ZDF: 10.000 Kilometer Russland

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Berlino10
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Re: ZDF: 10.000 Kilometer Russland

Beitrag von Berlino10 » Freitag 12. Januar 2018, 22:19

Wladimir30 hat geschrieben:
Wenn Du jeweils einen 90-minüter über RUS und einen über DEU drehen/zusammen stellen könntest: was würdest Du zeigen mit welcher (zeitlichen) Gewichtung?
Freundlich fand ich die Berichte über die religiösen Minderheiten und ihre positiven Meinungen über RUS und den Staat. Auch pos. Entwicklungen wurden, wenn auch nur vereinzelt, eingestanden - wie zunehmende Sicherheit oder „Die meisten Menschen sind zufrieden“ 36:30.

Positiv fand ich, dass die Doku mMn die Meinungen und Stimmungen im heutigen RUS vielfältig und einigermaßen realitätsnah abbildet. Da kommen Putin-Befürworter und -Gegner sowie ges. Gewinner und Verlierer zu Wort.

Leider konnten die eigenen Bilder und Themen der Doku damit nicht mithalten, sie waren nicht ausgewogen, vermittelten ein falsches Bild über RUS - und erklärten, stellten auch nie dar, warum so viele Russen denn nun positiv gestimmt sind.

Dargestellt in ihrer positiven Meinung wurden die Eliten, die Sportreporterin mit Beziehungen in den Kreml 1:00, 23:00 Yuppies im Nachtclub, die Schönheitskönigin im Krasnojarsk Palast 46:00, asiatische Gastronomie- und Bau-UnternehmerInnen 73:00 ..

Andauernd dargestellt und betrachtet wurden arme Menschen, Babuschki, StrassenverkäuferInnen mit Nennung ihrer skandlös niedrigen Rente oder ihres niedrigen Lohns (6-7mal). Und ebenso oft ärmliche, skandalöse Wohnverhältnisse ohne Wasseranschluss oder -abfluss, verkommene Wohnheime, verfallende, alte Baracken, verlassene Dörfer, kaputte Industrie. 5:00, 12:00, 20:00, 31:00, 37:30, ..u.v.m. .. Den ZDF-Bildern nach ist RUS ein verfallendes Entwicklungsland mit verarmten Menschen, die kaum genug zu essen haben.

Neben den Eliten und Armen Überhaupt nicht persönlich dargestellt wurde die Mittelschicht, die „normalen“ Russen, moderne Stadtbilder nur als Firmengebäude gestreift, nicht als Lebensumfeld, keine Bilder aus einem normal bis gut situierten Wohnumfeld .. keine Interviews aus den modernen Einkaufszentren, Kinos, Fußgängerzonen, Geschäfts-Passagen .. Man muss sich schon sehr anstrengen, um diese Bilder aus den ganzen durchfahrenden Städten zu vermeiden - Moskau, Kasan, Jekaterinenburg, Irkutsk, Wladiwostok - alles verfallen und verarmt?
Wladimir30 hat geschrieben: Wenn Du jeweils einen 90-minüter über RUS und einen über DEU drehen/zusammen stellen könntest: was würdest Du zeigen mit welcher (zeitlichen) Gewichtung?
Es mag ja an meinem städtischen Lebensumfeld liegen, aber ich habe von RUS einen ganz anderen Eindruck als in der ZDF-Doku rüberkommt. Ich halte zwar die herrschende Politik und -Zustände in RUS für höchst asozial und nur für die oft auch kriminelle Elite bereichernd. Aber das moderne RUS muss man schon auch zeigen, - das RUS, das DEU in vielem sehr ähnlich ist, und eben auch die Menschen aus der Mittelschicht erlebbar machen, die in den 90ern noch hungerten, heute aber Wohneigentum, Auto, Urlaub u.v.m haben.

Auch scheint es in RUS keine erfolgreichen Wirtschaftsprojekte zu geben: nur Wirtschaftskrise, verfallende Industrie, Lage viel schlechter, Geld fließt ab .. früher gut verdient, heute Betrug, Lohn wird nicht mehr bezahlt, schwerer geworden zu leben. Gescheiterte Kleinunternehmen.

Völlig deplaziert und an den Haaren hereingezogen fand ich 14:00-17:00 vor Gericht: anderes RUS, Verbrechen, Korruption, Erpressung im Gefängnis, Mord - Folterbilder normal für RUS - stv. Gefängnisdirektor nur Bauernopfer - hohe Tiere bleiben ungestraft .. überhaupt Korruption: "Mehr Korruption als früher - jetzt Banditen an der Macht - Land wurde immer korrupter - mit Putin kam Korruption an die Macht."

Der Baikalsee hatte auch nur negative Themen: Umweltprobleme, fehlender Tierschutz, Raubfischerei, und natürlich wieder mal Babuschka, Strassenverkäuferin mit wenig Rente

Dass die Russen sich nicht mehr trauen, ihre Meinung zu sagen, wurde auch mind. 5mal behauptet ... Überhaupt, für die, denen die Bilder und Themen immer noch nicht eindeutig genug waren, gab es am Ende jeweils noch die politisch korrekten Einordnungen, damit sie auch ja nicht auf falsche Gedanken kommen:
"Ideologie des Kremls immer dominater, Daumenschrauben werden immer mehr angezogen, Unfreiheit, Kontrolle Moskaus"
"Wir haben viele Menschen mit verschiedenen Meinungen über das heutige RUS getroffen, über eines waren sie sich aber alle einig: der lange Arm des Kreml ist stets präsent und reicht mit Leichtigkeit überall hin sogar bis in den Fernsten Osten Sibiriens"
[/quote]

Ich fürchte, diese ZDF-Doku hat zwar keine falschen Klischees und neue Vorurteile geschaffen, aber auch nicht dafür gesorgt, dass die alten Schwachsinnigkeiten vieler Deutschen aufhören.



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Re: ZDF: 10.000 Kilometer Russland

Beitrag von GIN » Samstag 13. Januar 2018, 23:50

Ich hab wieder einmal ein Russland gesehen, so wie ich es nicht kannte. Mir fehlen hier die Berichte über die verarbeitende Industrie und dem Bauboom an der Schwarzmeerküste. Die Infrastrukturprojekte zur Krim und einen Bericht über die Konsumfreuden der Mittelschicht. Auch ein Blick auf die Stromrechnunge hätte gemacht werden müssen und mal an der Zapfsäul e den Dieselpreis belichten. Schon relativiert sich dieser Armutsbericht.

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Re: ZDF: 10.000 Kilometer Russland

Beitrag von Norbert » Sonntag 14. Januar 2018, 10:42

Stimmt natürlich - im vergangenen Jahr war ich bei einem Freund, der Russland an sich gut kennt. Immer wieder sprach er mich darauf an, ob in Russland die Korruption nicht das größte Problem und die größte Gefahr für das Land sei. Ich erzählte ihm mehrfach, dass es durchaus Korruption gibt, aber man auch ohne Korruption sehr gut leben kann - sowohl als Person als auch als Firma. Aber er war da medial extrem geprägt und wunderte sich über meine Meinung. Später war er selbst für vier Wochen in Russland und stimmte mir zu.

Das Problem ist jedoch, dass auch ein Journalist von der Quote abhängig ist - und Bilder mit Extremen werden gern gezeigt. Das normale Leben hingegen ist keinen Bericht wert, das will niemand sehen. Ich habe über die Jahre viele Journalisten in Sibirien erlebt, teils begleitet. Es ist nicht so, dass sie eine politische Vorgabe von Sender haben. Aber natürlich müssen sie eine Quote erreichen. Und darauf wird optimiert. Unterbewusst und bewusst.

Viele von uns hatten irgendwann Blogs oder regelmäßige Facebook-Berichte. Ehrlich: Wer schreibt denn da vom gewöhnlichen Einkaufszentrum, von der normalen Mittelschicht? Auch wir posten eher das Foto vom Thermometer mit -40 Grad, von den fetten Landrover auf den Parkplätzen, etc.

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Re: ZDF: 10.000 Kilometer Russland

Beitrag von cheburashka » Sonntag 14. Januar 2018, 11:48

Zur Berichterstattung hier ein sehr gutes Beispiel. Ein Bericht über Weihnachten in Russland.
https://www.zdf.de/nachrichten/heute-se ... d-100.html
Was darf nicht fehlen? Natürlich die Wirtschaftskreise, Rubelabwertung, sinkender Ölpreis und steigende Lebensmittelpreise, Putin steht als Sieger schon bei den Wahlen fest . Und der bericht ist nur ca. 2 min lang, selbst hier hat man geschafft alle üblichen Punkte abzuarbeiten obwohl dies ein Bericht über Weihnachten in Russland war.

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Re: ZDF: 10.000 Kilometer Russland

Beitrag von Berlino10 » Sonntag 14. Januar 2018, 15:09

Die Quoten-Begründung greift mMn so ganz und gar überhaupt nicht. Rus. "Journalisten" bauschen die Köln-, Pegida-, Flüchtlings-Bilder auch nicht wegen Quote zu Extremen auf, sondern um einer Agenda zu folgen. Und es ließen sich bei der ZDF-Doku sehr wohl mind. genauso spannende Bilder und Meinungen aus den Städten RUS und ihrer Mittelschicht generieren wie - In 10facher Wiederholung - aus verfallender Industrie, verlassenen Dörfern und armen Menschen. Und wenn man seine Informationspflicht und den eigenen Doku-Anspruch ("wie sieht es in RUS heute aus?) Ernst nähme, dann müsste man das auch tun.

Tun sie aber nicht, haben sie nicht. Diese sog. Journalisten brauchen keine dir. politischen Vorgaben mehr - sie wissen ganz genau, was von ihnen erwartet wird, und was gesendet wird. Und was in der Vergangenheit eben nicht mehr gesendet wurde. Innere Pressefreiheit gibt es nicht (mehr) - ob in RUS oder DEU.

Und der von cheburashka zitierte 2min "Weihnachtsbericht" zeigt ganz eindeutig, welche Agenda, welch verkommener Kampagnen-"Journalismus" und Propaganda mittlerweile auch im dt. Staatsfernsehen betrieben wird - und der einfache Michel glaubt diesen ganzen Scheiss auch noch, macht sich und äussert auf dieser Desinformationsbasis die o.g. Meinungen über RUS, die einem die Haare zu Berge stehen lassen.



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Re: ZDF: 10.000 Kilometer Russland

Beitrag von cheburashka » Sonntag 14. Januar 2018, 16:40

hier mal zwei Berichte des russischen 1. Kanals zu Weihnachten in Europa und in Deutschland
https://www.1tv.ru/news/2017-12-24/3384 ... _sochelnik
https://www.1tv.ru/news/2017-12-24/3384 ... nskih_elok
man hätte auch so neutral machen können mit Ironie und nicht ganz so ernst oder? Solche Berichte sind zwar im russischen TV seit 2014 auch seltener geworden aber sie kommen noch vor, neutrale oder sogar positive Berichte über RF waren ja schon vorher selten aber seit 2014 sind sie schon wirklich zu einer Nadel im Heuhaufen verkommen.

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Re: ZDF: 10.000 Kilometer Russland

Beitrag von Norbert » Sonntag 14. Januar 2018, 17:48

Berlino10 hat geschrieben:Tun sie aber nicht, haben sie nicht. Diese sog. Journalisten brauchen keine dir. politischen Vorgaben mehr - sie wissen ganz genau, was von ihnen erwartet wird, und was gesendet wird. Und was in der Vergangenheit eben nicht mehr gesendet wurde.
Sehe ich anders. Das beste Beispiel ist spiegel.de - dort gab es mehrfach wirklich ausgewogene Artikel, insbesondere jene von Klußmann und Christian Neef. Aber - увы - keiner interessiert sich dafür und schon nach wenigen Stunden wandern sie im Klick-Rating nach unten. Dieselbe Nachricht mit etwas mehr Sensation im Titel hält sich gleich viel besser oben.

Vor einigen Jahren hat ein Journalist eine Kolumne über einen Deutschen in Sibirien geschrieben, dem keine Kamera zu schade wäre, um vor ihr mit Schapka im Frost rumzuspringen. Gemeint war dummerweise ich, obwohl ich nicht einmal eine Schapka habe. Ich habe den Journalisten dann darauf hingewiesen, dass nicht ich die Bilder auswähle, sondern seine Kollegen immer der Meinung sind, der Deutsche muss möglichst im Schnee und nicht im warmen Einkaufszentrum gezeigt werden - er hat sich dann bei mir entschuldigt, weil er diese Möglichkeit gar nicht bedacht hat.

Genau daraus könnte ich nun natürlich eine Verschwörungstheorie spinnen: "Und es ließen sich bei der mdr-Doku sehr wohl mindestens genauso spannende Bilder mit dem Deutschen in Sibirien generieren statt - In 10facher Wiederholung - die Schapka im Wald. Tun sie aber nicht. Diese sogenannten Journalisten brauchen keine direkten populistischen Vorgaben - sie wissen ganz genau, was von ihnen erwartet wird, und was gesendet wird. Und was in der Vergangenheit eben nicht mehr gesendet wurde. Innere Pressefreiheit gibt es nicht mehr!"

Und dann sollte man Journalisten auch nie eine eigene Meinung absprechen. Natürlich berichtet jeder so, wie er es sieht. Und es gibt eben doch viele Leute, die anderer Meinung sind als wir.

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Re: ZDF: 10.000 Kilometer Russland

Beitrag von Berlino10 » Sonntag 14. Januar 2018, 19:14

Norbert hat geschrieben: Sehe ich anders.
Darfst Du ;)
Norbert hat geschrieben: Das beste Beispiel ist spiegel.de - dort gab es mehrfach wirklich ausgewogene Artikel, insbesondere jene von Klußmann und Christian Neef. Aber - увы - keiner interessiert sich dafür und schon nach wenigen Stunden wandern sie im Klick-Rating nach unten. Dieselbe Nachricht mit etwas mehr Sensation im Titel hält sich gleich viel besser oben.
Gerade SPON ist ja nun wirklich der beste Beweis dafür, wie Kampagnen-Journalismus und anti-russische Verschwörungstheorien / Propaganda, über die sich die meisten Leser dort selbst im Forum beschweren, funktioniert. Da werden dauernd anti-russische Artikel oben belassen, deren Klickraten weit unterdurchschnittlich sind, Hauptsache sie verfolgen die anti-russische Kampagne.

Und selbst die wenigen Faigenblatt-Artikel sind kaum noch zu finden und werden - sicher nicht wegen Klickraten - schnell wieder versteckt.
Es fällt auf, dass Artikel und Sendungen, die man sogar als Sternstunden betrachten kann, nicht lange im Gespräch bleiben, oft gar nicht. Komischerweise finden diese Medienereignisse keine große Verbreitung und geraten schnell in Vergessenheit. ..
Norbert hat geschrieben: Und dann sollte man Journalisten auch nie eine eigene Meinung absprechen. Natürlich berichtet jeder so, wie er es sieht. Und es gibt eben doch viele Leute, die anderer Meinung sind als wir.
Tut mir leid, da kann ich nur noch lachen. In RUS darf das auch noch jeder? Berichten, wie er es sieht?

Es gibt aber auch in DEU unzählige Beispiele von Journalisten, die eben nicht mehr so schreiben, berichten dürfen/können, wie sie es sehen. Die gekündigt wurden, deren Berichte nicht mehr oder nur noch nachts, oder in der Peripherie oder als Satire kommen, viele Journalisten die über politischer Einflussnahme klagen. Zudem verfolgen die Sender und Zeitungen eine Personalpolitik, die die herrschenden Leitlinien unterstützen, Unbequeme werden aussortiert.

Viele Journalisten können sich nicht mehr ökonomisch über Wasser halten, ohne Public-Relations-Arbeit zu leisten. Journalistinnen und Journalisten lassen sich in Kampagnen einbauen, weil ihnen gar nichts anderes übrig bleibt. Sie sind aus wirtschaftlichen Gründen dazu gezwungen. Kritischer Journalismus hat keine Geldgeber mehr in DEU: SPIEGEL, FR, ZEIT, u.a. gehören mittlerweile grossen Medien-Konzernen.

Ich erinnere nur an das Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom März 2014. An die Causa um den ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender, den die konservative Mehrheit im Verwaltungsrat Ende 2009 ums Amt gebracht hatte, weil er den Oberen nicht mehr passte. Auch der Ex-ZDF-Journalist Wolfgang Herles sagt, es gebe Anweisungen von oben für die Öffentlich-Rechtlichen.

Oder lese einfach mal den Pulitzer-Preisträger Seymour Hersh über das Einbinden regierungsnaher und die Ausgrenzung kritischer Journalisten. 1969 deckte er das Vietnamkriegsmassaker von My Lai auf, 2004 machte er den Folterskandal von Abu Ghraib publik. 2007 legte er offen, dass die damalige Bush-Regierung plante, die Moslembruderschaft und militante Gruppen mit Verbindungen zu alQaeda zum Umsturz der syrischen Regierung zu benutzen. Er, der u.a für Associated Press, New York Times, Washington Post, The New Yorker arbeitete, wird heute nicht mehr veröffentlicht.

Die Folge ist ein gehorsamer und linientreuer Mainstream-Journalismus.
Vorauseilender Gehorsam - alles Verschwörungstheorie??

Der ehemalige SPIEGEL.TV Journalist Harald Schumann: (u.a. "Staatsgeheimnis Bankrettung" Arte TV)
Innere Pressefreiheit in den Redaktionen ist keineswegs überall gegeben
Es kommt immer noch vor, daß Kollegen, die hervorragend recherchieren … nicht das schreiben dürfen und können, was der Wahrheit entspricht, sondern es wird zurecht gebogen, klein gemacht und zurecht gekürzt, wenn es den jeweiligen Gesinnungen, Absichten und Interessen ihrer Vorgesetzten nicht entspricht.
Gaby Weber, u.a. ARD-Auslandskorrespondentin Und, ja: Heute gibt es wenige sehr hoch bezahlte Redakteure und ein Heer miserabel bezahlte Freie, die, wenn sie nicht vom Tellerrand fallen wollen, ihre Berichte gemäß des Mainstreams abfertigen. Die Zensur findet im eigenen Kopf statt. Früher konnte man als Freie mit einem Bauchladen ganz gut seine Themen bearbeiten. Diese Zeiten sind vorbei.
Vor rund eineinhalb Jahren sorgte die WDR-Journalistin Claudia Zimmermann für Schlagzeilen. In einer niederländischen Radiosendung erklärte sie mitten während der Flüchtlingskrise, die öffentlich-rechtlichen Medien seien „angewiesen, pro Regierung zu berichten“. Der WDR reagierte entsetzt und dementierte, Frau Zimmermann ruderte zurück. Heute sagt sie: "Bei Sendern und Verlagen ist meine journalistische Karriere in Deutschland nach dieser Äußerung zu Ende." Mit dem WDR verhandelt sie um die Modalitäten der Trennung.
ZDF-Nahost-Korrespondent Ulrich Tilgner : ... überall droht Medien die Gefahr, durch Mächtige manipuliert zu werden. Er findet vieles, was über den Schirm kommt, zu boulevardesk, und seit die deutsche Freiheit angeblich am Hindukusch verteidigt wird, auch zu regierungsfromm.
Aber sind die eigenen Leute noch unabhängig? Tilgner tut sich erkennbar schwer mit jenen ZDF-Leuten, die nah am Berliner Regierungsbetrieb sind und dann mit dem Außenminister Frank-Walter Steinmeier nach Kabul fliegen und berichten. Mit der Regierung des Gerhard Schröder habe der eingebettete Journalismus in Deutschland angefangen, und Steinmeier setze die Tradition durch, sagt Tilgner
Ergebnis:
ZDF: Die Anstalt
Aber bei allem guten Journalismus, den es gibt, empfinde ich doch auch in der Summe als Zuschauer bei den großen, wichtigen Fragen — Sozialreformen, Rentenreformen, die außenpolitische Neuausrichtung — das Meinungsspektrum als sehr eingeengt. Das ist das Erbe dieses Wortes „alternativlos“, das bedeutet ja, bestimmte Entwicklungen müssen einfach vollzogen werden. Und jeder, der das nicht tut, der hat’s nicht kapiert.
Christine Prayon alias Birte Schneider - ZDF-Heute-Show
Wir haben Zeiten, in denen die Satire den Job des Journalisten übernehmen muss. Wer sich zum Beispiel „Die Anstalt“ anschaut, der bekommt dort schon Dinge erklärt, die er in den Mainstream-Medien nicht erklärt bekommt. Eigentlich ist das bedenklich. Da sollte man sich die Frage stellen: Welche Arbeit leistet der Journalismus nicht mehr, dass es so etwas dringend braucht? Wenn die Medien relativ gleichförmig berichten oder in eine Richtung Propaganda betreiben, übernimmt das Kabarett zwangsläufig die Aufgabe des Qualitätsjournalismus und bohrt dort nach, wo Fragen entstehen, gibt Informationen, die anderswo nicht gegeben werden und übernimmt auch die Aufgabe der Opposition….

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Re: ZDF: 10.000 Kilometer Russland

Beitrag von Jenenser » Montag 15. Januar 2018, 11:16

Berlino10 hat geschrieben: Und der von cheburashka zitierte 2min "Weihnachtsbericht" zeigt ganz eindeutig, welche Agenda, welch verkommener Kampagnen-"Journalismus" und Propaganda mittlerweile auch im dt. Staatsfernsehen betrieben wird - und der einfache Michel glaubt diesen ganzen Scheiss auch noch, macht sich und äussert auf dieser Desinformationsbasis die o.g. Meinungen über RUS, die einem die Haare zu Berge stehen lassen.
Mit Deiner Ausdrucksweise erreichst Du beim „einfachen Michel“ leider nur das Gegenteil. Obwohl mir Deine Analysen gefallen.

Wer sich ernsthaft für Russland interessiert, findet andere Möglichkeiten der Informationsbeschaffung. Ein großer Renner mit vollen Hallen sind bei uns in der Region die „Lichtbildarenen“, in denen Globetrotter über ihre 10.000 Kilometer Russland berichten. Bei Vorträgen in der VHS ist der Russlandreisende mit seinen Erfahrungen auch sofort greifbar. In Buchhandlungen gibt es lesenswerte Reiseberichte, einschließlich Reiseführer. Und nicht zuletzt trägt ja auch dieses RusslandForum mit dazu bei, ein Bild vom Alltag in Russland zu vermitteln und Vorurteile abzubauen oder aber auch sie zu bestätigen.

Sich mit dem ZDF anlegen wollen, wird wohl nach hinten losgehen. Politisches Forum – das passt schon. ;)

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Re: ZDF: 10.000 Kilometer Russland

Beitrag von Wladimir30 » Montag 15. Januar 2018, 12:58

@Jenenser, da hast Du grundsätzlich absolut recht. aber das ist schon die nächste Stufe des "Russlandinteressierten". Wenn ich nur mal meine Eltern und deren Umfeld nehme, für die Russland ein interessantes, zuweilen bizarres Land ist. Aber da geht keiner in die VHS und kauft sich auch kein Buch. Da sind die einzigen Informationsquellen die Nachrichten im TV und Berichte in der Zeitung.
«Поздравляю всех с Новым годом, желаю, чтобы вы не знали горя, удачи, любви, счастья и особенно здоровья». Виталий Кличко.



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