Sorgerecht aus Deutschland erreichen?

Geheiratet - und wie weiter? Wie kommt der Ehepartner nach Deutschland? Oder vielleicht besser in die Gegenrichtung, Übersiedlung nach Russland? Dürfen die Kinder mitkommen?

Moderator: Dietrich

DirkHB
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Sorgerecht aus Deutschland erreichen?

Beitrag von DirkHB » Freitag 12. Oktober 2012, 20:39

Hallo liebe Forenfreunde,
Meine Verlobte und ich wollen in nächster Zukunft in den Bund der Ehe eintreten.
Meine Verlobte beabsichtigt daher von Russland nach Deutschland überzusiedeln, das stellt eigentlich kein Problem dar.
Jetzt kommt es:
Der Sohn sollte eigentlich mit nach Deutschland, der Vater verweigert aber jegliche Zustimmung und man kann nicht mit ihm reden. Der Junge ist 11 Jahre alt und hat schon immer bei der Mutter gelebt, sie ist also sein Lebensmittelpunkt. Wie ich erfahren habe, kann man dem Vater nicht so einfach seinen Teil des Sorgerechts entziehen (russsische Gesetze). Er bezahlt gelegentlich Unterhalt nach Aufforderung, will aber mit dem Sohn sonst nicht viel zu tun haben, da er auch beruflich kaum Zeit für den Jungen hat.
Besuche des Jungen beschränken sich auf max. 24 Stunden alle 2-3 Wochen.
Die Versuche über die Tochter und den Bruder des Vaters sind absolut fehl geschlagen. Mit ihnen redet er jetzt auch nicht mehr, wie schon mit meiner Verlobten.
Die deutsche Botschaft in Moskau akzeptiert nicht, dass der Sohn ohne Zustimmung des Vaters nach Deutschland kommt, obwohl genaue Erklärungen der Botschaft voriegen. Sie hätte nach Aufenthaltsgesetz § 32 Absatz 4 zustimmen können. Außerdem gibt es Gerichtsurteile Oberverwaltungsgericht Berlin, Urteile vom 25.04.2007 OVG 12 B 2.05, 19.06 und 16.07. . Trotzdem stimmen sie nicht zu.

Jetzt meine Frage:
Besteht die Möglichkeit ein Verfahren von Deutschland aus anzustreben und bestehen Aussichten auf Erfolg, das Sorgerecht zu bekommen?
Mit welchen Kosten müssen wir in dem Fall rechnen?
Wie lange könnte ein solches Verfahren dauern?
Wir wollen es aus Deutschland versuchen, da der Vater viel Geld und Einfluss in Tscheboksary besitzt. Wir befürchten, dass er dort die Gerichte bestechen könnte.

Ich hoffe, ihr könnt uns helfen, da ich nicht so recht weiß, was ich jetzt alles in Gang bringen muß.
Ich habe natürlich auch etwas Angst meine Verlobte durch solche "Steine" zu verlieren, da sie ständig an ihren Sohn denken muß.
Ich möchte schließlich keine unglückliche Frau bei mir.

Gruß DirkHB



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bella_b33
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Re: Sorgerecht aus Deutschland erreichen?

Beitrag von bella_b33 » Freitag 12. Oktober 2012, 22:11

24h alle 2-3 Wochen sind doch nicht wenig, wenn man getrennt lebt. Wenn der Vater das nicht will, dann kann man ihn nicht zwingen. Genau dafür wird er ja in diese Frage mit einbezogen.

Ich meine aber, man kann bei triftigen Gründen einen Entzug dieses Mitbestimmungsrechts erreichen, hab da aber keine genauere Ahnung davon.
Erst wenn der Subwoofer die Katze inhaliert, fickt der Bass richtig übel!
-Wolfgang Amadeus Mozart, Österreichischer MC (1756-1791)

DirkHB
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Re: Sorgerecht aus Deutschland erreichen?

Beitrag von DirkHB » Samstag 13. Oktober 2012, 02:05

Hallo,
Danke für die Antwort. Sie macht mir sehr viel Mut.

Gruß DirkHB

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Axel Henrich
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Re: Sorgerecht aus Deutschland erreichen?

Beitrag von Axel Henrich » Samstag 13. Oktober 2012, 03:02

DirkHB hat geschrieben:Jetzt meine Frage:
Besteht die Möglichkeit ein Verfahren von Deutschland aus anzustreben und bestehen Aussichten auf Erfolg, das Sorgerecht zu bekommen? [...]
Wir wollen es aus Deutschland versuchen, da der Vater viel Geld und Einfluss in Tscheboksary besitzt. Wir befürchten, dass er dort die Gerichte bestechen könnte.
Habe ich das recht verstanden, ihr wollt ein deutsches Gericht anrufen einen Sorgerechtsfall zu behandeln, der russ. Staatsbuerger in Russland betrifft?

Wenn der Vater sich, insbesondere das Sorgerecht betreffend, nix zu Schulden hat kommen lassen, wird es schwer bis unmoeglich. Der Vater hat auch ohne Bestechung Rechte in Russland ..., logisch!

Am besten ihr schoepft jede Moeglichkeit aus Euch guetlich zu einigen, allles Andere ist zwar nicht unmoeglich, aber unrealistisch. Viel Glueck, ich weiss wie wichtig das ist.

Zum Sorgerecht finden sich hier im Forum schon einige Postings, einfach mal oben rechts die Suchfunktion benutzen.

-ah-

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zimdriver
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Re: Sorgerecht aus Deutschland erreichen?

Beitrag von zimdriver » Samstag 13. Oktober 2012, 05:09

DirkHB hat geschrieben:.........Wir wollen es aus Deutschland versuchen, da der Vater viel Geld und Einfluss in Tscheboksary besitzt. Wir befürchten, dass er dort die Gerichte bestechen könnte.
......
Aus eigener Erfahrung weiss ich, dass es nur wenige Möglichkeiten gibt, dieses Problem gegen den Willen des Vaters zu lösen. Der Vater muss noch nicht mal bestechen. Er muss einfach nichts tun. Und von deutschland aus geht gar nichts, meine ich als juristischer Laie. Entweder die Ausländerbehörde anerkennt den Fall als Härte- oder nicht.
Es sind ja nur noch 7 Jahre bis zur Volljährigkeit ...
... und in Russland kann man auch leben ...



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Re: Sorgerecht aus Deutschland erreichen?

Beitrag von Sibirier » Samstag 13. Oktober 2012, 09:22

Fuer das russ. Gericht wird es eher zum Nachteil der Mutter sein, wenn die Mutter in DE ist und das Kind in Russland.

Ihr solltet vor der Klage aber schon verheiratet sein, damit Ihr wegen Familienzusammenfuehrung usw. was vorweisen koennt. Wie waere es, wenn Deine Verlobte schon innerhalb Russland umzieht, damit schon aus Entfernung kein Kontakt mehr Zustande kommt. Ausserdem kann sie m. E. dann auch die Klage am neuen Wohnort machen.
Ha, Waschmaschine verarscht. Socken einzeln gewaschen....

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Re: Sorgerecht aus Deutschland erreichen?

Beitrag von Anelya » Sonntag 14. Oktober 2012, 00:39

Bei allem Verständnis für die Situation der Threaderstellers kann ich jedoch auch den russischen Vater des Jungen verstehen - alle 2-3 Wochen ein ganztägiges Treffen lässt nicht darauf schließen, dass ihm sein Kind ganz egal ist. Und wenn er erstmal die Zustimmung zu einem Umzug nach Deutschland gegeben hat, wird er sein Kind wohl - wenn überhaupt - einmal im Jahr sehen.

Vor diesen Voraussetzungen ist wohl auch ein Gerichtsverfahren kritisch einzuschätzen, ganz egal ob in Cheboksary oder in anderen Teilen des Landes. Das russische Gesetzt hat sehr hohe Hürden für die Aberkennung des Sorgerechtes eingerichtet, und regelmäßiger Umgang und die Zahlung von Unterhalt "nach Aufforderung" sind nach russischen Maßstäben oft schon mehr, als man von einem geschiedenen Mann überhaupt erwarten kann, und nicht etwa Argumentationshilfen für die Aberkennung des Sorgerechtes. Ich schließe mich da meinen Vorschreibern an und würde alles versuchen, eine gütliche Einigung mit dem Vater des Jungen zu erreichen.

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Re: Sorgerecht aus Deutschland erreichen?

Beitrag von DirkHB » Sonntag 14. Oktober 2012, 14:53

Wenn ich also alles an Antworten zusammen fasse, sind wir wohl zwingend auf die Zustimmung des Vaters angewiesen. Ich hoffe, meine Verlobte wird jetzt nicht zusammenbrechen.
Der Vater "arbeitet" nur gegen sie und nicht gegen den Sohn. Das ist mittlerweile bekannt, "er will sie in Russland verrotten sehen". so hat er es wörtlich zu ihr gesagt.
Jetzt dürfen wir überlegen, was wir im nächsten Schritt machen.
Ich danke für die guten Antworten.

Gruß DirkHB

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Re: Sorgerecht aus Deutschland erreichen?

Beitrag von Axel Henrich » Sonntag 14. Oktober 2012, 23:09

DirkHB hat geschrieben:Der Vater "arbeitet" nur gegen sie und nicht gegen den Sohn.
Wenn es so einfach waere, waeret ihr sicher selber schon darauf gekommen, aber vlt. kann man genau hier argumentativ ansetzen. Denn im Endeffekt arbeitet er auch gegen seinen Sohn, wenn er der Mutter "schaden" will ...

Vlt. hilft euch ja die Zeit, wenn ihr also schon ein paar Mal hin- und her gereist seid und ein Jahr vergangen ist und der Vater sieht, dass es Euch und auch seinem Sohn gut tut, gut geht ...

Viel Glueck!

-ah-

pippie

Re: Sorgerecht aus Deutschland erreichen?

Beitrag von pippie » Montag 15. Oktober 2012, 10:32

Anelya hat geschrieben:Bei allem Verständnis für die Situation der Threaderstellers kann ich jedoch auch den russischen Vater des Jungen verstehen - alle 2-3 Wochen ein ganztägiges Treffen lässt nicht darauf schließen, dass ihm sein Kind ganz egal ist. Und wenn er erstmal die Zustimmung zu einem Umzug nach Deutschland gegeben hat, wird er sein Kind wohl - wenn überhaupt - einmal im Jahr sehen.
Ich sehe das genauso. Es ist schade, dass das Verhältnis der Eltern so eskaliert ist, dass jeder dem Anderen scheinbar die Pest an den Hals wünscht.
Ich würde deiner Freundin raten, sich mal in die Lage des Vaters zu versetzen. Was wäre, wenn sie ihr Kind aus beruflichen Gründen sowieso nur selten sehen kann und jetzt soll sie zustimmen, dass sie es bald so gut wie gar nicht mehr sieht? Und was das "gut gehen" für das Kind betrifft - nicht jeder ist der Meinung, dass Westeuropa die bessere Wahl ist.
Der Junge hat außerdem seinen Freundeskreis in Russland, seine Großeltern und er steht kurz vor der Pubertät. Das sind alles Dinge, die ich als Mutter in meine Überlegungen mit einbeziehen würde. Wahrscheinlich würde ich die 7 Jahre bis zu seiner Volljährigkeit warten, damit auch er selbst entscheiden kann, was er möchte.
PS: DirkHB, wie sieht es bei dir arbeitsmäßig aus, könntest du dir vorstellen zeitweise in Russland zu leben/arbeiten?



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