Ukraine erhöht Gaspreise drastisch

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_RGP_

Ukraine erhöht Gaspreise drastisch

Beitrag von _RGP_ » Donnerstag 27. März 2014, 09:45

Die Ukraine beginnt nun die IWF-Forderungen durchzusetzen.
Die Ukraine will den Gaspreis für die Bevölkerung ab dem 1. Mai drastisch um 50 Prozent erhöhen und damit die Voraussetzung schaffen für nötige Kredite des IWF. Der Staatskonzern Naftogas kündigte zudem weitere Preisanstiege für die kommenden Jahre an.

In der Ukraine werden die Gaspreise seit vielen Jahren vom Staat erheblich subventioniert. Die Regierung sieht darin auch einen Ausgleich für niedrige Löhne und Renten. Der IWF verlangt ein Anheben der Energiepreise auf "marktübliches Niveau".

Im Gegenzug hofft Kiew auf ein bis zu 20 Milliarden US-Dollar umfassendes Hilfsabkommen. Das Land steht vor dem Bankrott, allein beim Nachbarn Russland steht die Ukraine nach Moskauer Angaben mit rund 16 Milliarden Dollar in der Kreide.
http://www.tagesschau.de/ausland/ukraine1340.html

Da Rußland die Gasrabatte gestrichen hat, wird aber dadurch auch kein allzu großes Einkommensplus für die Ukraine zustandekommen.
(Für die Pacht des Flottenstützpunkt in Sewastopol gab es bislang 30% Rabatt, weitere 30% gab es wohl kurzfristig nachdem Janukowitsch sich gegen das EU-Abkommen entschieden hatte.)

Weitere Forderungen des IWF sollen Korruptions- und Bürokratieabbau, aber auch eine Kürzung der Renten um bis zu 50% (derzeit liegen Renten im Durchschnitt bei 160$) und Steuererhöhungen sein.

Positiv wirkt sich das mit Sicherheit nicht auf die innenpolitische Stabilität aus.
Die erhofften blühenden Landschaften rücken dann wohl erst mal in unerreichbare Ferne. Sogar neue Proteste gegen die Übergangsregierung, die "unsere Ukraine" verkauft hat, wären denkbar.
Zuletzt geändert von _RGP_ am Donnerstag 27. März 2014, 12:53, insgesamt 3-mal geändert.



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Re: Ukraine erhöht Gaspreise drastisch

Beitrag von bella_b33 » Donnerstag 27. März 2014, 10:09

Alter Schwede,
das liest sich nicht gut!
Wenn ich so im Netz mal kurz schaue finde ich:
de.ria.ru/business/20120615/263803510.html‎
15.06.2012 - Im ersten und im zweiten Quartal 2012 betrug der Gaspreis für die Ukraine 416 beziehungsweise 426 US-Dollar für 1000 Kubikmeter.
Ich weiß natürlich jetzt nicht, wieviel der Staat davon weg-subventioniert hatte. Wenn das jetzt nochmals 30% mehr sind, dann gute Nacht, das kann sich ja dann dort wahrscheinlich niemand mehr leisten.
“Wow, eine superleichte Profi-Angel für 10Euro! Wo ist der Haken?"
"Es gibt keinen Haken..."

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Re: Ukraine erhöht Gaspreise drastisch

Beitrag von Kultgrieche » Donnerstag 27. März 2014, 11:56

Na, dann sind die Ukrainer nach dem 1. Mai wieder auf dem Maidan. Viel Spaß dabei.

Ich habe da eine Vision.... Januar 2015, in den warmen, behaglichen Stuben in Simerfopol packen die Kinder ihre Geschenke von Ded Moroz aus, während in Kiew der Mob auf der Straße wütet und die Eltern die Geschenke von Ded Moroz an ihre Kinder verfeuern müssen, um die Zimmertemperatur von 1°C auf 2°C zu erhöhen. Und vor dem Parlament sitzt Timoschenko auf ihrem Rollator, den Atomknopf und die Kalaschnikow in der Hand, und hält noch ein Schild: "Danke EU, danke IWF, für die Befreiung vom russichen Joch und die Segnungen des freien Marktes."
"Eines der zentralen Probleme heutzutage ist, dass die Politik so eine Schande ist. Gute Menschen gehen nicht in die Politik." (Donald Trump)

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Re: Ukraine erhöht Gaspreise drastisch

Beitrag von Dietrich » Donnerstag 27. März 2014, 12:11

Der IWF verlangt, dass die Ukraine ihren Staatshaushalt auf stabile Füße stellt, bevor es Kredite gibt. Das ist nichts anderes, als es jede Bank macht, die vorher eine Prüfung der Kreditwürdigkeit durchführt. Das die IWF konkret die Senkung der Renten verlangt konnte ich bisher nirgends lesen.
Das Russland auf den ersten Blick Kredite ohne derartige Forderungen vergibt, sieht zwar vordergründig sehr nett aus, doch auch Putin verschenkt kein Geld. Da geht es dann eben erst einmal um direkten politischen und wirtschaftlichen Einfluss. Und selbst wenn einem das im Moment irgendwie "günstiger" vorkommen mag, ist der Preis einerseits viel schwerwiegender, andererseits sind früher oder später trotzdem Reformen notwendig, denn die Kreditsumme steigt und steigt und irgendwann ist nun mal auch gegenüber Putin Zahltag.

Wenn mein Nachbar stetig mehr ausgibt als er einimmt und dabei aber auch im Winter bei weit geöffnetem Fenster die Heizung auf volle Pullt laufen hat, dann würde ich ihm auch sagen "sieh erst mal zu, dass Ausgaben und Einnahmen stimmen, bevor ich dir etwas leihe!" Denn sonst kann ich ihm die Kohle auch gleich schenken. Und nach ein paar Monaten dann gleich nochmal. Und nochmal. Und nochmal.
"Each one hopes that if he feeds the crocodile enough, the crocodile will eat him last."
W. Churchill (1940)

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Re: Ukraine erhöht Gaspreise drastisch

Beitrag von Gunnar » Donnerstag 27. März 2014, 12:16

Zynismus Zynismus Zynismus :roll:
Kultgrieche, was willst Du hier mit dieser Linie immer nur beweisen?



Nikolaus
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Re: Ukraine erhöht Gaspreise drastisch

Beitrag von Nikolaus » Donnerstag 27. März 2014, 12:35

bella_b33 hat geschrieben:Ich weiß natürlich jetzt nicht, wieviel der Staat davon weg-subventioniert hatte. Wenn das jetzt nochmals 30% mehr sind, dann gute Nacht, das kann sich ja dann dort wahrscheinlich niemand mehr leisten.
Naja, die Verantwortlichen in der ukrainischen Putsch-Regierung streiten sich ja wohl kraeftig, ob eher 400 oder 500 US-Dollar/1000 Kubikmeter von Gasprom verlangt werden wird. (jetzt sind es wohl 286 USD, die aber die Ukraine auch nicht bezahlt hat).
Subventioniert? Wie meinst Du das?
Mir scheint, der "gemeine Ukrainer" bezahlt gegenwaertig ca. 6-7 USD/Kubikmeter, also ungefaehr das 25fache vom Gasprom-Preis! Oder habe ich mich verrechnet?
http://index.minfin.com.ua/tarif/gas.php
Bei "Grossverbrauchern" unter der ukrainischen Bevoelkerung, die z.B. mit Gas heizen, koennen es wohl auch ca. 20-25 USD/Kubikmeter sein.
Und doch wohl diese Endverbraucherpreise sollen ab 01.05. um 40% angehoben werden.

Naja, selbst dann scheint mir die angekuendigte Rentenkuerzung noch schlimmer. Freilich betrifft sie ja typischerweise "nur" politisch weniger entscheidende Bevoelkerungsteile.
Aber insbesondere die 8 Mio in der Ukraine lebenden Russen werden sicherlich nachdenklich werden, wenn sie das mit der Situation ihrer Landsleute in Ru vergleichen.
Nicht grundlos erwaegt ja das Putsch-Parlament und seine Regierung eine Verschiebung der fuer Mai geplanten Praesidentenwahl.

PS. Die 8 Mio Russen brauchen freilich weder Gas noch Rente, nachdem sie von der "demokratischen" Praesidentschaftskandidation und Blitzoligarchin Julia Timoschenko atomar zerstaeubt wurden. Kein Mensch - kein Problem.

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Re: Ukraine erhöht Gaspreise drastisch

Beitrag von Berlino10 » Donnerstag 27. März 2014, 13:05

Wir alle kennen die katastrophale IWF-Politik in RUS, die das Land über Kredit-Abhängigkeiten in die totale Katastrophe geführt haben.
Zum Vorteil des Westens, der dafür sorgte, dass mit den Krediten nicht investiert wurde, sondern 70% West-Waren importiert wurden,
und Rohstoffe zu Schleuderpreisen an den Westen verkauft werden mussten.
Das langfristige IWF-Ziel, RUS zur Plünderung durch die Groß-Konzerne frei zu schiessen, konnte glücklicherweise nicht mehr erreicht werden.
Der IWF ist ein Instrument der führenden Industrie-Länder und ihrer Finanz-Lobby zur Plünderung und Versklavung der Länder, die sie vorgeben aufbauen zu wollen.


Joseph E. Stiglitz, Chef-Wirtschaftsberater von US-Präsident Bill Clinton, Chef-Ökonom der Weltbank und Wirtschafts-Nobelpreisträger - gefeuert, als er sich der Strategie des IWF/Weltbank verweigerte.
Der IWF treibt die Regierungen der Welt an, ihre Völker in die Schulden-Falle zu manövrieren. Davon profitieren die multinationalen Konzerne. Die Ausbeutung ist langfristig.

Er spricht von vier Stufen, nach denen der IWF vorgeht: Zunächst soll es Privatisierungen geben. Alles, was in die Hände der Finanz-Elite geraten kann, ist willkommen.

Stufe zwei ist die Liberalisierung der Kapitalmärkte. Investments sollen länderübergreifend ohne Hindernisse möglich sein. Wie Brasilien und Indonesien jedoch gezeigt hätten, sei das Geld nur in eine Richtung geflossen – aus den Ländern raus.

Stufe drei ist die Einführung von „marktgerechten Preisen“. Auch das eine gute Idee. Praktisch hat dies jedoch dazu geführt, dass die Preise für Nahrungsmittel, Wasser und Heizgas explodierten. (was der IWF auch in der Ukraine betrieb, aber schon Timoschenko verweigerte)

Und nun kommt, so Stiglitz, ein Zwischenschritt zur finalen Lösung: Der Nobelpreisträger spricht von den „IWF-Unruhen“. „Wenn ein Land am Boden liegt, presst der IWF das letzte Blut aus ihm heraus.“ Stiglitz nennt Indonesien, Bolivien und Ecuador als Beispiele, wo genau an dem Punkt schwere soziale Unruhen einsetzen. Soziale Unruhen haben den unschätzbaren Vorteil, dass die Preise für Unternehmen und andere Assets in den betreffenden Ländern sinken, und daher die Einverleibung durch internationale Konzerne zu einem hochprofitablen Geschäft werden lassen.

Die vierte und letzte Stufe schließlich ist der Freihandel. Stiglitz vergleicht die Errichtung von Freihandelszonen unter Aufsicht der Welthandelsorganisation WTO mit den „Opium-Kriegen“. Im 19. Jahrhundert hatten Amerikaner und Europäer einen knallharten Kolonialkrieg begonnen, der dazu dienen sollte, den Freihandel zu fördern. In der Praxis sah es so aus wie beim freien Kapitalverkehr: Lateinamerika, Asien und Afrika wurden mit Militär-Blockaden gezwungen, ihre Grenzen zu öffnen. Europäer und Amerikaner dachten nicht daran, ihre Märkte zu öffnen, sondern agierten weiterhin protektionistisch. Heute, so Stiglitz, brauche man keine Militär-Blockaden. Heute werde dies mit Finanz-Blockaden gemacht.

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Re: Ukraine erhöht Gaspreise drastisch

Beitrag von Kultgrieche » Donnerstag 27. März 2014, 13:11

Ich hoffe mal, die Ukrainer sehen sich auch mal an, was in den letzten fünf Jahren in Griechenland passiert ist, dort spüren nämlich die ganz normalen Menschen die Segnungen der EU und des IWF.
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Re: Ukraine erhöht Gaspreise drastisch

Beitrag von Norbert » Donnerstag 27. März 2014, 13:24

Kultgrieche, aber was wäre die Lösung gewesen: Weiter wie die Jahre zuvor weit mehr Geld an Griechenland geben, als das Land erwirtschaften kann? Das ist ja auch keine Lösung, oder? (Ich frage das nicht im Sinne von populistischen Forderungen, sondern weil ich wirklich gern einen Lösungsvorschlag wissen würde.)

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Re: Ukraine erhöht Gaspreise drastisch

Beitrag von bella_b33 » Donnerstag 27. März 2014, 13:28

Nikolaus hat geschrieben: Mir scheint, der "gemeine Ukrainer" bezahlt gegenwaertig ca. 6-7 USD/Kubikmeter, also ungefaehr das 25fache vom Gasprom-Preis! Oder habe ich mich verrechnet?
http://index.minfin.com.ua/tarif/gas.php
Nein, hast Du nicht! 72,54 Grivna - 6,44$ und das bei kleineren Abnahmemengen. Für ein einigermaßen Haus braucht man schon grob 5500m³ pro Jahr, selbst wenn man mit deutschem Knauser auf 23°C heizt. Die Nachbarn überschreiten den Wert dann nochmal deutlich.

Das wären dann 9,75$ pro m³. Die Preise klingen für mich unvorstellbar hoch, vor allem bei dem, was ich so an normalen Preisen in der Ukraine erlebt hab(war vor 2 Jahren mal für 2 Monate in Pavlograd), da ist alles andere wirklich supber billig.
Nikolaus hat geschrieben:Subventioniert? Wie meinst Du das?
Sorry, ich finde es grad nichtmehr. Hatte das heut morgen irgendwo gelesen, daß die Ukraine den Preis noch ein wenig herunter subventioniert, quasi damit es tragbar ist. Kann das jetzt aber grad nicht finden.

Verdammt, grad geschaut, der Strom kostet ja auch sonst wieviel.....unglaubglich. Machen die keinen eigenen Strom mehr seit Tshernobyl oder warum ist der so teuer?

Gruß
Silvio
Gunnar hat geschrieben:Zynismus Zynismus Zynismus
Zumindest das, was im ersten Satz geschrieben wurde, würde ich gar nicht mal als so abwegig bezeichnen.
“Wow, eine superleichte Profi-Angel für 10Euro! Wo ist der Haken?"
"Es gibt keinen Haken..."



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