Propaganda vs. Volksverhetzung

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Sachse007
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Re: Propaganda vs. Volksverhetzung

Beitrag von Sachse007 » Mittwoch 20. Januar 2016, 19:15

Dietrich hat geschrieben: Investitutionen in eine freie Wirtschaft und entsprechende Gesetze zum Schutz von Investitionen und Eigentum wären angebracht gewesen. So ist das Geld in einem korrupten Sumpf aus Gefälligkeits-Oligarchismus versickert und die "freie Wirtschaft" wurde zum Nutzen der Oligarchen und Politiker (meist eh die gleichen) behindert und erwürgt wo es nur ging.
Aber klar.... es war der Euro....
Also, mit den Begriff "Invetstitionen in eine Freie Wirtschaft", da bekomme ich, ehrlich gesagt, das leichte Kräuseln. Das hatten wir doch auch schon in Deutschland, Schröder hat, glaube ich damit angefangen. Und danach hatten bei uns die Finanzjongleure, Großaktionäre, Finanzinvestoren und ähnliches Gelumpe freie Bahn. Vergleicht doch einmal das Mißverhältnis von Geldmenge in der "Finanzwirtschaft" sowie der Realwirtschaft. Das kann auf Dauer ne gesund sein.
Inzwischen haben wir in Europa etwas, was gelegentlich als "Postdemokratie" bezeichnet wird, also Herrschaft der Finanzoligarchie über die Politik. Erinnert Euch doch nur, wie schnelle sich die EU auf die zig Milliarden der Bankenrettung geeinigt hat und wie sie bei dem Flüchtlingsthema rumeiern, man muß halt Prioritäten setzen...
Und bei uns werden Abgeordnete selbstverständlich nicht bestochen, dafür haben sie ja zahlreiche Nebentätigkeiten (wobei keiner angeben muß, wer von wem wieviel für was bekommt). Unser System ist fast genau so faul wie das Russische, wir verkaufen es nur besser und Bestechlichkeit wird bei uns auch nur selten bestraft (außer natürlich man vergisst, seine Bestechungsgelder zu versteuern...)
Oder nehmen wir einmal den Spiegel (mit Sicherheit keine Russlandfreundliche Zeitschrift) : http://www.spiegel.de/wirtschaft/unglei ... 13655.html
Mit diesen Sätzen wollte ich sagen: Wer anfangen will, unter Russlands Teppich für alle sichtbar den Dreck hervorzukehren, sollte vorher nachsehen, ob unter dem eigenen Teppich noch Platz ist...
Ob in Ost oder West, wir alle haben unsere Oligarchen, welche alles dürfen und welche über dem Gesetz stehen...



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Dietrich
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Re: Propaganda vs. Volksverhetzung

Beitrag von Dietrich » Mittwoch 20. Januar 2016, 19:43

Sachse007 hat geschrieben:Also, mit den Begriff "Invetstitionen in eine Freie Wirtschaft", da bekomme ich, ehrlich gesagt, das leichte Kräuseln. Das hatten wir doch auch schon in Deutschland, Schröder hat, glaube ich damit angefangen.
Da haben wir uns wohl mißverstanden.
Ich meinte nicht nur - oder besser gesagt wohl "hauptsächlich nicht"- direkte monetäre Investitionen in der Wirtschaft. Sowas ist meist kontraproduktiv. Aber man kann als Staat ja auch anders "investieren". In entsprechende Gesetze, in Infrastrukturprojekte die außnahmsweise mal nicht von Oligarchpromstroi gebaut werden.
Und vor allem in den Abbau von Hindernissen und Korruption in dem Bereich. Durch Neuorganisation von diversen aus Sowjetzeit übernommenen Hindernissen wie Brandschutzinspektinen, und was es da noch an Bürokratie gibt. Durch die Schaffung unabhängiger Gerichte die auch mal gegen einen Oligarchen urteilen, wenn der Kleinunternehmer im Recht ist. Und so weiter.

Alles das sind Investitionen in eine freie, in diesem Fall vom Staat und den staatsnahen Oligarchen freie Wirtschaft die sich mit diesen Mittel bilden kann und die dann nicht gleich wieder von denen abgewürgt wird, denen sie möglicherweise durch kluges wirtschaften Gewinne streitig macht.

Aber wenn man natürlich grundsätzlich und generell an der Wirtschaft und am Kapitalismus zweifelt, dann hat Putin natürlich alles richtig gemacht.

Das die Art von Kapitalismus die er damit geschaffen hat viel schlimmer und menschenverachtender ist als alles was es so an westlicher Ausprägung gibt, das wird einfach ignoriert.
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Re: Propaganda vs. Volksverhetzung

Beitrag von Sachse007 » Mittwoch 20. Januar 2016, 19:47

Dietrich hat geschrieben: Und vor allem in den Abbau von Hindernissen und Korruption in dem Bereich. Durch Neuorganisation von diversen aus Sowjetzeit übernommenen Hindernissen wie Brandschutzinspektinen, und was es da noch an Bürokratie gibt. Durch die Schaffung unabhängiger Gerichte die auch mal gegen einen Oligarchen urteilen, wenn der Kleinunternehmer im Recht ist. Und so weiter.
Was den Brandschutz angeht, da hätte ich einen ganz heißen Tip: Das Sächsische Immobilienbüro (SIB). Das is 'ne Truppe, absolut einmalig. Man könnte meinen, die wären für den berliner flughafen zuständig (obwohl, da wären die dann nicht so schnell dort...) :lol:
Ein Beispiel: "Der Fluchtweg muß so dimensioniert sein, dass er auch passierbar ist, wenn dort Leute mit einem Smartfon beschäftigt sind." Also, für mich ist derlei Verhalten ein klarer Fall von natürlicher Auslese, es gilt Darwin... :lol:

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Re: Propaganda vs. Volksverhetzung

Beitrag von Sachse007 » Mittwoch 20. Januar 2016, 19:58

Nachtrag: Und ja, ich zweifle am Kapitalismus in seiner derartigen Form. Kapitalismus war dazu gedacht, ein Unternehmen zu leiten, aber nicht als Gesellschaftsform. War schon richtig, Dietrich, dass du "Kapitalismus" geschrieben hast, denn Demokratie im Sinne von "Herrschaft des Volkes", nun die haben wir lange nicht mehr (wenn wir sie denn jemals hatten...)

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Re: Propaganda vs. Volksverhetzung

Beitrag von Berlino10 » Mittwoch 20. Januar 2016, 20:59

Kapitalismus war so lange auch für das Gemeinwohl überlegen, wie der viel höhere Output durch private, dezentrale, private Effizienz halbwegs allen zugute kam. Dass es heute nicht mehr so ist, liegt nicht unbedingt am System, sondern daran, dass die soziale Marktwirtschaft der Finanzoligarchie geopfert wurde und wird, weil wir keine wirkliche Demokratie mehr haben. Es reicht nicht, eine Politik wählen zu können, die durch die Oligarchie dominiert wird. In BG, RU, UKR ... und auch teilweise in den USA sind wir heute so weit, dass sich Kapitalismus für die Mehrheit des Volkes nicht mehr rechnet. Ihnen fehlt es an nahezu allem, was zur Menschenwürde und zum nackten Überleben notwendig ist ...

RUS staatlicher Zentralismus plus Oligarchie ist doppelt problematisch: geringe Effizienz plus unsoziale Verteilung.



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Re: Propaganda vs. Volksverhetzung

Beitrag von lausi » Mittwoch 20. Januar 2016, 22:30

Dietrich hat geschrieben:Das die Art von Kapitalismus die er damit geschaffen hat viel schlimmer und menschenverachtender ist als alles was es so an westlicher Ausprägung gibt, das wird einfach ignoriert.
Du blendest wieder mal aus, dass die russische Art des Kapitalismus nicht von Putin geschaffen wurde, sondern von den "Reformern" in der Jelzin-Zeit. Damals wurden die Gesetze direkt von neoliberalen US-amerikanischen "Beratern" in die Federn der Ministerialbürokraten diktiert...
Mit dem Ergebnis, dass Russland kurz vor dem Staatsbankrottstand.
Du solltest mal Deine kognitive Dissonanz behandeln lassen... ;)
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Re: Propaganda vs. Volksverhetzung

Beitrag von GIN » Donnerstag 21. Januar 2016, 01:37

Dietrich hat geschrieben:
Sachse007 hat geschrieben:Das die Art von Kapitalismus die er damit geschaffen hat viel schlimmer und menschenverachtender ist als alles was es so an westlicher Ausprägung gibt, das wird einfach ignoriert.
Ich denke Du solltest einmal nach Albanien, die Ukraine, Rumänien, Bulgarien oder Teile Ungarns fahren und dann siehst Du EU Mitglieder, respektive Mitglieder in der NATO und Anwärter auf so einen Status haben nach meiner Meinung massiv schlechteres System. Gerade zu pervers sind die Zustände dort und Russland wirkt im Vergleich dazu sehr sozial.

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Re: Propaganda vs. Volksverhetzung

Beitrag von Dietrich » Donnerstag 21. Januar 2016, 12:43

GIN hat geschrieben:Ich denke Du solltest einmal nach Albanien, die Ukraine, Rumänien, Bulgarien oder Teile Ungarns fahren und dann siehst Du EU Mitglieder, respektive Mitglieder in der NATO und Anwärter auf so einen Status haben nach meiner Meinung massiv schlechteres System. Gerade zu pervers sind die Zustände dort und Russland wirkt im Vergleich dazu sehr sozial.
Dann darfst du aber Rumänien, Bulgarien oder ungarische und ukrainische Dörfer nicht mit Moskau, St. Petersburg oder anderen russischen Großstädten vergleichen sondern musst dir in RU auch die Dörfer ansehen.
Und ob da noch ein allzu großer Unterschied übrig bleibt... ich glaube kaum.
Da sind sich die Bilder doch sehr ähnlich. Und was da "perverser" sein soll... keine Ahnung.

Ganz davon abgesehen haben diese Länder keine sprudelnden Öl- und Gasvorkommen, die den Staatshaushalt füllen und deshalb zum Teil für Soziales zur Verfügung stehen sollten.
Was diese Vorraussetzungen betrifft, solltest du vielleicht den Vergleich mit Norwegen oder so suchen.
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Re: Propaganda vs. Volksverhetzung

Beitrag von Sachse007 » Freitag 22. Januar 2016, 00:14

Ich habe mich heute abend mal ein wenig mit der Atlantikbrücke beschäftigt. Meine Güte, die haben ja mehr Macht als die offizielle Regierung.
https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_von ... -Br%C3%BCc
Wirklich nette Mitgliederliste.

und die Journalisten hier auch:
http://homment.com/atlantikbruecke
Noch irgendwelche Fragen, wer uns regiert? Und warum wir eine geringfügig unausgewogene Berichterstattung haben? Neben der Truppe wirken ja manche Oligarchen wie Kleinkinder....

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Re: Propaganda vs. Volksverhetzung

Beitrag von lausi » Samstag 23. Januar 2016, 22:29

Sachse007 hat geschrieben:Ich habe mich heute abend mal ein wenig mit der Atlantikbrücke beschäftigt. Meine Güte, die haben ja mehr Macht als die offizielle Regierung.
https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_von ... -Br%C3%BCc
Wirklich nette Mitgliederliste.

und die Journalisten hier auch:
http://homment.com/atlantikbruecke
Noch irgendwelche Fragen, wer uns regiert? Und warum wir eine geringfügig unausgewogene Berichterstattung haben? Neben der Truppe wirken ja manche Oligarchen wie Kleinkinder....
Die Drehtüre bleibt gut geschmiert: Friedrich Merz geht zu BlackRock.
Friedrich Merz soll Aufsichtsratschef von BlackRock Deutschland werden, so ist zu hören. Herr Merz ist bereits Vorsitzender der Atlantik-Brücke, eine der wichtigsten deutsch-amerikanischen Lobby-Organisationen für Politik und Industrie. Friedrich Merz wird insbesondere seine teils langjährigen politischen Kontakte für seine neue Position bei BlackRock nutzbar machen können. Das betrifft auch finanzpolitische Entscheidungen von größerer Reichweite oder aber zu großen internationalen Abkommen wie etwa TTIP. In diesem Kontext wird Friedrich Merz sicherlich Gutes im Sinne von BlackRock beitragen können. Ob das für die Gesellschaft am Ende auch eine gute Entwicklung sein wird, bliebe abzuwarten.
Quelle
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- Immanuel Kant



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