NZZ Artikel: "Putins Schuss in eigenen Fuss"

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inorcist
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NZZ Artikel: "Putins Schuss in eigenen Fuss"

Beitrag von inorcist » Montag 31. März 2014, 22:33

Eher eine Frage an den Schweizer bzw. dem der Schweiz verbundenen Teil des Forum.

Ich bin eigentlich ein Fan der NZZ, weil sie gerade bei internationalen Themen (es sei denn es geht gegen Deutschland) eine vergleichsweise neutrale Position einnimmt und sich viel Mühe gibt, immer alle Seiten zu beleuchten.

Allerdings bin ich gerade auf diesen Artikel gestossen: Putins Schuss in eigenen Fuss.

Zugegeben, es ist ein Gastkommentar. Allerdings für die NZZ doch sehr einseitig. Oder seht ihr das anders?



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Re: NZZ Artikel: "Putins Schuss in eigenen Fuss"

Beitrag von harald63 » Montag 31. März 2014, 22:38

inorcist hat geschrieben:Zugegeben, es ist ein Gastkommentar. Allerdings für die NZZ doch sehr einseitig.
Jetzt mal ohne einen Blick reingeworfen zu haben: Ein Kommentar ist was anderes als ein Bericht oder eine Reportage. Es ist geradezu das Wesen eines Kommentars, dass er eine eher persönliche Sichtweise eines Sachverhalts wiedergibt und daher durchaus einseitig sein darf.

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Re: NZZ Artikel: "Putins Schuss in eigenen Fuss"

Beitrag von Dietrich » Montag 31. März 2014, 22:59

Das ist genau so ein Gastkommentar wie der hier von Manu verlinkte in der sich ein Herr Schulze darüber beschwert, dass man als Putinversteher nicht mehr dem Mainstream entspricht, nachdem den meisten mittlerweile klar geworden ist, mit wem man es an Russlands Spitze zu tun hat.
Und ob es nun "einseitig" ist oder nicht... immerhin hat der Herr Troebst in der NZZ ja auch Argumente für seine Meinung. Ihm scheinen diese schlüssig zu sein. Es besteht also kein Grund, den Kommentar (als solchen gekennzeichnet) nicht zu bringen.
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W. Churchill (1940)

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Re: NZZ Artikel: "Putins Schuss in eigenen Fuss"

Beitrag von klaupe » Montag 31. März 2014, 23:09

inorcist hat geschrieben:Eher eine Frage an den Schweizer bzw. dem der Schweiz verbundenen Teil des Forum
Der Kommentator ist doch Deutscher, Professor Stefan Troebst an der Universität Leipzig
Ich bin eigentlich ein Fan der NZZ
Gehört auf jeden Fall zu den Blättern, die man mit Gewinn lesen kann.
Putins Schuss in eigenen Fuss ... es ist ein Gastkommentar. Allerdings für die NZZ doch sehr einseitig. Oder seht ihr das anders?
Ich halte die aufgeführten Fakten und Beispiele für sehr realitätsnah. Sie decken überwiegend sich mit meinen Ermittlungen und die suche ich mir rund um den Globus zusammen. Einseitig? Ja, es fehlt die andere "einseitige" Seite, die sich aber im Moment das Weltbild so zusammen zimmert, wie es gerade gebraucht wird. Dabei werden dann auch gerne objektiv beweis- und belegbare Tatsachen unterschlagen, weil sie gerade nicht in die Politik Putins passen.
Manchmal muss man im Leben zwischen gutem Ruf und dem Vergnügen wählen und stellt fest, das der gute Ruf kein Vergnügen ist.

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Re: NZZ Artikel: "Putins Schuss in eigenen Fuss"

Beitrag von inorcist » Dienstag 1. April 2014, 00:08

Ich finde den Artikel insgesamt so in Ordnung. Er fasst mehr oder weniger zusammen, was ich mir in letzter Zeit denke. Und wenn er so in der FAZ oder SZ stehen würde, wäre er mir nicht weiter aufgefallen. Ich finde ihn nur für die NZZ etwas ungewöhnlich, denn hier erwarte ich eher, dass man neben den "positiven" Entwicklungen für die EU entweder auch negative Konsequenzen beleuchtet oder die positiven Effekte für Russland oder eben beides.

Ist aber eben ein Gastbeitrag, dementsprechend ist wohl etwas Spielraum erlaubt.



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Re: NZZ Artikel: "Putins Schuss in eigenen Fuss"

Beitrag von Tuersteher Ivan » Dienstag 1. April 2014, 03:25

inorcist hat geschrieben:Zugegeben, es ist ein Gastkommentar. Allerdings für die NZZ doch sehr einseitig. Oder seht ihr das anders?
Nach diesem Satz...
Viertens zeichnet sich ein Rückgang westlicher Rüstungsexporte in das militärtechnisch rückständige Russland ab
...hoerte ich auf zu lesen. Es war mir viel zu lustig :D :D :D :D . Wie Russland "militärtechnisch rückständig" ist, hat es vor kurzem auf Krim gezeigt.

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Re: NZZ Artikel: "Putins Schuss in eigenen Fuss"

Beitrag von Norbert » Dienstag 1. April 2014, 07:15

Ich finde den Artikel nicht so schlecht. Er beschönigt ja nicht die von der EU provozierte Lage in Kiew, sondern beleuchtet ausschließlich die Frage, ob die Reaktion Russlands aus russischer Sicht sinnvoll war oder nicht. Und diese Frage halte ich für berechtigt, gerade beispielsweise bei der Wirkung auf andere Partner wie Kasachstan.
Tuersteher Ivan hat geschrieben:
Viertens zeichnet sich ein Rückgang westlicher Rüstungsexporte in das militärtechnisch rückständige Russland ab
...hoerte ich auf zu lesen. Es war mir viel zu lustig :D :D :D :D . Wie Russland "militärtechnisch rückständig" ist, hat es vor kurzem auf Krim gezeigt.
Es gibt verschiedene Kriterien: Quantität und Qualität. In jeglichen Konflikten der vergangenen Jahre ist die russische Armee nie durch Qualität der Militärtechnik aufgefallen.

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Re: NZZ Artikel: "Putins Schuss in eigenen Fuss"

Beitrag von bella_b33 » Dienstag 1. April 2014, 07:30

Norbert hat geschrieben:In jeglichen Konflikten der vergangenen Jahre ist die russische Armee nie durch Qualität der Militärtechnik aufgefallen.
Ich wüsste auch nicht, daß die Russen in Sachen Militärtechnik irgendwo mit etwas Modernem aufwarten könnten, oder?
Klar, eine Haubitze von vor 30 Jahren schiesst auch....irgendwie. Nur nicht so schnell und auch nicht so weit, wahrscheinlich auch nicht so genau, kann ich mir vorstellen. Oder können die Russen mit der Schussweite(30/40/56km) und den 10 Schuss pro Minute einer PZh2000 mithalten? Andere Beispiele kenne ich aus eigener Erfahrung nicht.

Gruß
Silvio
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"Es gibt keinen Haken..."

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Re: NZZ Artikel: "Putins Schuss in eigenen Fuss"

Beitrag von klaupe » Dienstag 1. April 2014, 07:38

Tuersteher Ivan hat geschrieben:Wie Russland "militärtechnisch rückständig" ist, hat es vor kurzem auf Krim gezeigt.
Ja stimmt das denn nicht?
  1. Die vermummten Kämpfer waren ja nach Putins Angaben keine Russen, jedenfalls nicht die Armee, sondern eine bunt zusammengewürfeldet Söldnertruppe, die sich die Ausrüstung/Waffen im Militaria-Shop gekauft haben. Helme und kugelsichere Westen wurden als westliche Produkte identifiziert.
  2. Man beeilte sich, die ukrainische Flotte zu übernehmen um offensichtlich Lücken auf dem eigenen Schrottplatz zu füllen. Die wurden nicht etwa der Abwrackwerft zugeführt, sondern feierlich wurde das Andreaskreuz gehisst.
  3. Der militärische Rückstand wurde etwas aufgeholt durch die Lieferung von Waffensystemen, Elektronik und Know-How vom ehemaligen Klassenfeind.
  4. Einige russische Bestellungen über Militärausrüstung wurden jetzt auf Eis gelegt. Ich frage mich ohnehin, warum der Westen ausgerechnet Material und Wissen für das russische Militär liefert. Aber bei Geld hört die Moral und der Verstand auf.
  5. Seit dem Zerfall der CCCP hat die Armee nur noch das Überangebot an Atomwaffen, was Schrecken verbreiten kann. Der Rest verfällt immer mehr und ohne Atomwaffen wäre die Armee fast nur noch eine Lachnummer.
Manchmal muss man im Leben zwischen gutem Ruf und dem Vergnügen wählen und stellt fest, das der gute Ruf kein Vergnügen ist.

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Re: NZZ Artikel: "Putins Schuss in eigenen Fuss"

Beitrag von Axel Henrich » Dienstag 1. April 2014, 12:40

bella_b33 hat geschrieben:Ich wüsste auch nicht, daß die Russen in Sachen Militärtechnik irgendwo mit etwas Modernem aufwarten könnten, oder?
Der Umsatz der Russen in Sachen Militaer kommt ja nicht von ungefaehr ... ist also mit Sicherheit keine Einbahnstraße und dass man mit modernster Technik nicht unbedingt auch weiter kommt, ist gerade in Bezug auf Russland auch klar ... ;) , das Thema Kollateralschaeden sagt auch einiges zur Qualitaet "modernster" Technik.
Es ficht sicher manchen Schreiberling hier nicht an, aber nach einer aktuellen Einschaetzung von int. Militaerbeobachtern, ist die russ. Armee inzwischen (wieder) vollstaendig in der Lage, die ihr gestellten Aufgaben zu erfuellen ...

-ah-



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