Unsere "Russland-Experten"

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Moderator: Admix

bauplan
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Re: Unsere "Russland-Experten"

Beitrag von bauplan » Montag 12. November 2012, 13:33

Admix hat geschrieben:
bauplan hat geschrieben:Also, erstmal sind die Russen nicht so Oberlehrerhaft und verabschieden Resolutionen zur Lage in Deutschland.
Warte es mal ab. Im Sinne der Gegenseitigkeit läßt sich (wie Du ja selbst schon bemerkt hast) viel arrangieren :D
Würde mich freuen, wenn sie es machen. Aber ist nicht so direkt deren Politik. ( Ich meine Resolutionen zur Lage in Deutschland zu verabschieden)



Nikolaus
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Re: Unsere "Russland-Experten"

Beitrag von Nikolaus » Montag 12. November 2012, 13:34

Tscha, ich schrulliger Kauz, haette mir freilich gewuenscht, dass von der Politik vor dem Treffen alles dafuer getan worden waere, um bei dem Treffen "in Gegenseitigkeit" Erleichterungen hinsichtlich von Visafragen, Fortschritte in der wirtschaftlichen, kulturellen, ... Zusammenarbeit zu erzielen.
Und nicht die stets knappe Zeit fuer "aufgegriffene innerrussische Kritik" verloren wird. Da wird sich naemlich kaum ein Konsens zwischen dem russischen und dem deutschen Standpunkt finden lassen, insbesondere wenn der letztere so ausserordentlich bemerkenswert begruendet ist. :lol:

Gunnar
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Re: Unsere "Russland-Experten"

Beitrag von Gunnar » Montag 12. November 2012, 13:44

bauplan hat geschrieben: Mitte der 90er, als die Visavergabe bei der deutschen Botschaft in Moskau katastrophale Zustände annahm. Unendliche Warteschlangen, Frechheiten etc. etc. hat das russische Aussenministerium eine Note verfasst, dass, wenn die deutsche Botschaft das nicht in Griff bekommt sich überlegt werden muss Verschärfungen für Deutsche einzuführen.
Danach wurde es besser.

Als zu Westerwelles Amtsantrittsbesuch in Moskau Russland Visaangleichungen an die deutsche Visavergabe gemacht hatte, war es eine Reaktion auf das deutsche Verschleppen der Visaabschaffung.
So gibt es logischerweise immer wieder Reaktionen auf Anlässe.
Mit anderen Ländern wie den USA sei nur der Hähnchen/Stahlkrieg genannt. USA-Beschränkungen gegen Stahl aus Russland, darauf Einfuhrbeschränkungen von Hähnchen aus den USA.

Das ist mit "Buße" wohl gemeint und hat nichts mit den bösen Russen zu tun, sondern ist allgemeine Diplomatie um auf irgendwas zu reagieren.
Diese Interpretationshilfe ist nett von Dir gemeint, bauplan, aber Uwe hatte seinen Gedanken schon einmal in folgendem Thread formuliert und ausdrücklich "die große Politik", wie er es nannte, nicht gemeint sondern klar auf persönliche Beeinträchtigungen und befürchtete Repressionen für ihn als Deutscher in Russland angespielt http://forum.aktuell.ru/viewtopic.php?f=108&t=14803
Irgendwie bin ich zu dem Schluss gekommen, dass man Russland in der letzten Zeit ziemlich viel an "Demokratieempfehlungen" zumutet und es dann mal zu dem berühmten Tropfen kommt, der das Fass ... Hat mal jemand den Gedanken durchgespielt was passieren könnte, wenn sich die Beziehungen zwischen Russland und Deutschland deutlich abkühlen. Ich spiele hier nicht auf die Folgen für die große Politik an, sondern auf die Lage der Deutschen, die sich in Russland eingerichtet haben und nun die Konsequenzen zu spüren bekommen, die ein unausgewogenes zwischenstaatliches Verhältnis mit sich bringt ... (bitte richtig verstehen: ein reines Gedankenspiel meinerseits)
Bei dieser Aussage eines Ortsansässigen höre ich (Uwe mag mich korrigieren wenn er es so überhaupt nicht meinte) doch durch, dass unberechenbare und rechtsstaatlich nicht zu rechtfertigende Maßnahmen von russischer Seite befürchtet werden, indem einem plötzlich an allen möglichen und unmöglichen Stellen Knüppel zwischen die Beine geworfen werden (was ja eine russische Spezialität zum Abbau der Lebensfreude bei unliebsamen Aufsässigen ist).

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Re: Unsere "Russland-Experten"

Beitrag von bauplan » Montag 12. November 2012, 13:48

Gunnar hat geschrieben: (was ja eine russische Spezialität zum Abbau der Lebensfreude bei unliebsamen Aufsässigen ist).
Das weisst du aus persönlichen Erfahrungen, oder weil dir jemand das erzählt hat oder weil du es irgendwo gelesen hast?

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Re: Unsere "Russland-Experten"

Beitrag von Sibirier » Montag 12. November 2012, 13:53

Also, ich kann die Resolution nicht voll unterschreiben...

Hier wird aufgefordert, dass die Regierung in die Gerichtsbarkeit eingreift (P.R.). Chordokowski und Co. (haben die die Straßburger Urteile nicht mitbekommen.... :roll: )

Deutsch als Fremdsprache zu intensivieren....

Sehe ich anders, Russland sollte Englisch mehr intensivieren, dass ist die Sprache, die am meisten auf der ganzen Welt gesprochen wird, was zählt da schon Deutsch (wäre schön als Weltsprache, ist aber nicht so). Wenn ich gefragt werde, welche Sprache sehe ich wichtiger als Fremdsprache zu lernen, dann kommt erst Englich, Französisch und Spanisch. Dann vielleicht mal erst Deutsch, aber aufgrund der derzeitigen wirtschaftlichen Entwicklung vielleicht sogar eher Chinesisch.....Das würde ich auch der dt. Delegation klipp und klar sagen.....
Ha, Waschmaschine verarscht. Socken einzeln gewaschen....



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Re: Unsere "Russland-Experten"

Beitrag von Gunnar » Montag 12. November 2012, 14:14

bauplan hat geschrieben:
Gunnar hat geschrieben: (was ja eine russische Spezialität zum Abbau der Lebensfreude bei unliebsamen Aufsässigen ist).
Das weisst du aus persönlichen Erfahrungen, oder weil dir jemand das erzählt hat oder weil du es irgendwo gelesen hast?
Das kenne ich von lokaler Ebene aus der eigenen Familie ( bzw. der meiner Frau) und das deckt sich exakt mit dem, was man von den "großen" nationalen Fällen liest und erfährt. Es scheint einfach der russische Klassiker schlecht hin zu sein und jeder der in Russland als normaler Mensch ohne Privilegien lebt und trotzdem behauptet, es sei nicht wahr, ist blind.

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Re: Unsere "Russland-Experten"

Beitrag von bauplan » Montag 12. November 2012, 14:33

Gunnar hat geschrieben:
bauplan hat geschrieben:
Gunnar hat geschrieben: (was ja eine russische Spezialität zum Abbau der Lebensfreude bei unliebsamen Aufsässigen ist).
Das weisst du aus persönlichen Erfahrungen, oder weil dir jemand das erzählt hat oder weil du es irgendwo gelesen hast?
Das kenne ich von lokaler Ebene aus der eigenen Familie ( bzw. der meiner Frau) und das deckt sich exakt mit dem, was man von den "großen" nationalen Fällen liest und erfährt. Es scheint einfach der russische Klassiker schlecht hin zu sein und jeder der in Russland als normaler Mensch ohne Privilegien lebt und trotzdem behauptet, es sei nicht wahr, ist blind.
Schön das es sowas nur in Russland gibt!!

Also ich habe bisher die Erfahrung gemacht, das gerade Deutsche in den Ämtern, in denen ich was zu tun habe schon manchmal peinlich besser behadelt wurden. Vielleicht haben wir Deutsche ja noch Privilegien.

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Re: Unsere "Russland-Experten"

Beitrag von Sibirier » Montag 12. November 2012, 14:38

Gunnar hat geschrieben:Das kenne ich von lokaler Ebene aus der eigenen Familie ( bzw. der meiner Frau) und das deckt sich exakt mit dem, was man von den "großen" nationalen Fällen liest und erfährt. Es scheint einfach der russische Klassiker schlecht hin zu sein und jeder der in Russland als normaler Mensch ohne Privilegien lebt und trotzdem behauptet, es sei nicht wahr, ist blind.
Hast Du mal als "aufsässiger Bürger" einer Stadt -wo Du auch als solcher schon bekannt warst- eine Sondergenehmigung oder Baugenehmigung z. B. in DE beantragt? Kommen wir jetzt wieder zu den Fällen wie Chordokowski & Co?
Ha, Waschmaschine verarscht. Socken einzeln gewaschen....

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Re: Unsere "Russland-Experten"

Beitrag von Dietrich » Montag 12. November 2012, 14:49

Also ich fand die Resolution war doch trotz aller Kritik recht konstruktiv formuliert.
Ich habe zwar so meine Probleme mit der Bezeichnung "Musik-Aktivistinnen" (wer denkt sich sowas aus?), aber der Rest ist nicht so derart daneben, dass man die Verfasser direkt als Dummschwätzer bezeichnen sollte. Viele Dinge sind dort mit Quellen unterlegt und bei anderen wird nur darauf hingewiesen, dass sich daraus die Gefahr eines Missbrauchs ergibt. Es wird ja nicht behauptet, dass die ganzen neuen Gesetze nur dafür geschaffen wurden, um sie anschließend zu missbrauchen. DAS wäre auch definitiv zu weit gegangen.

Eine "harsche Reaktion" von Seiten Russlands würde in meinen Augen nur beweisen, dass Russlands Regierung genau weiss, dass viele der angesprochenen Dinge wahr sind. Das ist genau die Art zu reagieren, wenn man keine Argumente hat, bzw. selbst nicht von der Stichhaltigkeit seiner Argumente überzeugt ist. Dann bezeichnet man den anderen als Oberlehrer und weist auf dessen (natürlich ebenfalls vorhandenen) Schwächen hin. Damit drängt man den anderen in die Defensive und lenkt davon ab, dass es eigentlich um die eigenen Unzulänglichkeiten ging, die in einer rein sachlichen Diskussion schnell deutlich werden würden.
Sibirier hat geschrieben:Hier wird aufgefordert, dass die Regierung in die Gerichtsbarkeit eingreift (P.R.). Chordokowski und Co. (haben die die Straßburger Urteile nicht mitbekommen.... :roll: )
Aus der Kritik an der Gerichtsbarkeit jetzt zu schlussfolgern, dass primär dazu aufgerufen wird, in die Gerichtsbarkeit einzugreifen, damit (gegen den Beschluss des Richters) verurteilte Gefangene freigelassen werden, ist doch wohl zu einfach.
Die Beispiele Chodorkowski, Lebedev, Magnitzky etc. werden als Beweise angeführt, dass es massive Probleme im russischen Gerichtssystem gibt, die es anzupacken gilt. Das eine entsprechende Korrektur des Gerichtssystems dann auch eine Neubewertung dieser Fälle mit sich ziehen würde ist natürlich klar, ist dann aber kein Eingriff in das Rechtssystem mehr, sondern die logische Folge der vorher erfolgten Korrektur. Dementsprechend wären Änderungen an den Strafmaßen eben wieder innerhalb des Rechtssystems.
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W. Churchill (1940)

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Re: Unsere "Russland-Experten"

Beitrag von domizil » Montag 12. November 2012, 17:06

... ich bin ja mehrmals zitiert wurden und versuche mal kompakt zu antworten.
Also die Ansichten von Nikolaus und bauplan und deren Interpretation zu meinen Kommentaren liegen in der Richtung wie ich sie meinte. Wenn ich in vorherigen Themen von "Gedankenspielen" gesprochen habe, so meinte ich nicht die Wiederholung des Jahres 1941, wo alle Russlanddeutschen nach Sibirien umgesiedelt wurden, sondern ich meinte damit einfach nur das mein bisher sehr einfaches Leben in Kaliningrad (oder sonstwo in Russland) dadurch erschwert werden könnte, in dem sich der russische Staat gegenüber seinen Gästen sehr korrekt benimmt. Das bringt dann eben Erschwernisse mit. Bauplan hat das schon völlig richtig beschrieben und ich spreche auch mit 25 Jahren Russlanderfahrung. Und was die Geschäftsleute anbelangt, die wollen auch nur Geld verdienen und dies mit möglichst wenig Bürokratie. Man kann aber die russischen Gesetze so umsetzen, das den Deutschen die Lust am Geldverdienen in Russland vergeht - und wer hat denn davon etwas? Wir sind doch alle nur Menschen und warum können wir nicht einfach nur menschlich miteinander umgehen?
Vielleicht darf ich an dieser Stelle schon ein wenig Eigenreklame machen für ein neues Thema in meinem BLOG: "...die Gedanken sind frei". Ich hoffe ich schaffe in Vorbereitung des Besuches der Bundeskanzlerin diesen bis morgen ins Netz zu stellen. Trotzdem "die Gedanken frei sind" möchte ich schon an den Formulierungen arbeiten - um nicht mißverstanden zu werden.
Uwe Niemeier
http://www.blog.aktuell.ru/category/kal ... em-akzent/
Das Wertvollste, was der Mensch besitzt, ist das Leben. Es wird ihm nur ein einziges Mal geschenkt, und er muß es so verbringen, dass ihn später die zwecklos verlebten Jahre nicht qualvoll gereuen...
N. Ostrowski 1930



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