Rep. Altai und Tuwa

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Re: Rep. Altai und Tuwa

Beitrag von m1009 » Mittwoch 27. Oktober 2010, 21:13

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Re: Rep. Altai und Tuwa

Beitrag von Norbert » Montag 1. November 2010, 11:06

vielreisende hat geschrieben:Nun bleibt abzuwarten, ob aus diesem Forum hier schon mal Jemand in Tuwa gewesen ist, denn genau an diesen Erfahrungen bin ich interessiert.
Manchmal hilft es, etwas abzuwarten. :)

Entlang des Jenisei bis Kyzyl geht nicht, da alle Straßen am Sajano-Schuschenskoe-Staudamm enden. Durch diesen Staudamm wurden auch alte Wege, die es vielleicht früher mal gab, gekappt. Ich kenne niemanden, auch keine Russen, die dort bislang rumgeradelt wären. Von Abakan nach Tuwa gibt es zwei Straßen - die große über die wunderschönen "Ergaki"-Berge (viel Lkw-Verkehr) und die ebenso imposante Nebenroute über Abasa (weniger Verkehr, aber sehr staubig da unasphaltiert). Beide Straßen sind ganzjährig befahrbar, von tageweisen Schneeverwehungen am Pass mal abgesehen. Beide bedeuten aber Anstiege von etwa 100 Kilometer Länge, wenn ich mich recht entsinne.

Das Problem ist die Bevölkerung in Tuwa. Wenn man Russen dazu fragt, sagt einem jeder: "Sei nicht verrückt, fahr da nicht hin, die lynchen alle Fremden. Spätestens nach ein paar Tropfen Alkohol werden sie unberechenbar." Man sollte wissen, dass Tuwa sehr sehr arm ist, vom Lebensstandard außerhalb von Kyzyl der Mongolei sehr ähnlich. Ich habe russische Radfahrer getroffen, die dort unterwegs waren und sagten, dass es als Radfahrer besser ist, als mit Auto (was gleich Reichtum bedeutet.)

Persönliche Erfahrungen: Mit dem Auto sind wir von Abasa über Ak-Dovurag nach Kyzyl und dann über den zweiten Pass zurück gefahren. Landschaftlich traumhaft! Aber unser Fahrer hat sich standhaft geweigert, in irgendwelchen Orten zwischen Ak-Dovurag und Kyzyl anzuhalten. In der freien Landschaft ok, aber bitte nicht in den Dörfern.

Meine Schwägerin ist etwas eigensinnig und hat sich trotz all dieser Warnungen allein mit einer Freundin auf dem Rad von Kyzyl westwärts gemacht. Am ersten Posten wollten sie die Polizisten aus Sicherheitsgründen nicht durchlassen. Die Mädels mussten sehr lange diskutieren und wurden dann durchgelassen, unter der Bedingung, dass sie noch im Laufe des Tages den nächsten Posten erreichen müssen - sonst schreibe man sie zur Suche aus. Nachdem sie in einem Ort plötzlich von einheimischen Männern umringt waren, die zeitweise die Fahrräder haben wollten, haben sie die Fahrt nach zwei Tagen abgebrochen und auf dem Rückweg nur noch im Hof von Polizeiposten übernachtet.

Ich warne eigentlich nirgends in Russland Reisen mit dem Fahrrad oder vor Reisen als Frau allein (ok, vom Kaukasus mal abgesehen) - aber Tuwa sollte man nicht auf die leichte Schulter nehmen.

Bijsk und Altai sind keinerlei Probleme. Es gibt jedoch einige Gebiete, die schon als Grenznah gelten, wo also eine Meldung bei den Grenzwächtern gefordert wird. Wir hatten hier mal die Details von 2007 oder 2008, aber ob das noch aktuell ist, weiß niemand. Informieren sollte man sich, wenn man plant, hinter Ust-Khan zu wandern oder radeln, ebenso in den hinteren Bereichen der Straße in die Mongolei.

Die Passage vom Altai rüber nach Tuwa wäre theoretisch möglich, ich habe mir das vor zwei Jahren mal in der Karte angeschaut. Es gibt da Wege, fernab jeder Zivilisation. ABER, ich würde es nur in der Gruppe machen - denn bei einem Achsbruch o.ä. sind es mehrere hundert Kilometer zum nächsten Ort. Eine Straße mit Orten gibt es zwischen Bijsk und Abakan nicht - man muss die Berge vom Kusnjetzker Alatau umrunden (über Kemerowo - Marinsk). Es gibt nur die Eisenbahnstrecke Novokusnjezk - Abakan, daneben ist wohl ein Fahrweg, der aber nicht in allen Jahreszeiten passierbar ist. Er wird nur von der Forstwirtschaft genutzt und ist in entsprechendem Zustand (sprich: eventuell nicht einmal mit einem Mountainbike befahrbar). Da dort nur nachts ein Zug fährt, konnte ich den Weg noch nie begutachten (auch wenn ich erst letzte Woche die Strecke genutzt habe).

Ein Rad darf man im Zug mitnehmen, sollte es aber als Sperrgepäck buchen und im Gepäckwagen abgeben. Wie genau das geht, weiß ich leider nicht. Meine Schwägerin (eigensinnig, hatte ich ja erwähnt) hat auch schon im normalen Wagon ihr Rad mitgenommen und oben auf die Gepäckbretter gehieft. Das geht aber nur in der 3. Klasse (platzkart), in der 2. oder 1. reicht der Platz dafür nicht.

vielreisende

Re: Rep. Altai und Tuwa

Beitrag von vielreisende » Montag 1. November 2010, 18:16

Danke für den hilfreichen und informativen Beitrag.
Klingt ja alles nicht so toll und ich sollte mir wohl überlegen, meine Pläne zu überdenken und mich nur auf`s Altai-Gebiet konzentrieren.
Schließlich möchte ich Träume nur leben, nicht dafür sterben ;-))

Allerdings habe ich irgendwo gelsen, dass im Altai-Gebiet (fast) jede Pist absolut vermatscht wurde von den GAZ 66 Fahrern.
Ja als Radfahrer gehört man wohl zur aussterbenden Rasse.....

vG Ute

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Re: Rep. Altai und Tuwa

Beitrag von Norbert » Dienstag 2. November 2010, 08:53

vielreisende hat geschrieben:Allerdings habe ich irgendwo gelsen, dass im Altai-Gebiet (fast) jede Pist absolut vermatscht wurde von den GAZ 66 Fahrern. Ja als Radfahrer gehört man wohl zur aussterbenden Rasse.....
Ja, dieses Problem besteht. Betrifft aber zum Glück nur Pisten zu Zielen, die von den unzähligen Turbasa an der Katun' oder am Telezkoje Osero mit dem GAZ66 in maximal 2 oder 3 Stunden erreichbar sind. Wie zum Beispiel Karakolskie Osera, Samultinskie Osera, etc. Wenn man etwas weiter rein fährt, erledigt sich das schnell. Zum Glück.

(Ich bin aber auch der Meinung, dass man das Befahren der Waldwege mit GAZ66 schleunigst unterbinden sollte. Wer nicht laufen will, soll reiten oder zu Hause bleiben.)

Eine schöne Alternative zu Tuwa ist übrigens Khakasien - von da aus kann man auch über die Straße von Abasa ein paar Meter nach Tuwa reinradeln (wenn man sich die zwei Pässe wirklich zumuten will). Schön ist die Gegend vor allem rund um die Seen Schira und ... sorry, Name entfallen. Der See Tus ist so salzig, dass man wie im Toten Meer schwimmt.

vielreisende

Re: Rep. Altai und Tuwa

Beitrag von vielreisende » Dienstag 2. November 2010, 13:45

Hallo Norbert,

klingt interessant.
Wie die Tuwinern, Altaiern gehören doch auch die Chakassen zu den Turkvölkern. Habe ich dann nicht dasselbe Problem wie in Deiner PN beschrieben, oder gibt es da Unterschiede?



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Re: Rep. Altai und Tuwa

Beitrag von Norbert » Montag 8. November 2010, 11:14

vielreisende hat geschrieben:Wie die Tuwinern, Altaiern gehören doch auch die Chakassen zu den Turkvölkern. Habe ich dann nicht dasselbe Problem wie in Deiner PN beschrieben, oder gibt es da Unterschiede?
Keine Ahnung warum, aber die Chakassen sind besser integriert. Dort habe ich nie von solchen Problemen gehört, ich habe auch mehrere Verwandte in Chakassien und diese kennen keine Konflikte mit den ursprünglichen Bewohnern der Region. (Es gibt aber auch keine Nomaden mit Jurten, wie man es in Tuwa noch selten antrifft.)

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