RUS - Mittelalter und Moderne

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Tonicek
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RUS - Mittelalter und Moderne

Beitrag von Tonicek » Montag 19. August 2019, 18:56

inorcist hat geschrieben:
Montag 19. August 2019, 12:12
. . . und Bargeld haben wir bisher nur für Trinkgeld benötigt. Ansonsten alles per Karte. Eben auch die klapprige Marshrutka durch die Stadt.
Da beneide ich Dich ehrlich gesagt - nach dreimaligen Versuchen, hier auf der Krim mit der VISA zu bezahlen u. dieses verweigert wurde, habe ich es aufgegeben.
Gott sei Dank habe ich [noch] genug Cash dabei; heute habe ich erst einmal für 3000 Rub Krimskoje Sekt im Fabrikverkauf eingekauft.

Wie mir Bekannte sagten, wäre es dort um fast die Hälfte günstiger.
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Re: RUS - Mittelalter und Moderne

Beitrag von m1009 » Montag 19. August 2019, 20:13

Nun gut.... das ist aber hinlaenglich bekannt, das westeuropäische Karten auf der Krim nicht funktionieren. Ist eher (noch) eine Bargeldgesellschaft. Ich nehm immer genug Cash mit, wenn es auf die Halbinsel geht.

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Re: RUS - Mittelalter und Moderne

Beitrag von Wladimir30 » Montag 19. August 2019, 21:28

Ich habe immer Probleme damit, direkte Vergleiche zwischen zwei Ländern anzustellen. Was ist wo besser? Man sollte immer systemimmanent vergleichen, also deutsche Gegebenheiten aus deutscher Sicht und russische eben aus russischer. Jedes Land hat seine historisch bedingten Eigenarten, die letztendlich direkt auf die Mentalität durchschlagen, sich gegenseitig bedingen. Der Stellenwert von beobachteten Gegebenheiten eines Landes ist in der Regel aus Sicht von Ausländern ein ganz anderer als von Einheimischen, einfach weil das Wertesystem anders gewichtet ist.

Ich habe in den frühen 90ern als Deutschlehrer an der Uni in Wladimir gearbeitet. Ich konnte beim besten Willen nicht verstehen, dass die Tafeln unter aller Sau waren und es darüber hinaus eh keine Kreide gab. Und selbst wenn es welche gab, konnte man nicht auf der Tafel schreiben.

Ein Unding, nicht nachvollziehbar, wie soll man da arbeiten???

Was mich dann echt verwundert hat war, als ich merkte, dass es weder den Lehrern noch den Studenten irgendwie wirklich wichtig war. Es war ihnen höchstens peinlich mir gegenüber, aber mehr nicht.

Erst viel später verstand ich, dass es den Leuten nicht wichtig war. Was für mich aus meiner Sozialisierung in (West-) Deutschland absolut wichtig erschien, war für die Leute in Wladimir unwichtig. Und umgekehrt. Es waren ganz andere Dinge, die den Russen viel wichtiger waren als ich es einordnen konnte, und wo ich sie lange Zeit genauso ungläubig angestaunt habe wie sie mich, als ich mich über die fehlende Kreide für eine sowieso kaputte Tafel echauffieren konnte.

Deshalb halte ich von solchen direkten Vergleichen, wo nun mehr Dreck an den Häuserecken liegt, nichts.
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Re: RUS - Mittelalter und Moderne

Beitrag von Berlino10 » Dienstag 20. August 2019, 08:40

Gehe nicht mit Deinen Regeln in ein anderes Kloster ... ?

Meine Verwunderung war ja auch gar nicht Dreck oder wie schlimm irgendetwas ist, sondern wie unterschiedlich (entwickelt).
Und mich gefragt, warum das so ist bzw welchen Gesetzmäßigkeiten das folgt ... wo das noch so auftritt ...
Ich denke, auch Russen ist fliessend Wasser wichtig, befahrbare Strassen ... auch wenn man sich im Laufe der Jahre eine gewisse Schmerztoleranz trainiert hat.
Wo und warum gibt es in RUS die Extreme ... bzgl Bezahlsysteme, Internet, Metro, Flughäfen ... super modern, schnell, effektiv ...
dann aber wiederum in anderen Bereichen genau das Gegenteil.

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Re: RUS - Mittelalter und Moderne

Beitrag von Norbert » Dienstag 20. August 2019, 11:03

Ich stelle aber einen Wandel fest. Freunde waren in Amsterdam und sehen natürlich den Unterschied zu St. Petersburg. Auch so ein VIP-Strand in Wolgograd findet ja nicht ohne Grund Kunden.

Ich merke halt nur bei mir selbst, dass ich hier zwischen zwei Kulturen festhänge.



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Re: RUS - Mittelalter und Moderne

Beitrag von Jenenser » Dienstag 20. August 2019, 12:22

Berlino10 hat geschrieben:
Montag 19. August 2019, 09:16
z.B. wenn ich in einem rostigen, klapprigen Bus auf eine Schaffnerin treffe ...
so lange ... bis sie mir den Fahrpreis von 30 Cent von meinem iPhone abholt - Apple Mobile Payment :-)
Da gehöre ich noch zu den wenigen in RU, die bar bezahlen im Bus. In Murmansk (keine Metropole) bekam ich den Fahrschein im Anschluss von ihr dann so ausgedruckt:
Bild
Wladimir30 hat geschrieben:
Montag 19. August 2019, 21:28
Was für mich aus meiner Sozialisierung in (West-) Deutschland absolut wichtig erschien...
1989 reiste ich das erste Mal in die BRD und bewunderte dort die Sauberkeit in den Städten . Es war mir teilweise unangenehm, kurze Zeit später, Besucher aus dem Nachbarland bei uns zu begrüßen. Um einige Viertel habe ich mit ihnen absichtlich einen Bogen gemacht.

In Jekaterinburg erhielt ich vor ein paar Jahren eine Einladung nach Hause. Weit vor dem Ziel wurde ich an einer Haltestelle vom Gastgeber empfangen. Zu Fuß ging es gemeinsam durch mit Pfützen übersäte Hinterhöfe. Im Treppenhaus des Wohnblocks fehlten die ersten Stufen, irgendwie herausgebrochen. Der Fahrstuhl machte merkwürdige Geräusche. Außerdem brannte das Licht nicht. Alles war gut, als sich die beiden! Wohnungseingangstüren öffneten.

Russen sind neugierig. Wer im Ausland die für sich wichtigen Sehenswürdigkeiten erkundet hat, fragt nach dem gewöhnlichen Leben, oft bis ins Detail. Und dabei sind sie recht offen für Neuerungen, die zur Verbesserung ihres Daseins beitragen könnten. Den Zeigefinger mögen sie allerdings nicht Und dass von womöglich Fremden ihnen Vorschriften gemacht wird, wie sie zu leben haben. Ich kann das vollkommen nachvollziehen.

Das Zitat von Berlino mit dem Kloster gefällt mir sehr gut. Holen wir doch noch mal den Puschkin raus. Das kennst Du garantiert: "Я конечно, презираю Отечество мое с головы до ног - но мне досадно, если иностранец разделяет со мной это чувство."

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Re: RUS - Mittelalter und Moderne

Beitrag von inorcist » Dienstag 20. August 2019, 12:39

Berlino10 hat geschrieben:
Dienstag 20. August 2019, 08:40
Wo und warum gibt es in RUS die Extreme ... bzgl Bezahlsysteme, Internet, Metro, Flughäfen ... super modern, schnell, effektiv ...
dann aber wiederum in anderen Bereichen genau das Gegenteil.
Und meine russischen Freunde wundern sich, warum Deutschland / Europa prinzipiell überall fortschrittlich ist, Bezahlvorgänge aber wie im Mittelalter funktionieren. Alles reine Ansichtssache.

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Re: RUS - Mittelalter und Moderne

Beitrag von Wladimir30 » Dienstag 20. August 2019, 12:40

Jenenser hat geschrieben:
Dienstag 20. August 2019, 12:22
"Я конечно, презираю Отечество мое с головы до ног - но мне досадно, если иностранец разделяет со мной это чувство."
Da gibt es einen Witz, der das nicht so prosaisch beschriebt.
3 Russen saufen die ganze Nacht mit einem amerikanischen (deutschen, französischen) Arbeitskollegen. Der wundert sich, dass sie die ganze Nacht über ihr eigenes Land herziehen, wo alles schlecht sei. Als er gegen Morgen ihnen dann das erste Mal in irgendeinem Punkt recht gab, haben sie ihn gemeinschaftlich verprügelt.
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Re: RUS - Mittelalter und Moderne

Beitrag von inorcist » Dienstag 20. August 2019, 12:41

Wladimir30 hat geschrieben:
Montag 19. August 2019, 21:28
Ich habe immer Probleme damit, direkte Vergleiche zwischen zwei Ländern anzustellen. Was ist wo besser? Man sollte immer systemimmanent vergleichen, also deutsche Gegebenheiten aus deutscher Sicht und russische eben aus russischer. Jedes Land hat seine historisch bedingten Eigenarten, die letztendlich direkt auf die Mentalität durchschlagen, sich gegenseitig bedingen. Der Stellenwert von beobachteten Gegebenheiten eines Landes ist in der Regel aus Sicht von Ausländern ein ganz anderer als von Einheimischen, einfach weil das Wertesystem anders gewichtet ist.
Ein Kumpel von mir meinte mal salopp: Überall wo Leute freiwillig leben, kann es so schlimm nicht sein.

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Re: RUS - Mittelalter und Moderne

Beitrag von Berlino10 » Dienstag 20. August 2019, 15:39

Norbert hat geschrieben:
Dienstag 20. August 2019, 11:03
Auch so ein VIP-Strand in Wolgograd findet ja nicht ohne Grund Kunden.
In dem Club gibt es VIP (400R) und normal (200R) ... nebenan frei (0R)



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