AfD nur für Dumme? - Bezug zu Russlanddeutschen

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AfD nur für Dumme? - Bezug zu Russlanddeutschen

Beitrag von Bluewolf » Dienstag 26. September 2017, 12:48

Nach der Wahl...

Im Moment scheint nur noch das Thema "wer hat die AfD gewählt" in den Medien präsent zu sein^^

Allerdings gibt es dabei auch Betrachtungsweisen, die mir ebenfalls schon aufgefallen sind.

Auszug aus einer Forumsdiskussion zur Sendung "Hart aber Fair" von gestern:
Zitat
Zumindest im Westen waren es nicht (nur) die Abgehängten, welche die AfD gewählt haben, sondern auch Gut- und Besserverdiener, die ganz offensichtlich Probleme mit dem Flüchtlingsthema haben. Patzelt, und auch Bender, haben das Problem AfD deutlich besser erkannt und benannt, als die Politiker. Und wenn diese quer durch die Parteien gehende Sicht auf das Problem so bleibt, wird die AfD in 4 Jahren in Richtung 20 % gehen!

Also in BW kann man an der Statistik der Auszählung sehr deutlich erkennen, dass in Gegenden, die wohlhabender sind (nicht abgehängt) die AfD sehr viel geringere Werte hatte als in den "ärmeren". Ganz besonders stark hat die AfD in den Gebieten abgeschnitten, wo die Russlanddeutschen dominieren. Und die fühlen sich sehr wohl gegenüber den Flüchtlingen "abgehängt" und halten als ehemalige UdSSRler das Deutschtum hoch, so absurd es klingt.

Zitat
...der keine gute Figur machte ,sondern nur in altbekanntem Denken verhaftet blieb,sollte sich dringend die Unterlagen über die Wahlkreise in Baden Württemberg und Bayern ansehen.Die haltlosen Behauptungen von arm,minderbemittelt...nun,eben die altbekannten abwertenden Reden gegen Bevölkerungsteile,möge er bitte daneben legen und nachdenken! Danke
Falsch. Gerade in BW sieht man deutlich, dass es ländlichere, nicht ganz so wohlhabende und Russlanddeutsche Regionen waren, die verstärkt AfD gewählt haben. Das sieht man oft sogar in den Städten an den Stadtteilen.

Zitat
Ich als Migrant (100% nicht deutsche Abstammung, eingebürgert, studiert Dipl-Ing an TH) schreibe ihnen dass ich, da komplett integriert, die AfD gewählt habe. Es kommen mir zu viele Migranten die in Parallelgesellschaften leben werden und die ich bzw meine Kinder finanzieren muss. Mir ist auch klar dass die Welt voller Elend und dass täglich 1000de Kinder verhungern bzw an behandelbaren Krankheiten sterben so dass mich Bilder aus syrischen Flüchtlingslagern nicht schocken denn das gabs auch schon vor 2015. Wenn ich elend sehen will reicht ein Blick in die hieseigen Schlachthäuser. Esse aber weiter deutsches Fleisch vom Discounter. Ja, die Welt ist grausam, war sie schon immer.
Merken Sie nicht, wie schizophren das ist? Sie kommen mir vor wie die Menschen, die in schönsten Wohngebieten am Waldrand im Grünen ein Haus bauen und direkt danach dann durch Einsprüche und "bürgerschaftliches Engagement" dafür sorgen, dass dort nie mehr jemand bauen kann. "Nach mir muss da Schluss sein." Super Einstellung.
Die ersten zwei Antworten sind bewiesen, speziell aber das letzte Zitat erfahre ich sehr oft selbst.

Aus der Vielzahl der Beiträge hier, egal wie verschwurbelt sie manchmal sein mögen, meine ich ablesen zu können, dass euch so ein eigenes Verhalten in eurem Gastgeberland fremd wäre. Hat irgend jemand einen Plan warum jemand denkt er müsste ausgerechnet als Migrant in Deutschland die neue Heimat verteidigen?



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Re: AfD nur für Dumme? - Bezug zu Russlanddeutschen

Beitrag von Berlino10 » Dienstag 26. September 2017, 13:52

Zunächst einmal halte ich es auch für ein mehrfach lächerliches aber auch gefährliches Unterfangen der Medien,
den Aufstieg der AfD von der sozialen Schieflage im Land abkoppeln zu wollen.
Wie schwachsinnig und verlogen das ist, sieht jeder selbst mit Blick auf tatsächliche Wahlergebnisse.
Bluewolf hat geschrieben:Hat irgend jemand einen Plan warum jemand denkt er müsste ausgerechnet als Migrant in Deutschland die neue Heimat verteidigen?
Sie sehen DEU nicht als Neue sondern als Alte Heimat ... und sich selbst schon gar nicht als Migranten ...
Ich erinnere einen SPIEGEL-Bericht vor 25 Jahren, wo beschrieben und analysiert wurde, warum und wie Deutsche Spätaussiedler aus Polen so rechts, so konservativ, deutsch-national, so ausländerfeindlich sind. Das trifft wohl auch und gerade heute auf die Russlanddeutschen zu ... und wenn man sieht, wie der Osten gewählt hat, dann verblüfft es nur noch wenig, wie im Westen Russlanddeutsche Stadtteile es auch so taten.

Diese Menschen erkennen eben nicht, wer ihnen tatsächlich was wegnimmt ... sie schauen und treten nach unten, statt nach oben.
Berechtigte Wut über Mißstände und Propaganda in unserem Land bekommen die völlig falschen Ventile. Und leider sind diese Menschen so entsetzlich aufgehetzt und hasserfüllt. Was allein auf FB in den Deutsch-Russischen Gruppen für ein Ton herrschte ... da muss selbst ich schlucken und mal in mich gehen ...

Es scheint mir gerade angebracht, Beruhigung reinzubringen ... sich mit Ruhe und Licht gegen die AfD-Hetze zu stellen ... die Gaulandsche Menschenjagd ist schlimm ... ebenso der sog. Raub von Land und Volk, die man sich wiederholen müsse ... :shock:

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Re: AfD nur für Dumme? - Bezug zu Russlanddeutschen

Beitrag von saransk » Dienstag 26. September 2017, 14:15

Berlino10 hat geschrieben:Beitrag von Berlino10 » Di 26. Sep 2017, 13:52 Zunächst einmal halte ich es auch für ein mehrfach lächerliches aber auch gefährliches Unterfangen der Medien,den Aufstieg der AfD von der sozialen Schieflage im Land abkoppeln zu wollen. Wie schwachsinnig und verlogen das ist, sieht jeder selbst mit Blick auf tatsächliche Wahlergebnisse.
Volle Zustimmung

Ich weiß von Russlanddeutschen Bekannten, das es in deren Wohnort in BaWü regelrechte Partys von Russlanddeutschen stattgefunden haben, als die ersten Hochrechnungen kamen.
Diese können auch mental mit westlich geprägten Politikern wie Schulz oder Lindner gar nichts anfangen. Politiker müssen "richtige Männer" sein wie halt auch Putin, Schirinowski oder auch Trump und keine weichgekochten, ewig diskutierenden Studenten oder Psychologen/Philosophen.

Hinzu kommt eventuell auch noch, das sich die AfD für eine Aufhebung der Sanktionen gegen Russland stark macht.

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Re: AfD nur für Dumme? - Bezug zu Russlanddeutschen

Beitrag von Norbert » Dienstag 26. September 2017, 14:25

Ich habe mir gestern vielleicht 100 Kommentare unter Frauke Petrys Facebook-Eintrag durchgelesen. Ich finde die AfD nicht gut, auch nicht Frau Petrys gestrigen Schachzug. Aber die Kommentare geben einen interessanten Einblick, wer unter anderem die AfD gewählt hat und wie schnell in diesen Kreisen Zuneigung in Hass umschlägt: Volksverräterin, Mutti 2.0, ...

Ansonsten, so ehrlich muss man sein, wird man mit der AfD leben müssen. Deutschland ist zum Glück noch so demokratisch, dass andere Meinungen im Parlament vertreten sein dürfen, auch wenn sie der Elite aus Politik, Journalisten und sonstigen Entscheidern nicht gefallen. Wenn die CDU plötzlich Elterngeld einführt, die AKWs abschaltet, die Wehrpflicht abschafft, gleichgeschlechtliche Ehen zulässt und Italiens/Griechenlands Flüchtlingsproblem auf Deutschland ausweitet - dann macht sie im Parteienspektrum rechts der CDU ein Plätzchen frei. So wie Schröder damals links der SPD Raum geschaffen hat.

Wenn die AfD in Mecklenburg die Wahlbeteiligung um über 10 Prozent anheben konnte, dann fühlen sich also 10 verlorene Prozent wieder demokratisch vertreten. Das kann man doch nicht einfach lächerlich machen.

Und das schreibe ich, obwohl ich mich als grüner, linker Gutmensch einsortieren würde!

Natürlich ist das Personal der AfD mehr als zweifelhaft. Die dahintersteckenden Sorgen der Bösmenschen (das Wort muss es doch geben, oder?) muss man aber berücksichtigen und nicht totschweigen.

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Re: AfD nur für Dumme? - Bezug zu Russlanddeutschen

Beitrag von saransk » Dienstag 26. September 2017, 14:44

Berlino10 hat geschrieben:Und leider sind diese Menschen so entsetzlich aufgehetzt und hasserfüllt. Was allein auf FB in den Deutsch-Russischen Gruppen für ein Ton herrschte ... da muss selbst ich schlucken und mal in mich gehen ...
Da reicht schon ein Blick in die Kommentare bei Sputnik oder RT-deutsch. Diese dort verbreiteten "Meinungen" sind ja teilweise noch dümmer und rassistischer(auf andersdenkende bezogen) als dies teilweise in den Blätter ganz rechts verbreitet wird.
Norbert hat geschrieben:Natürlich ist das Personal der AfD mehr als zweifelhaft. Die dahintersteckenden Sorgen der Bösmenschen (das Wort muss es doch geben, oder?) muss man aber berücksichtigen und nicht totschweigen.
Und auch ernstnehmen. Das ist doch auch ein Grund, warum viele aus Protest diesmal die AfD gewählt haben. Die fühlen sich von den bisherigen Parteien und Politikern in deren ideologischem Wolkenkuckuksheim doch gar nicht mehr vertreten.



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Re: AfD nur für Dumme? - Bezug zu Russlanddeutschen

Beitrag von Wladimir30 » Dienstag 26. September 2017, 14:45

Tja, Norbert, hier haste vollkommen Recht. Gewählt ist gewählt, da beisst die Maus keinen Faden ab.

Wie ja auch D. Trump nun schlicht und einfach gewählt wurde. Ob nun sauber, oder mit rechtswidriger Unterstützung von außen, ist im Moment ja noch nicht geklärt, und deshalb erstmal irrelevant. Vielleicht hat es ja auch bei der BT-Wahl Unregelmä0igkeiten gegeben. Immerhin stehen derartige Vorwürfe ja auch (d.h. genauso) im Raum.
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Re: AfD nur für Dumme? - Bezug zu Russlanddeutschen

Beitrag von Okonjima » Dienstag 26. September 2017, 16:11

Sehr guter Post von Norbert - da bin 100 % bei Dir.
Ich würde mich auch eher als linken "Gutmenschen" bezeichnen, allerdings strikter Nichtwähler!
Mich nervt dieser aufkommende "Linksfaschismus" in D gepaart mit "political correctness".
Gewalt wird nicht "besser" nur weil der Gedankenansatz dahinter vielleicht mal ein guter war.
Mit so einenm Schwachsinn hat die RAF schon versucht ihre Taten zu rechtfertigen!
Steine bzw. Flaschenwerfer mit Regenbogenfahne bei der AfD-Wahlparty sind fast schon Helden in unseren Medien.
Natürlich sind Björn Höcke & Konsorten völlige politische Tiefflieger, aber es wird so getan, als wenn es
sowas nur bei AfD gäbe. Wenn wir also die AfD beseitigen, lösen wir die Probleme in D und alle Parteien
haben sich wieder lieb!? Blödsinn!
Außerdem fällt mir in unseren Medien folgendes auf - jedwede Opposition in einem Land dessen Regierung
unseren Medien nicht passt, sind immer die Guten. Die Opposition im eigenen Land (und das ist die AfD nun mal)
wir bis zum erbrechen verteufelt.
Zuletzt geändert von Okonjima am Dienstag 26. September 2017, 17:35, insgesamt 3-mal geändert.
"Die gefährlichste Weltanschauung ist die derer die die Welt nicht gesehen haben..."

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Re: AfD nur für Dumme? - Bezug zu Russlanddeutschen

Beitrag von saransk » Dienstag 26. September 2017, 16:39

Oki ich danke Dir für diese treffende Analyse.
Du hast mein momentanes Geschwurbel im Kopf absolut richtig wiedergegeben.
Manchmal braucht man halt Hilfe von außen

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Re: AfD nur für Dumme? - Bezug zu Russlanddeutschen

Beitrag von m5bere2 » Dienstag 26. September 2017, 18:08

Bluewolf hat geschrieben:Hat irgend jemand einen Plan warum jemand denkt er müsste ausgerechnet als Migrant in Deutschland die neue Heimat verteidigen?
Ist es nicht mit Migranten in Russland ähnlich? Ich laufe eher mal in Walenki rum als die einheimischen Russen :lol: und gebrauche eher mal absichtlich ein schönes russisches Wort statt eines Fremdwortes.

Ich finde das auch nicht verwunderlich, dass Migranten ihre neue Heimat mehr verteidigen als vielleicht die Einheimischen. Der (integrierte) Migrant hat seine neue Heimat schließlich bewusst gewählt und sich für sie entschieden und möchte das das Land, für das er sich entschieden hat, so bleibt, wie er es gewählt hat. Die Eingeborenen sind halt einfach dort geboren, haben sich nicht bewusst für das Land entschieden.

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Re: AfD nur für Dumme? - Bezug zu Russlanddeutschen

Beitrag von Bluewolf » Dienstag 26. September 2017, 18:35

Ist es nicht mit Migranten in Russland ähnlich? Ich laufe eher mal in Walenki rum als die einheimischen Russen :lol: und gebrauche eher mal absichtlich ein schönes russisches Wort statt eines Fremdwortes.
Das geht mir ja selbst auch so, obwohl ich nur Besucher bin. Im Gegensatz könnte man ja aber aber vielleicht auch sagen, dass man unsichtbar werden, im Gastland aufgehen möchte, und deshalb bestimmte Verhaltensweisen adaptiert.
Ich finde das auch nicht verwunderlich, dass Migranten ihre neue Heimat mehr verteidigen als vielleicht die Einheimischen. Der (integrierte) Migrant hat seine neue Heimat schließlich bewusst gewählt und sich für sie entschieden und möchte das das Land, für das er sich entschieden hat, so bleibt, wie er es gewählt hat. Die Eingeborenen sind halt einfach dort geboren, haben sich nicht bewusst für das Land entschieden.
Nunja, aber genau das sehe ich aber bei Russlanddeutschen nicht. Der Fall Lisa zeigte ja, dass sie mehr mit der zwischenzeitlichen Heimat verwurzelt sind, als in Deutschland. Ich glaube da geht es mehr um Futterneid.
Das dritte Zitat begegnet mir aber wie geschrieben auch sehr häufig. Und da stellt sich mir schon die Frage, ob die Ellbogengesellschaft deutscher ist als die Solidargemeinschaft. Zumindest soweit deutscher, als das ein Migrant dies eher adaptiert, weil ihn dieses Verhalten eher prägt. Ist aber wohl eher eine philosophische als praktische Frage.



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