Ich hatte einen Schatten, mal wieder (Agent an der Ferse...)

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Klaus
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Ich hatte einen Schatten, mal wieder (Agent an der Ferse...)

Beitrag von Klaus » Montag 8. Oktober 2018, 00:51

Zum erstem Mal war ich 2015 in Russland - und es war "Liebe auf den ersten Blick".
Also holte ich mir relativ zügig ein Business-Visum und verbrachte gelegentlich meine freie Zeit in Russland.

Bei einer dieser Reisen - ich war ziellos in Moskau auf Entdeckungstour - viel mir ein "Schatten" auf, also jemand, der mich aus diskreter Distanz verfolgte. Ich machte keine Anstalten, ihn irgendwie abzuschütteln - warum sollte ich auch. Er blieb immer auf Distanz, war unauffällig, und wollte auch nicht bemerkt werden.
So Mitte 40, einfacher Kleidungsstil, ich würde ihn in die Schublade "Beamter" stecken.
Nach vier/fünf Stunden war er weg.
Ich fand es eigentlich eher gut, dass ein Staat sich vor merkwürdigen Menschen (hier: mich) schützt; daher war es komplett OK für mich.

Am letzten Montag war ich abends um Uhr 21 im (etwas frischen) St.Petersburg unterwegs - ich hatte mir eine neue Jacke gekauft und wollte testen, ob sie mich warm hält...
Also mit der Metro in die Innenstadt (Station Nevsky Prospekt), dann dort ziellos zwischen den (bereits deutlich wenigen) Touristen entlang Richtung Hermitage & Neva, bis mir dann zwei Typen auffielen, die ich bereits kurz nach der Metro gesehen hatte. Zufall?
Hm. So um die 30, nicht unsportlich, vom Typ "Zivilfahnder".
Ich machte ein paar Schlenker und Umweg, und die beiden waren aus deutlicher Distanz an meinen Fersen. Das ging so 15 Minuten, bis ich um die Ecke ging und "am Handy spielend" stehen blieb, bis dann auch die beiden um die Ecke kamen und natürlich erstmal "unauffällig" weiter gehen mussten - während ich dann einfach in die entgegengesetzte Richtung ging. Hehe, ausgetrickst...

Sie folgten mir dann zwar wieder nach einer gewissen Zeit, aber ich beschloß, es zu ignorieren. Ich bin einfach etwas spazieren gegangen, habe mich über meine warme Jacke gefreut, und auf dem Rückweg habe ich sie nicht mehr gesehen.

Ich erzähle das nicht, weil ich es schlimm finde - im Gegenteil. Aber ich finde es schon kurios, sowas einmal selbst zu erleben.
Hoffentlich waren das nur zufällige Begebenheiten...

Hat jemand ähnliche Erfahrungen?



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m5bere2
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Re: Ich hatte einen Schatten, mal wieder (Agent an der Ferse...)

Beitrag von m5bere2 » Montag 8. Oktober 2018, 04:52

Klaus hat geschrieben:
Montag 8. Oktober 2018, 00:51
Ich fand es eigentlich eher gut, dass ein Staat sich vor merkwürdigen Menschen (hier: mich) schützt; daher war es komplett OK für mich.
Bist du denn eine Gefahr? Wenn nicht, warum sollte sich ein Staat vor Menschen schützen, die einfach nur "merkwürdig" (in welchem Sinne?) aber ungefährlich sind? Andersrum ist es vielleicht für dich beruhigender: sie sind um deine Sicherheit besorgt und passen auf dich auf. ;)

Ich hatte bis jetzt nur einmal den Verdacht, meine E-Mails würden mitgelesen. Als ich ein Jahr hier war, hatte ich mich um eine Professur in Deutschland beworben (nicht, weil ich hier weg möchte, im Gegenteil, aber man muss sich ja weiterentwickeln). Prompt fragte man mich hier ein paar Tage später, ob ich nicht Interesse hätte, in Nowosibirsk ein eigenes Labor aufzubauen. :shock: Die Bewerbung nach Deutschland habe ich dann zurückgezogen.

Direkte Beschattungserlebnisse hatte ich nicht, obwohl Bekannte von solchen Erlebnissen erzählen. Ich bin allerdings in vielerlei Hinsicht auch ziemlich merkbefreit (zum Glück, das macht das Leben leichter). Im Gegenteil scheint mir unser Inlandsgeheimdienst FSB noch relativ lachs zu sein.

Zum Beispiel: möchte hier ein Ausländer das Kernforschungsintitut besuchen, braucht er erst die Erlaubnis des FSB. Ich als doppelter Staatsbürger kann einfach reingehen.

Noch ein Beispiel: wenn ich Ausländer zum Forschen einlade, muss ich als Einlader hinterher dem FSB Bericht erstatten: mit wem hat der Ausländer geredet, worüber, in welcher Sprache, wo war er, und hat er eventuell versucht Staatsgeheimnisse zu erfahren. Dass derjenige, der diesen Bericht schreibt (also ich), zu dem Zeitpunkt selbst Ausländer war und dazu noch Bericht über seine eigenen Landsleute (also potentielle Komplizen) erstattet, das interessierte keinen.

Vielleicht haben sie aber auch einfach von Anfang an schnell erkannt, dass ich keine Gefahr bin und unterstellen mir als Staatsdiener einfach eine gewisse Loyalität und lassen mich deswegen in Ruhe. ;)

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Re: Ich hatte einen Schatten, mal wieder (Agent an der Ferse...)

Beitrag von Wladimir30 » Montag 8. Oktober 2018, 10:45

Ich halte derartiges für eine normale Praxis und denke, dass es in DEU (und auch anderswo) nicht anders ist, vielleicht nur weniger auffällig. Und die direkte physische "Beschattung" halte ich für die Spitze eines großen Eisberges. Der Versuch, diese abzuschütteln, ist ja ganz lustig, aber vor dem Hintergrund dessen, wie eine Überwachung sicherlich läuft, eher lächerlich.

Jeder Staat will und muss sich schützen, und dafür muss man wissen, mit wem er es zu tun hat. Das halte ich legal und legitim, insbesondere wenn das eigene Wohlbefinden in keinster Weise gestört wird. Ob eine doppelte Staatsbürgeschaft hieran etwas grundsätzlich ändert, glaube ich nicht. Überwacht werden Personen, in Abhängigkeit von Herkunft, Verhalten, Bedeutung der Tätigkeit für den Staat u.ä. Der Pass spielt hierbei kaum eine Rolle.
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Re: Ich hatte einen Schatten, mal wieder (Agent an der Ferse...)

Beitrag von Bobsie » Montag 8. Oktober 2018, 11:31

DDR mässig hatten wir das schon mal, 1984. Wir fuhren auf der A9 Abzweig Magdeburg in Richtung Süden, da bemerkte ich ihn das erste Mal, mit an "Bord" auch unser Besuch aus Baden Würtemberg, der Wartburg folgte unserem Wolga später auch nocdh auf der A4 bis K-M-Stadt (Chemnitz), durch die Stadt weiter auf der F95 (B95) bis nach Gelenau im Erzgebirge. Wir hielten dann am Ziel an, 2 Herren schauten uns beim vorbeifahren prüfend an, ich winkte ihnen zu und dann waren sie nicht mehr gesehen. Das Autokennzeichen war aus unserem Heimatbezirk, 400km weiter....
Damals ging eben miemand verloren.
In Russland habe ich das noch nicht bemerkt, auch nicht mit deutschen Kennzeichen.
Hätte ich vorher gewusst, wie schön das Rentnerleben ist, ich wäre als Rentner auf die Welt gekommen! :D

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Re: Ich hatte einen Schatten, mal wieder (Agent an der Ferse...)

Beitrag von m5bere2 » Montag 8. Oktober 2018, 18:43

Wladimir30 hat geschrieben:
Montag 8. Oktober 2018, 10:45
Ob eine doppelte Staatsbürgeschaft hieran etwas grundsätzlich ändert, glaube ich nicht.
Na offenbar ändert es ja schon was ... als Doppelstaatler komme ich überall einfach rein, wo Ausländer erst FSB-Genehmgigung brauchen, obwohl ich potentiell genau so gefährlich bin wie ein Ausländer, oder? Also ich persönlich bin natürlich nicht gefährlich...



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Re: Ich hatte einen Schatten, mal wieder (Agent an der Ferse...)

Beitrag von Wladimir30 » Montag 8. Oktober 2018, 21:55

Du glaubst also immer noch, dass Überwachung nur darin besteht, jemanden irgendwo reinzulassen oder nicht reinzulassen? Ist ja eine goldige Annahme. Doch recht naiv. Als russischer Staatsbürger hast Du es einfacher als ein Ausländer, ja. Aber meinst Du wirklich, dass russische Staatsbürger nicht überwacht werden???
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Re: Ich hatte einen Schatten, mal wieder (Agent an der Ferse...)

Beitrag von m5bere2 » Dienstag 9. Oktober 2018, 05:29

Wladimir30 hat geschrieben:
Montag 8. Oktober 2018, 21:55
Aber meinst Du wirklich, dass russische Staatsbürger nicht überwacht werden???
Nein, das ganz bestimmt nicht. Habe ich auch nirgends behauptet.

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Re: Ich hatte einen Schatten, mal wieder (Agent an der Ferse...)

Beitrag von fugen » Dienstag 16. Oktober 2018, 07:05

Ich wurde mal von einem angesprochen.
Haben uns unterhalten und sind abends einen trinken gegangen.

Wenn es alles so stimmt was er mir geschildert hat(kein verreisen ohne Grund, totale Kontrolle des „Agenten“) dann sind die Überwacher schlimmer dran als die überwachten

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Re: Ich hatte einen Schatten, mal wieder (Agent an der Ferse...)

Beitrag von m5bere2 » Dienstag 16. Oktober 2018, 07:26

Allerdings hat er sich den Job ja wohl selbst ausgesucht ... ist ja wohl heute nicht mehr so, dass man angeworben wird mit "Angeboten", die man nicht ablehnen kann, oder?

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Re: Ich hatte einen Schatten, mal wieder (Agent an der Ferse...)

Beitrag von bella_b33 » Dienstag 16. Oktober 2018, 07:58

bezüglich schlimm dran: Selbst ein Polizist darf das Land nicht verlassen!
Dumm sein ist wie tot sein: Man selber merkt nichts, schlimm ist es nur für die Anderen!



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