Russische Industrie

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m1009
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Re: Russische Industrie

Beitragvon m1009 » Mittwoch 12. Juli 2017, 07:56

Marktentwicklungen prognostizieren usw.


Erfolge? Unter 1%? ;)



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Re: Russische Industrie

Beitragvon m5bere2 » Mittwoch 12. Juli 2017, 08:10

m1009 hat geschrieben:Erfolge? Unter 1%? ;)

Nu das ist doch wurst, aber sie werden dafür gut bezahlt! ;)

Und psst, ein Geheimtipp: wenn die Erfolgsquote stabil bei 1% ist, dann einfach das Gegenteil der Prognose voraussagen, dann hat man 99%. ;)

Und wenn die Ausgangsdaten scheiße sind, kommt hinten eben auch Scheiße raus ... der Mathematiker ist ja z.B. kein Öl-Hengst, der weiß bei der Prognose der Ölpreisentwicklung ja nicht, dass plötzlich jemand das Fracking erfindet, womit offenbar sogar diejenigen nicht rechneten, die ihn mit Daten gefüttert haben.

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Re: Russische Industrie

Beitragvon m5bere2 » Mittwoch 12. Juli 2017, 08:22

Zu den Prognosen noch so ein Detail am Rande: dadurch, dass sich Ausgangsbedinungen und Ausgangsdaten ständig ändern, lassen manche Unternehmen jeden Tag oder jede Woche durchprognostizieren wie sich die eine oder andere Entscheidung in einer 5-Jahres-Perspektive auswirken würde. Z.B. bei Logistik-Unternehmen was die Platzierung von Lagern oder Erneuerung des Fahrzeugparks betrifft.

Die handeln also nicht nach der Devise "was ist optimal für nächste Woche?" sondern "wie stehen wir in 5 Jahren da, wenn wir mit derzeitigem Wissen jetzt Option A einschlagen". Aber diese 5-Jahres-Prognosen werden ständig neu angefertigt, eben weil plötzlich jemand das Fracking erfindet (womit evtl. Sprit billiger wird als Lager).

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Re: Russische Industrie

Beitragvon Wladimir30 » Mittwoch 12. Juli 2017, 10:15

Norbert hat geschrieben:alle nach dem Studium in gutbezahlten deutschen Jobs gelandet. Liegt aber vielleicht daran, dass sie schlicht praxisnahe Sachen studiert haben, welche von der deutschen Wirtschaft auch benötigt werden.

Ist bei der späteren Jobsuche sicher sehr hilfreich, die entsprechende Wahl des Studiengangs.

Wenn man also das richtige studiert, braucht man danach weder zu Zalando noch ins Ausland.

Ne Garantie ist das beileibe auch nicht.

Wer natürlich freiwillig Soziologie oder vielleicht auch theoretische Mathematik studiert, sollte sich nicht wundern, dass die Wirtschaft nicht gerade danach lechzt.

Ist das das alles Entscheidende für den weiteren Lebensweg? Sp sprach ja z.B. m5bere2 ja von etwas anderem, der wissenschaftlichen Karriere. In der freien Wirtschaft kann es aber auch anders sein. Wer ein sog. Orchideenfach studiert hat, ist bereit, unorthodoxe Wege zu gehen ohne den starren Blick auf den späteren Spitzenverdienst, was auch geschätzt wird. Wichtig ist, wie man sich dann damit später "verkauft".

Und auch eine Promotion ist nicht zwingend (!) ein Qualifikationsmerkmal, so ehrlich muss man sein.

Hat wohl, glaube ich, auch keiner behauptet. Aber für bestimmte Ziele ist eine Promotion nun mal unerläßlich. Z.B. eben erneut die wiss. Karriere. Oder höhere Positionen in bestimmten Unternehmen, die es bevorzugen, solche Positionen mit Graduierten zu besetzen .

Folgende Punkte sollte man sich überlegen: Ist es mir das Wichtigste, später einen gut bezahlten Job zu bekommen? Oder will ich etwas lernen, was mich einfach brennend interssiert? Habe ich ein festes Berufsziel, oder bin ich flexibel genug, etwas zu finden, was nur bedingt mit meiner Fachrichtung zu tun hat? Kann ich die Vorteile meines Studiums erstens mir selbst und dann, zweitens, auch anderen plausibel und letztendlich gewinnbringend darlegen? Theoretische Mathematiker sind extrem gut darin, sich in hyperkomplexen System zurechtzufinden, ein Argument, das in der heutigen Welt immer größere Bedeutung gewinnt, auch weit außerhalb der eigentlichen Mathematik. Literaturwissenschaftler lernen, dass es für ein literarisches Werk 10 verschiedene Interpretationen gibt, die alle richtig und logisch klingen, sich aber komplementar voneinander unterscheiden, und dass man deshalb stets seine eigene Meinung bilden und ausgiebig begründen muss, da es eben keine "Lösung, die an sich richtig ist" gibt. Eine Vorgehensweise, die in dieser Tiefe sicherlich nicht mit mathematischen Vorgehensweisen kongruent ist und deshalb auch bei der Jobsuche als durchaus ernstzunehmendes Argument gebraucht werden kann.

Bewußt ketzerische Gegenfrage: was haben Informatiker zu bieten, was außerhalb der Informatik verwendet werden kann? Brauchen sie ja nicht, weil sie ja als Informatiker einen gut bezahlten Job kriegen. Ist natürlich ein verdammt gutes Argument, stimmt auch wieder.
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Re: Russische Industrie

Beitragvon m1009 » Mittwoch 12. Juli 2017, 10:32

was haben Informatiker zu bieten, was außerhalb der Informatik verwendet werden kann?


Sitzfleisch.



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Re: Russische Industrie

Beitragvon Norbert » Mittwoch 12. Juli 2017, 11:25

m5bere2 hat geschrieben:Aber da es mir in meinem Beitrag um eine wissenschaftliche Laufbahn ging, ist die Promotion da nunmal eine Zwangsvoraussetzung.


Da stand nichts von wissenschaftlicher Laufbahn! Da stand nur: "Wenn ich mir angucke, wo die in Deutschland promovierten Wissenschaftler landen ... bei Zalando, als Taxifahrer, oder im Ausland." Dass Du explizit meintest, dass es keine Jobs in der Wissenschaft gibt, war dem nicht zu entnehmen. Ich dachte Dich stört, dass Sie nicht bei Siemens oder Bosch landen können.

Wladimir30 hat geschrieben:Bewußt ketzerische Gegenfrage: was haben Informatiker zu bieten, was außerhalb der Informatik verwendet werden kann?

Gar nichts. Ich würde deswegen auch niemandem empfehlen, reine Informatik zu studieren! Ehrlich. Das ist trockene Theorie.

Aber ein E-Techniker kann sowohl in der Informatik, als auch im Kraftwerk oder selbst im Straßenbahn-Depot arbeiten! Ich arbeite in der IT, obwohl ich diplomierter Verkehrsingenieur bin. Und fühle mich weder unter- noch überqualifiziert.

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Re: Russische Industrie

Beitragvon m5bere2 » Mittwoch 12. Juli 2017, 12:15

Wladimir30 hat geschrieben:Bewußt ketzerische Gegenfrage: was haben Informatiker zu bieten, was außerhalb der Informatik verwendet werden kann?

Öh ... also ich bin eigentlich diplomierter Informatiker. Meine Promotion war halb Informatik (u.A. Automatentheorie), halb Mathematik (u.A. neue Verfahren zur Optimierung von Produktionsabläufen), und seitdem mache ich eigentlich nichts mehr, was man unbedingt als Informatik bezeichnen würde. ;)

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Re: Russische Industrie

Beitragvon m5bere2 » Mittwoch 12. Juli 2017, 12:18

Norbert hat geschrieben:Wenn ich mir angucke, wo die in Deutschland promovierten Wissenschaftler landen ... bei Zalando, als Taxifahrer, oder im Ausland." Dass Du explizit meintest, dass es keine Jobs in der Wissenschaft gibt, war dem nicht zu entnehmen. Ich dachte Dich stört, dass Sie nicht bei Siemens oder Bosch landen können.

Nene, ich meinte schon den Mangel an Beschäftigungsmöglichkeiten als Wissenschaftler. Zalando scheint übrigens als Arbeitgeber für Algorithmiker auch gar nicht schlecht zu sein (mehrere meiner ehemaligen Kollegen arbeiten bei Zalando und Tomtom) ... aber ob es etwas ist für jemanden, der eigentlich forschen möchte?

Gar nichts. Ich würde deswegen auch niemandem empfehlen, reine Informatik zu studieren! Ehrlich. Das ist trockene Theorie.

Du hast insofern Recht, dass selbst Mathematikstudiengänge angewandter sind. Da wird mehr programmiert als bei den Informatikern und da werden oft praktischere Probleme gelöst. Die praktischsten Vorlesungen in einem Informatikstudiengang sind sowas wie technische Informatik (das ist dann schon fast E-Technik) und Mustererkennung, was eigentlich schon eher wieder Wahrscheinlichkeitstheorie, Analysis, Algebra und Physik ist. :D

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Re: Russische Industrie

Beitragvon Norbert » Mittwoch 12. Juli 2017, 13:17

m5bere2 hat geschrieben:... aber ob es etwas ist für jemanden, der eigentlich forschen möchte?

Gut, da bin ich vielleicht zu neoliberal ... aber ich finde es jetzt eigentlich nicht schlimm, wenn es nicht endlos Stellen gibt für Leute, die "eigentlich [nur] forschen möchten". Ich bin da pragmatisch ... Jobs sollten dort geschaffen werden, wo es einen echten Bedarf gibt. Und nicht dafür, dass irgendjemand für sein Hobby vom Staat bezahlt wird.

Ja, ich weiß, ohne Forscher hätte es keine blauen LED und kein MP3 gegeben. Aber selbst das ist nicht sicher, denn etliche andere Erfindungen wurden außerhalb staatlicher Forschung gemacht.

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Re: Russische Industrie

Beitragvon Dietrich » Mittwoch 12. Juli 2017, 13:41

Und MP3-Player mit blauen LEDs!!!!

Nochmal zum Thema vorher:
Bei der Umfrage ging es doch wahrscheinlich eher darum, dass sich 10% vorstellen könnten, das Land zu verlassen, oder (etwas stärker) 10% bereits planen, das Land zu verlassen.
Wieviele davon es dann wirklich tun oder schaffen ist natürlich was Anderes.
"Each one hopes that if he feeds the crocodile enough, the crocodile will eat him last."
W. Churchill (1940)




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