Integrationskurs

Geheiratet - und wie weiter? Wie kommt der Ehepartner nach Deutschland? Oder vielleicht besser in die Gegenrichtung, Übersiedlung nach Russland? Dürfen die Kinder mitkommen?

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Nicky
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Integrationskurs

Beitrag von Nicky » Dienstag 11. September 2018, 19:54

Hey, ich habe mal folgende Frage.Im Rahmen der Familienzusammenführung kann ich meine Frau, nach vielen Hürden des deutschen Staates, endlich nach Deutschland holen. Nun wurde mir von der Behörde aber gesagt, das meine Frau einen Integrationskurs in Deutschland besuchen muss. Sie hat den A1 problemlos bestanden, ist ja ein Hauptbestandteil für das Visum. Dieser Kurs würde sich über ein halbes Jahr mit täglich 6 Stunden, hinziehen. Die Kosten dafür würden ca 1300€ betragen, wenn sie den Kurs innerhalb von 2 Jahren machen würde, würden wir die Hälfte wieder erstattet bekommen. Wir haben auch schon eine Arbeitsstelle, wo sie sofort anfangen könnte. Leider wartet ja aber kein Arbeitgeber ein halbes Jahr um jemanden einzustellen oder sagt, klar stell ich die für ein halbes Jahr frei... Meine Frage wäre jetzt, wo könnte ich sowas nachlesen, muss sie den Kurs machen, was passiert wenn sie den nicht macht und hat jemand Erfahrung auf diesen Gebiet?



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Re: Integrationskurs

Beitrag von bella_b33 » Dienstag 11. September 2018, 22:16

Soweit ich das verstanden habe, ist der Kurs normalerweise keine Pflicht, wenn ausreichend Deutschkenntnisse nachgewiesen werden.
Wir behandeln das Thema gerade in nem anderen Thread. KLICK Dich da doch mal durch.
Dumm sein ist wie tot sein: Man selber merkt nichts, schlimm ist es nur für die Anderen!

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Norbert
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Re: Integrationskurs

Beitrag von Norbert » Mittwoch 12. September 2018, 11:29

Genau, wir stehen vor genau demselben Problem, da bei uns aber ein Zuzug zu minderjährigen deutschen Kindern vorliegt, ist es noch etwas eindeutiger. Aber bei Euch bestehen meiner Meinung nach dennoch Chancen. Ich würde Einspruch einlegen, und zwar in folgender Form:

Eure Verpflichtung erfolgt vermutlich nach §44a AufenthG:
(1) Ein Ausländer ist zur Teilnahme an einem Integrationskurs verpflichtet, wenn
1. er nach § 44 einen Anspruch auf Teilnahme hat und
[...]
b) zum Zeitpunkt der Erteilung eines Aufenthaltstitels nach [...] § 28 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 [...] nicht über ausreichende Kenntnisse der deutschen Sprache verfügt
Ausreichende Sprachkenntnisse sind jedoch B1 und nicht A1. Darauf könnt Ihr Euch also nicht berufen. ABER ich würde schlicht den Anspruch hinterfragen, denn in §44 steht:
(3) Der Anspruch auf Teilnahme am Integrationskurs besteht nicht,
[...]
2. bei erkennbar geringem Integrationsbedarf
Das konkrete Jobangebot für Deine Frau ist ein sehr gutes Argument, dass kein weiterer Integrationsbedarf besteht.

Mit dem Einspruch gewinnt Ihr in jdem Fall erst einmal Zeit. Währenddessen kann Sie auch schon versuchen, B1 zu bestehen, um ganz aus dem Schneider zu sein. Man kann diese Prüfung auch ohne Kurs machen, ist dann bei Goethe aber recht teuer (230 Euro, ab nächstem Jahr 240 Euro). In Dresden ist es beispielsweise bei der Volkshochschule deutlich günstiger (130 Euro).

Und dann noch der Hinweis: Soweit ich es verstehe, besteht keine Pflicht, den Kurs sofort zu machen. Erst wenn in drei Jahren die Verlängerung der Aufenthaltsgenehmigung oder die Niederlassungserlaubnis zum Thema werden, kommen dazu wieder Fragen.

P.S.: Meine Frau hat heute morgen auch eine weitere E-Mail an ihre Sachbearbeiterin geschickt.

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Re: Integrationskurs

Beitrag von Bluewolf » Mittwoch 12. September 2018, 15:04

Das konkrete Jobangebot für Deine Frau ist ein sehr gutes Argument, dass kein weiterer Integrationsbedarf besteht.
Jein Norbert, da muss ich teilweise widersprechen.
Meine Frau bekam 2011 noch vor der Einreise ein Angebot bei einer russischen Firma in Baden-Baden zu arbeiten. Da auch sie zu dem Zeitpunkt nur A1 Niveau hatte wurde der Integrationskurs trotzdem als verbindlich erklärt, mit der Begründung, dass bei einer russischen Firma nicht sicher gestellt sei, das eine Integration in ausreichendem Ausmaß sicher gestellt sei. Im Landkreis KA wird inzwischen auf jeden Fall geprüft in solchen Fällen, ob die Qualifikation zum Job passt und vor allem der Verdienst.
Also hat meine Frau darauf verzichtet und den Kurs gemacht. Sie betrachtete dies auch gar nicht als Zeitverschwendung, da sie viele Kontakte zu Menschen aus unterschiedlichen Ländern knüpfen konnte, die hinsichtlich Migration alle vor den gleichen Problemen standen und ihr der Erfahrungsaustausch sehr half. Einige dieser Beziehungen bestehen bis heute.

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Re: Integrationskurs

Beitrag von Dietrich » Mittwoch 12. September 2018, 15:17

Einen halbjährigen Kurs anstelle von einer Arbeitsstelle, nur um Kontakte zu knüpfen?
Muss natürlich jeder selbst wissen. Aber zumindest was den Sprachteil von solchen "Pflichtkursen" angeht, da kann ich aus der Erfahrung meiner Frau sprechen, dass eine Arbeitsstelle (möglicherweise halbtags) und ein Abendkurs an der VHS oder in einem anderen Zentrum wesentlich mehr bringt.
Auch dort kann man Kontakte knüpfen. Vor allem mit Leuten, die sich integrieren wollen und die Sprache lernen wollen. Und nicht nur von Amts wegen "müssen".
Da sollte nach 1 oder 2 Jahren der B1-Abschluss locker möglich sein, wenn man sich privat nicht nur in der russischen Parallelgesellschaft aufhält und auch bei der Arbeit nur russisch spricht.
Denn da reicht dann auch ein Kurs über 6 Wochen an jeweils 2 Abenden in der Woche bei der VHS oder -möglicherweise sogar noch kompakter- bei einem anderen Abieter und man hat anstelle von B1 sogar B2 in der Tasche.
"Each one hopes that if he feeds the crocodile enough, the crocodile will eat him last."
W. Churchill (1940)



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Re: Integrationskurs

Beitrag von Norbert » Mittwoch 12. September 2018, 16:31

Ich würde als Migrant auch in jedem Fall den sicheren Job einem solchen Kurs vorziehen. Wenn es sich natürlich um einen Job handelt, der wirklich keine Integration fördert, und das aktuelle Sprachniveau ist unter B2, dann würde ich auch versuchen, einen berufsbegleitenden Integrationskurs (gibt es beispielsweise in Dresden) zu machen.

Meine Frau ist zwei Stufen über dem Integrationskurs, deswegen macht es überhaupt keinen Sinn. Bezüglich der fachbezogenen Sprachkurse zur Berufseingliederung informieren wir uns natürlich - so etwas finde ich sehr gut. Dagegen würden wir uns auch nicht sträuben.

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Re: Integrationskurs

Beitrag von Bluewolf » Mittwoch 12. September 2018, 16:35

Ja, für sie war diese bewusste Entscheidung wichtiger als die Arbeit (wäre Medizintourismus gewesen also auch nicht der Traumjob), auf den Verdienst waren wir nicht angewiesen. Insbesondere war es für sie interessant, da man als normale Russin jetzt nicht so oft mit Menschen aus Ghana, Surinam, Bangladesch, Peru, Chile Kontakt bekommt, schon eher mit Moldawien, Georgien und Weissrussland, die auch dabei waren. Ich fand ihre Geschichten spannend, die mit zunehmender Sprachkenntnis natürlich auch detaillierter wurden. Aber ja, du hast recht, muss jeder für sich selbst entscheiden.
Und 1000 Stunden in einem halben Jahr wären sehr sportlich gewesen. Sie hat das gemütlich mit Ferien in einem Jahr gemacht, und fühlte sich zumindest in dieser Zeit nicht alleine, obwohl ich arbeiten und die Kids alle in der Schule waren. Pünktlich zum Schulende war sie dann meistens zu Hause. Für mich hat das auch gepasst.
Neuzu­ge­wan­derte
haben einen Anspruch auf einen Integra­ti­ons­kurs.
Ausnahme bilden die EU-Bürger, die eine Zulas­sungs­mög­lich­keit (­siehe unten) haben.

Die Auslän­der­be­hörde prüft bei Erteilung der ersten ­Auf­ent­halts­er­laub­nis die Notwen­dig­keit eines Integra­ti­ons­kur­ses und stellt eine Berech­ti­gung oder Verpflich­tung zu einem In­te­gra­ti­ons­kurs aus.
Der Berech­tig­te/­Ver­pflich­tete kann sich hiernach selbst für einen Integra­ti­ons­kurs­trä­ger entschei­den und dort den In­te­gra­ti­ons­kurs beginnen.
Quelle: https://www.karlsruhe.de/b3/soziales/ei ... nskurse.de
Liest sich beim ersten Mal wenn man unbedarft drauf sieht sogar als Hilfsangebot. Beim zweiten Blick stellt man fest, dass man da sehr dem jeweiligen Sachbearbeiter ausgesetzt ist. Und der meiner Frau hat sie drei Jahre regelmäßig genervt. Ich wollte da keine Diskussion über Sinn und Unsinn des Kurses, echt nicht.
Und die Rückzahlung der Kursgebühren war ein schönes Urlaubsgeld ;)

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Re: Integrationskurs

Beitrag von Norbert » Mittwoch 12. September 2018, 18:20

Bluewolf hat geschrieben:
Mittwoch 12. September 2018, 16:35
Insbesondere war es für sie interessant, da man als normale Russin jetzt nicht so oft mit Menschen aus Ghana, Surinam, Bangladesch, Peru, Chile Kontakt bekommt.
Das kommt noch dazu: Aktuell bekäme man wohl vorrangig Kontakt zu jungen Männern aus dem arabischen Raum - zumindest dem Publikum in der Ausländerbehörde nach zu schließen. Und dies ist nicht rassistisch gemeint, aber als junge, hübsche Frau ist das jetzt auch nicht die Traumvorstellung, monatelang in einem Raum mit jungen Männern zu sitzen, unter denen sonst eher Frauenmangel herrscht.

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Re: Integrationskurs

Beitrag von Bluewolf » Mittwoch 12. September 2018, 22:50

Versuche doch einmal die Argumentation darauf aufzubauen. In der derzeitigen Stimmung ist die Chance vielleicht sogar höher. Meine Frau war damals schon 41 und ja, bei ihr waren gerade mal zwei Männer aus Peru und Chile. Und sie konnte vorher auch eine Schnupperstunde machen. Erst der dritte Anbieter war ok.

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Re: Integrationskurs

Beitrag von Marco » Donnerstag 13. September 2018, 14:38

In Kiel waren die Araber eigentlich kein Problem, ist eher so dass meine Frau einige ihrer Freundinnen im Integrationskurs kennengelernt hat. Und ich sehe auch nicht, dass Norberts Frau da monatelang sitzt, wenn sie schon deutsch kann.
HIer wurde zumindest vorher das Sprachniveau durch den Anbieter (VHS) abgeprüft und die Leute dann in einen entsprechenden Kurs gesteckt, d.h. wenn man beispielsweise A2 schon beherrscht, dann ging es mit B1 gleich los und das verkürzt den Kurs dann entsprechend enorm. Da wird dann gar nicht das Stundenkontingent ausgeschöpft.



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