Wie soll die Krim versorgt werden?

Die Krim hat eine Fläche von 26.844 Quadratkilometern und 2.353.100 Einwohner (2014) und wird laut Putin ab sofort zum russischen Staatsgebiet dazugerechnet. Aber vielleicht sieht das ja irgendjemand ganz anders ...
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Re: Wie soll die Krim versorgt werden?

Beitrag von Norbert » Dienstag 1. April 2014, 07:21

Nikolaus hat geschrieben:Gasprom plant den Bau einer Pipeline von Anapa oder Krasnodar auf die Krim. Sie soll die Versorgung neuer Kraftwerke zur Verbesserung der Energiesicherheit sichern.
http://top.rbc.ru/economics/01/04/2014/914709.shtml
Alles andere wäre ja auch dumm. Wobei ich die vielen hochtrabenden Pläne zur Krim im Moment noch unter Vorbehalt sehe. Ideen und echte Umsetzung passen in Russland noch seltener zusammen als in Deutschland.



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Re: Wie soll die Krim versorgt werden?

Beitrag von klaupe » Dienstag 1. April 2014, 12:10

Norbert hat geschrieben:
Nikolaus hat geschrieben:Gasprom plant den Bau einer Pipeline von Anapa oder Krasnodar auf die Krim. Sie soll die Versorgung neuer Kraftwerke zur Verbesserung der Energiesicherheit sichern.
http://top.rbc.ru/economics/01/04/2014/914709.shtml
Alles andere wäre ja auch dumm. Wobei ich die vielen hochtrabenden Pläne zur Krim im Moment noch unter Vorbehalt sehe. Ideen und echte Umsetzung passen in Russland noch seltener zusammen als in Deutschland.
In dem Punkt sehe ich das Problem nicht so stark, denn die Gasfelder vor der Nordkrimküste sind schon jetzt recht ergiebig und noch ausbaufähig.
Die hat man ja der Ukraine auch gleich abgeknöpft.

Richtig zur Sache geht es bei den Verkehrswegen, denn da wird die Fähre bei Kertsch bald zusammenbrechen. Der Damm/Brücke, obwohl ja schon mal begonnen, dürfte erst in einigen Jahren fertig sein.
Dazu ist nun auch noch eine Eisenbahnverbindung anzulegen (Siehe: Neubaustrecke in Richtung Krim gewünscht), Hochspannungsverbindungen sind zu legen, das Wasser wird vermutlich das größte Problem und natürlich muss die Infrastruktur auf der Halbinsel den neuen Verbindungen angepasst werden.

Dagegen ist die Olympiade wohl ein "Sonderangebot" gewesen. man darf auch nicht vergessen, dass die geplanten Summen noch nicht die Milliardenzahlungen an die Günstlinge berücksichtigen.

Ich sehe aber sehe aber große Chance: Schon jetzt kränkelt die russische Wirtschaft gewaltig, der Aktienindex sieht traurig aus, der Rubel fällt deutlich und die Haushalsbilanz ähnelt eher einem Trauerspiel. Falls nun noch die Sanktiönchen zu Sanktionen werden, sehe ich finsteren Zeiten entgegen. Da kann es verdammt eng werden für den Sonnenkönig und wer weiß, auf einmal steht er sehr schnell im Schatten.
Ich halte die Russen nicht für so blöd, dass sie sich ewig vom großen Führer mit markigen Sprüchen einlullen lassen. Jedenfalls bekommt die Opposition täglich genug neues Material frei Haus geliefert und hat vielleicht bald die Chance, das Volk aufzuwecken.
Manchmal muss man im Leben zwischen gutem Ruf und dem Vergnügen wählen und stellt fest, das der gute Ruf kein Vergnügen ist.

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Re: Wie soll die Krim versorgt werden?

Beitrag von m1009 » Dienstag 1. April 2014, 12:17

Ideen und echte Umsetzung passen in Russland noch seltener zusammen als in Deutschland.
Abwarten... bezueglich der Krim sehe ich da rosige Zeiten fuer den Bausektor....

Schwarz sehe ich eher fuer andere Projekte.... wie mir in der letzten Wochen immer wieder zu Ohren kommt, sollen die grossen Projekte (Stadion in Ekaterinburg, Nizhny Novgorod und Saransk) bezueglich der WM2018 abgeblasen werden. Zugunsten von Sotchi und Krim ....
Keiner kommt hier lebend raus.

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Re: Wie soll die Krim versorgt werden?

Beitrag von klaupe » Dienstag 1. April 2014, 12:30

m1009 hat geschrieben:Abwarten... bezueglich der Krim sehe ich da rosige Zeiten fuer den Bausektor.....
Da werden sich aber die Sklaven aus Zentralasien freuen. Bald stehen wieder die Werber vor der Tür! :lol:
Die Frage bleibt, ob die Krim las Wirtschaftsfaktor nicht überschätzt wird. Den Investitionen in die Anschluss- und Infrastruktur muss ja auch eine lohnende Produktion folgen. Für den Tourismus sehe ich schwarz, denn auch Russen haben inzwischen lohnendere Ziele entdeckt -- oder es geht ihnen bald so mies, dass sie sich "nur" noch Krim leisten können.
Schwarz sehe ich eher fuer andere Projekte....
Ich fürchte, der Krim-Deal ist der Anfang vom Ende!
Aber nun wartet man ja noch in Moskau darauf, dass die Ostukrainer endlich befreit werden wollen.
Da könnte es sich lohnen, denn die Industrie bringt was ein und die Rohstoffe liegen auch ausreichend herum. Allenfalls muss man die Anlagen mal auf Schwung bringen. Da wird sicherlich dann IWF gerne aushelfen.
Bei großzügiger "Befreiung" könnte sich sogar das Anschluss- und Versorgungsproblem Krim schnell lösen.
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Re: Wie soll die Krim versorgt werden?

Beitrag von m1009 » Dienstag 1. April 2014, 13:11

@bella_b33

hast du bezueglich Saransk schon etwas gehoert ?
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Re: Wie soll die Krim versorgt werden?

Beitrag von Dietrich » Dienstag 1. April 2014, 13:13

klaupe hat geschrieben:Aber nun wartet man ja noch in Moskau darauf, dass die Ostukrainer endlich befreit werden wollen.
Da könnte es sich lohnen, denn die Industrie bringt was ein und die Rohstoffe liegen auch ausreichend herum. Allenfalls muss man die Anlagen mal auf Schwung bringen. Da wird sicherlich dann IWF gerne aushelfen.
Wenn Russland in der Lage wäre, derartige Industrie zu modernisieren und anschließend gewinnbringend(!) zu nutzen, dann hätten Sie das mit ihrer eigenen Industrie doch bereits längst getan.....
Der IWF wird in dem Fall wohl keine Möglichkeit mehr sein.
Was sollen sie denn mit noch mehr runtergewirtschafteten (Schwer)Industriebetrieben in der Ostukraine? Ihren eigenen Konkurrenz machen?
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Re: Wie soll die Krim versorgt werden?

Beitrag von klaupe » Dienstag 1. April 2014, 14:37

Dietrich hat geschrieben:Was sollen sie denn mit noch mehr runtergewirtschafteten (Schwer)Industriebetrieben in der Ostukraine? Ihren eigenen Konkurrenz machen?
Ohne Zweifel gibt es z.B. im Donbass etliche Betriebe, die gut produzieren, aber mit zu hohem Aufwand. Die mageren Löhne machen das wieder wett und so gehen jährlich immer noch fast 200 Mio. t Kohle und über 50 Mio. t Stahl zum großen Bruder.
Noch interessanter ist die Schwerindustrie oder solche Spezialitäten wie MOTOR SICH JSC (Flugtriebwerke/Turbinen) oder z.B. "MORYE" (Schiffe, Landungsboote), Panzerfahrzeuge, Waffen aller Art.
Gerade da warten die Russen (und Chinesen) dringend auf Nachschub. Bisher war Russland der größte Außenhandelspartner und teilweise einzige Lieferant, z.B. für Hubschrauberturbinen und andere Flieger.
Wird die Ostukraine "befreit", können sich die Russen die Hände reiben! Einige Produkte gehören zur Weltspitze, andere einfach wichtig und viele billig.
Es reicht jedenfalls dicke aus, um die "Befreiung" wirklich lohnend zu machen.
Mal so einen Blick in die Vergangenheit: Auch die abgehalfterten Betriebe in der DDR haben unsere Wessi-Versandhändler mit tollen Produkten billigst beliefert. Unter Westbedingungen waren aber nahezu alle Produktionsstätten abrissreif.
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Re: Wie soll die Krim versorgt werden?

Beitrag von Dietrich » Dienstag 1. April 2014, 15:08

klaupe hat geschrieben:Mal so einen Blick in die Vergangenheit: Auch die abgehalfterten Betriebe in der DDR haben unsere Wessi-Versandhändler mit tollen Produkten billigst beliefert. Unter Westbedingungen waren aber nahezu alle Produktionsstätten abrissreif.
Dazu gab es gestern eine interessante Doku auf Phoenix. Wird heute wiederholt. Um 18:30 (1.Teil) und 19:15 (2. Teil) Sehr zu empfehlen!

Ob die Produkte alle "toll" waren, sein mal dahingestellt. Auf jeden Fall waren sie 10-20% billiger als die Westdeutschen. Und wie du schon schreibst, die Produktionsstätten hätten früher oder später erneuert werden müssen, die entsprechenden Rücklagen dafür wurden aber weder erwirtschaftet noch gebildet. Sie hätten nämlich die Produkte wiederrum verteuert und damit eben auch unattraktiv gemacht. Von der Substanz kann man zwar eine Zeitlang leben, aber nicht auf Dauer. Wird in der oben beschriebenen Doku recht gut dargestellt.

Und wenn in der Ukraine Produkte hergestellt werden, die noch dem aktuellen Marktstand entsprechen, dann wahrscheinlich genau aus dem Grund "weil" man sie eben ins Ausland (in dem Fall eben Russland) verkauft und dadurch gezwungen ist, auch in Weiterentwicklung etc. zu investieren, um eben nicht gegen (z.B. russische) Konkurrenten ins Nachtreffen zu geraten. Wie lange dies dann aber noch so ist, sobald man selber Teil der gleichen Staatsfirma ist, die man beliefert....
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Re: Wie soll die Krim versorgt werden?

Beitrag von klaupe » Dienstag 1. April 2014, 15:51

Dietrich hat geschrieben:Ob die Produkte alle "toll" waren, sein mal dahingestellt.
Der Absatz war enorm und ich selbst habe noch etliche Geräte, Möbel usw. die noch nicht nach Ersatz schreien
....aus dem Grund "weil" man sie eben ins Ausland (in dem Fall eben Russland) verkauft ...
Es gibt ja nicht nur Luschen in der Ukraine. Auch in der UdSSR wurden teilweise höchstwertige Produkte hergestellt und da war die Ukrainische SSR nicht unbeteiligt. Auch eine Antonow An-225 wurde nicht auf dem Hinterhof hergestellt, die Turbinen erwähnte ich schon und es gibt noch etliche Vorzeigebetriebe --- aber ebenso Fabriken, die schon beim scharf hinsehen auseinaderfallen. Denen würde man hier schon die Zufahrt aus Sicherheitsgründen für immer sperren.
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Re: Wie soll die Krim versorgt werden?

Beitrag von Dietrich » Dienstag 1. April 2014, 17:26

klaupe hat geschrieben:Es gibt ja nicht nur Luschen in der Ukraine. Auch in der UdSSR wurden teilweise höchstwertige Produkte hergestellt und da war die Ukrainische SSR nicht unbeteiligt. Auch eine Antonow An-225 wurde nicht auf dem Hinterhof hergestellt, die Turbinen erwähnte ich schon und es gibt noch etliche Vorzeigebetriebe --- aber ebenso Fabriken, die schon beim scharf hinsehen auseinaderfallen. Denen würde man hier schon die Zufahrt aus Sicherheitsgründen für immer sperren.
Es gibt auch in Russland nicht nur Luschen. Ich habe während meiner Zeit in Moskau etliche gut qualifizierte Leute kennengelernt. Das ist auch nicht das Problem.
Das es in Russland gut ausgebildete Spezialisten gab und auch noch gibt bestreitet ja auch niemand. Aber auch um diese Spezialisten herum muss eben alles stimmen, damit aus guter Leistung konstante Spitzenleistung wird. Selbst ein Genie kannst du kaputtmachen, wenn es nicht die Möglichkeit zur Entfaltung hat. Und dazu gehört nun mal im industriellen Bereich auch Investitionen in die Substanz sowie in die Weiterentwicklung.
Und diesbezüglich rangiert Russland nun mal weit hinter seinen Möglichkeiten, die sich aus der Geschichte und der (Aus)bildung der Bevölkerung ergeben.
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