Mir, Trud, Mai :))

Wer von den seichten Gewässer des Rus-POP in die Tiefen der Wissenschaft vordringen möchte, findet hier sein Terrain. Literatur, Bildende Kunst, Musik, Kinematografie und alles was intellektuellen Background hat kann hier diskutiert werden.

Moderator: Saboteur

Anonymous

Beitrag von Anonymous » Montag 2. Mai 2005, 01:33

Gibts in Russland eigentlich den Brauch oder etwas ähnliches wie das Maibaum setzen in Deutschland?



Sportsfreund

Beitrag von Sportsfreund » Montag 2. Mai 2005, 12:10

früher gab es so was nicht.

wie es in den letzten Jahren aussieht?

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Bauleiter
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Beitrag von Bauleiter » Montag 2. Mai 2005, 12:53

ich hätte es auch noch nicht gehört
Es kommt kein Schiff mehr die Wolga hoch, daß ist das entscheidende.

Anonymous

Beitrag von Anonymous » Montag 2. Mai 2005, 18:07

Christos woskresse, ihr, Lieben!
Woistinu woskresse Christos!


Krischan und Sportsfreund haben Folgendes geschrieben:
Gibti¿1/2s in Russland eigentlich den Brauch oder etwas i¿1/2hnliches wie das Maibaum setzen in Deutschland?
fri¿1/2her gab es so was nicht.
wie es in den letzten Jahren aussieht?
Nein, diesen Brauch gibt's in Russland nicht. Dafuer aber andere: die alten

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und neue

http://aktuell.ru/forum/viewtopic.php?t=2235
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http://aktuell.ru/forum/viewtopic.php?t=2234
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http://www.easterfestival.ru/
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Werner hat Folgendes geschrieben:
Wann war denn zum letztenmal Ostern am 1. Mai in Russland ?

um diese Frage korrekt zu beantworten, stellen wir erstmals fest, dass 1. Mai Gregorianisch = 18.April Julianisch.
An diesem Tag gab's Ostern vor 532 Jahren, also 1473. Und auch 532 Jahre davor - im Jahre 941. Und nochmal vor 532 Jahren - im Jahre 409.
Das ist eine Eigenschaft unserer Osterrechnung, die auf dem Julianischen Kalender gruendet.
Diese Periode von 532 Jahren heisst die Grosse Indiktion. Sie ergibt sich dadurch, dass alle 28 Jahre die Wochentage an die selben Daten kommen (zB. der 2te Mai ist Monntag alle 28 Jahren) und alle 19 Jahre kommen die Vollmonde und Neumonde auf die selben Daten (wenn ein Neumond auf 1. Maerz faellt, dann in 19 Jahren wird er auch am 1.Maerz sein). Und alle 532 Jahren wiederholt sich die ganze ganze Kombination: Wochentage+Mondphasen+Daten und auch andere Erscheinungen wie Mond- und Sonnenfinsternisse. Das ist unser Julianische Kalender und Orthodoxe Ostertafel. Bei der Kalenderreform vom Papst Gregor den 13ten ging die ganze Harmonie und Abgestimmtheit von Mond- und Sonnenkalendern und verschiedene Zyklen kaputt, auch die Ostertafel sollte im gregorianischen Kalender aufs neue zusammengesetzt werden. Sie ist umstaendlich, wie auch der gregorianische Kalender selbst.
dass das Wort Genosse bei den Russen so beliebt ist,
das Wort Genosse entspricht etwa dem russischen "towarischtsch - aÞOÐaØe" - Anredeformel, die anstelle von bourgeoisen "gospodin - OÞaßÞOØÝ" usw nach der Revolution eingesetzt wurde.
Und das Wort "towarischtsch" ist eigentlich ein gutes Wort, es kann als ein Synonym zum "Freund", "Gefaerte" angesehen werden. Nur weil es von den Bolschewiki und im Parteilexikon gebraucht wurde, ist das Wort aus dem normalen Gebrauch fast verschwunden. Aber trotzdem kann man ihn manchmal hoeren - nicht nur mit kommunistischer oder ironischer Schattierung, sondern in der urspruenglicher Bedeutung: Kumpel, Freund, Gefaerte.
allgemein ist "towarischtsch" vielmehr Kamerad, als Genosse
und Drei Kameraden von Remarque heissen AaØ aÞOÐaØeÐ auf Russisch (ich habe gehoert, dass heutzutage kennt man kaum Remarque in Deutschland)

Reinhard

wunderschön, endlich mal wieder was richtig vernünftiges

Beitrag von Reinhard » Montag 2. Mai 2005, 21:22

Achim, ich schlage vor, daß wir diesen tollen Thread aus der Quasselkiste in den Diskussionsbereich stellen, damit auch noch ein paar andere sich dran erfreuen können.

Reinhard



Bephep

Kalender

Beitrag von Bephep » Dienstag 3. Mai 2005, 01:31

Der gregorianische Kalender ist deshalb entwickelt worden weil die Erde sich nicht genau an die Sonne haelt.
Christus ist am 24.Dezember geboren,einen Tag nach der laengsten Nacht im Jahr.Das Symbol ist, das ab diesem Tag das Licht wieder zunimmt, das Licht ist die Hoffnung.Und der Tag bleibt im gregorianischen Kalender immer gleich.

csey

Gregor

Beitrag von csey » Dienstag 3. Mai 2005, 03:18

iko-iko hat geschrieben:...... Das ist unser Julianische Kalender und Orthodoxe Ostertafel. Bei der Kalenderreform vom Papst Gregor den 13ten ging die ganze Harmonie und Abgestimmtheit von Mond- und Sonnenkalendern und verschiedene Zyklen kaputt, auch die Ostertafel sollte im gregorianischen Kalender aufs neue zusammengesetzt werden. Sie ist umstaendlich, wie auch der gregorianische Kalender selbst.
Sonne, Mond und Sterne. Alles passt so schön. Und dann kommt Gregor, dieser römische Mistkerl, und macht alles kaputt !!

Wenn Du wissen willst, warum das trotzdem eine notwendige Verbesserung gegenüber dem alten Kalender aus Cäsars Zeit war, lies einfach mal hier. Bitte vor allem die simple, aber überzeugende Arithmetik in der zweiten Hälfte beachten.

Sorry, iko, wenn ich ein wenig polemisch reagiere. Aber bei diesem Kalenderthema stößt man häufig auf mysthisch angehauchte Texte und spürt dennoch mit jedem Satz, daß der Verfasser sein eigenes Zeug nicht richtig versteht. So hatten wir vor nicht allzu langer Zeit hier schon einmal einen äthiopischen Kalenderexperten. Der hat's dann auf die Rastafari geschoben.

Übrigens sind die Definitionen für den Ostersonntag in der römisch-katholischen und der griechisch-(russisch, ukrainisch)-orthodoxen Christenheit identisch: Der erste Sonntag nach dem ersten Vollmond nach dem Frühlingsanfang. Nur kommen beide Kirchen meistens zu verschiedenen Ergebnissen. Ok, das kann man wegen der Komponente "Frühlingsanfang" leicht mit den verschiedenen Kalendern erklären. Aber warum sich die beiden Ostern dann auch häufig nicht entweder um 0 oder um 4 Wochen (Stichwort Vollmond), sondern gerne auch 1, 2 oder 3 Wochen unterscheiden, das hat mir bisher noch niemand erklären können.

Na ja, egal - jedenfalls ist ja das Julianische Ostern das richtige. Man sieht's ja an dem Osterfeuer in Jerusalem ............?


P.S.: Übrigens vielen Dank, iko, daß Du Papst nicht mit "b" geschrieben hast.

Anonymous

Beitrag von Anonymous » Dienstag 3. Mai 2005, 09:41

ich muss mich ganz schnell berichtigen!

Werner hat Folgendes geschrieben:
Wann war denn zum letztenmal Ostern am 1. Mai in Russland ?

Ostern am 1.Mai
-Gregorianisch (wie dieses Jahr) gab's nicht nur vor 532 Jahren,
sondern auch 1994, 1932, 1921, 1910, 1864, 1853, ...


Ansonsten, stimmt das mit dem 532-Jahren Zyklus

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