Registrierung in Privat/Mietwohnungen: Lohnt der Aufwand in jedem Fall?

Welche Unterlagen werden für ein Visa nach Russland benötigt, was ist eine Migrations-Karte, Probleme mit der Registrierung ... Hilfe findest Du hier.

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vbajo
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Registrierung in Privat/Mietwohnungen: Lohnt der Aufwand in jedem Fall?

Beitrag von vbajo » Dienstag 13. Juli 2021, 02:20

Guten Abend!

Viele von euch kennen das Problem sicher. Wenn man längere Zeit in Russland ist, wird man wahrscheinlich eine Wohnung anmieten. Zumindest tue ich das so, da ich mir nicht leisten kann monatelang im Hotel zu übernachten und auch auf eine Küche nicht verzichten will. Lange war ich auch bei der Freundin. Gesetzlich ist der Eigentümer der Wohnung (welcher nicht immer mit dem Vermieter identisch sein muss) dazu verpflichtet dich als Ausländer zu registrieren.
Leider weigern sich meiner Erfahrung nach die allermeisten Vermieter dies zu tun auch gegen Aufpreis und wenn ich anbiete das Formular schon auszufüllen. Die genauen Gründe verstehe ich nicht. Manchmal steht der wahre Eigentümer nicht zur Verfügung. Außerdem scheint eine diffuse Angst zu herrschen und der Wunsch keine schlafenden Hunde zu wecken, da meistens irgendwas an der Wohnung nicht ganz koscher ist.
In diesem Fall habe ich immer die nicht ganz legalen Dienste einer Agentur in Anspruch genommen, die mich gegen Bezahlung (ich glaube es waren immer 1500 Rubel für 3 Monate) an einer fremden Privatadresse angemeldet haben. Das war in Sankt-Petersburg. In Moskau geht sowas wohl auch - habe ich aber nie gemacht.
Leider ist dies nicht mehr möglich, da wohl nun strenger kontrolliert wird, ob man sich auch tatsächlich an der Meldeadresse aufhält. Konnte man mir trotz Nachfrage natürlich nicht vor der Einreise verraten. Jetzt bin ich vor Ort und muss schnell eine Lösung finden.
Ich werde versuchen ein Hostel zu finden, das mich registriert auch wenn ich ggf. den Schlafplatz dafür bezahlen muss. Das wird jedoch auf Dauer ziemlich teuer. Es scheint auch eine Maximaldauer zu geben - danach muss man sich neu registrieren lassen.

Damit stellt sich die Frage, lohnt der ganze Quark eigentlich wirklich? Was passiert denn schlimmstenfalls wenn ich keine Registrierung habe?
Ich könnte auf der Straße kontrolliert werden und wenn ich mich nicht herausreden kann ("aber ich war nie länger als 7 Tage an einem Ort"), muss ich vielleicht eine Strafe bezahlen.
Könnte auch sein, dass ich bei der Ausreise eine Strafe bezahlen muss.
Falls ich irgendwann während meines Aufenthalts noch ein Hotel nehmen will, könnte es Probleme geben, da die Registrierungsbestätigung verlangt werden könnte - ist meiner Erfahrung nach aber auch nicht immer so.
Sonst noch was? Kann es wirklich Probleme bei der Wiedereinreise oder beim nächsten Visum geben? Soetwas möchte ich möglichst vermeiden, obwohl ich wahrscheinlich nach dem jetzigen Trip für längere Zeit nicht nach Russland zurückkehren werde.

Die Strafe scheint ja so zwischen 2000-2500 Rubel zu betragen. Das ist weitaus weniger als alles, was ich im Begriff bin auszugeben, nur um eine Registrierungsbestätigung in den Händen zu halten.



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Re: Registrierung in Privat/Mietwohnungen: Lohnt der Aufwand in jedem Fall?

Beitrag von Norbert » Dienstag 13. Juli 2021, 10:49

Sagen wir so: Wenn Du ausreichend gut Russisch kannst, wäre es die Möglichkeit zu behaupten, Du wärest nie mehr als sieben Tage in der Stadt gewesen, dann immer kurz irgendwo unterwegs gewesen. Den Gegenbeweis muss an sich die Behörde antreten (Unschuldsvermutung). Wenn es ein Haus mit Kameras wäre, besteht die theoretische Gefahr, dass sie es tatsächlich machen.

Besser ist eigentlich, wenn man irgendwen kennt, der einen privat registriert. Kontrollen habe ich bei Touristen eigentlich kaum erlebt. Und wenn es ein Anruf ist, dann sagt man halt: "Ist gerade unterwegs."

Bleibt die Frage, wie man reagiert, wenn blöde Fragen kommen. Tourist nicht im Hotel, Business nicht dort, wo das Unternehmen sitzt. Es wird immer wieder berichtet, dass dies zu Fragen führen würde - ich selbst habe es einmal erlebt. Aber die klare Ansage, dass auch ein Tourist privat wohnen kann (ist nirgends verboten), hat bislang immer geholfen. Auch mit Businessvisum kann man natürlich in einer anderen Stadt sein, beispielsweise um gemeinsam ein Projekt Dritter anzuschauen.

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Re: Registrierung in Privat/Mietwohnungen: Lohnt der Aufwand in jedem Fall?

Beitrag von bella_b33 » Dienstag 13. Juli 2021, 10:57

Am besten vorher mit dem Vermieter abklären, daß er Dich registriert, ansonsten nächste Wohnung. Wenn ich für meine Monteure Wohnungen irgendwo anmiete, klappt das auch problemlos. Genauso machen wir das mit den äusländischen Studenten, die in unserer Wohnung leben. Das ist ja auch kein großes Unterfangen.

Strafe in vergesslich geringem Maße hin oder her....willst Du wegen sowas eine eventuelle Einreisesperre riskieren?
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Re: Registrierung in Privat/Mietwohnungen: Lohnt der Aufwand in jedem Fall?

Beitrag von Bobsie » Dienstag 13. Juli 2021, 11:33

Wir waren frisch verheiratet, ich hatte ein Halbjahresvisum und meine Frau registrierte mich in ihrer (noch) Wohnung. Die Wohnung wurde dann verkauft, wir konnten aber bis zur Ausreise nach Deutschland darin verbleiben. Nach ein paar Tagen stand ein Herr von der Behörde vor der Tür und wollte wissen, wo der in dieser Wohnung registrierte Ausländer verblieben ist, da die Wohnung ja verkauft ist. In Russland geht keiner verloren! :D

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Re: Registrierung in Privat/Mietwohnungen: Lohnt der Aufwand in jedem Fall?

Beitrag von vbajo » Dienstag 13. Juli 2021, 11:39

bella_b33 hat geschrieben:
Dienstag 13. Juli 2021, 10:57
Am besten vorher mit dem Vermieter abklären, daß er Dich registriert, ansonsten nächste Wohnung.
Wie gesagt, ich ging davon aus, dass ich das anders lösen kann.
Strafe in vergesslich geringem Maße hin oder her....willst Du wegen sowas eine eventuelle Einreisesperre riskieren?
Ist das wirklich möglich?



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Re: Registrierung in Privat/Mietwohnungen: Lohnt der Aufwand in jedem Fall?

Beitrag von m5bere2 » Dienstag 13. Juli 2021, 12:57

vbajo hat geschrieben:
Dienstag 13. Juli 2021, 02:20
Gesetzlich ist der Eigentümer der Wohnung (welcher nicht immer mit dem Vermieter identisch sein muss) dazu verpflichtet dich als Ausländer zu registrieren.
Verpflichtet ist derjenige, der dir Unterkunft gewährt. Das muss nicht der Eigentümer sein. Das kann jeder sein, der in der Wohnung als dauerhaft wohnhaft gemeldet ist und jeder, der vom Eigentümer bevollmächtigt ist, dir da Unterkunft zu gewähren.

Habe schon mehrmals Leute in einer Wohnung registriert, wo ich nicht der Eigentümer war, sondern nur als dauerhaft wohnhaft gemeldet.

Außerdem scheint eine diffuse Angst zu herrschen und der Wunsch keine schlafenden Hunde zu wecken, da meistens irgendwas an der Wohnung nicht ganz koscher ist.
Die meisten vermieten schwarz, ohne Steuern zu zahlen.
Damit stellt sich die Frage, lohnt der ganze Quark eigentlich wirklich? Was passiert denn schlimmstenfalls wenn ich keine Registrierung habe?
Nix. Der Ausländer kann nicht für fehlende Registrierung bestraft werden, da alle Verantwortung beim Gastgeber liegt. Kann aber zu langen Diskussionen mit der Polizei führen, vor allem in unpassenden Situationen, wenn man es eilig hat, seinen Flug zu kriegen. ;-)

Für den Gastgeber kann es aber empfindliche Strafen bedeuten (wenn es eine Firma ist). Wenn dich jemand unter fiktiver Anschrift meldet, kann es sogar drei Jahre Knast oder Zwangsarbeit geben. Wahrscheinlich deswegen meldet keiner mehr groß fiktiv, weil schon Leute wegen ein oder zwei fiktiver Meldungen eingebuchtet wurden.
Ich könnte auf der Straße kontrolliert werden und wenn ich mich nicht herausreden kann ("aber ich war nie länger als 7 Tage an einem Ort"), muss ich vielleicht eine Strafe bezahlen. Könnte auch sein, dass ich bei der Ausreise eine Strafe bezahlen muss.
Nichts davon wäre rechtens und wäre anfechtbar, da die Registrierung nicht die Aufgabe des Ausländers ist. Der Ausländer kann sich ja gar nicht selbst registrieren.
Falls ich irgendwann während meines Aufenthalts noch ein Hotel nehmen will, könnte es Probleme geben, da die Registrierungsbestätigung verlangt werden könnte - ist meiner Erfahrung nach aber auch nicht immer so.
Ja, das kann passieren, dass dich keiner aufnimmt.
Die Strafe scheint ja so zwischen 2000-2500 Rubel zu betragen. Das ist weitaus weniger als alles, was ich im Begriff bin auszugeben, nur um eine Registrierungsbestätigung in den Händen zu halten.
Mehrmalige Strafen, egal wofür oder wie klein (auch für falsch parken), können immer zu einer Ausweisung und Einreisesperre von drei Jahren oder mehr führen. Deswegen: sollte dir jemand eine Strafe für fehlende Registrierung aufbrummen, solltest du sie auf jeden Fall anfechten, da sie nicht rechtens wäre.
Zuletzt geändert von m5bere2 am Dienstag 13. Juli 2021, 14:50, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Registrierung in Privat/Mietwohnungen: Lohnt der Aufwand in jedem Fall?

Beitrag von vbajo » Dienstag 13. Juli 2021, 13:46

Okay, ich lasse es drauf ankommen. Hostels wollen mich auch nicht registrieren. Ich müsste einen normalen Platz buchen. Das ist mir zu blöd. Ich bin sowieso bald in einer anderen Stadt, dann versuche ich dort eine Wohnung zu finden, in der man mich ganz normal registriert. Und hoffe, dass es keine wochenlangen Diskussionen mit Beamten gibt. :roll:
Ich werde gerade zwei Wochen in Sankt-Petersburg gewesen sein und selbstverständlich bin ich einmal währenddessen umgezogen, da mir die Wohnung nicht gefallen hat. Damit greift die 7-Werktags-Regel nicht.

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Re: Registrierung in Privat/Mietwohnungen: Lohnt der Aufwand in jedem Fall?

Beitrag von vbajo » Freitag 30. Juli 2021, 14:15

Stellt sich heraus, dass doch alles nicht so einfach ist. Ich habe zwar eine Wohnung gefunden, in der man mich registrieren wollte und es auch versucht hat. Zuerst weigerte sich das MFZ. Es hieß wir sollen alle gemeinsam zum FMS fahren mit mir und dem Eigentümer der Wohnung. Eigentlich das erste Unding. Aber wir haben es gemacht. Habe schon peinliche Befragungen erwartet. Aber bis auf die Frage warum ich in den letzten zwei Wochen nicht registriert war, kam nichts. (Die Frage ob dies Probleme macht, wurde explizit schon vor meiner Ankunft telefonisch abgeklärt. Es hieß, das ist ihnen egal. Sonst hätte ich mich doch noch um einen Hostel-Platz bemüht.) Die Dokumente waren jedoch nicht vollständig, also musste der Eigentümer heute nochmal hinfahren. Ich brauchte explizit nicht mehr mitzukommen. Diesmal haben sie die Registrierung verweigert unter dem Vorwand dass ich nochmal persönlich erscheinen und mich "erklären" solle (ein "объяснительную" schreiben) warum ich die letzten 2 Wochen nicht registriert war und bezüglich der Ziele meines Aufenthalts (da ich ein Businessvisum habe). Der ursprüngliche Eigentümer ist mittlerweile abgesprungen - ist ihm zu heiß. Jetzt soll ich an einer anderen Adresse registriert werden. Angeblich laut ursprünglich telefonischer Klärung beim FMS auch kein Problem. Aber den traue ich nicht mehr!

Ich tendiere dazu, der Aufforderung nochmal persönlich vorzusprechen nicht nachzukommen. Das Gesetz sieht keine solche Erklärungen vor. Ich habe meine Dokumente gezeigt. Mehr muss ich eigentlich nicht. Da wollen sie mir wieder einen Strick draus drehen. Man wird mich heute nochmals versuchen zu registrieren und wenn sie sich weigern, sollen sie eine Ablehnung schreiben. Die kann ich notfalls an der Grenze vorzeigen und sagen, hier ich habe alles richtig gemacht. Einziges Problem ist, dass sie behaupten, dass man für die Ablehnung ein eigenes Dokument ausfüllen muss und es angeblich bis zu 30 Tage dauern kann bis man diese Ablehnung als versicherten Brief erhält! Alles recht absurd.

Ich für meinen Teil bin fertig mit Russland. Habe auf solche Abenteuer keine Lust mehr. Meine Verlobte ist auch weg. Скатертью дорога!

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Re: Registrierung in Privat/Mietwohnungen: Lohnt der Aufwand in jedem Fall?

Beitrag von vbajo » Freitag 30. Juli 2021, 16:42

Ich vergaß zu erwähnen: Bevor wir das erste Mal zum FMS gefahren sind, hat das FMS behauptet, dass sie mich nicht registrieren könnten, da dies einzig die einladende Seite (die Firma, die die Einladung für mein Geschäftsvisum ausgestellt hat) machen dürfe. Das ist natürlich falsch und war noch nie so. Früher - ich glaube bis 2018 - konnten Firmen Angestellte an der Firmenadresse registrieren auch wenn dies nicht die faktische Wohnanschrift war. Ich bin mir nicht sicher ob das jemals auch für Menschen mit Geschäftsvisum galt. Ich glaube nicht, dass dies jemals die einzige Möglichkeit war. Und mittlerweile geht es überhaupt nicht mehr. Firmen können nur noch Menschen registrieren wenn diese zufällig auch tatsächlich in den Firmenräumen übernachten (im Büro oder falls die Firma Extraunterkünfte hat) - das Gesetz erwähnt dies explizit:
Статья 21. Основание для учета по месту пребывания
1. Иностранный гражданин подлежит постановке на учет по месту пребывания:
1) по адресу жилого помещения, не являющегося его местом жительства, в котором иностранный гражданин фактически проживает;
[...]
2. Иностранный гражданин подлежит постановке на учет по месту пребывания по адресу организации, в которой он в установленном порядке осуществляет трудовую или иную не запрещенную законодательством Российской Федерации деятельность, в случае фактического проживания по адресу указанной организации либо в помещении указанной организации, не имеющем адресных данных (строении, сооружении), в том числе временном.
[...]
Diesbezüglich musste ich bzw. meine Vermieterin mich auch schon mit dem FMS rumstreiten bevor sie überhaupt grünes Licht gegeben haben, dass wir vorbei kommen können.
Zuletzt geändert von vbajo am Freitag 30. Juli 2021, 16:51, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Registrierung in Privat/Mietwohnungen: Lohnt der Aufwand in jedem Fall?

Beitrag von russlandreise » Freitag 30. Juli 2021, 16:48

Wow, was für eine stressige Geschichte. Dass du keine Lust mehr auf Russland hast, kann ich gut verstehen.



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