Nationalität und Staatsbürgerschaft

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Nationalität und Staatsbürgerschaft

Beitrag von Jenenser » Montag 3. August 2015, 14:05

Zur aktuellen Flüchtlingsproblematik in DE erschien bei uns in der regionalen Presse ein Artikel, in dem bemerkt wird, dass die Flüchtlinge u.a. aus Syrien, dem Iran und aus Tschetschenien stammen:
http://www.thueringer-allgemeine.de/sta ... 1068447510
Ein Bekannter fragte mich am Wochenende deshalb etwas naiv: Tschetschenien ist doch kein eigenständiger Staat, das gehört doch zu Russland. Sind das Russen?

Mir geht es jetzt weniger um das Flüchtlingsthema, sondern um die Frage Nationalität und Staatsbürgerschaft in Russland.

Wenn wir die Uhren einmal nur um 25 Jahre zurück drehen, landen wir in einem großen Land mit zahlreichen Unionsrepubliken und autonomen Republiken und mit mehreren Nationalitäten, jedoch scheinbar nur mit einer Staatsbürgerschaft. Wann und wie erfolgte der berühmte Schnitt nach dessen Auflösung? Wer kann hier im Forum Auskunft geben?

Übrigens, nach dem Referendum auf der Krim vor einem Jahr tauschten die meisten Bewohner der Halbinsel ihren erst maximal 23jährigen ukrainischen Pass gegen einen russischen. In Russland lief in der Zeit begleitend der fast schon verstaubte Schlager: „Meine Adresse ist nicht ein Haus oder eine Straße, meine Adresse ist die Sowjetunion“:
https://www.youtube.com/watch?v=3CeBtpC4eds
Diesen Song hatte vor 10 Jahren die russische Band „Leningrad“ noch mal als Vorbild, allerdings mit anderem Hintergedanken...
https://www.youtube.com/watch?v=2Km8KHqI-mk



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Re: Nationalität und Staatsbürgerschaft

Beitrag von domizil » Montag 3. August 2015, 14:27

... am 21. Dezember 1991 stellte die Sowjetunion ihre Existenz ein. Somit gab es seit diesem Zeitpunkt keine Staatsbürgerschaft "Sowjetunion" mehr und alle im ehemaligen Verbund befindlichen Länder, Republiken usw. waren als Staat selbständig und führten ihre eigenständige Staatsbürgerschaft wieder ein. Rein technisch dauerte es natürlich viele Jahre, biss der Pass mit dem UdSSR-Emblem gegen neue Pässe ausgetauscht waren.
Tschetschenien ist eine Republik im Bestand der Russischen Föderation. Es gibt einen "Leiter der Republik" (früher auch Präsident benannt) - Ramsan Kadyrow. Dieser stellt die Zugehörigkeit der Republik zur RF nicht in Zweifel - ganz im Gegenteil. Allerdings gibt es Tschetschenen, die für die Eigenständigkeit der Republik kämpfen. Da gegen diese vogegangen wird, ist es nicht verwunderlich, dass sich diese oder jene als Flüchtlinge und Asylbewerber irgendwo in Europa melden.
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Re: Nationalität und Staatsbürgerschaft

Beitrag von Jenenser » Dienstag 4. August 2015, 10:39

domizil hat geschrieben:Tschetschenien ist eine Republik im Bestand der Russischen Föderation.
Kann ich, zum Beispiel als Staatsbürger der Russischen Föderation, so einfach von Kaliningrad nach Grosny umziehen. Und wie wird man als russischer Staatsbürger eigentlich Tschetschene oder auch Burjate (Nationalität)?

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Re: Nationalität und Staatsbürgerschaft

Beitrag von Wladimir30 » Dienstag 4. August 2015, 11:23

Es gibt viele Definitionen der Begriffe Volk, Nation etc. Darüber sind ganze Arbeiten geschrieben worden, und es gibt immer noch keine einheitlich anerkannte Defintion und vor allem keine klare Abgrenzung all dieser Begriffe.

Nation und Staatsvolk werden im allgemeinen Sprachgebrauch oft gleichgesetzt. was aber nicht richtig ist. Nation kann man unter politischen Aspekten, staatsrechtlichen oder soziologischen Aspekten betrachten.

So auch Nationalität. Im hier betrachteten Sinne ist damit wohl die Volkszugehörigkeit gemeint. Man "wird" also kein Tschetschene oder Burjate, sondern man ist solch einer durch die Geburt. So, wie wie man auch kein Bayer oder Schwabe wird. Stand so dann auch im Ausweis der Sowjetunion drin, wo sowohl die Staatsangehörigkeit (UdSSR) als auch die Nationalität (z.B. Deutsch) drinstand.

Umziehen kann man tatsächlich frei innerhalb des Landes, und wer von Kaliningrad noch Grosny umziehen will, kann dies grundsätzlich natürlich machen. Russland ist nunmal ein Vielvölkerstaat (allein an diesem Begriff merkt man schon die Schwammigkeit der Begriffe) mit vielen Föderationssubjekten, die ersteinmal rechtliche Gebilde sind und nur selten mit volks- oder erst recht mit nationenbezogenen Gruppierungen zusammen fallen. In Deutschland gibt es ja auch die Bundesländer mit ähnlich verschwommenen Zusammensetzungen. In Bayern gibt es eben nicht nur die Bayern, sondern auch Franken, Oberpfälzer etc. Eine andere Sache ist, dass es evtl. mit der in Russland aus historischen Gründen immer noch sehr umständlichen Registrierung (propiska) Probleme am neuen Wohnort geben kann. Dieses Relikt sollte schon längst abgeschafft werden. Deshalb passiert es oft, dass ein Russe zwar in einem Ort wohnt, aber in einem ganz anderen gemeldet ist.
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Re: Nationalität und Staatsbürgerschaft

Beitrag von Jenenser » Dienstag 4. August 2015, 14:26

Wladimir30 hat geschrieben:Man "wird" also kein Tschetschene oder Burjate, sondern man ist solch einer durch die Geburt. So, wie wie man auch kein Bayer oder Schwabe wird.
Die „nationale Zusammensetzung“ (национальный состав), gerade in den einzelnen Teilrepubliken Russlands, spielt scheinbar eine große Rolle. Diese Daten werden laufend aktualisiert und veröffentlicht. Ursachen würde ich jetzt in der Sprachenvielfalt sehen, einschließlich der Schulausbildung...

In DE ist das doch egal (oder „wurscht“!). Ich kenne Leute (übertrieben ausgedrückt, Staatsbürger der Bundesrepublik Deutschland), die fühlen und bezeichnen sich als Bayer, weil sie sich dort wohl fühlen. Geboren sind sie aber woanders. Ziehe ich morgen nach Berlin, bin ich auch „ein Berliner!“. Ach, und wenn ich so auf meine Geburtsurkunde schaue...
Es gibt viele Definitionen der Begriffe Volk, Nation etc. Darüber sind ganze Arbeiten geschrieben worden...
Ja, ich möchte keine neue hinzufügen. War einfach reine Neugier. Danke für Deine Ausführungen.



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Re: Nationalität und Staatsbürgerschaft

Beitrag von domizil » Dienstag 4. August 2015, 14:36

... ach Jenenser, bei uns beiden ist das relativ einfach. Du bist Ossi, ich bin Ossi - eine nach 1989 neugeborene innerdeutsche Nationalitätenbezeichnung für Minderheiten, die ich persönlich gerne annehme. Ich selber bin vielleicht auch noch Neu-Russlanddeutscher.
Rein vom Gefühl her glaube ich, dass es auch in Russland eine Rolle spielt (genau so wie in Deutschland) aus welcher Region (Krai, Republik) man kommt. Da gibt es auch böse Bezeichnungen und "Witze", z.B. für diejenigen die aus dem Süden kommen, oder für die Tschuktschen ... ähnlich wie in Deutschland. Preußen und Bayern sollen ja auch ein differenziertes Verhältnis zueinander haben ...
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Re: Nationalität und Staatsbürgerschaft

Beitrag von Jenenser » Dienstag 4. August 2015, 14:53

domizil hat geschrieben: Ossi - eine nach 1989 neugeborene innerdeutsche Nationalitätenbezeichnung für Minderheiten...
Bild :lol:

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Re: Nationalität und Staatsbürgerschaft

Beitrag von Wladimir30 » Dienstag 4. August 2015, 20:20

domizil hat geschrieben: Ich selber bin vielleicht auch noch Neu-Russlanddeutscher.
Russlanddeutsche sind Deutsche, die in Russland geboren und evtl. noch aufgewachsen sind. Du bist dann wohl eher ein Deutschlandrusse??? :D
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Re: Nationalität und Staatsbürgerschaft

Beitrag von domizil » Dienstag 4. August 2015, 20:57

Wladimir30 hat geschrieben:Du bist dann wohl eher ein Deutschlandrusse???
... ach, nun wollte ich mich in einen eingebürgerten Status einschleichen ... und es ist nichts geworden. Gut, gründen wir halt eine neue Nationalitätengruppe.
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Re: Nationalität und Staatsbürgerschaft

Beitrag von m1009 » Mittwoch 5. August 2015, 06:27

Jenenser hat geschrieben:
domizil hat geschrieben: Ossi - eine nach 1989 neugeborene innerdeutsche Nationalitätenbezeichnung für Minderheiten...
Bild :lol:

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