Frage zum Landleben in Sibirien - mit Filmtip!

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Wladimir
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Frage zum Landleben in Sibirien - mit Filmtip!

Beitrag von Wladimir » Montag 11. Dezember 2017, 01:33

Priwjet!

Auch wenn ich hier schon länger mitlese, habe ich mich jetzt erst angemeldet, weil ich etwas fragen möchte.
Seht Euch doch mal diesen eindrucksvollen Film bei Arte an - es geht um Altgläubige, die sehr abgelegen in Sibirien wohnen:
https://www.arte.tv/de/videos/069062-000-A/braguino/

Im Filmtext heißt es, sie lebten "autark" und 700 km vom nächsten Dorfe entfernt. Es wird auch nicht erwähnt inwieweit sie mit irgendwas Geld verdienen können. Doch sie bewohnen ziemlich stattliche Gehöfte, verfügen über Kraftstoff, Munition, zeitgemäße Kleidung, und es war sogar Weißbrot zu sehen...

Weiß vielleicht jemand etwas darüber, inwieweit Staat und Verwaltung entlegene Bewohner födern, etwa auch durch Transporte oder irgendwelche Zuteilungen? Kann ja als Tradition aus früheren Zeiten übrig geblieben sein. Ich erinnere mich gern an Norberts Bericht hier über seinen Winter auf dem Land, auch wenn es nicht ganz das gleiche ist...

Beste Grüße!
Wladimir



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Norbert
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Re: Frage zum Landleben in Sibirien - mit Filmtip!

Beitrag von Norbert » Montag 11. Dezember 2017, 07:13

Ich bin der Meinung, dass das Thema "autark" gern etwas dramatisiert wird. Es gibt sehr viele abgeschiedene Dörfer, die über längere Zeit jedes Jahr keinen Anschluss haben.

"Mein Dorf" ist nur 20 km von der nächsten Stadt entfernt, aber ein Fluss ist im Weg und während dem Eisgang kommt man 2 x 3 Wochen im Jahr nicht hin. In dieser Zeit versorgt man sich selbst. Dies bedeutet, dass man vorher alles einkauft, was man nicht selbst machen kann. Mehl, Benzin, Kleidung, Streichhölzer.

Das von Dir genannte Weißbrot bäckt man aber kurzerhand selbst. In aller Regel hat jeder Hof drei Rindviecher - die Kuh (Milch, Quark, Butter), das Jungtier aus dem aktuellen Jahr sowie das Jungtier aus dem Vorjahr. Letzteres wird zu Beginn des Winters geschlachtet und gibt Fleisch für eine ganze Saison (zunächst tiefgefroren im Frost, dann werden die Reste gepökelt oder eingekocht für den Sommer). Jeder Hof hat einen ordentlichen Kartoffelacker (grob geschätzt 20 x 40 Meter), Möhren und Weißkraut zur Selbstversorgung über das ganze Jahr. Ebenso werden Tomaten eingelegt.

Es gibt Dörfer, die einige Monate nicht erreichbar sind, ein gutes Beispiel beschreibt Karin Haß in ihren Büchern. Im Sommer ist es eine mehrstündige Fahrt mit dem Boot, im Winter mit dem Schneemobil. In der Zwischenzeit versorgt man sich selbst.

Der Staat unterstützt dies durchaus - es werden Winterstraßen über die Flüsse angelegt und gewartet, es wird versucht, eine Stromversorgung, eine Telefonverbindung und eine medizinische Grundversorgung anzubieten. In unserem Dorf passt der Katastrophenschutz auf, dass bei Eisgang nicht das Dorf überschwemmt wird - allein diese Hubschraubereinsätze kosten erheblich. Und ganze Dörfer leben faktisch von den Rentenzahlungen des Staates.

Ansonsten leben viele dieser Dörfer von der Jagd und dem Verkauf der Felle, vom Verkauf natürlicher Ressourcen wie Beeren oder Zedernkerne. Und es gibt auch exotische Dinge, wie Goldschürfer oder gar Suchtrupps nach Mammutknochen.

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Re: Frage zum Landleben in Sibirien - mit Filmtip!

Beitrag von Wladimir30 » Montag 11. Dezember 2017, 09:22

... wobei es durchaus Leute gibt, die wirklich autark in der Pampa wohnen. Das sollte man auch nicht unterschlagen. Allerdings, es stimmt, es sind meines Wissen nach nicht sehr viele. Und diese zu finden für aufsehenerregende Filmaufnahmen wird auch nicht so einfach.
«Поздравляю всех с Новым годом, желаю, чтобы вы не знали горя, удачи, любви, счастья и особенно здоровья». Виталий Кличко.

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Re: Frage zum Landleben in Sibirien - mit Filmtip!

Beitrag von m1009 » Montag 11. Dezember 2017, 12:09

Ansonsten leben viele dieser Dörfer von der Jagd und dem Verkauf der Felle,
Das hoert sich fuer Westeuropaer, in der heutigen Zeit, sicher unglaubwuerdug an.

In meiner Zeit in Sibirien (4 jahre) habe ich erfahren, das ein zufriedenes Leben in der Abgeschiedenheit durchaus nicht selten ist.

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Re: Frage zum Landleben in Sibirien - mit Filmtip!

Beitrag von Norbert » Montag 11. Dezember 2017, 12:32

m1009 hat geschrieben:
Ansonsten leben viele dieser Dörfer von der Jagd und dem Verkauf der Felle,
Das hoert sich fuer Westeuropaer, in der heutigen Zeit, sicher unglaubwürdig an.
Da beziehe ich mich auf jene Dörfer weit im Norden. Siehe die Bücher von Karin Haß. Wer noch keine Rente bekommt, der muss ja von irgendetwas leben. Arbeitslosengeld gibt es ja in dieser Form nicht.
m1009 hat geschrieben:In meiner Zeit in Sibirien (4 jahre) habe ich erfahren, das ein zufriedenes Leben in der Abgeschiedenheit durchaus nicht selten ist.
Definitiv, diese Tendenz sieht man auch immer häufiger. Dennoch müssen die Leute sich das ja irgendwie finanzieren? Was ist da Dein Eindruck, wie sie dies lösen?



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Re: Frage zum Landleben in Sibirien - mit Filmtip!

Beitrag von m1009 » Montag 11. Dezember 2017, 14:09

Pelztierzucht, Fischen, besonders in den Wintermonaten, Jagd, Rentierzucht. Fuer Eigenbedarf und Verkauf.

In Andra habe ich Leute vom МЧС getroffen, die den ganzen Sommer ueber kleine Doerfer und bewohnte Huetten, ohne Strassenanbindung, mit dem Boot abfahren. Genau wie Fisch und Pelzhaendler, die in festgelegten Routen die Doerfer "anfahren".

Ob es sich lohnt? Jeder Fall ist anders, die Umstaende warum nun grad zig Kilometer von der Zivilisation. Buran sieht man selten, Polaris und Yamaha viel. Die Teile kosten einen Mittelklassewagen.

Wladimir
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Re: Frage zum Landleben in Sibirien - mit Filmtip!

Beitrag von Wladimir » Montag 18. Dezember 2017, 01:12

Danke für Eure Antworten! Das hat doch manche Verständnismöglichkeiten angeregt.

Hat sich jemand den Film mal angeschaut? (Geht wohl noch drei Tage.) Wie war's?

Beste Grüße!
Wladimir

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