Kleiner Erfahrungsbericht

Geheiratet - und wie weiter? Wie kommt der Ehepartner nach Deutschland? Oder vielleicht besser in die Gegenrichtung, Übersiedlung nach Russland? Dürfen die Kinder mitkommen?

Moderator: Dietrich

Anelya
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Re: Kleiner Erfahrungsbericht

Beitrag von Anelya » Sonntag 4. August 2013, 21:13

Frank1010 hat geschrieben:Danke für die netten Hinweise. Aber ein Umzug nach Frankreich brächte wahrscheinlich wieder eigene Probleme mit sich. Abgesehen davon dass ich selbstständig bin und meine eigene Fa. sowie Haus usw. hier habe. Das müsste ich alles aufgeben und in F neu anfangen. Das ist mit 50+ nicht mehr so einfach. Und ob das mit dem Kindesnachzug in F einfacher ist ... Abgesehen davon das ein EU Bürger in einem anderen EU-Land eine Ausländerin heiraten möchte sicher wieder eine eigene Konstellation mit eigenen rechtlichen Implikationen ist.

Klar ist uns schon, das einige Jahre vergehen, bis sie in der Lage wäre hier in D einen vergleichbaren Job zu finden und dies zeitlich vom Erlernen der Sprache abhängt. Das ist neben der Frage des Kindesnachzugs ein weiterer Knackpunkt.

Probleme über Probleme ... Oder bessere gesagt Dinge die nach einer Lösung rufen.

Gruss
De Fakto kann ein Nachzug in ein EU-Land einfacher sein als der Nachzug nach Deutschland, wenn beispielsweise in diesem Land der Kindesnachzug nicht nur eine Kann-, sondern eine Mussbestimmung ist. Denn du als EU-Bürger hast dieselben Rechte wie alle anderen Einwohner dieses Landes. Das bedeutet beispielsweise dass ein binationales Deutsch-Russisches Paar in Deutschland die russischen Eltern kaum nachholen kann (deutsche Gesetze verbieten das), dass aber dasselbe binationale Deutsch-Russische Paar, wenn es seinen Wohnsitz nach England verlegt, die Eltern nachholen kann (die Gesetze dort erlauben es eben und gelten auch für Deutsche).

Aber da du das für dich selbst ja schon ausgeschlossen hast, bleibt nur die Hoffnung, dass ihr den Familiennachzug irgendwie samt Kind hinbekommt. Ich fürchte ,das wird ein Nervenspiel, aber ihr könntet Glück haben. Alternativ könnte man 6-7 Jahre warten, bis die Tochter die Schule abgeschlossen hat und eigene Wege geht und dann noch einmal neu nachdenken. Allerdings darf man sich natürlich auch keine Illusionen machen, wie die Lage auf dem deutschen Arbeitsmarkt für 50-jährige Russinnen mit ausbaufähigen Deutschkenntnissen aussieht. Bei binationalen Beziehungen muss oft ein zurückstecken und neu anfangen - das ist natürlich umso schwerer, je älter man ist und je mehr man sich in "seinem" Land schon aufgebaut hat.



Frank1010
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Re: Kleiner Erfahrungsbericht

Beitrag von Frank1010 » Sonntag 4. August 2013, 22:55

Hallo Anyela,

dank Dir für Deine Antwort die mir nun aber nicht wirklich Mut macht. Ausschliessen werde ich niemals irgendetwas. Man soll ja im Leben immer offen für neues sein ... Es geht nicht um den Nachzug von Eltern. Das wäre eher eine einfache Nummer (da der Vater gestorben ist und die Mutter nicht mehr irgendwo hin verpflanzt werden möchte). Bei dem Nachzug von Kindern geht es um Elternrechte die nach einer Richtlinie der EU dem entsprechenden Elternteil einseitig vorliegen müssen. Nach russischem Recht allerdings keinesfalls einem Elternteil entzogen werden können (ausser bei gravierenden Vorfällen). Der Staat der das nicht respektieren würde, würde sich de facto einer Beteiligung an Kindenentziehung/Entführung strafbar machen. Das kann ich de jure durchaus nachvollziehen. Denn ich als Vater (einer erwachsenen Toichter) hätte da durchaus auch meine Einwände wenn meine Exfrau mit der gemeinsamen Tochter (an der ich Interesse habe) nolens volens in ein anderes Land ziehen würde und ich per Beschluss in diesem Land aller meiner Rechte beraubt würde. Das geht nicht. Anders würde sich das verhalten, wenn ich notariell beglaubigt diesemm zustimmen würde und trotzdem noch Besuchsrecht hätte. Dann wäre das eine gemeinsame Sache.

Also extrem schwieriges Thema. Schlussendlich kann das aber ein echter Beziehungskiller sein! Denn welche Frau/Mutter wird schon ihr Heimatland ohne die bei ihr lebende Tochter verlassen? Ich kenne keine ...

Gruss

Anelya
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Re: Kleiner Erfahrungsbericht

Beitrag von Anelya » Sonntag 4. August 2013, 23:26

Ich wollte dir nicht den Mut nehmen - ihr könnt das mit dem Kindesnachzug ja einfach probieren und vielleicht habt ihr Glück und es klappt, dann habt ihr schon einmal eine Sorge weniger. Ich glaube nämlich auch, dass kaum eine Mutter ihr Heimatland ohne ihre (minderjährige) Tochter verlässt. Falls ihr scheitert, kann man immer noch über andere Formen des Zusammenlebens nachdenken. Das Problem mit der EU-Richtline ist deren Auslegung: Deutschland legt das sehr streng aus und man muss einen Härtefall mit vielen Argumenten untermauern (in eurem Fall vielleicht bsp. dass es keine anderen Verwandten außer der 5.000km entfernt lebenden Oma gibt, die das Kind seit fünf Jahren nicht gesehen hat nur mal als Beispiel für eine Begründung), in anderen EU-Ländern würde evt. ausreichen, dass man anführt, dass die Tochter eben schon seit 10 Jahren bei der Mutter lebt und der Vater keinen Unterhalt zahlt, um einen Härtefall zu begründen.

Gibt es für dich keine Möglichkeit, dein Geschäft von Moskau aus zu führen? Vielleicht könntest du ja zeitweise deinen Wohnsitz nach Russland verlegen, zumindest bis die Tochter selbst ein Studium/Arbeitsleben beginnt und ihr damit unabhängiger seid. Mit zehn Jahren ist sie ja auch nicht mehr so klein, was sagt sie denn zu einem Umzug nach Deutschland mit all den Implikationen?

Bei deinem Fall müsst ihr ja nicht nur die rechtliche Seite des Kindernachzuges bedenken, sondern auch die Tatsache, dass deine Freundin eine erfolgreiche in Moskau etablierte (und bestimmt nicht schlecht verdienende) Frau ist - da wäre der Nachzug einer mittellosen zwanzigjährigen Verkäuferin aus Lesosibirsk rechtlich und sozial gesehen einfacher zu bewerkstelligen. ;) Im Prinzip habt ihr aber doch nichts zu verlieren - probiert es mit dem Kindernachzug aus und macht euch dann an Plan B, falls es nicht klappen sollte... Ich wünsche Dir jedenfalls, dass das Thema "Tochter" alleine kein Beziehungskiller wird.

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Re: Kleiner Erfahrungsbericht

Beitrag von Frank1010 » Sonntag 4. August 2013, 23:47

Also ich bin Mann's genug um mich in Frauen (bzw. Mütter) hineinversetzen zu können. Frei nach dem Roman "nicht ohne meine Tochter". Ohne die Tochter geht da gar nichts. Und alle Krücken werden wir natürlich in dem Zusammenhang bedenken. Wohnsitz nach MOW verlegen ist aber sicher keine Option, da das für die deutschen Behörden sicher kein Argument ist. Und abzuwarten bis die junge Dame ein Studium beginnt (was ja frühestens in 8-10 Jahren der Fall sein könnte) ist auch nicht sehr hilfreich, da das Ausländerrecht dann noch schlimmere Pfeile im Köcher hat (ich denke da nur an den Deutschkurs C1), mal abgesehen davon das ein Zusammenleben über 8 jahre auf Distanz auch ein Beziehungskiller sein wird.

Dann schon eher die F-Option. Ich habe kommende Woche einen Termin mit einem auf Ausländerrecht spezialisierten Anwalt. Mal schauen was der für Ratsachläge auf Lager hat.

Danke auf jeden Fall für die Hinweise!

Gruss

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Re: Kleiner Erfahrungsbericht

Beitrag von Norbert » Montag 5. August 2013, 11:47

Zum Kindesnachzug bitte ganz in Ruhe mal folgendes Posting lesen: http://forum.aktuell.ru/viewtopic.php?p=88064#p88064 - ich denke dieses Wissen spart viele Anwaltsgebühren.

Dort ist alles gesagt. Wenn der Kindesvater notariell zustimmt, sollte es bei einer 10-Jährigen, die zwischenzeitlich intensiv Deutsch lernen sollte, kein Problem sein. (Im Interesse des Kindes sollte man dann natürlich mit viel Urlaub in Russland weiter den Kontakt zum Vater und zur Heimat ermöglichen.) Lasst nicht zu viel Zeit verstreichen, je älter das Kind wird, desto stärker ist die angenommene Verwurzelung in der Heimat.

Mehr Sorgen macht mir eigentlich das Wohlbefinden Deiner Frau - aus einem anspruchsvollen Job in Russland in die deutsche Arbeitslosigkeit. Unterschätze dies nicht! (Bei mir sind schon Beziehungen an innerdeutschen Umzügen gescheitert.) Und da hilft dann leider auch kein Anwalt.



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Re: Kleiner Erfahrungsbericht

Beitrag von Frank1010 » Montag 5. August 2013, 12:25

Vielen Dank Norbert. Den Post hatte ich schon gelesen. Und das Jobproblem geistert mir natürlich auch durch den Kopf. Wir werden sehen. Alles nicht so ermutigend.

Gruss
Frank

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Re: Kleiner Erfahrungsbericht

Beitrag von manuchka » Montag 5. August 2013, 15:43

Ja, nicht ermutigend, aber schaffbar - vor allem, wenn man nicht mit rosaroter Brille an die Sache herangeht, sondern sich vorweg mögliche Probleme bewusst macht und sie dann auch gemeinsam angeht. EInfach ist keine Beziehung, eine binationale schon gar nicht.
Du erntest, was du säst.

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Re: Kleiner Erfahrungsbericht

Beitrag von Frank1010 » Montag 12. August 2013, 12:31

Kommende Woche ist meine Holde erstmal für eine Woche bei mir um sich hier mal umzuschauen (ob es ihr hier überhaupt gefällt :roll: ).

Gruss
Frank

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Re: Kleiner Erfahrungsbericht

Beitrag von Frank1010 » Mittwoch 28. August 2013, 18:51

Meine Holde war nun eine Woche hier und naturgemäss hat es Ihr hier ziemlich gut gefallen. Das hatte ich auch nicht anders erwartet. Im Sept werde ich 2x nach Moskau reisen und mich dort etwas in ihrem Umfeld umschauen und auch ihre Mutter treffen. Dann sehen wir weiter. Ich denke im Moment ganz offen über alle Möglichkeiten nach. Auch mal für ein paar Jahre nach Moskau zu gehen. Auch wenn das eine Option ist dir mir nicht so einfach fallen würde. Aber sie hat ja dort einen sehr guten Job und bis sie Deutsch gelernt hat (um hier zu arbeiten) wird sicher einige Zeit vergehen.

Mittlerweile habe ich auch mein Jahresvisum für Russland bekommen. Einladung einer befreundeten Firma und Visagebühr von 35 Euro entrichtet und nach einer Woche hatte ich das Visum.

Gruss
Frank.

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Re: Kleiner Erfahrungsbericht

Beitrag von Sibirier » Mittwoch 28. August 2013, 20:08

Darf man Mal fragen, welche Taetigkeit Du zur Zeit ausuebst. Du bist selbststaendig, klar. Aber auf welchem Gebiet? Besteht die Moeglichkeit eines Homeoffice?
Ha, Waschmaschine verarscht. Socken einzeln gewaschen....



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