Die Kaese-Situation

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Die Kaese-Situation

Beitrag von m1009 » Sonntag 26. April 2015, 08:52

Wir sind sicher nicht die Einzigen "Kaese Esser" :D ... Daher schaue ich rein aus Interesse bei Ашан jeden Samstag auf die Import-Kaese Abteilung. Lokal gibt es leider keine wirklichen Alternativen, obwohl ich schon leckere Kaese aus Komi oder Mordowien (von kleinen Milch-Kombinaten) gegessen habe.

Offenbar wurde Oesterreich aus der "Kaese-Sanktionen-Liste" gestrichen.... Ein Lichtblick... :D . Im NN Ашан/M7 wurden gut 1 lfm der Mayonnaise-Theke fuer die Leckereien aus A geraeumtt.

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Re: Die Kaese-Situation

Beitrag von domizil » Sonntag 26. April 2015, 09:45

... ja, es ist schon alles Käse mit diesem Käse. Ich nutze für mich diese "Defizit-Situation", um mich auf den nächsten Aufenthalt in Deutschland zu freuen. Da wird dann die Zunge wieder an den Käsegeschmack gewöhnt.

Es gibt eine ganze Reihe von Meldungen, die über Verletzungen des Importverbotes sprechen, wo über sogenannten "ReExport" Waren über nicht sanktionierte Drittländer (z.B. Weißrussland) nach Russland kommen. Und es gibt natürlich Schmuggel. Aber die russische landwirtschaftliche Aufsichtsbehörde und der Verbraucherschutz "perfektionieren" ihre Kontrollen in der letzten Zeit. In Kaliningrad tauchen auch temporär westliche Käsesorten auf (zu Zwiebelpreisen - es tränen einem die Augen), die dann auch schnell wieder weg sind.

Die Produktion von Käse in Russland ist schwierig und langwierig. Man braucht mindestens drei Jahre, um zu einem ersten Ergebnis zu kommen. Eine schweizer Firma hatte die Reaktivierung der Produktion von "Tilsiter" in der Stadt Sowjetsk (ehemals Tilsit) vor drei Jahren geplant und dann wieder kapituliert. Grund: Keine richtigen Kühe, keine richtigen Weideflächen, kein richtiges Futter - in Kurzfassung.

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Re: Die Kaese-Situation

Beitrag von klaupe » Sonntag 26. April 2015, 11:38

domizil hat geschrieben:... ja, es ist schon alles Käse mit diesem Käse.
...Die Produktion von Käse in Russland ist schwierig und langwierig
Sind denn die Produktionsmethoden nicht schon revolutioniert worden?
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Was mich mal interessiert: Ist der Bedarf bei den Einheimischen auch so hoch oder nur bei den Zugereisten?

Ich hatte immer den Eindruck, dass bei "Otto Normalverbraucher" der Käse nur eine Nebenrolle spielt und oft nicht mal das.
Als Ausnahmen fielen mir nur diverse Frischkäsesorten auf, die meist von kleinen Milchbauern hinten in der Scheune produziert wurden.

An Bord hatten wir nur "russischen Käse" mit etwas intensiverem Aroma als der Tilsiter. Ob der aus Sowjetsk kam? Ich nahm es an, weiß es aber nicht genau.
... zu Zwiebelpreisen - es tränen einem die Augen...
Ist wirklich der echte Wahnsinn. Das fiel mir schon neulich bei "Danke Anke" auf, dass wir hier so was im Vergleich spottbillig einkaufen.
Manchmal muss man im Leben zwischen gutem Ruf und dem Vergnügen wählen und stellt fest, das der gute Ruf kein Vergnügen ist.

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Re: Die Kaese-Situation

Beitrag von domizil » Sonntag 26. April 2015, 12:22

klaupe hat geschrieben:Sind denn die Produktionsmethoden nicht schon revolutioniert worden?
... naja, bei diesem Beispiel geht es ja nur darum, dass das Ausgangsmaterial einen männlich-herben Beigeschmack bekommt. Wir sprechen hier also nicht über "revolutionäre Produktionsmethoden", sondern höchstens über die Verfeinerung der Geschmacksrichtungen.
klaupe hat geschrieben:Ich hatte immer den Eindruck, dass bei "Otto Normalverbraucher" der Käse nur eine Nebenrolle spielt und oft nicht mal das.
... ich kann natürlich nur über Kaliningrad sprechen. Und da spielt die Vielfalt an Käsesorten wirklich auch nur eine untergeordnete Rolle. Der Russe ist an die französische/deutsche/schweizer Vielfalt einfach noch nicht gewöhnt. Und auch in der Vergangenheit (also vor den Sanktionen), war die Auswahl an Käsesorten sehr begrenzt - das jetzige Fehlen fällt also nur einem sehr kleinen Personenkreis auf und in Kaliningrad gibt es ja die Möglichkeit schnell über die Grenze nach Polen zu huschen und dort seinen Eigenbedarf preiswert einzukaufen. Schnitt- und Schmelzkäse gibt es allerdings in ...zig Varianten.
klaupe hat geschrieben:An Bord hatten wir nur "russischen Käse" mit etwas intensiverem Aroma als der Tilsiter. Ob der aus Sowjetsk kam? Ich nahm es an, weiß es aber nicht genau.
Mit dem Tilsiter Käse aus Sowjetsk ist es wie mit den Königsberger Klopsen aus Kaliningrad. Viele Restaurants versuchen sich mit "Königsberger Klopsen", aber es kommt doch immer nur wieder Kaliningrader Hack dabei raus. Und Tilsiter Käse nach Originalrezept (oder auch nachempfunden) wird schon lange nicht mehr in Sowjetsk hergestellt. Ich vermute mal, die Produktion wurde spätestens am 8. Mai 1945 verlagert ...

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Re: Die Kaese-Situation

Beitrag von m1009 » Sonntag 26. April 2015, 12:32

Es gab und gibt in Russland (leider) keine (ich kenne Einen) kleine Milchbauern, die hinter der Scheune Kaese produzieren. Vielleicht meldet sich Gunnar noch dazu, dieser hat sicher besten Einblick.



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Re: Die Kaese-Situation

Beitrag von bella_b33 » Sonntag 26. April 2015, 12:42

bei uns auch unverändert....die Importkäse kosten unglaublich Geld. Wir haben zum Glück relativ geschmackvollen Lokalkäse aus Itshalki, einige km neben Saransk.

Gruß
Silvio
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Re: Die Kaese-Situation

Beitrag von m1009 » Sonntag 26. April 2015, 12:46

Wir hatten neulich Gouda aus Фалёнки, https://ru.wikipedia.org/wiki/%D0%A4%D0 ... 0%BA%D0%B8, lecker.... wirklich.. Leider nicht Ueberregional :?

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Re: Die Kaese-Situation

Beitrag von zimdriver » Sonntag 26. April 2015, 12:54

Das einzige Gute an dieser Lage ist, dass ich nunmehr weiss, was ich für´s office oder sonstjemand, dem ich Gutes tun möchte, aus D und Europa mitbringen kann: Blauschimmel, Camembert, Brie. Dazu noch der geschmacksverfeinerte Tee vom Teekanne- Werksverkauf Radebeul, zB Indischer Chai Classic, Marokkanische Minze, Orientalischer Gewürztee, ein paar Laugenbrezeln vom Flughafen, und alle sind glücklich.
Es fehlt nur an ebenso zu importierenden Grundstoffen, damit die erwähnten Käsesorten auch in RUS hergestellt werden könnten. Weshalb macht´s niemand?

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Re: Die Kaese-Situation

Beitrag von domizil » Sonntag 26. April 2015, 13:08

zimdriver hat geschrieben:Es fehlt nur an ebenso zu importierenden Grundstoffen, damit die erwähnten Käsesorten auch in RUS hergestellt werden könnten. Weshalb macht´s niemand?
... eine mehr als berechtigte Frage. Überall auf der Welt wird viel Geld verdient mit der Herstellung und dem Verkauf von Lebensmitteln, aber auch im gesamten Service-Bereich. Allerdings ist es so, dass dieses Geld eben kein "leicht verdientes Geld" ist und bevor der Taler in der Kasse klingelt, man viel investieren und sich doch ziemlich abmühen muss - auch in Klein-Kram-Fragen. Und das ist der Russe (noch) nicht gewohnt. Nach 1991 kamen mit wenig Arbeit und Quälerei Unmengen an Geldsummen rein (für einige Wenige). Und für "Viele" war die Entwicklung eigener Geschäfte wegen fehlendem Kapital nicht möglich (Kredite sind unerschwinglich). Um es kurz zu sagen: Die allseits bekannte verfehlte Wirtschaftspolitik. Diesen Prozess jetzt neu zu gestalten ist schwierig. In erster Linie bedarf es hier der Wiederherstellung des Vertrauens in den russischen Staat (einerseits) und natürlich auch die staatliche Unterstützung (nicht nur finanziell, sondern auch verwaltungstechnisch) für die vielen Kleinen, die sich als Kleinst-, Klein- und mittelständisches Unternehmen neu auf die Beine stellen wollen. Wenn die tausenden Willigen spüren, dass es der politische Wille des Staates ist, die Fehler der Vergangenheit zu liquidieren - dann geht es echt vorwärts. Gegenwärtig sind wir in der russischen Gesellschaft wohl in der "Beobachtungsphase".

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Re: Die Kaese-Situation

Beitrag von klaupe » Sonntag 26. April 2015, 13:39

domizil hat geschrieben:.... In erster Linie bedarf es hier der Wiederherstellung des Vertrauens in den russischen Staat (einerseits) und natürlich auch die staatliche Unterstützung (nicht nur finanziell, sondern auch verwaltungstechnisch) für die vielen Kleinen, die sich als Kleinst-, Klein- und mittelständisches Unternehmen neu auf die Beine stellen wollen. ....
Die paar Fälle, die ich etwas intensiver kenne, quälen sich wirklich durch, teilweise nur, um mit dem Zusatzverdienst über die Runden zu kommen.
Wenigstens die "freie Marktwirtschaft" auf privater Ebene funktioniert ja ganz gut auf dem Lande.
Ansonsten ist es scheinbar ein ewiger Kampf gegen den Staat, vor allen Dingen die vielen administrativen Hürden. Es geht nicht 'weil', sondern oft nur 'trotz'.
Irgendwann kommt dann der Entschluss, den Kampf aufzugeben und in den Städten oder im Ausland sein Glück zu versuchen.
Manchmal muss man im Leben zwischen gutem Ruf und dem Vergnügen wählen und stellt fest, das der gute Ruf kein Vergnügen ist.



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