Akademiker und Universitäten

Wer von den seichten Gewässer des Rus-POP in die Tiefen der Wissenschaft vordringen möchte, findet hier sein Terrain. Literatur, Bildende Kunst, Musik, Kinematografie und alles was intellektuellen Background hat kann hier diskutiert werden.

Moderator: Saboteur

Benutzeravatar
Schwabe
Insider/in
Insider/in
Beiträge: 213
Registriert: Sonntag 13. September 2009, 22:46
Wohnort: Schwabenland

Re: Akademiker und Universitäten

Beitrag von Schwabe » Sonntag 31. Oktober 2010, 20:20

Diskussion um die neuen BSc/ MSc Abschlüsse...

... der Sinn und Zweck dieser Abschlüsse wird die letzten Jahre bekanntlicherweise diskutiert. Einige deutsche Universitäten bieten ja komplett englischsprachige Studiengänge an, um international konkurrenzfähig zu bleiben.

Aber wie sieht es hier in Russland aus? Halten die russischen Universitäten auch Schritt mit dieser Entwicklung? Definitiv gibt es Universitäten mit gutem Ruf (z.B. RAS). Beispielsweise habe ich einen Werbeartikel für die Gubkin Universität gesehen, die Master-Abschlüsse auch für nicht-Russen anbietet. Was aber hierbei nicht ersichtlich war, ist ob die Studiengänge auf Russisch oder Englisch abgehalten werden. Weiß jemand generell mehr zu diesem Sachverhalt?
Auch interessant wäre, ob man heutzutage eine Chance (als Nicht-Muttersprachler) hat, eine Doktorarbeit an einem russischen Institut zu schreiben (dies ist ja in westlichen Ländern (USA, anglikanischer Raum) Standard, dass man dort seinen Doktor machen kann). Natürlich hängt das auch damit zusammen, ob die Stelle ausreichend finanziert wird und wie schnell man Russisch lernt.



Benutzeravatar
Norbert
Vize Admin
Vize Admin
Beiträge: 12205
Registriert: Freitag 30. Juni 2006, 11:25
Wohnort: Nowosibirsk, Dresden
Kontaktdaten:

Re: Akademiker und Universitäten

Beitrag von Norbert » Montag 1. November 2010, 12:11

Um eine russische Doktorarbeit schreiben zu dürfen, muss man seinen deutschen Abschluss in Russland anerkennen lassen - ein recht kompliziertes Verfahren. Aber da man meist auch Studiengebühren zahlen muss, helfen die Universitäten dabei. (Ich habe mich da mal informiert und mir wurde eine solche Unterstützung versprochen.)

Ferner muss man einen Sprachtest machen - für eine Doktorarbeit den Test "Russisch als Fremdsprache", Stufe 2 oder 3. Kostet etwa 100 Euro und ist nicht gerade einfach. Geht schon sehr in die Materie. Soweit ich weiss, kann man den Test aber während der Doktorarbeit machen, also nicht zwingend vorher.

Problematisch ist die Aufteilung in Kandidatskuju und Dokterskuju, den es in Europa so nicht gibt. Ferner ist der Wert eines russischen Titels immer etwas zwiespältig, da man diverse Titel auch in der Metro kaufen kann. In Europa wird sich niemand die Mühe machen, zwischen gekauften und echten Titeln zu unterscheiden.

Beim Studium macht Russland den Bologna-Prozess mit, aber die Qualität der Lehre reicht bei weitem nicht an allen Hochschulen, um wirklich mit Europa mithalten zu können.

Benutzeravatar
lixil
Zar/iza
Zar/iza
Beiträge: 382
Registriert: Samstag 18. Juli 2009, 20:25

Re: Akademiker und Universitäten

Beitrag von lixil » Montag 1. November 2010, 15:26

Norbert hat geschrieben: Ferner muss man einen Sprachtest machen - für eine Doktorarbeit den Test "Russisch als Fremdsprache", Stufe 2 oder 3. Kostet etwa 100 Euro und ist nicht gerade einfach. Geht schon sehr in die Materie.
Ich meine es ist die Stufe 3, und man glaubt es kaum, aber der schwierigste Teil des Testes ist Textverständnis. (Wobei der Rest auch nicht gerade einfach ist)

kaktus
Insider/in
Insider/in
Beiträge: 149
Registriert: Dienstag 24. August 2010, 11:51

Re: Akademiker und Universitäten

Beitrag von kaktus » Montag 1. November 2010, 18:37

Hallo Ich weiss nicht wo ich anfange: Korruption/ Begrifflickeitsprobleme/Ethik/ wow wow wow!
IMHO so kann man das nicht angehen:
Bekannt ist dass die Infrastruktur fürs Wissenschaftlern nicht immer vorhanden ist.
Russen sind nicht dumm und unmoralisch
Disziplinen hinweg gleich zu kämmen ist falsch (mag sein bei Geistes-Sozialwissenschaften was gelten kann aber net in Spezialgebieten)
English ist ein großes Problem um was im Ausland passiertran zu bleiben . Heisst aber nicht dass es verkenntlich bleibt. Wir bekommen auch Hollywood Filme 6 Monate später und können trotzdem mitreden. Die Basis sitzt!
Wie überall auf dieser Welt sitzen Menschen mit verschiedenen Prioritäten, Gefühlen und Bereitschaften... Ich habe nie nie nie in meinem kurzen Leben eine Umfassende Darstellung eines Tatbestands erlebt, wo du sagen kannst wow perfekt vervollkommt/ makellos.. nix mehr dazu zu sagen..
Man sollte vielleicht aber bedingt die Akzente anders setzen!
Welche Rahmenbedingungen man hat
Welche Möglichkeiten man hat
Welche Prioritäten man hat- sind die mit was woanders läuft stimmig? kann ich das Verfolgen?!
Will ich state of the art Erkenntnisse weitergeben? oder komponiere ich lieber Zukunftsmusik? Ist mein "Land" dafür geeignet? Wer hat ein Ohr dafür?
Viele Überlegungen die eigentlich mit RU nichts zu tun haben sondern allgemein betreffend sind. Wenn man sich das nicht zugemüte geführt hat, dann ist selber schuld oder rabbiat formuliert Fachidiot.
"daß diese Furcht zu irren schon der Irrtum selbst ist." (Georg Wilhelm Friedrich Hegel)

Benutzeravatar
Norbert
Vize Admin
Vize Admin
Beiträge: 12205
Registriert: Freitag 30. Juni 2006, 11:25
Wohnort: Nowosibirsk, Dresden
Kontaktdaten:

Re: Akademiker und Universitäten

Beitrag von Norbert » Dienstag 2. November 2010, 08:30

lixil hat geschrieben:Ich meine es ist die Stufe 3, und man glaubt es kaum, aber der schwierigste Teil des Testes ist Textverständnis. (Wobei der Rest auch nicht gerade einfach ist)
Das Textverständnis geht, da einem die russischen Prüfer meist helfen, durch gute Betonung, etc. - also davor hätte ich keine Sorgen. Ich scheitere an den knifflichen Verben, die irgendwelche abstrusen Fälle verlangen (kann man nur auswändig lernen) sowie an den Fragen zum vollendeten und unvollendeten Aspekt - das sind bei Stufe 3 schon ziemliche verzwickte Fragen!
kaktus hat geschrieben:Viele Überlegungen die eigentlich mit RU nichts zu tun haben sondern allgemein betreffend sind. Wenn man sich das nicht zugemüte geführt hat, dann ist selber schuld oder rabbiat formuliert Fachidiot.
Und was wolltest Du nun eigentlich sagen?! Klar, es gibt immer Ausnahmen, Gründe, Ursachen, Randfaktoren, etc. - aber ich sehe einfach als Wirtschaftsvertreter in Russland, dass selbst in der IT-Branche, die ja angeblich so gut in Russland wäre, ein eklatanter Mangel an gut ausgebildeten Spezialisten herrscht! Wirklich qualifizierte Hochschulabgänger sind selbst in einem Wissenschaftszentrum wie Nowosibirsk (mit dem viel gerühmten Akademgorodok) Mangelware.

Da kann ich noch so viel über Spezialgebiete und moralische oder kluge Leute philosophieren - Fakt ist, dass es der Wirtschaft an guten Leuten fehlt!



Benutzeravatar
lixil
Zar/iza
Zar/iza
Beiträge: 382
Registriert: Samstag 18. Juli 2009, 20:25

Re: Akademiker und Universitäten

Beitrag von lixil » Dienstag 2. November 2010, 21:33

Norbert hat geschrieben:
lixil hat geschrieben:Ich meine es ist die Stufe 3, und man glaubt es kaum, aber der schwierigste Teil des Testes ist Textverständnis. (Wobei der Rest auch nicht gerade einfach ist)
Das Textverständnis geht, da einem die russischen Prüfer meist helfen, durch gute Betonung, etc. - also davor hätte ich keine Sorgen. Ich scheitere an den knifflichen Verben, die irgendwelche abstrusen Fälle verlangen (kann man nur auswändig lernen) sowie an den Fragen zum vollendeten und unvollendeten Aspekt - das sind bei Stufe 3 schon ziemliche verzwickte Fragen!
Also ich meinte den Teil, wo man einen Text vorgelegt bekommt, man sich diesen durchliest und anschließend ankreuzen soll welche der unten stehenden Aussagen sich auf den Text beziehen. Hört sich sehr simpel an, ist es aber überhaupt nicht.

kaktus
Insider/in
Insider/in
Beiträge: 149
Registriert: Dienstag 24. August 2010, 11:51

Re: Akademiker und Universitäten

Beitrag von kaktus » Mittwoch 3. November 2010, 00:19

kaktus hat geschrieben:Da kann ich noch so viel über Spezialgebiete und moralische oder kluge Leute philosophieren - Fakt ist, dass es der Wirtschaft an guten Leuten fehlt!
Philo oder Moral hin oder her, mag sein, dass man qualifizierte Leute nicht gleich findet. Es heisst aber nicht, dass sie nicht gibt. Ja mit welchem Preis?!! Es liegt auch vielleicht daran, dass die Anforderungsprofile nicht mal verstanden werden... Wir suchen Facility manager als bsp. warum nicht gleich Hausmeister?! Einige Bereiche benötigen Quereinsteiger... klar, wenn man Jemanden mit Fachwissen in Materialforschung für funktionale Textilien mit Anwendung in der Medizin nicht dort bei den Machinenbauer findet... Nicht alle Max Plancker oder Fraunhofer, oder was auch immer sie heissen, wissen was die andere Kollegen tun... Es liegt auch daran, dass die Ausbildung für spezielle Kräfte nicht vorhanden ist... Das Ausbildungssystem passt sich langsamer an was neue Gebiete der Forschung angeht... Will die Wirtschaft Nachwuchswissenschaftler haben, soll sie sich bitte schön auch beteiligen und proaktiv mitgestalten was für sie strategisch sinvoll ist und nicht nur jammern, MHO. Mir ist es bewusst, dass es wieder wie quasi Stammtisch Gellaber klingt... Das ist nur die eigene Meinung, letztendlich sind wir hier nun mal nicht in einer Fachtagung des Bmbfs oder BMWA. Man freut sich auf Gedankenaustausch und des Besseren gelehrt zu werden :) (als Entwarnung, dass es nicht als persönnlische Beleidigung misverstanden werden sein muss erst recht wenn die Auslegung sich bedürftig liest und einer sich "frägt" was soll das heissen)
"daß diese Furcht zu irren schon der Irrtum selbst ist." (Georg Wilhelm Friedrich Hegel)

Benutzeravatar
Norbert
Vize Admin
Vize Admin
Beiträge: 12205
Registriert: Freitag 30. Juni 2006, 11:25
Wohnort: Nowosibirsk, Dresden
Kontaktdaten:

Re: Akademiker und Universitäten

Beitrag von Norbert » Montag 8. November 2010, 11:28

kaktus hat geschrieben:... mag sein, dass man qualifizierte Leute nicht gleich findet. Es heisst aber nicht, dass sie nicht gibt. Ja mit welchem Preis?!! Es liegt auch vielleicht daran, dass die Anforderungsprofile nicht mal verstanden werden... Wir suchen Facility manager als bsp. warum nicht gleich Hausmeister?!
Was soll man an "Разрабочик PHP" noch falsch verstehen?! Wenn ich PHP aufschlüsseln muss, dann ist der Bewerber ganz bestimmt nicht mein Mann.

PHP ist als Technologie seit knapp 15 Jahren weit verbreitet. Es ist die (!) Technologie im Internet - beispielsweise dieses Forum ist mit PHP programmiert. In den Novosibirsker Universitäten wird es aber bis heute scheinbar nicht gelehrt. Alle Bewerber, die sich bei uns vorstellen, haben es in der Praxis erlernt, bei Nebenjobs.

Und wenn ich Mitarbeiter nur über Headhunter finden kann (dies bezieht sich auf "mit welchem Preis?") - dann deutet dies eindeutig auf einen Mangel an qualifizierten Kräften hin.

Wenn bis heute die Universitäten die Schlüsseltechnologien der letzten 15 Jahre nicht lehren (wozu ich Internetprogrammierung zählen würde), dann kann ich dieses Hochschulsystem einfach nicht loben.

Vergleich Deutschland - die TU Dresden hat bereits 1999 einen Studiengang "Medieninformatik" ins Leben gerufen, wo genau diese Technologien vermittelt wurden. Die ersten Absolventen gab es 2003. Diese Flexibilität fehlt dem russischen Bildungssystem.

Benutzeravatar
Dietrich
Globaler Moderator
Globaler Moderator
Beiträge: 7829
Registriert: Mittwoch 25. Februar 2004, 13:54
Wohnort: Wiesbaden

Re: Akademiker und Universitäten

Beitrag von Dietrich » Montag 8. November 2010, 13:54

Norbert hat geschrieben:Was soll man an "Разрабочик PHP" noch falsch verstehen?! Wenn ich PHP aufschlüsseln muss, dann ist der Bewerber ganz bestimmt nicht mein Mann.

PHP ist als Technologie seit knapp 15 Jahren weit verbreitet. Es ist die (!) Technologie im Internet - beispielsweise dieses Forum ist mit PHP programmiert.
Nach dem ersten Satz habe ich mir den Kopf zerbrochen... "was ist RNR?........ Das sich diese Russen aber auch nicht mal einigen können, welche Buchstaben sie nun benutzen wollen.....
"Each one hopes that if he feeds the crocodile enough, the crocodile will eat him last."
W. Churchill (1940)

Benutzeravatar
Schwabe
Insider/in
Insider/in
Beiträge: 213
Registriert: Sonntag 13. September 2009, 22:46
Wohnort: Schwabenland

Re: Akademiker und Universitäten

Beitrag von Schwabe » Dienstag 9. November 2010, 13:34

Norbert hat geschrieben:Um eine russische Doktorarbeit schreiben zu dürfen, muss man seinen deutschen Abschluss in Russland anerkennen lassen - ein recht kompliziertes Verfahren. Aber da man meist auch Studiengebühren zahlen muss, helfen die Universitäten dabei. (Ich habe mich da mal informiert und mir wurde eine solche Unterstützung versprochen.)

Ferner muss man einen Sprachtest machen - für eine Doktorarbeit den Test "Russisch als Fremdsprache", Stufe 2 oder 3. Kostet etwa 100 Euro und ist nicht gerade einfach. Geht schon sehr in die Materie. Soweit ich weiss, kann man den Test aber während der Doktorarbeit machen, also nicht zwingend vorher.

Problematisch ist die Aufteilung in Kandidatskuju und Dokterskuju, den es in Europa so nicht gibt. Ferner ist der Wert eines russischen Titels immer etwas zwiespältig, da man diverse Titel auch in der Metro kaufen kann. In Europa wird sich niemand die Mühe machen, zwischen gekauften und echten Titeln zu unterscheiden.

Beim Studium macht Russland den Bologna-Prozess mit, aber die Qualität der Lehre reicht bei weitem nicht an allen Hochschulen, um wirklich mit Europa mithalten zu können.
Danke fuer deine Ausfuehrungen Norbert. So habe ich mir das auch vorgestellt, es ist also nicht so einfach, wenn man schon die Sprachbarriere als Beispiel nimmt. Du hast Studiengebuehren erwaehnt - Wird eine Doktorarbeit dort nicht finanziell gefoerdert (Forschungsmitteln)?
Ich bezweifle, dass die Aspirantur als internationaler PhD gewertet wird.... :?



Antworten

Zurück zu „#Wissenschaft | #Kunst | #Kultur“