Zahlungsabwicklung mit Russland - Import von Ware

Business-Frau und Geschäftsmann finden hier zusammen. Aber bitte nicht verwechseln, hier geht es nur ums Geschäft.

Moderator: Wladimir30

nickstaub
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Zahlungsabwicklung mit Russland - Import von Ware

Beitrag von nickstaub » Sonntag 12. Juli 2015, 22:04

Guten Abend,

im Rahmen eines Projektes unserer Uni haben wir die (fiktive) Aufgabe, 50.000 Notebooktaschen aus Russland nach Deutschland zu importieren. Die Vorgehensweise soll dargestellt werden, Risiken sollen angesprochen bzw. minimiert werden.

Uns liegt ein (reelles) Angebot über 3,00 USD/St. (FCA) vor. Einkaufspreis liegt daher bei 150.000 USD.

Mein Part ist die Zahlungsabwicklung zu planen. Ich habe hier an das Akkreditiv gedacht.
80% per Akkreditiv - hier bekommt der Händler das Geld also direkt nach Vorlage der (Versand)Dokumente
20% nach Prüfung der Ware bei uns, per Überweisung

Um das Wechselkursrisiko auszuschließen, war meine Idee, bereits bei Vertragsabschluss in Dtl. ein USD-Fremdwährungskto. abzuschließen.

Meine Bank (Int. Kundenberater) meinte nun, dass Geschäfte mit Russland und USD zu Komplikationen führen könnten, da USD Zahlungen wohl über die USA laufen und das Geld dort aufgehalten werden könnte. Man legte mir nahe, das Geschäft in EUR abzuwickeln.

Nun meine Frage: Ist dies so machbar und wird es in der Praxis tatsächlich so gehandhabt? Muss mein Gegenüber dann ein EUR-Fremdwährungskto. besitzen?
Gibt es noch weitere Dinge, welche beim Import von Ware aus Russland beachtet werden sollten? Ist die Wohl des Akkreditiv und die Splittung der Zahlungen so machbar und empfehlenswert?

Vielen Dank!



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Re: Zahlungsabwicklung mit Russland - Import von Ware

Beitrag von bella_b33 » Sonntag 12. Juli 2015, 22:48

nickstaub hat geschrieben: Muss mein Gegenüber dann ein EUR-Fremdwährungskto. besitzen?
Vielen Dank!
Ja, Dein russischer Geschäftspartner müsste dann ein Eurokonto besitzen. Das ist aber nicht weiter schlimm, haben wir hier genauso, da eben alle Zahlungen aus der EU(egal ob privat oder dienstlich) in Euro eintreffen.

Gruß
Silvio
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Re: Zahlungsabwicklung mit Russland - Import von Ware

Beitrag von Alex KA » Montag 13. Juli 2015, 02:20

Sie brauchen Rubels, ich würde ihnen für Euros nichts verkaufen, einfach so.. Das sind russische Sanktionen.. Nah ja, vielleicht finden Sie Jemanden.. Zum Beispiel ich wüsste nicht was ich mit Euros anfangen soll, ich habe nicht vor nach Europa zu reisen, weil ich kein Lust verspüre schon wieder angespuckt zu werden..

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Re: Zahlungsabwicklung mit Russland - Import von Ware

Beitrag von bella_b33 » Montag 13. Juli 2015, 11:56

Alex KA hat geschrieben:Sie brauchen Rubels, ich würde ihnen für Euros nichts verkaufen, einfach so...
Ich würde.... Interessiert hier nicht! Es ist auf jeden Fall möglich mit Euro an russische Firmen zu zahlen....sage ich als GF einer russischen OOO.
Alex KA hat geschrieben:Zum Beispiel ich wüsste nicht was ich mit Euros anfangen soll
ehm, du kannst mit Geld auf dem Eurokonto der Firma nur EINES anfangen, Du kannst es in Rubel tauschen und aufs richtige Firmenkonto umschichten. Etwas Anderes ist bei uns(ich hätt gern mal ein paar Euro für Dienstreisen) damit leider nicht möglich.

Silvio
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Re: Zahlungsabwicklung mit Russland - Import von Ware

Beitrag von nickstaub » Montag 13. Juli 2015, 12:41

Danke für die bisherigen Antworten. Seht ihr bei einer Zahlungsabwicklung in USD das gleiche Problem wie meine Bank? Könnte dieser Fall eintreten?
bella_b33 hat geschrieben:
Alex KA hat geschrieben:Zum Beispiel ich wüsste nicht was ich mit Euros anfangen soll
ehm, du kannst mit Geld auf dem Eurokonto der Firma nur EINES anfangen, Du kannst es in Rubel tauschen und aufs richtige Firmenkonto umschichten. Etwas Anderes ist bei uns(ich hätt gern mal ein paar Euro für Dienstreisen) damit leider nicht möglich.
Silvio
Kann er mit diesem Konto nicht einfach seine Ausländischen Lieferanten bezahlen und so die Volatiliät des Rubels umgehen? Wäre ja ein Vorteil für Ihn!



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Re: Zahlungsabwicklung mit Russland - Import von Ware

Beitrag von Wladimir30 » Montag 13. Juli 2015, 13:07

nickstaub hat geschrieben:
bella_b33 hat geschrieben:
Alex KA hat geschrieben:Zum Beispiel ich wüsste nicht was ich mit Euros anfangen soll
ehm, du kannst mit Geld auf dem Eurokonto der Firma nur EINES anfangen, Du kannst es in Rubel tauschen und aufs richtige Firmenkonto umschichten. Etwas Anderes ist bei uns(ich hätt gern mal ein paar Euro für Dienstreisen) damit leider nicht möglich.
Stimmt nicht ganz. Du bekommst die Euros auf ein Transitkonto und musst entscheiden, ob du sie in Rubel umtauschen willst oder aufs Eurokonto umbuchen willst. Du kannst sie dann erstmal ruhig auf dem Eurokonto lassen.

Natürlich unterliegst Du damit dem Gesetz über die russischen GmbHs, und das regelt Privatentnahmen ähnlich wie auch in DEU. Dienstreisen kannst Du mit dem Geld machen, musst aber das übliche Prozedere einhalten (wie in DEU auch). Die gesamten Auszahlungen im Rahmen dieser Dienstreise (Flugtickets, Spesen etc.) müssen in Rubel bezahlt werden.
Kann er mit diesem Konto nicht einfach seine Ausländischen Lieferanten bezahlen und so die Volatiliät des Rubels umgehen?
Jein. Das hängt davon ab, wo der Lieferant sitzt. Wenn im Ausland, dann kann er mit diesen seinen Euro den Lieferanten auch in Euro bezahlen. Wenn es allerdings ein russischer Lieferant ist, muss er ihn in Rubel bezahlen. Selbst wenn im Liefervertrag die Vertragssumme in Euro festgesetzt ist, muss er diese Summe in Rubel bezahlen.
Wäre ja ein Vorteil für Ihn!
Ebenfalls jein. Kommt auf die Kursentwicklung an. Deshalb kann er das Geld erst auf dem Eurokonto parken, wie er lustig ist. Ob er dann zum Zeitpunkt, wenn er etwas in Rubel bezahlen will, und er deshalb die Euro vorher in Rubel umtauscht, was gewinnt oder nicht, ist dann seine unternehmerische Entscheidung (und damit auch sein Risiko).
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Re: Zahlungsabwicklung mit Russland - Import von Ware

Beitrag von bella_b33 » Montag 13. Juli 2015, 13:22

Wladimir30 hat geschrieben: Du bekommst die Euros auf ein Transitkonto und musst entscheiden, ob du sie in Rubel umtauschen willst oder aufs Eurokonto umbuchen willst. Du kannst sie dann erstmal ruhig auf dem Eurokonto lassen.
Okay, habs mir auch gerade erklären lassen. Transit zuerst, bis wir die Dokumente einreichen, dann liegts auf dem Euro-account beliebig lange, bis wir es in Rubel tauschen. Ich kümmer mich als GF nicht um den Geldverkehr....ich kümmer mich darum, daß überhaupt erstma Geld im Kommen ist :D.
Es ging mir daher auch nicht ums exakte Detail sondern nur darum unseren Alex
Alex KA hat geschrieben:ich würde ihnen für Euros nichts verkaufen, einfach so.. Das sind russische Sanktionen.. Nah ja, vielleicht finden Sie Jemanden.. Zum Beispiel ich wüsste nicht was ich mit Euros anfangen soll, ich habe nicht vor nach Europa zu reisen, weil ich kein Lust verspüre schon wieder angespuckt zu werden..
zu widerlegen, der hier wohl nach Lust und Laune die Leute für dumm verkaufen will.

Fazit für den TE: Ja, russische Firmen verkaufen auch für Euro Ware ins Ausland

Gruß
Silvio
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Re: Zahlungsabwicklung mit Russland - Import von Ware

Beitrag von nickstaub » Montag 13. Juli 2015, 14:01

bella_b33 hat geschrieben: Fazit für den TE: Ja, russische Firmen verkaufen auch für Euro Ware ins Ausland
Gruß
Silvio
Super - danke!
Und findest du ein Akkreditiv bei dieser Summe (150.000 EUR)auch für angebracht oder würdest du ein anderes Zahlungsinstrument bevorzugen?

DANKE!

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Re: Zahlungsabwicklung mit Russland - Import von Ware

Beitrag von zimdriver » Montag 13. Juli 2015, 20:40

L/C ist in Ordnung. Verringert den Stress.
Bedenke bei der Zahlungsabwicklung, dass die zahlungsauslösenden Dokumente wie Rahmenvertrag, Anlage zum Rahmenvertrag, Rechnung bei Zahlungen ins Ausland in Russisch vorliegen müssen. Passport Sdelki bei der russischen Bank ist für den russischen Exporteur Voraussetzung.
Nicht zu vergessen das VAT- Problem: Für den Exporteur dauert es ewig bis unendlich, die VAT zurückerstattet zu bekommen.

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Re: Zahlungsabwicklung mit Russland - Import von Ware

Beitrag von bella_b33 » Montag 13. Juli 2015, 23:56

Volle Zustimmung @Zimdriver. Wir haben Vertrag, Akt und Rechnung direkt 2-sprachig aufgebaut und das passt so bestens.

Mit der VAT Rückerstattung hab ich geschäftlich aber keine Berührungspunkte, da wir ohne VAT laufen.

Bezüglich Akkreditiv habe ich keine Erfahrungen, wir schreiben ne Rechnung zum vereinbarten Zeitpunkt und freuen uns auf den Geldeingang. Meine Kunden kenne ich aber auch schon einige Jahre. Bei Neukunden würde ich wohl auch in solch eine Richtung denken.


Gruß
Silvio
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