Foreign Relations: "EU/USA sind schuld"

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Berlino10
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Foreign Relations: "EU/USA sind schuld"

Beitrag von Berlino10 » Dienstag 26. August 2014, 14:36

Der bedeutendste US Think Tank für Aussenpolitik ist das Council on Foreign Relations (deutsch Rat für auswärtige Beziehungen) http://de.wikipedia.org/wiki/Council_on ... _Relations
Ihm gehörten und gehören die wichtigsten US-Denker, ehemalige Präsidenten, Journalisten, ... an. Der CFR ist Herausgeber der zweimonatlich erscheinenden Foreign Affairs, der führenden Fachzeitschrift auf dem Gebiet der internationalen Beziehungen. In der aktuellen Ausgabe wird dem Westen die Verantwortung für die Ukraine Krise gegeben.

Why the Ukraine Crisis Is the West’s Fault
The Liberal Delusions That Provoked Putin
By John J. Mearsheimer

http://www.foreignaffairs.com/articles/ ... ests-fault
According to the prevailing wisdom in the West, the Ukraine crisis can be blamed almost entirely on Russian aggression. Russian President Vladimir Putin, the argument goes, annexed Crimea out of a long-standing desire to resuscitate the Soviet empire, and he may eventually go after the rest of Ukraine, as well as other countries in eastern Europe. In this view, the ouster of Ukrainian President Viktor Yanukovych in February 2014 merely provided a pretext for Putin’s decision to order Russian forces to seize part of Ukraine.
...
But this account is wrong: the United States and its European allies share most of the responsibility for the crisis. The taproot of the trouble is NATO enlargement, the central element of a larger strategy to move Ukraine out of Russia’s orbit and integrate it into the West. At the same time, the EU’s expansion eastward and the West’s backing of the pro-democracy movement in Ukraine -- beginning with the Orange Revolution in 2004 -- were critical elements, too. Since the mid-1990s, Russian leaders have adamantly opposed NATO enlargement, and in recent years, they have made it clear that they would not stand by while their strategically important neighbor turned into a Western bastion. For Putin, the illegal overthrow of Ukraine’s democratically elected and pro-Russian president -- which he rightly labeled a “coup” -- was the final straw. He responded by taking Crimea, a peninsula he feared would host a NATO naval base, and working to destabilize Ukraine until it abandoned its efforts to join the West.
The United States and its European allies now face a choice on Ukraine. They can continue their current policy, which will exacerbate hostilities with Russia and devastate Ukraine in the process -- a scenario in which everyone would come out a loser. Or they can switch gears and work to create a prosperous but neutral Ukraine, one that does not threaten Russia and allows the West to repair its relations with Moscow. With that approach, all sides would win.



Gunnar
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Re: Foreign Relations: "EU/USA sind schuld"

Beitrag von Gunnar » Dienstag 26. August 2014, 18:12

Was wäre es alles einfach wenn Russlands führenden Denker ähnlich selbstkritische Fähigkeiten hätten ....

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Re: Foreign Relations: "EU/USA sind schuld"

Beitrag von Gunnar » Dienstag 26. August 2014, 18:15

Am besten gefällt mir dieses Passage:
When Russian leaders look at Western social engineering in Ukraine, they worry that their country might be next. And such fears are hardly groundless. In September 2013, Gershman wrote in The Washington Post, “Ukraine’s choice to join Europe will accelerate the demise of the ideology of Russian imperialism that Putin represents.” He added: “Russians, too, face a choice, and Putin may find himself on the losing end not just in the near abroad but within Russia itself.”

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Re: Foreign Relations: "EU/USA sind schuld"

Beitrag von Axel Henrich » Dienstag 26. August 2014, 21:43

Gunnar hat geschrieben:Am besten gefällt mir dieses Passage:
“Russians, too, face a choice, and Putin may find himself on the losing end not just in the near abroad but within Russia itself.”
Das glaube ich dir sofort ... :roll:
Gunnar, das ist doch genau diese perverse Denke, die in diesem Bericht kritisiert wird?
Dieser Hass auf Putin/Russland, weil sie sich eben nicht einfach den Werten des Westens und schon gar nicht der Amis bedingungslos anschliessen wollen, ist doch schon krank. Warum bis zur Vernichtung? Ich weiß die Antwort, aber es ginge doch auch ganz gut nebeneinander und die Aggressivität geht ja nicht von Russland aus, sondern ganz klar von diesen verschissenen Amis. :oops: Ich habe dir gerade erst eine Liste, endend 2008, des amerikanischen Auslandsgebahrens gezeigt, seit 2008 kommt einiges dazu. Wenn du den Bericht gelesen hast, weisst du auch, welche perversen Taktikspielchen da in Amerika abgearbeitet werden. Und du stellst dich hier hin und kritisiert Russland/Putin ...?!
Gunnar hat geschrieben:Was wäre es alles einfach wenn Russlands führenden Denker ähnlich selbstkritische Fähigkeiten hätten ....
Angesichts dieses Berichtes ist deine Aussage schon ziemlich Weltfremd ... :lol: Es zeigt doch, dass die Russen (China, Iran) gut beraten sind, den Amis nicht über den Weg zu trauen und das Berichte aus Russland eben nicht grundsätzlich frei erfunden sind. Und was die Ukraine u.a. erwartet, hat Putin auch heute wieder angedeutet.

Council on Foreign Relations sieht Hauptschuld an Ukraine-Krise beim Westen
Wer sich an den zu Beginn dieses Jahres erfolgten Putsch in der Ukraine erinnert, wird sich darüber gewahr sein, dass das amerikanische Außenministerium in den letzten Jahren nach eigener Aussage mehr als $5 Milliarden in Maßnahmen investierte, die dazu beitragen sollten, die Ukraine politisch und wirtschaftlich in die Arme des Westens zu treiben.
Was eindeutig hinter den Aktivitäten des Westens stecke, sei "das Ziel einer Erweiterung der NATO, die Ukraine vom Einfluss Russlands zu befreien und das Land in die westliche Sphäre zu integrieren
Einige Leser werden sich vielleicht die Frage stellen, warum es im Angesicht der humanitären Lage in der Ukraine nicht endlich zu Gesprächen um einen Waffenstillstand zwischen dem durch den Westen hofierten Putschregime in Kiew und den ostukrainischen Separatisten kommt?
Die Antwort auf diese Frage könnte sich aus einem jüngst publizierten Strategiepapier des Internationalen Währungsfonds (IWF) ableiten, in dem es heißt, dass Kiew zur Sicherung und zum Erhalt seiner mit dem IWF vereinbarten Bailout-Tranchen in einer Gesamthöhe von $17 Milliarden unbedingt die gegen Kiew aufbegehrenden Regionen im Osten und Süden des Landes wieder unter seine politische und militärische Kontrolle bekommen müsse.
Andernfalls dürfte diese Bailout-Zusage im Angesicht einer immer stärker abstürzenden Hrywna sowie einer explodierenden Auslandsverschuldung, die zuletzt die Marke von $140 Milliarden erreichte, auf der Kippe stehen.
Dieser Theorie liegt der gefährliche Gedanke zugrunde, dass die USA einen erfolgreichen Atomarerstschlag gegenüber Russland (und vielleicht auch China) durchzuführen imstande seien, um in diesem Zuge die Atomarsenale beider Staaten zu zerstören. Wie gefährlich allein nur der feste Glaube an ein solches Szenario unter führenden Köpfen in Washington ist, zeigt auf, wie groß die Risiken sind, die sich aus einer nahezu unfassbaren Selbstüberschätzung dieser Neocon-Strategen ableiten.
Autor Maersheimer erteilt Russlands Staatspräsident Putin fast schon Absolution, wenn es in seinem Bericht heißt, dass eine demokratisch legitimierte Regierung in Kiew aus dem Amt geputscht wurde, worauf Putin die Halbinsel Krim besetzt habe, in der Furcht, dass die NATO dort ansonsten eine eigene Marinebasis eingerichtet hätte.
Russlands Staatspräsident Wladimir Putin sei kaum etwas anderes übrig geblieben, als sich den andauernden Destabilisierungsbemühungen des Westens im russischen Vorhof mit Verve entgegen zu stellen.
Tja in der Tat interessant, woher diese Selbstkritik ...

-ah-

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Re: Foreign Relations: "EU/USA sind schuld"

Beitrag von Axel Henrich » Dienstag 26. August 2014, 22:10

Hier auch nochmal Putin zur mistigen, zu kurz denkenden - weil nur auf den eigenen Vorteil ausgerichteten und unprofessionellen Außenpolitik der Amis:
Putin: US-Außenpolitik aggressiv und unprofessionell
"Diejenigen, die in den Vereinigten Staaten außenpolitische Aktionen planen, betreiben eine recht aggressive und aus meiner Sicht äußerst unprofessionelle Politik“, sagte Putin zum Abschluss seiner sechstägigen Lateinamerika-Reise vor Journalisten. Er registriere dies „mit Bedauern im Laufe der letzten zehn bis 15 Jahre“.
„Überall, wo sie etwas anpacken, entstehen Probleme“, so Putin. „In Afghanistan gibt es Probleme, der Irak fällt auseinander, Libyen auch.“ Hätten sich die ägyptischen Behörden nicht aufgerafft, würde es dort heute auch Erschütterungen geben.
„Sobald sie die Ukraine angetastet haben, sind dort auch Probleme entstanden
Außenamt in Moskau: US-Intervention stürzte Libyen in blutiges Chaos
Das jetzige Chaos in Libyen sei „die direkte Folge des verantwortungslosen Eingreifens der USA und derer Nato-Verbündeter im innerlibyschen Konflikt mit dem Ziel des Sturzes des Gaddafi-Regimes und einer Zwangs-Demokratisierung des Landes“.
-ah-



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Re: Foreign Relations: "EU/USA sind schuld"

Beitrag von Hokuetsu » Dienstag 26. August 2014, 22:30

Die Probleme in Afghanistan haben die Sowjets ja maßgeblich mitverursacht.

Der Telepolis-Bericht ist leider tendenziös und selektiv, da fehlt der Absatz über die militärische und wirtschaftliche Unfähigkeit Russlands eine einverleibte Ostukraine zu halten. Maersheimer Essay taugt leider gar nicht dazu der russischen Regierung Absolution zu erteilen, sondern ist wie ich finde eine durchaus ausgewogene Betrachtung der Situation. Sowas wird man auf RIA lange suchen :?

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Re: Foreign Relations: "EU/USA sind schuld"

Beitrag von Berlino10 » Dienstag 26. August 2014, 22:51

Wie Brezinski selbst zugab, haben die USA RUS in Afghanistan in die Falle gelockt, und die Gegner vorher schon massiv aufgerüstet und unterstützt.

Eine in die RF einverleibte Ost-Ukraine wird es nicht geben.

In den Nachrichten von ARD / ZDF wird man ausgewogene Berichterstattung auch nicht finden, da gibt es ebenso nur Kriegs-Propaganda.

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Re: Foreign Relations: "EU/USA sind schuld"

Beitrag von Gunnar » Dienstag 26. August 2014, 23:06

Berlino, hör doch hier bitte mit diesen abgedroschenen Hetztiraden auf. Wir haben ja alle verstanden, dass Du die deutschen Leitmedien verachtest, das muss nicht jedesmal auf diesem unwürdigen Niveau wiederholt werden, oder?

Was das Zitat von Putin angeht, so ist das eine seiner typischen fadenscheinigen Halbwahrheiten an denen er fleißig selbst mitbastelt. Die Vernichtung Syriens Chemiewaffen ist ja wohl ein 1a Beispiel dafür was möglich wäre, wenn die Russen und die Amis endlich mal zusammen was anpacken als sich andauernd gegenseitig ins Gesicht zu spucken.

Wo sind eigentlich Putins Statements zu IS? Hat er sich da schon geäußert was er sich so als weltweite Reaktion darauf vorstellt oder hat er nur mal wieder auf die Amis gezeigt? Im Kaukasus hat er ja auch seine Probleme mit den Islamisten. Wenn man seine Politik mit einem Kadyrov als Dompteur auf die Weltpolitik als Rezept überträgt, dann müßte ja mit aller Brutalität zugeschlagen werden.

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Re: Foreign Relations: "EU/USA sind schuld"

Beitrag von Berlino10 » Dienstag 26. August 2014, 23:16

Ich kann nicht mit den Hetztiraden aufhören, Gunnar.
Ich bin für die nicht verantwortlich. Ich arbeite nicht bei ARD/ZDF & Co.

Das Niveau der Leitmedien ist unwürdig, nicht die Kritik daran.
Es gibt ja immer noch genug Lemminge in DEU, die den Lügen glauben, sicher mehr Menschen als in RUS der dortigen Propaganda.

Welches Putin Zitat?
Warum fragst Du mich, wo Putins Statements bleiben? Ich stehe nicht auf seine Seite.

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Re: Foreign Relations: "EU/USA sind schuld"

Beitrag von Axel Henrich » Mittwoch 27. August 2014, 00:00

:evil:
Gunnar hat geschrieben:Wo sind eigentlich Putins Statements zu IS? Hat er sich da schon geäußert was er sich so als weltweite Reaktion darauf vorstellt [...]
Interessantes Thema, auf das GIN hier schon mal eingegangen ist. Den dussligen Amis fällt ausser Bomben natürlich nix weiter ein ... :roll: klar, selbst damit kann man weiter für Geld verdienen. Dass Sie mit ihrer egoistischen Politik mal wieder auch für IS erst den Grundstein gelegt haben, wird dabei gern vergessen ... Was wollten die Amis gleich nochmal im Irak? Der gleiche Typ ist btw auch in Lybien aktiv und mit Nuland schliesst sich dann auch der Kreis bis in die Neuzeit. Wieso sollte die Amis nun noch interessieren, ob die installierte Regierung auch wirklich alle Glaubensrichtungen mit ins Boot holt, sie haben doch was sie wollten, auch in Lybien.
Wie oft haben die Amis das inzwischen durchexerziert?!

Gunnar, du brauchst doch Putin und die Russen nicht lieben, dafür bin ich ja da ;) , aber bisken mehr Objektivitaet und Ausgewogenheit wäre doch nach all den entlarven den Nachrichten zum Thema Amis, langsam mal angebracht ...

-ah-



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