Transliteration der kyrillischen Schrift

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Moderator: Saboteur

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Leto

Transliteration der kyrillischen Schrift

Beitrag von Leto » Dienstag 14. Oktober 2003, 22:51

Hallo

In diesem Strang möchte ich auf das Problem der Transliteration der Namen und Worte aus dem Kyrillischen zu sprechen kommen.

Die kyrillische Schrift wird in deutschen Medien und Büchern gewöhnlich nach dem Duden-Muster transliteriert, der die Schreibweise maximal der Aussprache anpasst, so wie sie mit DEUTSCHEN Buchstaben(-kombinationen) wiedergegeben wird.
Parallel existiert die wissenschaftliche Transliteration (ISO), die kyrillische Buchstaben viel korrekter und eindeutiger wiedergibt, indem sie sich diakritischer Zeichen bedient, wie sie in anderen slawischen Sprachen (tschechisch, slowakisch, kroatisch, slowenisch usw.) benutzt werden. Leider wird diese Transliterationsweise nur im kleinen Kreis der Slawisten angewandt.
Schauen wir dagegen Sportübertragungen, erscheinen Namen von Sportlern aus "kyrillischen" Ländern meistens in englischer, manchmal in französischer Schreibweise.

Abgesehen davon, dass all die "nationalen" Methoden der kyrillischen Schrift nicht vollständig gerecht zu werden imstande sind, führt alles zu großem Chaos. Vor allem im Zeitalter des Internets und der Suchmaschinen, aber auch bürokratischer Natur. So kenne ich Menschen, die dokumententechnisch große Probleme hatten, die sie erst aufwändig und kostspielig beheben mussten.
Denn heißt jemand mit Nachnamen Журавлёв, muss er damit rechnen, dass er als Zhuravlyov (englisch), Jouravliov (französisch) oder Schurawljow (deutsch) geschrieben wird. Man kann sich vorstellen, wie der Name erst gelesen wird, wendet man sich mit der deutschen Schreibweise an einen englischen Beamten, mit der französischen an einen deutschen usw.
Ein weiteres beliebiges Beispiel fürs internationale Chaos sind Flugzeuge des Typs Сухой:
Sukhoy (englisch), Soukhoi (franz.), Suchoj (deutsch), Sujoi (spanisch)...

Deswegen bin ich für eine einheitliche Schreibweise für alle. Dabei müssen alle nationalen Schreibweisen abgeschafft werden, an ihre Stelle muss universell die ISO treten. Sie ist am besten geeignet, da sie dem Original maximal angepasst ist. Die größtmögliche Beibehaltung originalgetreuen Aussehens ist etymologisch und ästhetisch für das Verständnis einer Sprache wichtig.
Man stelle sich vor, man würde aus einem Chevrolet im Deutschen ein Schewrole machen, aus Virginia Wördschinia. Absurd? Aber genau die gleiche Verzerrung passiert derzeit allerorts mit dem Russischen. Auch wenn es mit einer anderen Schrift geschrieben wird, darf diese Sprache nicht verzerrt oder entfremdet werden, eine Sprache, die noch so viel von der ursprünglichen indoeuropäischen Schönheit bewahrt hat.

Die mangelnde Gewöhnung an die ISO anfangs wird mit der Zeit überwunden werden, ähnlich, wie man es ja auch gewohnt ist, französische, englische und andere Wörter nach ihren Regeln korrekt zu lesen.



Gast

Re: Transliteration der kyrillischen Schrift

Beitrag von Gast » Dienstag 18. November 2003, 18:43

Leto hat geschrieben:Hallo

In diesem Strang möchte ich auf das Problem der Transliteration der Namen und Worte aus dem Kyrillischen zu sprechen kommen.

Die kyrillische Schrift wird in deutschen Medien und Büchern gewöhnlich nach dem Duden-Muster transliteriert, der die Schreibweise maximal der Aussprache anpasst, so wie sie mit DEUTSCHEN Buchstaben(-kombinationen) wiedergegeben wird.
Parallel existiert die wissenschaftliche Transliteration (ISO), die kyrillische Buchstaben viel korrekter und eindeutiger wiedergibt, indem sie sich diakritischer Zeichen bedient, wie sie in anderen slawischen Sprachen (tschechisch, slowakisch, kroatisch, slowenisch usw.) benutzt werden. Leider wird diese Transliterationsweise nur im kleinen Kreis der Slawisten angewandt.
Schauen wir dagegen Sportübertragungen, erscheinen Namen von Sportlern aus "kyrillischen" Ländern meistens in englischer, manchmal in französischer Schreibweise.

Abgesehen davon, dass all die "nationalen" Methoden der kyrillischen Schrift nicht vollständig gerecht zu werden imstande sind, führt alles zu großem Chaos. Vor allem im Zeitalter des Internets und der Suchmaschinen, aber auch bürokratischer Natur. So kenne ich Menschen, die dokumententechnisch große Probleme hatten, die sie erst aufwändig und kostspielig beheben mussten.
Denn heißt jemand mit Nachnamen Журавлёв, muss er damit rechnen, dass er als Zhuravlyov (englisch), Jouravliov (französisch) oder Schurawljow (deutsch) geschrieben wird. Man kann sich vorstellen, wie der Name erst gelesen wird, wendet man sich mit der deutschen Schreibweise an einen englischen Beamten, mit der französischen an einen deutschen usw.
Ein weiteres beliebiges Beispiel fürs internationale Chaos sind Flugzeuge des Typs Сухой:
Sukhoy (englisch), Soukhoi (franz.), Suchoj (deutsch), Sujoi (spanisch)...

Deswegen bin ich für eine einheitliche Schreibweise für alle. Dabei müssen alle nationalen Schreibweisen abgeschafft werden, an ihre Stelle muss universell die ISO treten. Sie ist am besten geeignet, da sie dem Original maximal angepasst ist. Die größtmögliche Beibehaltung originalgetreuen Aussehens ist etymologisch und ästhetisch für das Verständnis einer Sprache wichtig.
Man stelle sich vor, man würde aus einem Chevrolet im Deutschen ein Schewrole machen, aus Virginia Wördschinia. Absurd? Aber genau die gleiche Verzerrung passiert derzeit allerorts mit dem Russischen. Auch wenn es mit einer anderen Schrift geschrieben wird, darf diese Sprache nicht verzerrt oder entfremdet werden, eine Sprache, die noch so viel von der ursprünglichen indoeuropäischen Schönheit bewahrt hat.

Die mangelnde Gewöhnung an die ISO anfangs wird mit der Zeit überwunden werden, ähnlich, wie man es ja auch gewohnt ist, französische, englische und andere Wörter nach ihren Regeln korrekt zu lesen.


Hallo, hast du vollkommen recht. ich hatte vor kurzem dieses Problem gehabt und bin gerade dabei, den ganzen Papierkramm auf die neue Schreibweise zu ändern. Gruß :wink:

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