Wie lange bleibt man Russe/Russin?

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klaupe
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Wie lange bleibt man Russe/Russin?

Beitrag von klaupe » Samstag 2. Januar 2016, 13:06

Ein Phänomen beschäftigt mich schon lange, doch eine Antwort habe ich noch nicht gefunden.

Ein paar Gedanken dazu:
  • Viele meiner Bekannten, Verwandten (via meine Frau), Freunde sind Russen, jedenfalls sehen sie sich selbst so.
  • Die in Russland ansässigen Russen meine ich hier nicht. Klar, das sie Russen sind.
  • Etliche leben in Deutschland und haben hier die Staatsbürgerschaft erworben. Teilweise sprechen sie mehr oder minder gut Deutsch, ein Teil perfekt und mitunter sogar ohne Akzent.
  • Die Verwandschaft meiner Frau lebt überwiegend in Lettland und haben seit der neuen Staatsgründung auch die lettische Staatsbürgerschaft. Früher waren die Älteren natürlich Sowjetbürger in der LSSR/ЛCCP aber nie in der der RSFSR/РСФСР.
  • Ein paar ihrer Verwandschaft sind in Westeuropa, vorwiegend GB, verheiratet oder lange ansässig. Größtenteils haben sie die neue Staatsbürgerschaft.
  • Ein Teil ihrer Verwandschaft stammt von Vorfahren ab, die unter Stalin aus Russland nach Lettland zwangsumgesiedelt wurden. Nach den Regeln des Ariernachweises der Nazis wären es also Russen. Aber ist die Nazidoktrin ein Maßstab?
  • Andererseits scheint mir das Etikett "Russe" aus sicht dieser "Russen" nach den Naziregeln vererbbar zu sein, obwohl es bei den Vorfahren reichlich "Andere" (Polen, Litauer, Deutsche, Juden, Ukrainer usw.) gab, deren Nationalität scheinbar nicht ansteckend ist.
  • Ein Teil aus meinem Bekanntenkreis sind Russlanddeutsche. In Russland galten sie als Deutsche, hier haben sie einen deutschen Pass und sprechen untereinander fast nur Russisch. Obwohl sie wie Russen auftreten, sind es die Einzigen, die mitunter böse werden, wenn man sie als Russen bezeichnet.
    • Kuriosität am Rande: Eine gute Freundin von mir ist (oder war vor gut 15 Jahren) "echte" Russin. Ihr Mann und Schwiegereltern sind Russlanddeutsche. Sie spricht perfekt Deutsch, ihr "Deutscher" Mann kann sich nur mühsam unterhalten und die "deutschen" Schwiegereltern können nur Russisch und etwas Kasachisch. Natürlich sind alle inzwischen schon lange deutsche Staatsbürger.
  • Fast alle, die von denen nicht in Russland leben, wollen mit Russland nichts zu tun haben und würden auch nicht in die "alte Heimat" Russland umziehen.
Meine Frage ist nun, warum man "Russe" so hartnäckig vererben kann.

Den Deutschen in Deutschland hat man dieses Herkunftsdenken nach 1945 gründlich augetrieben. Wer die deutsche Staatsbürgerschaft hat, ist offiziell kompromisslos Deutscher, selbst wenn er sich selbst nicht so sieht.
Manchmal muss man im Leben zwischen gutem Ruf und dem Vergnügen wählen und stellt fest, das der gute Ruf kein Vergnügen ist.



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GIN
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Re: Wie lange bleibt man Russe/Russin?

Beitrag von GIN » Samstag 2. Januar 2016, 14:48

KLaupe, man bleibt solange ein Russe (Russe/Russländer) solange man ein Russe (Russe/Russländer) bleiben kann.
Wir sind ja als Menschen nichts anderes als die Summe unserer gesamten Erfahrungen. Etwas stark vererben kann man nur wenn man die Sozialisierung massiv steuern kann. Etwas in Deutschland jetzt massiv zu vererben ist sehr leicht. In Deutschland wird auch nichts gefordert.

Deine Aussage "Den Deutschen in Deutschland hat man dieses Herkunftsdenken nach 1945 gründlich augetrieben. Wer die deutsche Staatsbürgerschaft hat, ist offiziell kompromisslos Deutscher, selbst wenn er sich selbst nicht so sieht." scheint formal vielleicht zu stimmen.
In der Wirklichkeit wird zbs eine Person immer noch nach dem Dorf in der Türkei/Nordafrika/Afghanistan/Russland gefragt von dem sein Urgrossvater oder Grossvater hergekommen ist. Diese Menschen werden damit verunsichert und klammern sich an Rettungsschirmen wie radikaler Islam, Islam, Auswanderung, türkischer Nationalismus, Drogen, Materialismus, usw..
Den wer nichts fordert (Inländer), der kann auch nichts bekommen (Ausländer).
In Wirklichkeit unterstelle ich der Gesellschaft in Deutschland weder interessiert noch vorbereitet zu sein irgendwelche Einwanderung zu akzeptieren. Deshalb benutzt man ja auch so lustige Kunstwörter wie "Integration".. weil das überhaupt nichts heisst. Es ist eine Seifenblase. Etwas integrieren würde ja die Assimilation sein. Im Lexikon kann man schön über die Assimilation lesen. Assimilation ist aber weder gewollt weil vermutlich sogar von vielen Personen gefürchtet. Die ganzen Jobs wie Integrationsbeauftragte, Sprachschullehrer, Islamlehrer und die Asylindustrie würden sofort verschwinden und Millionen von meist linkslastigen Beamten und Angestellte müssten sich irgendwo andere Jobs suchen, respektive ihren Schuldienst massiv verändern. Wohin mit einem Alt 68er der nichts anderes gelernt hat als Sozialpädagogie und Geschichte? zu mir an die CNC Maschine vielleicht?. Weiter unterstelle ich der geistigen Elite in Deutschland jegliche Art von deutscher Identität zu zerstören mit dem tieferen Sinn eine europäische Identität versuchen zu erschaffen. Anders könnte man die Verunsicherungspolitik gegenüber den "Inländern" und "Ausländern" nicht mehr erklären. Endlich eine Einwanderungspolitik zu betreiben mit dem Ziel "Deutsche" zu bekommen ist unerwünscht so wie die Kanadier, Amerikaner, Australier das betreiben. Dort in Kanada kommt keiner auf die Idee einen John Chen in der zweiten Generation nach der Provinz in Südchina zu fragen und Herr Chen kommt auch nicht auf die Idee seinem Sohn einen chinesischen Vornamen zu geben. Assimilation die funktioniert.

Zum Thema Deutscher aus Russland habe ich dir schon mehrmals geschrieben. Der in Russland sozialisierte Deutsche konnte nur Deutsch bleiben in dem er der deutschen Sprache mächtig war, eine deutsche Abstammung hatte und die lutherische Religion behielt. Man achtete das man nur deutsche Frauen heiratete weil damit die Sprache gerettet wurde. Es war ein unheimliches schweres Unterfangen das Deutschtum zu erhalten. Man desertierte aus der Armee, man ging nicht zur Schule, sass im Gefängnis, wurde erschossen, vertrieben und verbannt. In Russland oder in der UdSSR war der Assimilationsdrang erst sehr gering. Er stieg erst in den 40er Jahren und hatte Ende der 80er Jahre aus vielen "Deutschen" einen Sowjetmensch erschaffen der als Muttersprache Russisch hatte. Das betraf auch viele andere Nationalitäten und ging bis etwa zur Auflösung der UdSSR.
Dir hilft vielleicht alte deutsche Literatur, respektive Literatur aus den 80ern aus der UdSSR um den Geistesgängen vieler Russlanddeutscher zu folgen . Vor 1918 zbs findest du noch den Begriff "Russländer" und man unterschied auch bis 1918 oft ethnische Russen mit Russländern. In den 80er Jahren der UdSSR kann man dann sehr viel über die Gedankengänge der deutschen Sowjetmenschen lesen. Auch ein vollkommen neuer Typ von Mensch.
Da Du immer mal wieder mit Lettland schreibt. Schau dir auch einmal die Biografie von Alfred Woldemarowitsch Rosenberg und versuche an und suche seine verbotenen Werke. Dann hast du noch etwas zum baltischen Typ des Russländers und eben nicht des Letten oder Esten.. was wiederum mit dem "Russländer" zu tun hat und der geistigen Sicht die gerade im heutigen Russland wieder stark verbreitet ist. In vielen Reden von Putin zbs finde ich immer wieder Erinnerungen an die Geistesgänge von Russländern aus der Zeit vor den Sowjets verbunden mit Gedankengängen von Sowjetmenschen aus den 80er Jahren.


P.S. Der Alfred Rosenberg zbs war bis vermutlich zu seiner Hinrichtung ein "Russländer". Ich weiss das er unter seinen "Balten" in Riga 1941-1944 immer in der russischen Sprache fluchte und sein Teelöffel in der Tasse behielt. Somit ist er vermutlich ziemlich lange ein Russländer geblieben auch wenn er schon 1919 nach Deutschland auswanderte. Sogar der Nationalsozialismus half ihm nicht die russischen Streifen abzulegen :lol:

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Re: Wie lange bleibt man Russe/Russin?

Beitrag von Berlino10 » Samstag 2. Januar 2016, 15:31

Wer etwa 20 Jahre als Sowjetbürger in Abchasien aufgewachsen ist, 20 Jahre in RUS gelebt hat, der wird diese Identität immer behalten, auch wenn er die nächsten 40 Jahre in DEU leben und sogar die dt. Staatsbürgerschaft annehmen sollte. Auch ich würde selbst dann Deutscher bleiben, wenn ich meine nächsten 40 Jahre in der RF leben würde. Daran änderte auch eine angenommene Staatsbürgerschaft nichts, und das sehe ich aber nicht nur spezifisch für RUS so. Nur wer seine alte Heimat verachtet, die Erinnerungen auslöschen will, könnte scheinbar äusserlich fast vollständig "mutieren"

Andy
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Re: Wie lange bleibt man Russe/Russin?

Beitrag von Andy » Sonntag 3. Januar 2016, 23:34

Mal 'ne Frage an die Berliner: wer assimiliert sich in Berlin eher: der Russe oder der Oberbayer? Und haengt das davon ab, ob man in Ost- oder in Westberlin wohnt?

LeonS

Re: Wie lange bleibt man Russe/Russin?

Beitrag von LeonS » Sonntag 3. Januar 2016, 23:51

Bin in Kasachstan geboren, in Deutschland aufgewachsen. Was soll ich da ? Werde kaum noch auf meine Hekrunft angesprochen. Bist du Rentner ? Meine Zeit wäre mir zu schade, um mich mit diesem Thema zu beschäftigen. Ansonsten: пока и скули дальше :roll:



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Re: Wie lange bleibt man Russe/Russin?

Beitrag von Okonjima » Sonntag 3. Januar 2016, 23:58

Warum soll man irgendwann seine Nationalitaet verlieren?

Ausserdem - wenn ne Katze im Fischgeschaeft Junge kriegt, sind es doch auch keine Heringe! [run]
"Die gefährlichste Weltanschauung ist die derer die die Welt nicht gesehen haben..."

Alexander v.Humboldt

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Re: Wie lange bleibt man Russe/Russin?

Beitrag von Berlino10 » Montag 4. Januar 2016, 02:00

@ Okonjima: ich glaube nicht, dass es immer um Nationalität gehen muss

@ Andy: mit Berlin konnte ich mich in 20 Jahren nicht komplett vereinigen - ich bin immer (auch) Badener / Süddeutscher geblieben

@ LeonS: Geburt zählt mMn nach zunächst nur wenig, wenn man dort nicht groß geworden ist ... und/oder die Traditionen fern ab gelebt werden

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Re: Wie lange bleibt man Russe/Russin?

Beitrag von Evgenij » Donnerstag 30. Juni 2016, 11:19

Ein kleiner (persönlicher) Beitrag meinerseits..

- in puncto "Russlanddeutsche" (Spät-/Aussiedler, Voklsdeutsche... etc.) könnte ich, glaube ich keine "neuen" Informationen mitteilen,
zwar bin ich neu hier, jedoch gehe mal davon aus, dass das Thema hier bereits ergiebig ausdiskutiert worden war..

Demnach nur kleine Ergänzung aus der eigenen Familie:

- Bin ja selbst aus einer Mischehe (1. Grades) hervorgegangen, soll heißen - dass meine Vorfahren (väterlicherseits) keine Mischehen schlossen,
nur mein Vater als "erster", der dies getan hat, selbst aber, als er noch klein war, zwar im sibirischen Dorf geboren, kein einziges Wort in Russisch bis zu seinem 7. Lebensjahr (sprechen) konnte, danach eingeschult, und erst dort zum ersten Mal mit dem Russischen in Kontakt getreten worden war.
- es herrschte ja zu dieser Zeit noch (bis Mitte der 50-ger Jahre) die sog. Kommandatur-Regime, nach der die Deutschen unter - gelinde ausgedrückt - "bedrückenden Verhältnissen" zu leben hatten -, sprich hatten fast keine Rechte: durften das Dorf nicht verlassen, keine offiz. ru-Papiere besitzen, kein Kontakt zu Einheimischen, so eben kein Schulbesuch für Kinder, durften keine "normale" Wohnungen/Häuser beziehen (meist in sog. Землянка's gewohnt), mussten in Trudarmee den Dienst ableisten etc..

- Widerum (aktueller Bezug) andererseits habe ich heute noch auch einige "Verwandte" (седьмая вода на киселе) mit dem schönen deutschen Namen "Schmidt", welche alle in Russland geboren sind (bis heute keine einzige Mischehe geschlossen!) und weiterhin in Ru (am Baikalsee) fröhlich leben (wo gleichzeitig fast alle Verwandten inzwischen (längst) nach D übergesiedelt sind), und die sich aber unter keinen Umständen, gar zu Besuchszwecken nach D trauen (würden) (einer, aus der jungeren Gen., nach 20 Jahren Überrede doch einmal D besucht) und geben sich dabei als "echte" (gar patriotischer Art) Russen aus/fahren auch ausschließlich russische Wägen (Ladas)!!

- So gesehen, ist man derjenigen Kultur nähergebunden, der man sich am nähesten fühlt, und zwar unabhängig von der Nationalitätsangehörigkeit -

Hier noch - präzisionshalber - ein Link mit den wichtigsten Fachtermini aus der Kulturologie (ist gut erklärt - die Unterschiede)
- http://niorgil.blogspot.ru/2013/11/blog-post.html und bzgl. der aktuellen russischen (russländischen) Politik in Sachen "Zugehörigkeit"/"Pass"
- https://www.youtube.com/watch?v=-rjcaguA_k8

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Re: Wie lange bleibt man Russe/Russin?

Beitrag von m5bere2 » Donnerstag 30. Juni 2016, 13:04

Evgenij hat geschrieben:So gesehen, ist man derjenigen Kultur nähergebunden, der man sich am nähesten fühlt, und zwar unabhängig von der Nationalitätsangehörigkeit
Ich weiß nicht recht, was du damit sagen möchtest. Nationalität/Ethnie definiert sich doch meistens sowieso über Zugehörigkeitsgefühl, also Kultur und Sprache. Worüber auch sonst? Blut? Spätestens nach dem zweiten Weltkrieg hat sich alles so vermischt, dass kaum einer sagen kann, wer seine Vorfahren sind. Auch in Russland ist das generell schwierig, da wurde sich ja in Sibirien viel mit den originalen Einheimischen, im Süden mit Tataren gepaart, russische Männer haben sich türkische Frauen aus dem Krieg mitgebracht, usw.

Wenn es nach Blut ginge, dürfte sich also kaum jemand "Russe" nennen. Also ist Russe genau der, der sich russisch fühlt. Nichts überraschendes.
Die russische Verfassung garantiert jedem das Recht, sich seine Nationalität/Ethnie selber auszusuchen und anzugeben oder nicht. Wenn ich möchte, darf ich in meinen Виж на жительство oder in meinen russischen Pass auch schreiben, dass meine Nationalität chinesisch oder russisch ist.

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Re: Wie lange bleibt man Russe/Russin?

Beitrag von Evgenij » Donnerstag 30. Juni 2016, 17:01

Ich weiß nicht recht, was du damit sagen möchtest...
Hallo,
es war von mir vielleicht etwas ungeschickt ausgedrückt gewesen.., und Du hast im Prinzip schon Recht, mit dem was du geschrieben hast -, nur was ich meinte, ist Folgendes:
Habe diese Anmerkung zum Schluss nur anhand eines bestimmten Beispiels (Familie „Schmidt“) formuliert. Nun aber etwas konkreter:
- wenn ich noch alle daran erinnern darf, dass ja die Wolgadeutschen, trotz der Behausung auf „fremdem“ Territorium, immerhin fast zweihundert Jahre „unter sich“, also autonom (-> autonome Republik der Wolgadeutschen) geblieben sind, mit Allem was dazu „kulturell“ auch gehört. Im Zuge der Deportation (ab 1941) sind die „Minderheiten“ in die verschiedenen Regionen der UdSSR zwangsumgesiedelt worden, auch meine Großeltern, welche dann bereits in Sibirien ihre Kinder zur Welt brachten (darunter auch mein Vater).
Aber ebenso der eine von den Schmidts, aus derselben Generation wie mein Vater -, diese Kinder wurden ja zunächst einmal weiterhin als Deutsche großgezogen – und erst peu à peu fand der Prozess in die russische Kulturalisation statt. Der eine von den Schmidts (samt seiner Nachkommen) ist dann so weit in die russische „Welt“ sozialisiert (Verinnerlichung)worden, dass er in dem Vorgang seiner Integration, ja fast an den Grenzfall der Assimilierung gestoßen war! (da er dabei sein „Deutschsein“ fast zur Gänze abgelegt hatte).

Ich hatte ja diese letzte „Schlussfolgerung“ nur im Zusammenhang, einer hier im Forum eingeführten Behauptung: „man bleibe eigentlich für immer "selbst", wenn man zB mit zwanzig Jahren in ein fremdes Land kommt und dort die nächsten vierzig Jahre verbringt“, gebracht, wo ich aufzeigen wollte, dass dies nicht immer (zwangsläufig) der Fall zutreffend sein muss.

Des Weiteren, kenne ich persönlich noch einen Mann, welcher hier als weiteres Beispiel dienen könnte, und zwar:
- Ist er bereits im Jahr 1973 (damals noch über Moldawien) nach Deutschland (BRD) als 21-Jähriger Aussiedler ausgewandert und da es zu dem Zeitpunkt noch sehr wenige „Seinesgleichen“ ansässig vor Ort waren, so verlief die Integration recht flott bei ihm, dabei hatte er aber Kontakte zu Russland nie (richtig) aufgegeben (was eigtl. auch nichts Besonderes wäre), jedoch während meiner Gespräche mit ihm (er konnte fast akzentfreies Russisch – las auch russische Literatur), hatte ich zumindest den Eindruck, dass er nur zu ca. 20-30% vom „Russischsein(s)“ behielt, denn er konnte die mentalitätsmässigen (verhaltenstypisch) Merkmale - meiner Meinung nach - nicht (mehr) aufweisen, also den Rest die deutsche „Kultur“ in ihm ausmachte (Einfluss fand)! (Vielleicht ist es auch nur seine spez. Wesensart gewesen).

Gruss



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