Eurovision Song Contest in Kopenhagen

Wer von den seichten Gewässer des Rus-POP in die Tiefen der Wissenschaft vordringen möchte, findet hier sein Terrain. Literatur, Bildende Kunst, Musik, Kinematografie und alles was intellektuellen Background hat kann hier diskutiert werden.

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Re: Eurovision Song Contest in Kopenhagen

Beitrag von klaupe » Montag 12. Mai 2014, 15:47

Dietrich hat geschrieben:Beim reinen Telefon-voting war "die Wurst" übrigens auf Platz 3(!) bei den Russen. ..., müssen doch recht viele Russen für Conchita angerufen haben. Mehr als für die Ukraine und Azerbaijan.
Kann das sein, dass es auch so eine Art verdeckter Protest gegen die Schwulengesetze war?

OK, an den dünnen Barthaaren herbeigezogen, aber ich versuche immer, etwas hinter die Kulissen zu sehen.
Manchmal muss man im Leben zwischen gutem Ruf und dem Vergnügen wählen und stellt fest, das der gute Ruf kein Vergnügen ist.



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Re: Eurovision Song Contest in Kopenhagen

Beitrag von GastroService » Montag 12. Mai 2014, 19:15

... und wer in "zum fressen gerne hat"...... https://scontent-a.xx.fbcdn.net/hphotos ... 4044_n.jpg
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Re: Eurovision Song Contest in Kopenhagen

Beitrag von manuchka » Dienstag 13. Mai 2014, 14:06

Was ich von der diesjährigen Gewinnerin des ESC halte, kann mal außen vor bleiben - aber die ganze Aufregung aus Russland ist für mich Heuchelei ohne Grenzen. Wer hat denn 2003 zwei junge Mädels, die lange das Image eines lesbischen Paares gepflegt haben, zum ESC geschickt? Damals war das cool und super, Teenager auf der ganzen Welt durften sich das anschauen und die Mädels und ihre angebliche Orientierung anhimmeln - und heute ächtet man "homosexuelle Propaganda unter Minderjährigen" per Gesetz? Wo war das Gesetz denn damals? Na damals brauchte man das nicht, damals konnte man mit Tatu Imagepunkte für Russland sammeln...
Du erntest, was du säst.

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Re: Eurovision Song Contest in Kopenhagen

Beitrag von klaupe » Dienstag 13. Mai 2014, 14:32

manuchka hat geschrieben:Wo war das Gesetz denn damals? Na damals brauchte man das nicht, damals konnte man mit Tatu Imagepunkte für Russland sammeln...
Wo war das Gesetz bei der Olympiade 2014?
Aber was bedeuten in Russland schon Gesetze? [verdacht]
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Re: Eurovision Song Contest in Kopenhagen

Beitrag von Saboteur » Dienstag 13. Mai 2014, 14:40

schön sind auch die Umfragen oder KOmmentare im Internet.

Eben bei Odnoklassniki gesehen:

Was soll man mit Schwulen und Transvestiten machen:

1. Erschiessen, verbrennen und begraben.
2. Vierteilen, kochen und den Hunden geben.
2. Es sind auch Menschen, es ist deren Entscheidung, Ich bin schwul.

Stand 13.5. - 12:38

1: 19510
2: 1083
3: 700
помню айнц цвай полицай. все там с ума сходили. Под самогон...



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Re: Eurovision Song Contest in Kopenhagen

Beitrag von klaupe » Dienstag 13. Mai 2014, 15:12

Saboteur hat geschrieben:schön sind auch die Umfragen oder KOmmentare im Internet.
Trotz über 20 Tsd. Stimmen ist es keine repräsentative Umfrage, aber doch ein deutlicher Hinweis, wie es in den Köpfen der Masse tickt.
  1. Die meisten sind für Ordnung, Sauberkeit und traditionelle Werte.
  2. Der Hang zu "endgültigen Lösungen" ist deutlich erkennbar. Auch in Deutschland gab es vor 3/4 Jahrhundert den Trend zu Endlösungen. Inzwischen dominiert der Verstand.
  3. Tierfreunde und Ökonomen haben einen relativ geringen Freundeskreis.
  4. Auch wenn vielleicht viele sehr schnell, unüberlegt und somit falsch abgestimmt haben, wir also mit 90 % gefälschten Stimmen rechnen müssen, wie bei einem ukrainischem Referendum, so bleibt doch für die Endlöser eine deutliche Mehrheit. Gratulation!
    Ich freue mich immer über so transparente Blicke auf ein Volk und seinen Charakter (über die Einblicke, nicht über das Volk in diesem Fall!)
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Re: Eurovision Song Contest in Kopenhagen

Beitrag von Romy80 » Dienstag 13. Mai 2014, 15:55

Es ist doch eigentlich nahe liegend, dass in einem Land, wo traditionelle Werte und Familienwerte sehr hoch gehalten werden, eine gewisse Intoleranz gegenüber Homosexualität da ist. Allein schon deswegen,weil viele traditionell Denkende sich sagen, schwul sein sei nicht normal. Dabei sagen Homosexuelle durchgehend, dass sie nicht "schwul werden", sondern von Anfang an "schwul sind".

Eigentlich gibt es in einem jeden Land auch solche, die intolerant gegenüber Schwulen sind. In dem einen mehr, in dem anderen weniger.

Ich bin generell für Toleranz. Doch viele sind in den Bereichen eben nicht tolerant. Eventuell wird sich das ja noch ändern.

Vor 100 Jahren haben Deutsche oder Westeuropäer auch ganz anders über das Schwulsein bzw. Homosexualität gedacht...
Reisen bildet!

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Re: Eurovision Song Contest in Kopenhagen

Beitrag von klaupe » Dienstag 13. Mai 2014, 16:15

Romy80 hat geschrieben:Vor 100 Jahren haben Deutsche oder Westeuropäer auch ganz anders über das Schwulsein bzw. Homosexualität gedacht...
Ja, und vor 1945 verfuhr man auch nach dem Verfahren wie bei der Umfrage bei Odnoklassniki: 1. Erschiessen, verbrennen und begraben.

Ich finde schon die Fragestellung skandalös, noch mehr das Ergebnis. Da reicht mein Humor nicht mehr aus und ich will ihn auch nicht daran verschwenden.
Offensichtlich finden potentielle Mörder mehr Akzeptanz, als Homosexuelle.
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Re: Eurovision Song Contest in Kopenhagen

Beitrag von Dietrich » Dienstag 13. Mai 2014, 16:55

Romy80 hat geschrieben:Es ist doch eigentlich nahe liegend, dass in einem Land, wo traditionelle Werte und Familienwerte sehr hoch gehalten werden, eine gewisse Intoleranz gegenüber Homosexualität da ist.
Nein, ist es nicht. Ich bin selbst eher konservativ und halte traditionelle und auch Familienwerte bestimmt recht hoch. Was das aber mit Intoleranz gegenüber Homosexualität zu tun haben soll, erschließt sich mir nicht, zumal Höflichkeit und Toleranz definitiv auch zu den "traditionellen Werten" gehören.

Intoleranz gegenüber derartiger Randgruppen, die - wenn man sie einfach in Frieden leben lässt - niemandem etwas tun ist kein Zeichen von "traditionellen Werten" sondern von fehlendem eigenen Selbstbewusstsein.
Romy80 hat geschrieben:Vor 100 Jahren haben Deutsche oder Westeuropäer auch ganz anders über das Schwulsein bzw. Homosexualität gedacht...
In Russland war man da auch schon mal weiter... siehe TATU, Vera Serdutchka oder auch den dritten Platz von Conchita Wurst bei russischen Telefonvoting.

Diese staatlich propagandierten "traditionellen Werte" die aber einhergehen mit einer Intoleranz gegenüber allem (angeblich) nicht traditionellem ist aber sehr ärgerlich und gefährlich. Weil sie allen Intoleranten mit fehlendem eigenen Selbstbewusstsein auch noch das Gefühl gibt, das sie mit ihrer Intoleranz recht haben und auf dem richtigen Weg sind.
Traditionell in der Ausprägung "Nationalismus minus Toleranz" geht im Extrem defintiv in Richtung Faschismus.
"Each one hopes that if he feeds the crocodile enough, the crocodile will eat him last."
W. Churchill (1940)

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Re: Eurovision Song Contest in Kopenhagen

Beitrag von _RGP_ » Dienstag 13. Mai 2014, 17:13

Dietrich hat geschrieben:oder auch den dritten Platz von Conchita Wurst bei russischen Telefonvoting.
Hattest du nicht vor ein paar Tagen irgendeine Onlineumfrage über beliebte Politiker kritisert, weil da offensichtlich die Russen sich gegenseitig den Link geschickt, und für Putin gestimmt hatten?

Glaubst du nicht, daß sich jede russische Schwuchtel (wie überall sonst in Europa) am Samstag die Finger wundgewählt hat?

Auf alle Fälle sehr gewagt, die Telefonabstimmung als Zeichen des Prostests des gesamten rusischen Volkes gegen das Anti-Hompropagandagesetz verstehen zu wollen.



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