Heiraten in Berlin oder Moskau?

Du willst eine russisch-deutsche Ehe eingehen, die allgemeinen Tipps im Internet helfen Dir aber nicht mehr weiter? Oder Du bist schon russisch-deutsch verheiratet und hast einen guten Rat für andere binationale Ehen? Dann melde Dich hier zu Wort!

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Wi_M_Tölke
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Heiraten in Berlin oder Moskau?

Beitragvon Wi_M_Tölke » Freitag 12. Januar 2018, 22:17

Als wir uns für eine Heirat entschieden, wollten wir diese auf jeden Fall in Deutschland beantragen.

Nachdem meine Verlobte und ich ernüchternd feststellen mussten, welche Dokumente für eine Heirat in Deutschland erbracht werden müssen, haben wir uns entschieden die Hochzeit in Russland zu vollziehen. Leichter gedacht als getan sage ich nur.
Ich wohne in Berlin und meine Verlobte in Moskau. Erschwerend kommt dabei hinzu, dass sie schon einmal verheiratet gewesen ist.
So wollte das Berliner Standesamt von mir lediglich eine Meldebescheinigung, das können die bei der Anmeldung vor Ort online prüfen, und einen Auszug aus meinem Geburtenregister, was online beantragt werden kann. Dazu natürlich den Personalausweis oder Reisepass. Bei meiner Verlobten gestaltete sich das Ganze schon deutlich schwerer. Sie verlangten von ihr eine:

Geburtsurkunde mit Apostillie
Den Inlandsreisepass sowie eine beglaubigte Kopie von allen Seiten mit Apostillie
Den Reisepass mit dem aktuellen Visum
Die Scheidungsurkunde mit Apostillie
Eine Bescheinigung, dass sie schonmal verheiratet gewesen ist. Natürlich mit Apostillie(Die Heiratsurkunde wurde nach der Scheidung nämlich eingezogen)
Einen Nachweis über den aktuellen Familienstatus (geschieden) natürlich mit Apostillie
Natürlich noch eine eidesstattliche Versicherung vor einem Notar, dass man aktuell geschieden ist. (na klar ist ja auch noch nicht oft genug nachgewiesen mit den vorherigen Dokumenten.
Eine selbstständige Erklärung, dass ihr voriger Ehemann russicher Staatsangehöriger gewesen ist

Das Ganze muss dann von einem amtlich beeidigten Dolmetscher, und nur von einem in Deutschland beeidigtem) übersetzt werden.

Hat man alles zusammen, darfst du erneut beim Standesamt vorsprechen, natürlich gemeinsam oder mit einer Einverständiserklärung des Partners, zuvor vom Standesamt ausgestellt, und die Unterlagen zur Prüfung einreichen. Die Prüfung erfolgt dann übr den Gerichtspräsidenten und kann gut 3 Monate dauern. Sofern er die rechtmäßigkeit der Untrlagen anerkennt darf man wieder zum Standesamt gehen und einen Termin für die Hochzeit beantragen. Sofern der Partner noch nicht über ausreichend Deutschkenntnisse verfügt, ich kann sagen, dass A1-2 für Amtsangelegenheiten bei weitem nicht ausreichen, muss man dafür erneut einen amtlich beeidigten Dolmetscher bestellen.

Den anderen Quatsch danach spare ich mir mal, da schon die Beschaffung der Apostillen selbst in Moskau ein problem darstellt, zumal eine gute 3500 Rubel kostet. Braucht man insgesamt 7 oder 8 kommt man mit den dolmetscherkosten auf gut 1000 Euro plus die ganzen Visa und Reisekosten.

Wir haben uns dann auf Anraten für die Heirat in Russland entschieden. Überall wo wir uns erkundigten, auch bei Migrationshilfen wurde uns dazu geraten.

Gesagt getan. Meine Verlobte ist zum Standesamt gegangen und hat sich erkundigt, was ich für die Anmeldung erbringen muss. Man sagte ihr darauf, dass ich lediglich meinen Reisepass mit Visum und eine Ehefähigkeitsbescheinigung abgeben muss. Natürlich mit Apostillie und Übersetzung von einem Dolmetscher.
Klingt ziemlich einfach aber die Ernüchterung folgte auf dem Fuß. Nachdem mein Standesamt sowieso schon vollkommen unterbesetzt war und Termine für die nöchsten zwei Monate ausgebucht waren, kam ich an ein Büro mit einer netten Dame von der Urkundenstelle. Auf meine Anfrage teilte sie mit, dass ich bei ihr falsch wäre und sie lediglich eine Angestellte ist, die nachbeurkunden kann. Da alle anderen, genau zwei, schier ausgebucht waren riet sie mir, meine Anfrage per Mail zu senden. Das tat ich dann auch gleich drauf. Im Anhang sendete ich den teils ausgefüllten Antrag auf Ausstellung des EFZ. Ich bekam sehr schnell eine Antwort. Diese war sehr freundlich aber ziemlich ernüchternd. Letztendlich verlangt das Standesamt so ziemlich das selbe von meiner Verlobten, wie für eine Heirat in Deutschland. Nun sitzen wir nach zwei Monaten Planung noch immer kopflos da und kommen nicht vorwärts. Auch wenn wir bereits einen Teil der Dokumente zusammen haben, müssen diese noch mit der notwendigen Apostillie versehen werden.

Das auswärtige Amt hat dazu eine ganz eigene Meinung und beschreibt das Heiraten in Russland in seiner Broschüre sehr simpel. Aber scheinbar haben auch die keine Ahnung wie das in einem von Föderalismus durchsetzten Deutschland so funktioniert.

Sofern jemand ähnliche Erfahrungen gemacht hat, wäre ich sehr dankbar über weitere Informationen und Möglichkeiten. Mag sein , dass eine Heirat vor ein paar Jahren noch einfacher gewesen ist aber wenn dann schreibt bitte auch das Jahr der Hochzeit mit in die Kommentare.



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Re: Heiraten in Berlin oder Moskau?

Beitragvon Saboteur » Freitag 12. Januar 2018, 23:01

Heirat 2012 in Russland . Ich in Berlin. Sie auch aber nur vorübergehend.

Haben uns für Russland entschieden. Antrag im. Februar. Hochzeit im Juni. Haben einen Berg an Dokumenten und Geld besorgt bzw. ausgegeben. Aber es einfach nach und nach abgearbeitet. Hilfreich war hierbei das Konsulat in Berlin in dem man einiges erledigen konnte. Ich habe dazu mal eine Grafik gemacht. Suche ich nachher mal.
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Re: Heiraten in Berlin oder Moskau?

Beitragvon sapientia » Samstag 13. Januar 2018, 00:58

Ich hab den ganzen Stress mit dem Ehefähigkeitszeugnis gerade letzten Monat durch. Gott sei Dank ging´s bei uns letztlich ohne Apostillen auf die russischen Dokumente (mein Standesamt wollt die anfangs auch haben, hat sich nach einem persönlichen Gespräch mit der Beamtin dann aber sehr kulant gezeigt). Dafür mussten wir auch ne Menge Papiere anschleppen, weil mein Zukünftiger ebenfalls geschieden ist.

Trotz allem scheint eine Heirat in Russland aber immer noch der "leichtere" Weg zu sein: Du hast zwar die Rennerei und die Kosten für die Dokumente für das EFZ, dafür aber nicht den Stress und die Kosten mit dem Gericht ... wo du nach 3 (?) Monaten Wartezeit ja auch keine Garantie hast, dass dann alles in Butter ist.

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Re: Heiraten in Berlin oder Moskau?

Beitragvon m5bere2 » Samstag 13. Januar 2018, 12:12

Im Standesamt Berlin-Charlottenburg haben wir ohne Apostillen geheiratet, die wollte da keiner haben. Amtliche Übersetzungen -- natürlich. Also ich fand Heiraten in Deutschland jetzt nicht schwierig. Das Schwierigste war, die Geburtsurkunde aus Sibirien zu holen...

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Re: Heiraten in Berlin oder Moskau?

Beitragvon Norbert » Samstag 13. Januar 2018, 13:09

Es ist immer ein wenig ein Glücksspiel, an welche Beamten man gerät. Manche russischen Beamten wollen kein Ehefähigkeitszeugnis, sondern nur eine Ledigkeitsbescheinigung. Manchen deutschen Beamten reicht für das Ehefähigkeitszeugnis die vorhergehende Scheidungsurkunde, andere wollen eine eidesstattliche Erklärung vor Gericht, etc.

Es empfiehlt sich immer, mit den zuständigen Sachbearbeitern persönlich zu sprechen und mal kurz die Problematik aus menschlicher Sicht zu erörtern.

Wir haben vor reichlich 10 Jahren in zwei Monaten alle Dokumente zusammen, inklusive Ehefähigkeitszeugnis. Die Kosten lagen bei rund 150 Euro.



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Re: Heiraten in Berlin oder Moskau?

Beitragvon jackie_rs » Samstag 13. Januar 2018, 16:17

EFZ vor gut einem Jahr in München beantragt, die waren auch kulant und wollten keine Apostillen und ich durfte es auch alleine machen (ohne Vollmacht). Hab denen aber auch einige Dokumente ausgeredet (z.B. die russische Meldebescheinigung - das steht im Inlandspass).

Und hier im Forum hat erst kürzlich einer berichtet der mit einer apostillierten Meldebescheinigung in Russland geheiratet hat, dafür brauchts aber halt Glück. Allerdings ist es vmtl. erschwinglich so ein Ding zu apostillieren und beim nächsten Besuch einfach mal damit zum ZAGS zu gehen - falls es klappt spart man sich viel, viel Aufwand.

Nur so falls dir das noch keiner gesagt hat, manche hier heiraten in Dänemark weil's da wenig Papierkrieg ist. Allerdings verschiebt man dann vermutlich seinen Papierkrieg auf später wenn's anerkannt werden soll, aber ich weiß da nix drüber.
дом там, где сердце

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Re: Heiraten in Berlin oder Moskau?

Beitragvon Berlino10 » Samstag 13. Januar 2018, 17:56

Norbert hat geschrieben:Es empfiehlt sich immer, mit den zuständigen Sachbearbeitern persönlich zu sprechen und mal kurz die Problematik aus menschlicher Sicht zu erörtern.


Unbedingt. Das kann den ganzen Weg ebnen und vereinfachen.
In Moskau sollte sich das Standesamt finden lassen, das wie bei uns in VOL auf EFZ verzichtet und sich mit einer gewöhnlichen dt. Meldebescheinigung (inkl. Familienstand) begnügt.

Nopper
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Re: Heiraten in Berlin oder Moskau?

Beitragvon Nopper » Samstag 13. Januar 2018, 18:41

Nun, dem kann man nur zustimmen, dass ein persönlicher Kontakt zum Standesbeamten im jeden Fall in Deutschland zumindest hilft. Denn es gibt nicht nur gewisse Spielräume zum Beispiel bei den deutschen Bundesländern, sondern auch bei den Bezirksregierungen wo ein Antrag letztendlich gestellt werden muss. Deshalb ist es wichtig eine gewisse Reihenfolge einzuhalten. Zunächst besorgt man sich eben alle gewünschten Dokumente, bzw. dazu die Apostillen mit der Übersetzung, die bei der jeweiligen Bezirksregierung zugelassen sein muss. Wenn die vorgegebene Reihenfolge vom Standesbeamten einhält, gibt es in Deutschland eigentlich keinerlei Probleme. Dies ist jedenfalls meine Erfahrung damit.
Zunächst habe ich nachgefragt welche Unterlagen ich zu Heirat benötige. Nach der Besorgung der Unterlagen bin ich zum Standesbeamten gegangen, der die Dokumente auf Fehler hin überprüft hat. Danach bin ich zusammen mit meiner zukünftigen Frau zum Standesbeamten gegangen und habe alle notwendigen Anträge ausgefüllt. Er hat diese Anträge danach zentral selbst bearbeitet, bzw. weitergeleitet. Nach ca. 6 Wochen hatte ich die Erlaubnis von der Bezirksregierung in einem Zeitfenster von 3 Monaten zu heiraten. Ich kann deshalb nur jedem empfehlen es auch so zu machen und sich einen guten Standesbeamten zuerst zu suchen. Denn der Teufel sitzt bei den Behörden im Detail. Nur ein falsches Komma oder Zahl in einem Dokument oder Übersetzung und man kann den Antrag komplett neu stellen und die Zeit läuft einem weg. Denn das Zeitfenster bleibt gleich, mal abgesehen von den zusätzlichen Kosten.
Aus meiner Sicht spielt deshalb der Standesbeamte vor Ort die zentrale Rolle, wenn eine Heirat problemlos klappen soll. Auch wenn dieser in meinem Fall vorher russische Dokumente auch monierte, am Ende zahlt sich sich das aber aus. Denn der deutsche Amtsschimmel lässt nicht mit sich reden oder drückt mal ein Auge zu.......


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