Journalismus bei Russland- Aktuell, die Zweite

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zimdriver
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Journalismus bei Russland- Aktuell, die Zweite

Beitragvon zimdriver » Mittwoch 22. Dezember 2010, 17:09

Heute hat "gim" sauber recherchiert und ein klares Feindbild aufgebaut: Tschetschenen, vor allem moslemische.
Putin will Immunität gegen Fremdenfeindlichkeit stärken
In ganz Russland häufen sich Fälle, bei denen sich rücksichtslos und oft auch mit brutaler Gewalt vor allem Tschetschenen durchsetzen ...
A) ein russischer Fernsehjournalist war von einem jungen Tschetschenen im Streit im Moskauer Stadtzentrum erstochen worden.
B) ein tschetschenischer Student der Diplomatenschule MGIMO kurvte mit seinem Jeep durch den Alexandergarten an der Kremlmauer zum Ewigen Feuer am Grab des Unbekannten Soldaten
C) in einem Ferienlager bei Sotschi entwickelte sich eine Massenschlägerei mit 600 Beteiligten, weil tschetschenische Jugendliche ein junges Mädchen angemacht und dann die Lagerleitung verprügelt hatten.
auf dem Moskauer Autobahnring verprügelte ein tschetschenischer Leibwächter einen Autofahrer, weil der nicht schnell genug Platz gemacht hatte.
D) ein russischer Wachmann des Einkaufszentrum Europa (Jewropejski) am Kiewer Bahnhof liegt schwer verletzt im Krankenhaus, weil er einen Vertreter der tschetschenischen Staatsanwaltschaft zur Ordnung gerufen hatte; Tage später wurde er brutal zusammengeschlagen.
E) in Rostow am Don fordern Studenten, zwei inguschetische Kommilitonen zu exmatrikulieren, weil sie einen Mitstudenten erstochen hatten.


A) Weshalb wurde der russische Journalist von dem Tschetschenen erstochen?
B) Kurven nur tschetschenische Studenten des MGIMO mit ihren Edelfahrzeugen da, wo es ihnen gefällt? Oder folgen sie nur der allgemein gültigen Norm für Hochgeborene und Bessergestellte?
C) Nun gut, 600 Beteiligte sind ein bisschen viel, aber eine deutsche Russendisko ist auch keine Waldorfschule, wo man sich der Schönsten ungeprüft nähern darf.
D) Wessen tschetschenischer Leibwächter hat geprügelt? Hat er vielleicht sogar einen Auftrag erhalten, von seinem russischen Passagier?
D) Spielt es eine Rolle, ob der Eine Russe und der Andere tschetschenischer Staatsanwalt war? Könnte doch ebenso andersrum gelaufen sein. Nur wäre es dann nicht erwähnenswert.
E) Hier werden Inguscheten mal ganz schnell zu Tschetschenen gemacht. Sind ja alle irgendwie dasselbe, aus´m Kaukasus, Moslems dazu. Wird die Exmatrikulation nicht automatisch mit der Aufnahme der Gerichtsverhandlung und der Urteilsverkündung erfolgen?

Und das Zitat von dem Osmanow? Woher kommt das? Aus der kostenlosen metronews? Das kostenlose Blatt, das überall rumliegt? Saubere Quelle, vertrauenswürdig.

Ich bin recht erstaunt ob dieser Recherche zu einem sehr ernsten Thema. Sollte nicht gerade ein deutschsprachiges Russland- Portal gewissenhafter informieren?



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Re: Journalismus bei Russland- Aktuell, die Zweite

Beitragvon Admix » Mittwoch 22. Dezember 2010, 18:29

Hallo zimdriver,

ich empfehle Dir, Deine Kritik als Leserkommentar unterhalb des Beitrags auf Russland-Aktuell zu schreiben. Dort kommt sie mit viel höherer Wahrscheinlichkeit beim Autor an.

Und jetzt übergebe ich an bauplan ;)

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Re: Journalismus bei Russland- Aktuell, die Zweite

Beitragvon bauplan » Mittwoch 22. Dezember 2010, 18:36

Admix hat geschrieben:Hallo zimdriver,

ich empfehle Dir, Deine Kritik als Leserkommentar unterhalb des Beitrags auf Russland-Aktuell zu schreiben. Dort kommt sie mit viel höherer Wahrscheinlichkeit beim Autor an.

Und jetzt übergebe ich an bauplan ;)


Na vielen Dank, dann will ich die Aufforderung doch ergreifen.

Ein Leserkommentar, der den Autor erreicht?!?!?!?!

Du weisst doch selber wie beratungsresistent Gisbert ist.

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Re: Journalismus bei Russland- Aktuell, die Zweite

Beitragvon Axel Henrich » Donnerstag 23. Dezember 2010, 05:38

zimdriver hat geschrieben:Ich bin recht erstaunt ob dieser Recherche zu einem sehr ernsten Thema. Sollte nicht gerade ein deutschsprachiges Russland- Portal gewissenhafter informieren?

Irgendwie verstehe ich deine Kritik nicht ... Hast du auch Antworten auf deine Fragen?
Stimmt irgendwas bei den Angaben nicht, oder worum geht es?

zimdriver hat geschrieben:B) ein tschetschenischer Student der Diplomatenschule MGIMO kurvte mit seinem Jeep durch den Alexandergarten an der Kremlmauer zum Ewigen Feuer
B) Kurven nur tschetschenische Studenten des MGIMO mit ihren Edelfahrzeugen da, wo es ihnen gefällt? Oder folgen sie nur der allgemein gültigen Norm für Hochgeborene und Bessergestellte?

Meinst du den ...
... который по некоторым данным является сыном предпринимателя из Чечни?

http://top.rbc.ru/incidents/15/10/2010/482219.shtml

Wurde ein Autofahrer nicht verpruegelt, weil er nicht schnell genug Platz gemacht hat?

Oder meinst du, man sollte die Herkunft weglassen? So wie es in D bis vor gut 2 Jahren ueblich war, bis dann irgendwann mal - AFAIR bei Ueberschreitung der 70 % Auslaenderanteil an schwereren Straftaten - den Leuten der Kragen geplatzt ist bei dieser drumherumrederei ...

-ah-

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Re: Journalismus bei Russland- Aktuell, die Zweite

Beitragvon bauplan » Donnerstag 23. Dezember 2010, 08:57

Axel Henrich hat geschrieben:
Oder meinst du, man sollte die Herkunft weglassen? So wie es in D bis vor gut 2 Jahren ueblich war, bis dann irgendwann mal - AFAIR bei Ueberschreitung der 70 % Auslaenderanteil an schwereren Straftaten - den Leuten der Kragen geplatzt ist bei dieser drumherumrederei ...

-ah-


Also ich bin der Meinung, wenn man das nicht in einen Kontext zu den Straftaten von "reinrassigen Russen" ( was ist das überhaupt? ) stellt, dann ist diese Aufzählung pure Hetzerei.


Zu den 70% schweren Straftaten habe ich irgendwie andere Infos.

Es geht immer darum, ob man Aussagen von Politikern nimmt, die sich ihre Statistiken zurechtbiegen, oder ob man echte Forschungsergebnisse heranzieht.

Quelle: u. a. kriminologisches Forschungsinstitut Niedersachsen hat geschrieben:Das Gefühl vieler Deutschen, sie lebten heute gefährlicher als früher ist objektiv unbegründet. Auch die Behauptung, Ausländer tendieren mehr zu Gewalttaten als Deutsche halte einer Analyse nicht stand, meint der Leiter des Kriminologischen Instituts Niedersachsen, Christian Pfeiffer in einem Interview mit dem Handelsblatt.
………………………..

Um das Bild noch weiter zu korrigieren: bei den in den Polizeistatistiken Genannten handelt es sich um Tatverdächtige; während deutsche Tatverdächtige letztlich zu etwa 30 Prozent verurteilt werden, liegt der Anteil bei Nichtdeutschen bei nur 25 Prozent - mit dunkler Hautfarbe und ausländischem Aussehen ist man halt schneller "verdächtig".
……………………………….

Außerdem muss bei der Statistik berücksichtigt werden, dass bei der Nennung ausländischer Tatverdächtiger auch solche aus den Gruppen ausländische Touristen, Angehörige der bei uns stationierten NATO-Streitkräfte und Menschen ohne legale Aufenthaltserlaubnis mitgezählt werden. Diese Gruppen tauchen aber in der Bevölkerungsstatistik nicht als ausländische Mitbürger auf.
………………………….

Einzig in einem Delikt stehen Ausländer an der Spitze: Fast 100% der Tatverdächtigen sind Ausländer bei Verstößen gegen das Ausländer- oder Asylgesetz. Das liegt aber immerhin daran, dass Deutsche gegen diese Gesetze nicht verstoßen können, da sie ja keine Ausländer sind. Und teilweise reicht für ein "Vergehen" schon die Tatsache, dass eine Aufenthaltserlaubnis ein paar Tage zu spät neu beantragt wurde oder ein Pass abgelaufen ist.

………………………….

Aktualisierung Mai 2006:
Aus der im Mai 2006 vorgelegten Kriminalitätsstatistik des Bundesinnenministers Schäuble:
Der erfreuliche Trend eines überproportionalen Rückgang der nichtdeutschen Tatverdächtigen setzt sich fort. Nachdem deren Zahl in den Jahren 2003 uns 2004 bereits um 2,3 % bzw. 1,2 % gesunken war, ist 2005 nochmals ein spürbares Minus von 5 % zu verzeichnen (deutsche Tatverdächtige: -2,4 %).




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Re: Journalismus bei Russland- Aktuell, die Zweite

Beitragvon bauplan » Donnerstag 23. Dezember 2010, 09:10

zimdriver hat geschrieben:
Ich bin recht erstaunt ob dieser Recherche zu einem sehr ernsten Thema. Sollte nicht gerade ein deutschsprachiges Russland- Portal gewissenhafter informieren?



Zitat Lothar Deeg, Redakteur von aktuell.ru

Als Quellen nutzt man Internet-Zeitungen wie Newsu.com und gazeta.ru, Fernsehstationen und die Presse. Der Service von Nachrichtenagenturen, wie ihn sich xxxxxxxx.XX leistet, wäre zu teuer.

http://www.nzz.ch/nachrichten/kultur/me ... 89094.html

Nachrichtenagenturen sind zwar auch nicht das gelbe vom Ei, darum sollte man auch immer mehrere zum Abgleich haben, aber besser als schon eine Meldung die durch etliche Hände gegangen ist, denn die Zeitungen bekommen ja ihre Meldungen auch von Agenturen und schreiben die um und der Redakteur vom Dienst ändert etc. etc.
Wenn man dann noch die schon fertigen Zeitungsmeldungen als Quelle nimmt, dann wird das so etwas wie "Stille Post" wo man sich wundert was am Ende rauskommt.

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Re: Journalismus bei Russland- Aktuell, die Zweite

Beitragvon Admix » Donnerstag 23. Dezember 2010, 09:24

Dann doch lieber gleich RT (Russia Today) Videos mit Deutschem Ton und eigenem Logo (Russland TV :twisted: ) überpinseln und dummdreist Anwesenheit vor Ort vortäuschen :lol:

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Re: Journalismus bei Russland- Aktuell, die Zweite

Beitragvon bauplan » Donnerstag 23. Dezember 2010, 09:43

Admix hat geschrieben:Dann doch lieber gleich Russia Today Videos mit Deutschem Ton und eigenem Logo überpinseln und dummdreist Anwesenheit vor Ort vortäuschen :lol:



Da wir mit Russia Today Material austauschen, die also Material von uns bekommen (wie wir auch andere Videoagenturen beliefern) und wir von denen, ist das auch gerechtfertigt. Wir verdienen nämlich zufälligerweise Geld mit Fremdarbeiten, wie aktuell.ru auch.


Was das aber jetzt mit den Nachrichtenagenturen zu tun hat, kann ich nicht verstehen.

Du reagierst schon wieder so, als wenn ich dich angegangen wäre.
Zuletzt geändert von bauplan am Donnerstag 23. Dezember 2010, 09:51, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Journalismus bei Russland- Aktuell, die Zweite

Beitragvon Admix » Donnerstag 23. Dezember 2010, 09:48

Ich wollte Deiner Selbstbeweihräucherung einfach mal einen Spiegel vorhalten. Und? Wie sieht es jetzt mit Deiner Beratungsresistenz aus? ;)
Ab und zu mal an die eigene Nase fassen kann nicht schaden ...

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Re: Journalismus bei Russland- Aktuell, die Zweite

Beitragvon zimdriver » Donnerstag 23. Dezember 2010, 09:53

Ich habe keineswegs etwas gegen die Nennung von Herkunft eines Täters.
Aber:
Wodurch zeichnen sich die benannten Straftaten oder Verfehlungen aus? Worin weichen sie von der Norm des Üblichen in Moskau und Russland an der Wende zum Jahr 2011 ab?

A) Journalisten leben in Russland allgemein äusserst gefährlich, so sie sich in bestimmten Bereichen engagieren. Es gab äusserst brutale Übergriffe. Was macht den einen Fall, bei dem ein Täter aus Tschetschenen schuldig wurde, zu etwas Besonderem?
B) In Moskau fahren die Besseren durch Parks, auf Fusswegen, räumen auf der Gegenfahrbahn andere Fahrzeuge weg, kennen weder Verkehrsregeln noch Anstand. Was ist das Besondere an dem Jungen, der dasselbe tat? Dass er gerade aus Tschetschenien stammt? Oder dass sein Papa ihm das Studium am MGIMO samt Auto finanziert?
C) Massenschlägerei- was ist daran nun besonders typisch für Tschetschenen?
D) Leibwächter verprügelt Autofahrer- ebenso?
E) Beleidigter Prokurator? Man lege sich mal mit einem x-beliebigen höheren Mitarbeiter irgendeiner machtausübenden Einrichtung in Moskau an. Was ist das Besondere am tschetschenischen Staatsanwalt? Zumal der Zusammenhang zwischen Ursache und möglicher Wirkung in diesem genannten Fall nicht hergestellt wird. Ich kann keine Kausalkette erkennen, weshalb der Wachmann Tage später zusammengeschlagen werden sollte.
F) Inguscheten = Tschetschenen = Kaukasier = Russen = alles östlich der deutschen Grenze = alles ausserhalb meines Stadtbezirkes?

Mir gefällt diese Art von Journalismus nicht. Wenn ich etwas Typisches einer Ethnie herausstellen will, muss ich es recherchieren. Dann halte ich die Veröffentlichung für sehr notwendig, berechtigt und mitteilenswürdig.
Wenn ich jedoch die allgemein verkommenen Normen einer Gesellschaft nur mit einer zufällig ausgewählten Volksgruppe verbinde, dann habe ich etwas Anderes im Sinn. Eine deutsche Russland- Seite sollte sich nicht zum Sprachrohr machen, vor allem nicht in dieser Zeit. Und die Verwendung eines metronews- Zitats ist nicht unbedingt professionell. Das ist wie Beuteltee nach dem dritten Aufguss.

Deshalb kritisierte ich diesen Artikel.

PS: Weder habe ich mit Tschetschenen zu tun, noch war ich in Grosny, noch habe ich das Bedürfnis danach.




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