre doch, so wollte es mir scheinen,
Ein trift’ger Grund, sich maßlos zu besaufen!“
Der Löwe ging ins Garn und ließ den Hasen laufen.

Der Löwe war dem Schnaps abhold
Und haßte jeden Trunkenbold.
Jedoch betörte ihn, wie dem auch sei,
Des Hasen Speichelleckerei.

-ah-



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Re: Der Hase im Rausch - Заяц во хмелю

Beitragvon fugen » Freitag 15. April 2016, 19:43

Sowohl das Gedicht als auch die Übersetzung ins Deutsche ist sehr gut gelungen

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Axel Henrich
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Re: Der Hase im Rausch - Заяц во хмелю

Beitragvon Axel Henrich » Samstag 16. April 2016, 16:48

Finde ich auch. Ich haette zwar gerne noch die "nackt nach Afrika" - Geschichte mit bei gehabt, weil ich das lustig fand, aber so hat wohl jeder seins ... ;)
Ansonsten wirklich gut gemacht, nicht 1 zu1 uebersetzt, sondern auch die Zeit und den Humor des Landes beruecksichtigt und dann soll sich das Ganze ja auch noch reimen ...

-ah-

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Re: Der Hase im Rausch - Заяц во хмелю

Beitragvon Wladimir30 » Samstag 16. April 2016, 18:14

Axel Henrich hat geschrieben: nicht 1 zu1 uebersetzt, sondern auch die Zeit und den Humor des Landes beruecksichtigt und dann soll sich das Ganze ja auch noch reimen ...

Tja, das ist eben die große Kunst, die Hohe Schule des Übersetzens. Gerade bei Gedichten. Da trennt sich sich dann sehr sehr schnell die Spreu vom Weizen. Wird aber nur in den wenigsten Fällen anerkannt. Deshalb sollte man solche Glücksfälle einer guten Übersetzung genießen.
Schwarze Milch der Frühe wir trinken sie abends wir trinken sie mittags und morgens wir trinken sie nachts

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Re: Der Hase im Rausch - Заяц во хмелю

Beitragvon domizil » Samstag 16. April 2016, 18:52

... hier ein Link von einer Lesung aus dem Jahre 1965 mit Eberhard Esche

https://www.youtube.com/watch?v=ZG8DlGEnjoE

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Das Wertvollste, was der Mensch besitzt, ist das Leben. Es wird ihm nur ein einziges Mal geschenkt, und er muß es so verbringen, dass ihn später die zwecklos verlebten Jahre nicht qualvoll gereuen...
N. Ostrowski 1930




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