Was bleibt noch von Deutscher Pressequalität?

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Moderator: Admix

_RGP_

Re: Was bleibt noch von Deutscher Pressequalität?

Beitrag von _RGP_ » Donnerstag 8. Mai 2014, 14:44

@Berlino: Verstehe ich das jetzt richtig?
In dem Bericht wird die Wahl von 20 Krimbürgern erläutert, und die Medien hierzulande machen da eine Umfrage draus?
Oder wird es im Bericht direkt als (repräsentative) Umfrage verkauft?
Oder haben die 20 Leute mit den Prozenten gar nichts zu tun?






Passend zum thema 'Qualitätspresse' gestern in den Tagesthemen:

Es wird ein Einspieler gezeigt, in dem Putin über "die Anhänger der Föderalisierung" spricht.
ARD-Übersetzung (ich glaube durch Udo Lielischkies): "die Seperatisten"

Übersetzungen sollten eigentlich keine Kommentare oder Interpretationen sein.



Aber jaja, ich weiß, die russischen Medien machen das auch ganz schlimm, deshalb ist es gar nicht schlimm wenn man uns hierzulande für dumm verkauft.
Schließlich gibt es ja das internationale Pressegleichgewicht, das gewahrt werden muß. Da kann man nicht plötzlich Objektiv berichten, solange die 'Bösen' bei 'denen' so stark in eine Richtung tendieren.



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Re: Was bleibt noch von Deutscher Pressequalität?

Beitrag von klaupe » Donnerstag 8. Mai 2014, 16:00

Aniki hat geschrieben:Auch wenn unsere Presse immer gleichgeschalteter und transatlantischer wird ("Sturmgeschütz der Demokratie"... pah!), so gibt es doch immer wieder und zu jedem Thema überraschend tendenzfreie und ausgewogene Artikel.
Nicht nur das, es gibt Dank Internet auch unendlich viele Informationsmöglichkeiten im In- und Ausland und falls es mit der Sprache nicht klappt, nutze ich den Translator. Da kann es mir erst mal total egal sein, was in der Presse steht. Allenfalls ist es ein Hinweis auf ein neues Thema, um dass ich mich ggf. kümmern müsste.
Anscheinend ist es für viele Journalisten doch schwer zu ertragen, immer nur His Masters Voice zu sein.
Renommierte Journalisten scheuen sich auch nicht, mit ihrer eigenen Meinung aufzutreten oder über Ereignisse zu berichten, die nicht ins heimatliche Weltbild passen.
Das fiel mir gerade vor paar Tagen auf bei einem Gespräch mit Peter Scholl-Latour. Da hat er ganz schön ausgeteilt. In einem anderen Land hätte das durchaus ein paar Jahre Lagerhaft eingebracht -- zur Besinnung.
Das ist nur ein Einzelfall und seriöse Medien vertragen durchaus auch andere Meinungen, die sie auch veröffentlichen.

Andererseits siegt immer das kommerzielle Interesse. Im Moment verkauft sich Russland/Ukraine gut und man vergisst die grauenhaften Massaker in Afrika, die blutigen Demos in Thailand oder in der Türkei usw. Wären Opferzahlen der Maßstab, würde Odessa irgendwo auf der letzten Seite stehen.
Manchmal muss man im Leben zwischen gutem Ruf und dem Vergnügen wählen und stellt fest, das der gute Ruf kein Vergnügen ist.

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Re: Was bleibt noch von Deutscher Pressequalität?

Beitrag von klaupe » Donnerstag 8. Mai 2014, 16:08

Gunnar hat geschrieben:Die russische Presse auch nur im Ansatz mit der Presse hier in D zu vergleichen, ist Äpfeln mit Birnen vergleichen.
Dort ist nämlich überhaupt keine Presse in unserem Sinne aktiv, das sind bis auf ganz ganz wenige Ausnahme Staatsorgane, Exekutivsprachrohre und Volksverdummer, die sich dafür auch noch Orden vom Präsidenten umhängen lassen.
Russland geht viel fürsorglicher mit den Bürgern um. All das verwirrende Geschreibsel, Geplapper und die optischen Täuschungen bunter Reportagebilder müssen nicht das Volk belasten.
Man darf stolz sein auf das Land und den großen Führer, der alles so herrlich lenkt und leitet und vor den bösen Außerrussischen (ich hätte fast gesagt: Außerirdischen) schützt.
Natürlich werden da die Innerirdischen auch manchmal zur Ordnung gerufen, damit der Unfug nicht überhand nimmt.
Manchmal muss man im Leben zwischen gutem Ruf und dem Vergnügen wählen und stellt fest, das der gute Ruf kein Vergnügen ist.

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Re: Was bleibt noch von Deutscher Pressequalität?

Beitrag von Anna Riccola » Donnerstag 8. Mai 2014, 22:57

Generell denke ich, dass Verallgemeinerungen immer schlecht sind. Ich denke nicht, dass Medien wie die ZEIT großartige propagandistisch geprägt sind. Vielleich würden sie ihre Anzeigenkunden nicht unbedingt vergraulen. Interessanter wären da schon die Axel-Springer-Medien, die von jedem journalistischem Mitarbeiter verlangen, eine Vereinbarung zu unterzeichnen, in der dieser bestätigt, keine negativen Einstellungen keinen die Politik der USA und Israels zu haben (jedenfalls so in der Art).

Im Fall der russischen Medien ist für eine Staatsnähe bereits durch die Teilhabe des Staates an allen Medien gesorgt.
Also sprach Zarathustra...

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Re: Was bleibt noch von Deutscher Pressequalität?

Beitrag von klaupe » Freitag 9. Mai 2014, 00:04

Es ist ja durchaus verständlich, dass die Eigentümer der Verlage und Sendeanstalten ihre bevorzugte Richtung haben. Springer ist sicherlich ein Extremfall, auch Bertelsmann , Burda, Holzbrink haben ihre bevorzugte Linie und von "Neues Deutschland" oder taz erwartet man auch eine bestimmte Ausrichtung. Bei "Die Zeit", die ein relatib breites Spektrum hat, fehlen Sex & Crime und Sport fast total, ich habe aber schon in einer Ausgabe zum gleichen Thema verschiedene Beiträge gesehen, die durchaus gegensätzlich waren. Auch die Magazine (Spiegel, Fokus, Stern usw.) haben ihre spezielle Ausrichtung und verbreiten ihre Wahrheit.
Das gleiche gilt für Sendeanstalten, wobei es schon bei der "staatlichen" ARD Unterschiede gibt. bei den werbefinanzierten Sendern bestimmen die Werbekunden den Kurs. Wäre Gazprom umsatzstarker Dauerkunde z.B. bei Sat 1, dann könnte man dort wahrscheinlich die übersetzte Kopie von Первый канал sehen.
Letztendlich sind das aber keine Geheimnisse, man kann sich darauf einstellen und durchaus das passende Medium wählen.
Anna Riccola hat geschrieben:Im Fall der russischen Medien ist für eine Staatsnähe bereits durch die Teilhabe des Staates an allen Medien gesorgt.
Es gibt durchaus ein paar andere politisch orientierte Medien, aber mit der Auflagenstärke oder Zuschauerquote sinken die Überlebenschancen drastisch.

Wir rühmen uns einer "freien Presse", in Russland ist sie eher vogelfrei oder gut gefüttert und gepflegt im Käfig.
Manchmal muss man im Leben zwischen gutem Ruf und dem Vergnügen wählen und stellt fest, das der gute Ruf kein Vergnügen ist.



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Re: Was bleibt noch von Deutscher Pressequalität?

Beitrag von fugen » Freitag 9. Mai 2014, 07:51

http://mobil.stern.de/politik/ausland/r ... ml?mobil=1

Dass es abgedruckt wurde überrascht mich :-))

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Re: Was bleibt noch von Deutscher Pressequalität?

Beitrag von Admix » Freitag 9. Mai 2014, 09:20

5 Bälle

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Re: Was bleibt noch von Deutscher Pressequalität?

Beitrag von Berlino10 » Freitag 9. Mai 2014, 17:24

_RGP_ hat geschrieben:@Berlino: Verstehe ich das jetzt richtig?
In dem Bericht wird die Wahl von 20 Krimbürgern erläutert, und die Medien hierzulande machen da eine Umfrage draus?
Oder wird es im Bericht direkt als (repräsentative) Umfrage verkauft?
Oder haben die 20 Leute mit den Prozenten gar nichts zu tun?
ZEIT + NZZ haben das gemacht, den anderen war es zu peinlich.

1 Mitglied des Rates (oppositioneller Menschenrechtsaktivist) hat die Krim besucht und mit 20 Leuten gesprochen,
20 Seiten Bericht abgegeben über die Probleme und in einem Absatz erwähnt dass, diese 20 Leute fast alle (16,17?) der MEINUNG sind, dass das Referendum gefälscht sei und ihre Zahlen-Schätzungen abgegeben. Mehr gab es nicht. Der Rat hatte diesen Bericht auf der Website, weil er ja Problembeschreibungen enthielt, inkl. der Information, dass da nur mit ein paar Leuten Gespräche geführt wurden.

Daraus macht die ZEIT, dass der RAT insgesamt jetzt durch eine Untersuchung bestätigt habe, dass das Referendum eine Fälschung sei, und nicht einmal 50% abgestimmt hätten.

Nur 99% der Leser erfahren nichts mehr darüber, dass der Artikel von vorne bis hinten gelogen war.
Und die Ukrainer auch nicht, die diesen von Soros bezahlten Rats-Aktivsten im TV haben diese Lügen verbreiten hören.

Überigens sind auch Soros - der ja die Maidan-PR bezahlt und ZEIT Hrsg. Joffe als transatlantische Aktivisten u.a. über die Münchner Sicherheits-Konferenz eng verbunden.

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Re: Was bleibt noch von Deutscher Pressequalität?

Beitrag von Gunnar » Freitag 9. Mai 2014, 21:00

Sehr witzige Journalisten-Glosse in der FAZ
"Mit einem Verdienstorden und Vierfachrente: So gewinnt man die öffentliche Meinung für seine Sache!"
Langsam glauben auch wir, dass Russland das Paradies ist und Putin ein weiser Führer seines Volkes. Um unseren Berufsstand kümmert er sich jedenfalls viel herzlicher als die deutschen Politiker. Hierzulande werden wir Journalisten ja eigentlich immer nur beschimpft: als ahnungslose, aber sensationsgeile Schmierfinken, die noch aus jedem Bobbycar eine Kampagne machen, wenn es nur der Auflage, den Einschaltquoten oder dem „traffic“ hilft. Bis in unseren Reihen einer ein Bundesverdienstkreuz in der Holzklasse kriegt, muss er sein Leben lang über Hasenzüchter und freiwillige Feuerwehren geschrieben haben.
und am Schluss:
Da ist es doch langsam an der Zeit, über einen Seitenwechsel nachzudenken. Wir sind es endgültig leid, uns Sorgen um unsere Rente machen zu müssen. Dank kann man hierzulande nicht erwarten, schon vom Arbeitgeber nicht und erst recht nicht vom Väterchen Staat. Der Kreml dagegen weiß Professionalität und Objektivität noch zu würdigen. Wir jedenfalls fangen an, Edward Snowden zu verstehen.
:lol: :lol:

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Re: Was bleibt noch von Deutscher Pressequalität?

Beitrag von m1009 » Samstag 10. Mai 2014, 07:28

.....
Zuletzt geändert von m1009 am Donnerstag 15. Mai 2014, 18:44, insgesamt 1-mal geändert.
Denken ist wie googeln, nur krasser!



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