Historische Romane auf Russisch

Nachhilfeunterricht und Sprachkurse sind in dieser Rubrik zu finden. Hier können auch Eigenarten im Russischen und Deutschen diskutiert werden. Wer Hilfe beim Übersetzen braucht, sollte in diesem Unterforum eine Anfrage stellen.

Moderator: Wladimir30

simdo
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Historische Romane auf Russisch

Beitrag von simdo » Sonntag 20. August 2017, 09:52

Guten Morgen, ich suche ein Buch, mit dem ich entspannt meine Russischkenntnisse aufleben lassen kann. Ich mag sehr gern historische Romane. Würde mir bei meinem Sprachniveau B1-B2 so etwas wie Iny Lorentz auf Russisch vorstellen. Also nicht kompliziert, einfach zum romantischen herunterlesen. Hat jemand einen Tipp? (ich mag kein Fantasy und auch nicht so gerne Krimis). Gruß SiM



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Axel
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Re: Historische Romane auf Russisch

Beitrag von Axel » Sonntag 20. August 2017, 21:54

Война и мир - Лев Толстой ist ein historischer Roman, inwieweit da deine Russischkenntnisse mitspielen ist schwer zu sagen, ich fand es zumindest nicht schwer zu lesen (Es kommen aber einige altertümliche russische Wörter vor)

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Re: Historische Romane auf Russisch

Beitrag von m5bere2 » Montag 21. August 2017, 04:08

Muss ja nicht gleich ein ganzer Roman sein, es gibt auch kürzere interessante historische Sachen.

Лесков -- Железная воля. Das habe ich als Anfänger gelesen. Da geht es um einen Deutschen, der Ende 19. Jhd mit "eisernem Willen" nach Russland kommt als Maschinenbauer. Ist ganz lustig, weiler mit seinem "eisernen Willen" in Russland überall auf die Fresse fliegt.

Пушкин -- Капитанская дочка (da geht es um die Bauernaufstände um Jemeljan Pugatschow)

Толсткой -- Хаджи-Мурат (um die Kaukasuskriege)

Булгаков -- Белая Гвардия und Бег. Zwei meiner Lieblingsbücher, da geht es um den russischen Bürgerkrieg in der Ukraine. Es ist etwas schwierig, den Überblick über die ganzen kämpfenden Parteien zu erhalten, aber ich denke, den Leuten in der Ukraine ging es damals genau so! 2014 hat mich vieles an dieses Buch erinnert.

Die Bücher sind alle online frei verfügbar.

Dann gibt es natürlich noch viel Literatur um den 2. WK, aber da bin ich kein so Fan von.

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Re: Historische Romane auf Russisch

Beitrag von Wladimir30 » Montag 21. August 2017, 08:38

m5bere2 hat geschrieben:Булгаков -- Белая Гвардия
Also bei aller Liebe zu Bulgakov, und die ist wirklich groß. Aber das Werk hier halte ich - gelinde gesagt - für den vollen Ausfall.
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Re: Historische Romane auf Russisch

Beitrag von m5bere2 » Montag 21. August 2017, 09:01

Wladimir30 hat geschrieben: Also bei aller Liebe zu Bulgakov, und die ist wirklich groß. Aber das Werk hier halte ich - gelinde gesagt - für den vollen Ausfall.
Interessant ... ich fand bei Bulgakov nur Белая Гвардия und Собачье Сердце gut, seine anderen Sachen habe ich nur mit Mühe oder gar nicht zu Ende gelesen. ;)



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Re: Historische Romane auf Russisch

Beitrag von Norbert » Montag 21. August 2017, 09:42

Ich fand Kurzgeschichten von Чехов gut zum Lernen. Nicht so komplex gedacht, wenig schwierige Wörter und Konstruktionen. Auch für einen pragmatischen Ingenieur wie mich lesbar. (Ich lese lieber eine Zeitung als Schiller oder Dostojewski, dieses seitenlange Geschwurbel ist für mich eine Qual. Ich stehe dazu, ich bin ein Banause.)

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Re: Historische Romane auf Russisch

Beitrag von m5bere2 » Montag 21. August 2017, 09:58

Stimmt, die Kurzgeschichten von Чехов sind auch gut. Besonders gefallen haben mir ja seine Kommentare zu Sibirien. :-)
Wie er sich über die sibirische Mundart lustig macht, über das ständige Versumpfen der Kutsche, usw.

Aber viele passen jetzt nicht unbedingt zu "historisch" außer weil sie eben "damals" geschrieben wurden. Interessant sind sie trotzdem, Палата № 6, Человек в футляре ("как бы чего не вышло"), und so weiter.

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Re: Historische Romane auf Russisch

Beitrag von m5bere2 » Montag 21. August 2017, 10:02

Auch noch ganz gut ist Толстой -- Казаки (aus dem Kaukasuskrieg).

Richtige historische Klopper sind dann die Шолохов-Dinger (Тихий Дон und Поднятая целина) oder Шишков -- Угрюм-река, in der Endzeit des Kapitalismus in Sibirien. Aber beide sind nicht einfach zu lesen, da viel Dialekt von den jeweiligen Ureinwohnern drin vorkommt, die teilweise schlecht russisch sprechen. Aber Угрюм-река fand ich trotzdem sehr gut.

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Re: Historische Romane auf Russisch

Beitrag von Wladimir30 » Montag 21. August 2017, 10:21

Norbert hat geschrieben: Dostojewski, dieses seitenlange Geschwurbel ist für mich eine Qual. Ich stehe dazu, ich bin ein Banause.)
Leider leider, mein lieber Norbert, muss ich Dir Recht geben....

Ein literarisches Werk (so es denn den Anspruch hat, ein solches zu sein) ist kein Medium zum Übermitteln von Neuigkeiten. Es geht um die Möglichkeiten, die Sprache bietet, auszuloten. Die Übermittlung von außersprachlichen Inhalten (wie z.B. in Zeitungen) ist nur eine von vielen Funktionen, die Sprache hat. Es werden andere Dinge wichtig: die Erzählperspektive (Ich-Erzähler oder Er-Erzähler oder mehrere, sich abwechselnde Erzähler oder gar kein Erzähler), die zeitliche Abfolge (chronolgisch, Rückblendungen), welche Rolle spielt überhaupt die Zeit im Werk. Z.B. wenn man "Moby Dick" in der Vollversion liest, quälst du dich ewig lang durch absolut alle Einzelheiten des Walfangs, was unglaublich lange ist und deshalb sehr ermüdet. Das könnte man doch alles weglassen, weil es viel Zeit kostet und oberflächlich betrachtet nichts zum Handlungsverlauf beiträgt. Aber es hat eine bestimmte Funktion, ohne die das Buch zu einem billigen Abenteuerroman verkommen würde. Inwieweit fällt das Wissen des fiktiven Erzählers mit dem des Lesers zusammen oder weiß einer der beiden mehr als der andere (z.B. bei Kriminalromanen wird hiermit gespielt) und und und.

Und unter diesen Aspekten ist Dostojewskij einer der sprachgewaltigsten Autoren der Weltliteratur. Das Mammutwerk "Die Brüder Karamasow" z.B. ist eines der am konsequentesten durchstrukturierten Werke der Weltliteratur überhaupt, in dem eigentlich nichts (!!!) überflüssig ist. Also kein "Geschwurbel" oder so....

Das musste ich einfach mal loslassen.
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Re: Historische Romane auf Russisch

Beitrag von Norbert » Dienstag 22. August 2017, 07:33

Wladimir, ich gebe Dir da vollkommen Recht und halte mich auch wirklich für einen Banausen. Aber für mich war auch Schiller in der Schule ein Krampf - "Kabale und Liebe", zwei Seiten Geschwurbel, um auszudrücken, dass irgendeine Nebensächlichkeit geschehen ist. Nee, das ist nichts für mich.

Ich lese gern, aber für die hohe Literatur fehlt mir die Geduld. Leichte Kost wie Remarque, damit kann ich etwas anfangen.



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