Studium und Ausbildung

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Kationok
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Re: Studium und Ausbildung

Beitragvon Kationok » Mittwoch 29. Oktober 2008, 11:44

Zeppelin hat geschrieben:
Ich meine also Facharbeiter/Gesellen, Meister usw.



Ich glaube in RUS studiert man, oder es gibt Learning - by - doing. Soviel jedenfalls zur persönlichen Erfahrung mit Handwerkern. Mein Schwager hat Koch gelernt auf einen Technikum, aber kocher kann er soweit ich weiss nicht.
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manuchka
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Re: Studium und Ausbildung

Beitragvon manuchka » Mittwoch 29. Oktober 2008, 12:20

Zeppelin hat geschrieben:... Abgesehen von Hochschulstudiengängen erfährt man ja hier sonst recht wenig darüber, wie z.B. kaufmännisches, mittleres medizinisches, landwirtschaftliches oder technisches Personal dort ausgebildet wird. Ich meine also Facharbeiter/Gesellen, Meister usw.


Leider werden die eben nicht (mehr) ausgebildet. Früher gab es PTU - Berufstechnische Bildungseinrichtung bzw. sowas wie bei uns Berufsschule. "PTU-schnik" ist mittlerweile (oder war es vielleicht auch früher schon) ein Schimpfwort nach dem Motto: "Du bist so doof, du schaffst kein Studium und musst deshalb zur PTU". Außerdem sind die meisten PTU mittlerweile geschlossen oder in irgendwelche Colleges oder sonstwas umgewandelt, aber die Ausbildungsqualität ist wohl relativ niedrig. Es geht ja auch kaum jemand dahin, weil es mittlerweile an jeder Straßenecke eine Universität oder ein Institut gibt und manche Firmen (eigene Erfahrung!!!) selbst Autoelektriker mittlerweile nur dann wollen, wenn die einen Hochschulabschluss haben. Das ist in vielen Berufszweigen so.

Zeppelin hat geschrieben:Der Bedarf an Fragen scheint aber größer zu sein, als Wille und/oder Bereitschaft, solche auch zu beantworten.

Ja wenn keiner was weiß bzw. wenn es zu dem Thema nichts zu sagen gibt, weil es nun mal keine klassische Berufsausbildung wie in DE gibt, herrscht halt Schweigen.

Mein Mann wollte gern nochmal eine ordentliche Ausbildung machen, er war sogar bereit dafür zu zahlen. Alles, was es gibt, sind 3-Monats-Kurse, meistens 2-3 Abende die Woche, manchmal an Wochenenden. Dort kriegt man ein bisschen Theorie mit, dann wird man zu einem sogenannten "Praktikum" geschickt, und da mein Mann im Abendkurs immer anwesend war und seine Hausaufgaben immer und meist richtig gemacht hat und auch sonst ein schlauer Kopf ist, wurde er zum Praktikumsleiter ernannt - obwohl er selbst gern einem erfahrenen Meister auf die Finger geschaut und von ihm gelernt hätte!!! Da "seine" Praktikanten nie erschienen und er selber auch nichts lernen konnte, hat er das "Praktikum" dann nach ein paar Wochen geschmissen. Ausbildung auf russisch. Und das in Moskau. Ich brauch nicht erwähnen, dass es in anderen Regionen gar keine gibt, da kommen Leute nach Moskau, machen so einen Kurs und sind dann bei sich zu Hause die großen und oft einzigen "Experten", obwohl sie auch keine Ahnung haben. Und dann kommt das, was Kationok schon sagte: Learning by doing.
Aber das ist auch nicht einfach, denn obwohl Leute in dem Beruf meines Mannes wie irre gesucht werden, heißt es überall: "2 Jahre Berufserfahrung" oder "Nur mit Hochschulabschluss" oder "Nur bis 25 Jahre" - tja. Wir hoffen, dass es in Deutschland möglich sein wird, dass er wirklich mal eine vollwertige Aus- oder Weiterbildung machen kann und sich selber dann auch ausgebildet fühlt und nicht immer nur selber im Trüben fischen muss.
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Re: Studium und Ausbildung

Beitragvon 7punkt » Mittwoch 29. Oktober 2008, 12:53

manuchka hat geschrieben:...Mein Mann wollte gern nochmal eine ordentliche Ausbildung machen...Alles, was es gibt, sind 3-Monats-Kurse, meistens 2-3 Abende die Woche, manchmal an Wochenenden. Dort kriegt man ein bisschen Theorie mit, dann wird man zu einem sogenannten "Praktikum" geschickt, und da mein Mann im Abendkurs immer anwesend war und seine Hausaufgaben immer und meist richtig gemacht hat und auch sonst ein schlauer Kopf ist, wurde er zum Praktikumsleiter ernannt - obwohl er selbst gern einem erfahrenen Meister auf die Finger geschaut und von ihm gelernt hätte!!! Da "seine" Praktikanten nie erschienen und er selber auch nichts lernen konnte, hat er das "Praktikum" dann nach ein paar Wochen geschmissen. Ausbildung auf russisch. Und das in Moskau..


Hat er denn wenigstens eine Art Diplom oder irgendwelches Zeugniss vom Kurs gekriegt? Soviel ich verstanden hab, fehlt Euch genau am Zeugnis, nicht am Koennen. Wie waere es dann mit einem Abendcollege oder so, Manu?

Kationok und Manu haben schon Recht: was die Werkqualifikationen angeht (Tischler, Elektriker, Mechaniker aller Art, Maler etc.), so gilt hier genau das Prinzip "Learning by doing". Das haengt aber damit zusammen, dass die Gesellschaft anders gebaut ist als z.B. in Deutschland. Keiner will zu PTU gehen, weil da nicht die letzte Rolle die Umgebung spielt ;) Wer z.B. aus einer Lehrerfamilie kommt, findet keine gemeinsame Sprache mit dem aus der Familie der HIlfsarbeiter :roll: Der Unterschied zwischen den beiden ist riesig in RU :roll:

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Re: Studium und Ausbildung

Beitragvon Zeppelin » Mittwoch 29. Oktober 2008, 16:46

Zunächst mal Entschuldigung, dass ich mich wohl missverständlich ausgedrückt habe. Das war nicht meine Absicht.

Danke aber an Manu, Kationok und 7punkt für Eure Ausführungen.

Meine Frau konnte mir bislang auch nicht genau erklären, wie das in etwa in RUS läuft, obwohl ihr kleiner Bruder so eine Ausbildung demnächst abschließt. Er ist nicht ganz so schulbegeistert gewesen und hat deshalb diesen Weg gewählt.
Sie verwendet dafür immer die Formulierung "er 'studiert' am Technikum", wobei es sich offenbar um so ein PTU handeln muss, welches ich zumindest grob mit einer hiesigen Berufs- bzw- Fachschule verglichen habe. Und abwechselnd zum theoretischen Unterricht, der offenbar zum Erwerb einer Art "Fachabitur" führt muss man in einer Fabrik praktische Fähigkeiten erlernen.
Ramil - so sein Name - wird demnach so eine Art Mechniker oder Zerspaner.
Nach der ersten Hälfte dieser Ausbildung wurde er bereits als so eine Art Vorarbeiter eingesetzt, musste dabei die Arbeit verteilen und oftmals auch deutlich ältere Arbeiter anleiten.

Inzwischen hat Ramil aber mit seinen bisherigen Ergebnissen die Zulassung zu einem weiterführenden Studium zum Ingenieur erhalten. Ich reime mir das so zusammen, dass es sich dabei etwa um so etwas handelt, wie hier eine Art Fachhochschule.


Ich hatte halt lediglich mein Bedauern zum Ausdruck bringen wollen, dass man hier relativ wenig über die berufsbiographischen Wege von russ. Nichtakademikern erfährt, während bei der geringsten Kritik an russischer Politik sofort eine Reihe von Leuten auf den Plan treten, von denen sonst wenig zu hören ist, als unqualifizierte Kritik an "den westlichen Medien" etc.

Doch mich würde durchaus mal interessieren, ob z.B. Krankenschwestern oder MTAs auch nur über learning per doing in ihre Arbeit eingewiesen werden - so wie ich es ja weiter oben schon geschrieben hatte.
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Re: Studium und Ausbildung

Beitragvon manuchka » Mittwoch 29. Oktober 2008, 17:52

7punkt hat geschrieben:Hat er denn wenigstens eine Art Diplom oder irgendwelches Zeugniss vom Kurs gekriegt? Soviel ich verstanden hab, fehlt Euch genau am Zeugnis, nicht am Koennen. Wie waere es dann mit einem Abendcollege oder so, Manu?

Nein, am Zeugnis mangelt es nicht, es ist sogar rot... aber was nützt ihm ein Zeugnis, wenn das praktische (nicht das theoretische) Wissen fehlt? Das ist es ja, was ihn ärgert. Ein Zeugnis kann man auch kaufen, wenn es nur daran hängt, siehe anderes Thema, aber damit ersetzt man die Kenntnisse nicht. Er will ein Spezialist sein und nicht nur ein diplomierter Halbwissender.
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Kevin

Re: Studium und Ausbildung

Beitragvon Kevin » Montag 26. Januar 2009, 13:39

Hallo an alle,
ich finde das thema ist eine gute Idee, da ich eine frage dazu habe.

Meine Freundin hat in Russland BWL studiert (und erfolgreich absolviert) und möchte nun in Deutschland studieren.

jetzt zu meiner Frage:

Kann ihr russisches Studium angerechnet werden oder muss sie wieder komplett von anfang bis ende das deutsche studium durchziehen?

Wäre ja praktisch, wenn sie nicht die vollen 3,5 jahre für den bachelor studieren muss, da sie ja schon viel in russland gelernt hat.

Naja vielen dank schon mal im Vorraus. würde mich freuen wenn ihr mir das was zu sagen könntet.

Gruß
Kevin

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Re: Studium und Ausbildung

Beitragvon Zeppelin » Montag 26. Januar 2009, 13:59

Kevin hat geschrieben:Kann ihr russisches Studium angerechnet werden oder muss sie wieder komplett von anfang bis ende das deutsche studium durchziehen

Mindestens das Grundstudium würde ihr angerechnet werden, wenn nicht gar mehr. Genauer informieren kannst Du Dich unter www.anabin.de.

Für die Anerkennung / Einstufung sind dir Kulturministerien der Länder zuständig. Dafür benötigt man Übersetzungen des Abschlusszeugnisses und des russ. Studienbuches (bzw. sonstiger Belege über Inhalte und Umfang des Studiengangs), die von einem beeidigten dt. Übersetzer angefertigt werden müssen, sowie Kopien der Originaldokumente.

Ich weiß allerdings nicht mehr genau, ob die Originalurkunden auch apostilliert werden müssen.
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pippie

Re: Studium und Ausbildung

Beitragvon pippie » Dienstag 12. April 2011, 13:08

"Ausländische Berufsqualifikationen sollen leichter anerkannt werden. Ziel ist es, dadurch mehr ausländische Krankenschwestern, Ärzte und Pflegekräfte für Deutschland zu gewinnen."
http://www.stellenanzeigen.de/artikel/1 ... l_bewerber

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Re: Studium und Ausbildung

Beitragvon annika » Mittwoch 11. Mai 2011, 13:56

Ja, den Eindruck habe ich auch, dass die Leute hier gern helfen und berichten insofern sie etwas zu sagen haben. Ich habe bisher immer eine Antwort bekommen! (danke :) )


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