Kleiner Grenzverkehr Litauen

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Kleiner Grenzverkehr Litauen

Beitragvon m1009 » Sonntag 27. November 2016, 00:00

Offenbar gab/gibt es einen "Kleinen Grenzverkehr" Kaliningrad - Litauen... Eingestellt? Falls ja... warum?



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Re: Kleiner Grenzverkehr Litauen

Beitragvon domizil » Sonntag 27. November 2016, 00:30

...es gab und es gibt keinen kleinen Grenzverkehr zwischen Kaliningrad und Litauen. Die politische Lage ist derart angespannt, dass man noch nicht mal theoretische Überlegungen anstellen sollte - für die kommenden Jahre. Wir sind in Kaliningrad schon froh, wenn es zu keiner Transport- oder Energieblockade seitens Litauens kommt - von irgendwelchen Erleichterungen ganz zu schweigen.
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Re: Kleiner Grenzverkehr Litauen

Beitragvon m5bere2 » Sonntag 27. November 2016, 05:48

Energieblockade? Das Kaliningrader Gebiet hat doch ein eigenes Atomkraftwerk? Oder läuft das nicht?

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Re: Kleiner Grenzverkehr Litauen

Beitragvon m1009 » Sonntag 27. November 2016, 08:12

m5bere2 hat geschrieben:Energieblockade? Das Kaliningrader Gebiet hat doch ein eigenes Atomkraftwerk? Oder läuft das nicht?


Inselloesungen sind immer extrem schwierig. Netzschwankungen, Ausfallsicherheit, Leistungsaustausch etc.

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Re: Kleiner Grenzverkehr Litauen

Beitragvon domizil » Sonntag 27. November 2016, 09:15

... Kaliningrad hat kein Atmkraftwerk. Das hat u.a. Litauen zu verhindern gewusst. Man hat innerhalb der EU Einfluss auf die Vertragspartner genommen, die Strom abnehmen wollten. Alle haben dann die Vorab-Verträge gekündigt und nur Kaliningrad alleine braucht kein Atomkraftwerk. Wir bauen jetzt vier andere Stromerzeuger und alternative Quellen im beschleinigten Verfahren, da Litauen in 2017 aus dem alten Stromverbund aussteigt und dann Kaliningrad kein Strom mehr aus dem Mutterland erhalten kann.
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Re: Kleiner Grenzverkehr Litauen

Beitragvon saransk » Montag 28. November 2016, 17:24

domizil hat geschrieben: Wir sind in Kaliningrad schon froh, wenn es zu keiner Transport- oder Energieblockade seitens Litauens kommt

Hat dies wirklich so gravierende Auswirkungen? Um welche Produkte geht es eigentlich, da für Massengüter doch weiterhin der Seeweg offen stehen sollte?
domizil hat geschrieben: da Litauen in 2017 aus dem alten Stromverbund aussteigt

Wann sollte dies sein? Ein , durchaus politisch brisantes Thema, worüber es "im Westen" leider gar keine Informationen gibt.

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Re: Kleiner Grenzverkehr Litauen

Beitragvon domizil » Montag 28. November 2016, 18:40

... ein Blick auf die Karte zeigt, dass der Seeweg auch nur bedingt nutzbar ist. Es geht um die Verbindung Kaliningrad-Ust-Luga, alternativ auch St. Petersburg. Der Weg über die Ostsee kann jederzeit gesperrt werden. Was dies bedeuten würde ist sicherlich allen klar, genauso, wenn Polen und Litauen die Grenzen zu Kaliningrad schließen würden (was das souveräne Recht eines jeden Staates ist). Um eine Fährverbindung effektiv zu machen, werden mindestens sechs Fähren benötigt. Gegenwärtig existieren nur zwei veraltete Fähren. Man ist dabei, dieses Problem gegenwärtig zu klären. Sollte es allerdings zu einer Blockade kommen, so reichen auch diese sechs Fähren nicht aus. Deshalb strebt Kaliningrad die völlige wirtschaftliche und landwirtschaftliche Eigenversorgung an. Um eine Vorstellung zu haben über das, was angedroht ist, nenne ich nur das Stichwort "Berlin-Blockade" und "Luftbrücke".

Die Energieversorgung ist noch dramatischer. Soeben wurde eine offizielle Anfrage seitens Russland an die EU gestellt, wie man sich zu diesem Thema stellt. Russland ist bekannt, dass die EU den Ausstieg der baltischen Länder aus dem Energieverbund BRELL finanziert und vorantreibt. Man will jetzt Fakten hören. Russland geht davon aus, dass die baltischen Länder aussteigen und 2017 den Ring abschalten. Dann ist Kaliningrad komplett isoliert und es ist technisch auch nicht möglich, Strom aus der EU zu bekommen, da die Systeme nicht aufeinander abgestimmt sind. Deshalb werden gegenwärtig Unsummen investiert, um im beschleunigten Verfahren neue Kraftwerke zu bauen, um die Eigenversorgung zu gewährleisten.

Kurz: Die Situation rings um Kaliningrad ist sehr brenzlig, wesentlich brenzliger als um die Krim.

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Re: Kleiner Grenzverkehr Litauen

Beitragvon saransk » Montag 28. November 2016, 20:03

domizil hat geschrieben:... ein Blick auf die Karte zeigt, dass der Seeweg auch nur bedingt nutzbar ist. Es geht um die Verbindung Kaliningrad-Ust-Luga, alternativ auch St. Petersburg. Der Weg über die Ostsee kann jederzeit gesperrt werden.

das ist ja auch die Angst/Kalkulation der Nato. Sollten die Verbindungen wirklich einmal aus "technischen" Gründen blockiert werden, müsste Russland diesen schmalen Korridor (Lücke von Suwalki) innerhalb einer Woche militärisch öffnen lassen, sonst würde die russische Regierung sofort alle Sympathien beim eigenen Volk verlieren, weil man sonst den Oblast Kaliningrad de facto aufgeben würde.
domizil hat geschrieben:Kurz: Die Situation rings um Kaliningrad ist sehr brenzlig, wesentlich brenzliger als um die Krim.

Und keiner bzw kaum einer merkt es, weil alle nur gespannt auf den Donbass und die Krim, evenzuell noch Georgien und Transnistrien schauen.
Ich will nicht allzu pessimistisch sein, aber in einer dieser Regien wird es in naher Zukunft noch zu einem Kräftemessen kommen.

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Re: Kleiner Grenzverkehr Litauen

Beitragvon domizil » Montag 28. November 2016, 20:38

... in Kaliningrad tut sich gegenwärtig sehr viel um die Strukturen zu festigen - um es mal sehr allgemein auszudrücken. Selbstverständlich gehörigen hierzu auch die militärischen Strukturen. Einerseits bin ich selber etwas unruhig, andererseits sehe ich aber, dass man die richtigen Schlussfolgerungen aus den aktuellen Ereignissen Seitens Russland zieht.
Der von Dir erwähnte Korridor ist weniger dafür bestimmt, einen "Kanal" zwischen dem Mutterland und Kaliningrad herzustellen. Er ist mehr als Sperrriegel gedacht, damit die NATO über diese Verbindung keine Verstärkungen per Land in das Baltikum bringen kann. Per Lufttransport oder Seetransport Verstärkungen in die Baltischen Länder zu bringen ist faktisch schon nicht mehr möglich, da Russland in Kaliningrad Waffensysteme stationiert hat, die den kompletten Raum beherrschen und jede Bewegung unmöglich machen.
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