Zur Anerkennung russischer Diplome

Für alle die nicht in Russland leben. Hier können Susi und Klaus über die weißen Nächte in Petersburg sinnen, die russische Seele aus der Ferne transzendieren oder die nächste Russendisko in Sindelfingen planen.

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Polarwolf
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Zur Anerkennung russischer Diplome

Beitragvon Polarwolf » Mittwoch 3. August 2016, 13:00

Hallo zusammen,

hier meine Erfahrung mit meiner Ex-Frau. Sie hat in Russland ein sogenanntes "Rotes-Diplom" mit Auszeichnung erworben. Klingt im ersten Moment richtig gut, ist es aber auch nur im Zweiten.

Nachdem das "Schulamt" des Oblastes eine Apostille auf das Diplom erstellt hatte (inklusive 2 maliger 450km Fahrt hin + 450km zurück, da beim ersten Mal eigene Kopieen fehlten und sich das Amt nicht im Stande sah mit ihrem Kopierer welche zu machen + Flug) ging es nach Deutschland.

Nach etlichem googlen zwecks Anerkennung, fand man, hier im Saarland, das Ministerium für Bildung. Dort angekommen gibt es zwei Möglichkeiten:

- Anerkennung/Gleichstellung mit dem deutschen Abitur

- Anerkennung/Gleichstellung als Lehrkraft für Sekundarschulen

Bei dem russischen Diplom handelte es sich um eine mind. 5 Jahre Studium für Deutsch, Englisch, Russisch, Pädagogik.

Wir mussten die Dokumente hier entsprechend übersetzen und beglaubigen lassen samt Apostille. Kosten ca. 80€. Danach musste man ein Bewerbungsschreiben (für die Schullaufbahn) sowie einen Lebenslauf erstellen und diese mit samt allen Unterlagen abgeben. Darunter das russische ATTESTAT. Uns wurde zugesagt, dass die Anerkennung eines Drittstaaters in Bonn laufen müsse.. ca 5 Monate.

Es vergingen 10 Monate!!!! Mit dem Ergebnis, dass das russische Diplom leider nicht anerkannt werden kann, sie sollte Pädagogik "nachstudieren" sowie "Deutsch" und sich dann aufs Referendarium bewerben.

Fazit: Durch Flüchtlingswelle Bearbeitungszeit viel zu lange trotz korrekten Einreichens. Russische Akademiker könnten sich hier irgendwie diskriminiert fühlen.

Ausweg?

Anerkennung des deutschen Abiturs möglich!

An gleicher Stelle wurden samt Lebenslauf und Eheurkunde alle möglichen Dokumente kopiert und beglaubigt eingereicht. Nach nur einer Woche Bearbeitungszeit wurde das deutsche Abitur als mit 1,3 gleichwertig anerkannt.

Problem nur: Abitur wird nur anerkannt mit einem abgeschlossenen Hochschulabschluss. Ein Attestat alleine reicht -nicht-.

Somit haben Akademiker, welche Zeit haben und vielleicht auch Geld und keine Kinder, die Möglichkeit, hier in Deutschland "wieder" zu studieren.

Vielleicht hat jemand von euch ähnliche Erfahrungen gemacht.

Fazit: Wer das oben genannte nicht weiß als russischer Akademiker, kann in tiefe Depressionen fallen und viele Träume werden Schäume und Luftblasen zerplatzen.

Selbst das Anmelden als Dolmetscher scheiterte an der Drittstaatszugehörigkeit. Mit deutschem Pass würde selbst der 999. städtische russisch-deutsch Dolmetscher anerkannt.

grüße



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Re: Zur Anerkennung russischer Diplome

Beitragvon keksonline » Mittwoch 3. August 2016, 19:17

Was sagt denn die anabin Datenbank zur Äquivalenz des Abschlusses? http://anabin.kmk.org/anabin-datenbank.html

Ich habe im übrigen meinen deutschen Bachelor in Russland als Бакалавр anerkennen lassen, das hat zwar auch einige Monate gedauert, ging aber ohne Probleme.

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Re: Zur Anerkennung russischer Diplome

Beitragvon Polarwolf » Mittwoch 3. August 2016, 20:34

Hallo,

kann keinen entsprechenden Eintrag in der Datenbank finden zu Deutsch und Englisch Lehrer.

Aber, falls ich mal in Russland leben sollte, werde ich auch versuchen, meinen Bachelor anerkannt zu bekommen.

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Re: Zur Anerkennung russischer Diplome

Beitragvon Magdeburg-Moskva » Mittwoch 3. August 2016, 23:16

Polarwolf hat geschrieben:Selbst das Anmelden als Dolmetscher scheiterte an der Drittstaatszugehörigkeit. Mit deutschem Pass würde selbst der 999. städtische russisch-deutsch Dolmetscher anerkannt.
grüße

Mit Verlaub: Dolmetscher ist genauso ein Hochschul-Abschluss wie Lehrer oder Ingenieur und kein Hilfsarbeiter. Ich denke, das war auch nicht Dein Ansinnen. Und was sich in Russland so Dolmetscher nennt, von denen kann man nur wenige auf die Menschheit loslassen.

Bedauerlicherweise (oder gar glücklicherweise) hat sich durch die Flüchtlingswelle ein nie vorher dagewesener Bedarf und Mangel an qualifizierten und preisgünstigen [Flüchtlinge kosten viel, aber für die Dolm ist kein Geld da] Community-Dolmetschern gezeigt. Für Russisch war es nie ein Problem, qualifizierte und von ihrer Persönlichkeit her geeignete Leute zu finden. Für die "Flüchtlingssprachen" ist das mehr als schwierig. Da machen die Behörden, Sozialhilfeträger, Flüchtlingshilfeträger, Träger im Gesundheitswesen erhebliche Abstriche bei ihren «Sprachhelfern». Dadurch entsteht ein falscher Eindruck über das Berufsbild.

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Re: Zur Anerkennung russischer Diplome

Beitragvon Polarwolf » Mittwoch 3. August 2016, 23:56

Ist richtig. Was ich damit sagen wollte ist, wenn jemand fließend Deutsch und Tigrinya für die Eritrear kann, dann wird er vor GERICHT trotzdem als Übersetzer/Dolmetscher vereidigt, auch wenn er Drittstaatsangehöriger ist.

Bei Russisch sind in der Dolmetscherdatenbank so viele Altbestände drin, dass es bei dieser Sprache keine Ausnahme gibt. Es sind genügend da. Sollte aber jemand, der deutscher oder EU-Bürger ist, sich vor Gericht vereidigen lassen bei gleicher Qualifikation, wird er anerkannt. Ist also auch eine Frage der Staatsangehörigkeit.



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Re: Zur Anerkennung russischer Diplome

Beitragvon Norbert » Donnerstag 4. August 2016, 06:46

Es mag brutal klingen ...

Aber ich finde ein russisches Diplom ist einem deutschen wirklich nicht gleichwertig. Der Status "rot" ändert daran wenig - ich habe selbst erlebt, wie meine damalige Freundin noch fix auf diesen Status gehoben werden sollte ("Wir bräuchten noch ein paar rote Diplome, wiederhole doch bitte fix nochmal diese zwei Examen, wir helfen Dir auch!")

Russische Diplome entsprechen vom Level her in vielen Fachrichtungen einer deutschen Berufsausbildung, maximal Fachhochschule. Es gibt sicher Ausnahmen in den technisch-theoretischen Bereichen (Mathe, etc.), aber die sind selten. Auch wird keinerlei Selbstständigkeit trainiert, die Studienmethoden sind klassischer Frontalunterricht. Ich habe Vorlesungen erlebt, wo der Dozent vorn stand und aus seinem Buch vorgelesen hat - alle mussten mitschreiben. 90 Minuten lang! Ich habe Pädagogen für Deutsch erlebt, deren Deutsch maximal für Smalltalk reichte.

Gerade im pädagogischen Bereich sind zwischen europäischen und russischen Konzepten riesige Unterschiede, deswegen finde ich es richtig, dass dieser Bereich vor einer Anerkennung noch gefestigt werden soll.

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Re: Zur Anerkennung russischer Diplome

Beitragvon Polarwolf » Donnerstag 4. August 2016, 22:18

Hallo Norbert,

da hast du wohl recht. Ich habe mir sagen lassen, wie das Uni-Leben war und die Prüfungen abgelaufen sind. Sie ist zwar Englischlehrerin, kann aber kaum Englisch. Aber dafür fließend Deutsch. Im Nachhinein ist das schon verständlich, dass es da offensichtlich große Unterschiede gibt.

Immerhin konnte man beim hiesigen BAMF "lediglich" eine verkürzte Zusatzqualifizierung beantragen.

Fazit: Für ein Studium in Deutschland stehen alle Wege frei, insofern der Aufenthalt gesichert ist. Und im Endeffekt ist das ja auch gut. Nun kommt es eben auf die persönlichen Vorstellungen im Leben an.

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Re: Zur Anerkennung russischer Diplome

Beitragvon Evgenij » Montag 8. August 2016, 23:39

Bei uns hat es auch etwas lange gedauert, so ca. 3-4 Monate – hat aber dann doch zum guten Resultat geführt:
klappte also mit der „Anerkennung“ (Lag aber auch nur am Fach).

Grundsätzlich muss da viererlei unterschieden werden:

(1) Im Fall von „reglementierten“ („den deutschen Regelungen entsprechenden“) Abschlüssen (Berufe), werden diese dann quasi „1-zu-1“ wirklich auch echt anerkannt.(-> glaube - bei Ärzten u. dergleichen)
(2) Bei Vorliegen von „nicht-reglementierten“ (unser Fall), handelt es sich da um lediglich/nur eine Bewertung – vergleichende Einstufung - welcher deutschen Qualifikation der ausländische Hochschulabschluss entspricht.
(3) Dann gibt es bei dieser Datenbank Unterschiede in versch. „Niveaus“ von russischen Hochschulen: sprich können diese in der Datenbank z.B. mit wenigen Sternen auftauchen/geführt werden – solche (Unis) erreichen (nach deutscher Vorstellung) nicht einmal den Level einer hierzu entspr. deutschen (Fach-)Hochschule-Variante
--> In solchen Fällen werden in der Regel nur Hochschulzugangsberechtigungen „anerkannt“/zugesprochen
(4) Über die Anrechnung von Studienleistungen im Bereich von Lehramtsstudien entscheiden die jeweiligen Landesprüfungsämter

Des Weiteren.., gäbe es ja noch diese Möglichkeit sich direkt an (deutsche) Unis zu wenden (an die entspr. Fachausschüsse/-kommissionen, mit der „Bitte“ (falls H-Schul.-z.-berechtigung bereits vorhanden) die schon im Ausland absolvierten Studienleistungen, sich fürs neue aufzunehmende Studium (meist in der gleichen/ähnlichen Fachrichtung) (teilweise) anrechnen zu lassen. Das erfolgt, wie gesagt via Prüf.ausschuss und wird von der jeweiligen Uni im Einzelfall entschieden. Bei positivem Ergebnis müsste man dann evtl. nicht das volle Studium leisten.

Generell – ein kleiner Tipp von mir:
Bevor Ihr Eure Papiere zwecks „Anerkennung“ an die enstpr. Behörde (Zab-Stelle) versandt habt -, schaut doch mal in diese Datenbank rein – guckt, ob ihr mit der russ. Uni dort fündig werdet u. falls Ja – damit auch „zufrieden“ seid (regl. bzw. nicht-regl., Lehramt/kein Lehramt, Level der Uni „passend“ oder nicht).

Als mögliche Alternative (bei „Unzufriedenheit“), könnte ja die entsprechende Person (welche Studium in Russland absolvierte), auch mal nach einer nächstmöglichen (nahen) in der Datenbank „anabin“ auffindbaren Fachrichtung/Studiengang (samt Uni) suchen, und evtl. sich auf diese dann (in Russland) umschulen/ umqualifizieren zu lassen. Denn so könnte es vielleicht einfacher für die Person sein, selbst wenn diese dann auch ganz anderen Studiengang nehmen müsste/würde – da ja nach dem russ. Reglement – bei denjenigen, die bereits (einen) Hochschulabschluss besitzen – es die Möglichkeit besteht - das Zweitstudium nach bereits verkürzter Zeit (m.W. – nach 3 Jahren) fertig zu bekommen.

Als Resümee: Sollte aber bei Ihnen bereits „alles“ (mit der Bewertung) auf Anhieb geklappt haben (u. bspw. Master-level „anerkannt“) – so aber auch nach dem Umzug nach Deutschland sich nicht genieren, zB ein Master-Studium in derselben Fachrichtung/Stud.Fach (nochmals) als Wiederholung aufzunehmen.

Als Anhang: bereits bewertetes Zeugnis (als Beispiel).

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Re: Zur Anerkennung russischer Diplome

Beitragvon trabajador » Dienstag 9. August 2016, 14:37

Meine Frau hat auch solche Papiere von der Kultusministerkonferenz. 2 Masterabschlüsse werden ihr attestiert, in Lebensmitteltechnologie (Ingenieur) und Ökonomie/Marketing (Ökonom). Hat viel Geld gekostet, ich glaube 200 Euro und hat bisher nichts gebracht, weil meine Frau zu Hause ist und das Kind betreut. Auch bei früheren Bewerbungen hat es kaum etwas gebracht. Sie hat sich allerdings auch nicht sehr lange beworben.

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Re: Zur Anerkennung russischer Diplome

Beitragvon Anelya » Dienstag 9. August 2016, 23:08

trabajador hat geschrieben:Meine Frau hat auch solche Papiere von der Kultusministerkonferenz. 2 Masterabschlüsse werden ihr attestiert, in Lebensmitteltechnologie (Ingenieur) und Ökonomie/Marketing (Ökonom). Hat viel Geld gekostet, ich glaube 200 Euro und hat bisher nichts gebracht, weil meine Frau zu Hause ist und das Kind betreut. Auch bei früheren Bewerbungen hat es kaum etwas gebracht. Sie hat sich allerdings auch nicht sehr lange beworben.


Mein Mann hat seinen in Russland erworbenen Hochschulabschluss nie anerkennen lassen - er hat auf Grund der Bewertung "+" der russischen Uniin Anabin aber ohne Probleme die Blaue Karte bekommen und ist nun bei seinem zweiten deutschen Arbeitgeber als qualifizierte Fachkraft beschäftigt. Ich denke, es hängt sehr stark davon ab, in welchem Bereich man sucht. Mein Mann selbst ist Maschinenbauer in der Privatwirtschaft und hatte keinerlei Probleme mit irgendwelchen Anerkennungen, lediglich eine Übersetzung hat er für Bewerbungen anfertigen lassen. Freunde und Bekannte arbeiten ebenfalls ohne Anerkennung in der Privatwirtschaft, allesamt mit Blauer Karte in den Bereichen IT/Programmierung/Maschinenbau.




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