Krim-Sekt zwischen die Fronten

Die Krim hat eine Fläche von 26.844 Quadratkilometern und 2.353.100 Einwohner (2014) und wird laut Putin ab sofort zum russischen Staatsgebiet dazugerechnet. Aber vielleicht sieht das ja irgendjemand ganz anders ...
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Krim-Sekt zwischen die Fronten

Beitrag von Jenenser » Mittwoch 18. März 2015, 18:37

http://www.mittelbayerische.de/wirtscha ... 06582.html
Im Großen und Ganzen ein lesenswerter Artikel. Er beschreibt den jetzt ausgebrochenen Streit um den Markennamen „Krim-Sekt“ zwischen Russland und der Ukraine. Neben dem Ort Nowy Swet auf der Krim ist auch die Rede von der Stadt Artjomowsk, die unweit der Stadt Debalzewo liegt und seit Anfang Juli 2014 nach einigem Hin und Her erneut von der Ukraine kontrolliert wird...
Aber zurück zum Krim-Sekt, hergestellt auf der Krim:
Dass es den ukrainischen Markt nicht mehr gibt für die Edelmarke, fällt offenbar kaum ins Gewicht – in Anbetracht des gewaltigen Konsums in Russland...
Die EU im Verbund mit den USA verbot bereits alle Importe von der Krim in ihr Territorium. Die Ukraine verhängte eine Verkehrs- und Wirtschaftsblockade gegen die Krim mit dem Ziel, die Bewohner der Halbinsel zu bestrafen und Russland zu schwächen...
...habe keiner der rund 220 Mitarbeiter die Krim verlassen nach dem Beitritt zu Russland, sagt die stellvertretende Verkaufschefin. Die Löhne seien um 25 Prozent gestiegen. Trotz der Umbrüche vor einem Jahr und einem zeitweiligen Absatzeinbruch habe das Unternehmen wieder Plus gemacht.
Es ist anzunehmen, dass alle Mitarbeiter im vergangenen Jahr am Krim-Referendum teilnahmen und entsprechend abstimmten. Solche Zahlen würde ich mir von allen Wirtschaftszweigen auf der Krim in deutschen Medien wünschen, einschließlich Tourismus. Der negativ geprägte Begriff „Annexion“ wäre schnell hinfällig...
Da die Halbinsel durch die Grenze praktisch abgeschnitten ist vom ukrainischen Festland, geht jetzt der Verkehr per Luft oder über die Fähre von Kertsch nach Russland. Die Krimbewohner hoffen deshalb auf die geplante Kertsch-Brücke, eine Landverbindung nach Russland, die 2018, 2019 stehen soll
Auf was die „Krimbewohner“ alles so hoffen. Ein Weg zurück zur Ukraine ist scheinbar nicht eingeplant...
Und doch schmerzen die Sanktionen des „Westens“
Was sich geändert hat seit dem Beitritt zu Russland? „Wir haben vorher an internationalen Wettbewerben, Ausstellungen teilgenommen. Bei der Grünen Woche in Berlin waren wir. Das ist jetzt vorbei...
Wer es doch einmal schaffen sollte auf die Krim. Empfehlenswert ist die Teilnahme an einer Sektverkostung in Nowy Swet auf der Ost-Krim auf jeden Fall. Im Sommer schon lustig, wenn die Kühle des Weinkellers plötzlich durch die Hitze der Straße abgelöst wird. ;) Örtliche Reiseagenturen der Krim bieten Ausflüge an...



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Re: Krim-Sekt zwischen die Fronten

Beitrag von klaupe » Mittwoch 18. März 2015, 23:49

Jenenser hat geschrieben:Auf was die „Krimbewohner“ alles so hoffen. Ein Weg zurück zur Ukraine ist scheinbar nicht eingeplant...
Und doch schmerzen die Sanktionen des „Westens“.
Das ist doch alles schon Affentheater. Was wollen die denn noch?
Der Wein und Sekt von der Krim wird kaum ausreichen, um Russland zu versorgen.

Wenn ich mich richtig erinnere, gab es schon mal ein Boykott der Russen für Wein/Sekt von der Krim. Ich erinnere mich, dass ukrainische Freunde das Kartonweise nach Russland schmuggelten.

2014 haben die Russen auch ein Embargo gegen Moldawien verhängt, das seinen Wein fast ausschließlich nach Russland exportierte. Dazu kommen die Sanktionen gegen die EU, also gibt es auch den Wein in Russland nicht mehr.

Krim-Sekt wird auch ganz offiziell und sehr reichlich in der Ukraine produziert, z.B. in Odessa, Kiew, Charkiw und besonders in Artemiwsk. Markennamen wie Krimskoye, Krim, Zarskoje, Ukrainskoje oder Fürst Alexej sind von den Sanktionen hier nicht betroffen.

Mit so einer Aufmachung würden die Produzenten auf der Krim hier sicherlich nur hartnäckige Russenfreunde ansprechen können.
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Re: Krim-Sekt zwischen die Fronten

Beitrag von m1009 » Donnerstag 19. März 2015, 00:09

...
Wenn Du nicht aufisst, kommt der Russe.

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Re: Krim-Sekt zwischen die Fronten

Beitrag von Norbert » Donnerstag 19. März 2015, 09:03

m1009 hat geschrieben:...
!!! Aber vielleicht auch: ???

Ich fände es spannend, wenn wir hier weitere Rückblicke auf das erste neurussische Jahr der Krim zusammentragen, möglichst aber ohne eine Wertung (weil die sowieso ins Gezedere abschweift).

http://taz.de/Ein-Jahr-Beitritt-der-Kri ... d/!156611/ (interessant, dass die taz es als "Beitritt" bezeichnet - der eigentliche Russlandkorrespondent der taz sieht es anders)

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Re: Krim-Sekt zwischen die Fronten

Beitrag von m1009 » Donnerstag 19. März 2015, 09:49

Beitrag wurde geloescht... ;)
Wenn Du nicht aufisst, kommt der Russe.



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Re: Krim-Sekt zwischen die Fronten

Beitrag von Wladimir30 » Donnerstag 19. März 2015, 11:10

Norbert hat geschrieben:Ich fände es spannend, wenn wir hier weitere Rückblicke auf das erste neurussische Jahr der Krim zusammentragen, möglichst aber ohne eine Wertung (weil die sowieso ins Gezedere abschweift).
Meine Meinung ist immer noch unverändert: ich kann es nicht einschätzen. War das richtig oder nicht? Juristisch zumindest fragwürdig. Eine Wertung kann ich schlicht und einfach gar nicht vornehmen, weil ich zu wenig Ahnung habe.

Ich weiß, dass Wladimir dazu verdonnert worden war, erstmal 80 Mio. Rubel als Soforthilfe der Krim zu schenken. Was die Bevölkerung hier nicht sonderlich gefreut hat, weil gleich ein Haufen Projekte auf Eis gelegt wurden. Wo das Geld effektiv geblieben ist (vermutlich in den Taschen von sonstwem, ist aber nur eine unbelegbare Vermutung)?

Viele meiner Bekannten, die in staatlichen Institutionen arbeiten (FA etc.) wurden für ca. 6 Wochen runtergeschickt (manche später nochmal), um die dortigen Strukturen den russischen anzupassen. Das hat keiner gerne gemacht, sind aber fürstlich entlohnt worden.
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Re: Krim-Sekt zwischen die Fronten

Beitrag von Axel Henrich » Donnerstag 19. März 2015, 11:20

Jenenser hat geschrieben:Aber zurück zum Krim-Sekt, hergestellt auf der Krim:
Ich bin zwar nicht der grosse Sekttrinker, aber roten Krimsekt und Krimskoje habe ich seit Jahren(!) immer eine Flasche zum Jahreswechsel. Der Letzte war zwar nun fuer unter 10 Euro zu bekommen, aber leider ist mit dem Preis auch die Qualitaet gesunken ...

-ah-

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Re: Krim-Sekt zwischen die Fronten

Beitrag von klaupe » Donnerstag 19. März 2015, 13:00

Wladimir30 hat geschrieben:Meine Meinung ist immer noch unverändert: ich kann es nicht einschätzen. War das richtig oder nicht? Juristisch zumindest fragwürdig. Eine Wertung kann ich schlicht und einfach gar nicht vornehmen, weil ich zu wenig Ahnung habe.
Das richtig und korrekt zu beurteilen ist auch enorm schwierig, da das ganze Thema total überfrachtet ist mit Stories aller Art und deren Bewertung.

Juristisch ist und bleibt es fragwürdig, da nicht nur gegen das ukrainische Recht, sondern sogar massiv gegen russische Gesetze verstoßen wurde bzw. diese Gesetze mal ganz spontan der Situation angepasst wurden. Das Hau-Ruck-Verfahren der eindeutig manipulierten "Volks"-Abstimmung war auf das von Moskau vorgesehene Ergebnis festgelegt, entweder als Sofortlösung oder mit dem Umweg über die Autonomieregelung von 1992.
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Ich hätte einer Wahl/Volksabstimmung zugunsten Russlands sofort und vorbehaltlos zugestimmt, wäre das Wahlverfahren mindestens so abgelaufen, wie es hierzulande üblich ist. Das hätte zwar die juristischen Hürden nicht übersprungen, aber den demokratisch formulierten Volkswillen demonstriert.
Kritisch wäre dann noch der Status der Minderheiten geblieben, zu denen ja auch die "Ureinwohner" gehören..
Ich weiß, dass Wladimir dazu verdonnert worden war, erstmal 80 Mio. Rubel als Soforthilfe der Krim zu schenken. Was die Bevölkerung hier nicht sonderlich gefreut hat, weil gleich ein Haufen Projekte auf Eis gelegt wurden. Wo das Geld effektiv geblieben ist (vermutlich in den Taschen von sonstwem, ist aber nur eine unbelegbare Vermutung)?
80 Mio. das sind doch peanuts, das holt Putin aus der Hosentasche, bevor er sie zur Wäsche bringt. Der dicke Hammer kommt ja erst und dagegen wird Sotschi zum Schnäppchenangebot.
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Re: Krim-Sekt zwischen die Fronten

Beitrag von klaupe » Donnerstag 19. März 2015, 13:18

Axel Henrich hat geschrieben:
Jenenser hat geschrieben:Aber zurück zum Krim-Sekt, hergestellt auf der Krim:
Ist aber keine geschützte Markenbezeichnung oder Herkunftsbezeichnung.
Die Russen wollen das jetzt ändern und durchstreiten, aber da werden die Ukrainer als Betroffene wohl meutern und mit ihnen die ganze "freie Welt". Da hatten es damals die Franzosen einfacher mit dem Sowjetskoje Schampanskoje (Советское Шампанское) und die Etiketten mussten geändert werden.
Axel Henrich hat geschrieben:Ich bin zwar nicht der grosse Sekttrinker, aber roten Krimsekt und Krimskoje habe ich seit Jahren(!) immer eine Flasche zum Jahreswechsel. Der Letzte war zwar nun fuer unter 10 Euro zu bekommen, aber leider ist mit dem Preis auch die Qualitaet gesunken ...
Früher war es für uns immer ein Schnäppchen: Rüber in den Intershop und da gab es für ein paar billige Devisen-Mark (dort sagte man Valuta) "Советское Шампанское". Dazu noch etwas Hochprozentiges und 'ne Stange HB-Luschen und dann war jede Party gerettet.
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Re: Krim-Sekt zwischen die Fronten

Beitrag von Jenenser » Donnerstag 19. März 2015, 13:26

klaupe hat geschrieben:...Der Wein und Sekt von der Krim wird kaum ausreichen, um Russland zu versorgen...
Es ist sicher nur eine Ergänzung. Weinkenner aus Russland (die gibt es wirklich!) verehren auch einheimische Weine aus dem Kuban. In der Krasnodar-Region nahm ich ebenfalls mal an einer Weinverkostung teil. Das Ambiente und die angebotenen Weine, da war ich angenehm überrascht...
klaupe hat geschrieben:...2014 haben die Russen auch ein Embargo gegen Moldawien verhängt...
Das gab es auch mal gegen georgische Weine. Das ist, glaube ich, wieder aufgehoben...
klaupe hat geschrieben:...Krim-Sekt wird auch ganz offiziell und sehr reichlich in der Ukraine produziert, z.B. in Odessa, Kiew, Charkiw und besonders in Artemiwsk. Markennamen wie Krimskoye, Krim, Zarskoje, Ukrainskoje oder Fürst Alexej...
Auch ich bin ein Anhänger der „geschützten Ursprungsbezeichnung“. Und wo Krim drauf steht, sollte auch Krim drin sein. Das hat jetzt nichts zu tun mit Annexion und Wiedervereinigung...

Übrigens in der ganzen Ukraine ist der traditionsreiche „советское шампанское“, eben aus Charkow, nach wie vor beliebt. Es wird aber auch immer komplizierter mit der geographischen Herkunftsbezeichnung...
Bild
klaupe hat geschrieben: Mit so einer Aufmachung würden die Produzenten auf der Krim hier sicherlich nur hartnäckige Russenfreunde ansprechen können...
Zu Deinem geposteten Foto:
Vor ein paar Jahren weilte ich an einem 9. Mai in Charkow in der Ostukraine. Die ganze Stadt trug an dem Tag am Revers das „Sankt-Georgs-Band“. Auch mir schenkten wildfremde Leute das Band, nur weil ich da war und außerdem noch Deutscher. Sollte Dein Satz zutreffend sein, sehe ich erneut finstere Wolken über der Ukraine...



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