Straßenbahnbetriebe in Russland

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Norbert
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Straßenbahnbetriebe in Russland

Beitrag von Norbert » Dienstag 15. Mai 2018, 10:49

Abtrennung aus: http://forum.aktuell.ru/viewtopic.php?f=6&t=19964

Auch klein und fein: https://ru.wikipedia.org/wiki/%D0%9E%D1 ... 0%B0%D0%B9

Und die allerkleinste nun auch russische Straßenbahn war wohl diese: https://ru.wikipedia.org/wiki/%D0%A2%D1 ... 0%BE%D0%B5



Izhevsk
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Re: Ural: Sperrzonen zwischen Nischni Tagil und Woltschansk

Beitrag von Izhevsk » Dienstag 15. Mai 2018, 11:31

Osinniki ist wirklich eine Perle, der Depotleiter schenkte mir vor ein paar Jahren einen aus einem Ast geschnitzten Bleistift, den ich natürlich in Ehren halte. Nächsten Monat bin ich mal wieder da und wir treffen uns auf einen Kaffee.
Ebenfalls sehr schön, weil auch vom Bergbau geprägt, ist das nicht weit entfernte Prokopjewsk.

Ja, Molotschne hat es wohl leider hinter sich, aber in Jewpatorija bin ich noch mit alten deutschen Straßenbahnen zum Strand gefahren.

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Re: Ural: Sperrzonen zwischen Nischni Tagil und Woltschansk

Beitrag von Norbert » Dienstag 15. Mai 2018, 12:47

Wenn es um Straßenbahnen in der Gegend Osinniki und Prokopjewsk geht, dann ist natürlich noch Novokusnjezk erwähnenswert. Leider geht es dort steil bergab, in den letzten Jahren drei geschlossene Strecken, die vierte steht zum Abschuss. Keinerlei Mut, aus dem Netz etwas zu machen, obwohl es durch die entfernten Stadtviertel wirklich Potential hätte. Traurig.

In Novosibirsk hält irgendwer eine schützende Hand über die Reste der Straßenbahn, aber da reicht ein kleiner Windhauch und auch hier ist die Tram weg - obwohl es eine prima Option wäre, entfernte Stadtbezirke mit wenig Aufwand vernünftig anzubinden.

Einzig Moskau hat wirklich Mut und investiert endlich in vernünftige Straßenbahnen.

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Re: Ural: Sperrzonen zwischen Nischni Tagil und Woltschansk

Beitrag von m1009 » Dienstag 15. Mai 2018, 12:57

Einzig Moskau hat wirklich Mut und investiert endlich in vernünftige Straßenbahnen.
Stimmt nicht ganz....

NN setzt im Zentrum seit einigen Jahren schon auf neue Modelle. Zur WM wurden gar die Bahnen auf den Strecken in die Stadtteile gegen aktuelle Versionen ausgetauscht. Zumindest in der Oberstadt.

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Re: Ural: Sperrzonen zwischen Nischni Tagil und Woltschansk

Beitrag von Izhevsk » Dienstag 15. Mai 2018, 13:10

Novokusnjezk ist tatsächlich traurig. Meinst Du mit "vierter Strecke vor dem Abschuss" die Verbindung über den pr. Metallurgov?
Oder steht da noch mehr zur Stilllegung an? Kürzlich las ich etwas von einer geplanten "Light-Metro". Aus meiner Sicht alles Augenwischerei, wenn die Bahn einmal weg ist, bleibt das auch so ...

Moskau als Hauptstadt modernisiert vorbildlich und verteilt alte Wagen fleißig übers Land. NN tut sein Bestes, hat aber in den Außenbezirken noch massenhaft altes Material im Einsatz. Nischni Tagil und Kolomna haben viel investiert. Ansonsten sehe ich überwiegend Geklapper und Geschepper, in Russland werden wohl noch viele Netze sterben. Prokopjewsk will den nordwestlichen Ast übrigens auch ganz einstampfen.

In Novosibirsk halte ich es für ein kleines Wunder, dass da noch was fährt. Im Januar habe ich ein paar neue Wagen gesehen, aber überwiegend Kisten, die augenscheinlich nur von Lackresten zusammengehalten werden. Hoffen wir das Beste - russische Städte können umweltfreundliche Verkehrsmittel nun wirklich mehr als dringend gebrauchen.



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Re: Ural: Sperrzonen zwischen Nischni Tagil und Woltschansk

Beitrag von Norbert » Dienstag 15. Mai 2018, 14:47

Izhevsk hat geschrieben:Novokusnjezk ist tatsächlich traurig. Meinst Du mit "vierter Strecke vor dem Abschuss" die Verbindung über den pr. Metallurgov?
Oder steht da noch mehr zur Stilllegung an?
Genau, der pr. Metallurgov. Zuletzt hat ja die Strecke im Westen dran glauben müssen, nach konsequenter Vernachlässigung zuvor.

Viel mehr kann man ja kaum noch stilllegen, außer der letzten verbleibenden (und gut genutzten) Hauptachse.
Kürzlich las ich etwas von einer geplanten "Light-Metro". Aus meiner Sicht alles Augenwischerei, wenn die Bahn einmal weg ist, bleibt das auch so ...
Absolut. Siehe Almaty, Woronjesch, Taschkent.
In Novosibirsk halte ich es für ein kleines Wunder, dass da noch was fährt. Im Januar habe ich ein paar neue Wagen gesehen, aber überwiegend Kisten, die augenscheinlich nur von Lackresten zusammengehalten werden.

Ja, viel Schrott, aber einige Moskauer Wagen kommen nun dazu, vier Berliner wurden vor einiger Zeit gekauft, eine kleine Streckenverlängerung gab es. Aber das wirkliche Potential, eine Schnellstrecke in den Norden der Stadt, planen sie so unvorstellbar aufwändig, dass es leider nichts wird. Statt effektiv kleine Brötchen zu planen, will man gleich wieder das Megaprojekt, was aber gar nicht finanzierbar ist. Irrsinn.

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Re: Ural: Sperrzonen zwischen Nischni Tagil und Woltschansk

Beitrag von Izhevsk » Dienstag 15. Mai 2018, 15:05

Genau, der pr. Metallurgov. Zuletzt hat ja die Strecke im Westen dran glauben müssen, nach konsequenter Vernachlässigung zuvor.
Viel mehr kann man ja kaum noch stilllegen, außer der letzten verbleibenden (und gut genutzten) Hauptachse.
Stimmt, auf der Strecke gen Westen bin ich zufällig noch vor zwei Jahren gefahren, kurz danach war Schluss. Mit der weiteren Stilllegung würde man ja auch den Bahnhof vom Straßenbahnnetz abklemmen. Wenn das "geschafft" ist, dann wird vermutlich die Strecke zum Aluminumwerk auch noch eingestampft und so bleibt am Ende wirklich kaum noch was über.

Was ich aber auch für möglich gehalten hätte: Dass man sich von der isolierten Linie 10 trennt. Die fährt im Norden der Stadt, ist relativ unbekannt und der Fahrzeugpark auch ziemlich durch.
Absolut. Siehe Almaty, Woronjesch, Taschkent.
Mit aller Macht hat man relativ gut ausgebaute Netze zerstört. Ich hatte in Taschkent mal das "Vergnügen" mit einem der "Ersatzbusse" zu fahren. Katastrophe!! Die Wagen aus Almaty sind wohl gerade nach Öskemen verkauft worden, aber da ruht der Betrieb derzeit auch.
Ja, viel Schrott, aber einige Moskauer Wagen kommen nun dazu, vier Berliner wurden vor einiger Zeit gekauft, eine kleine Streckenverlängerung gab es. Aber das wirkliche Potential, eine Schnellstrecke in den Norden der Stadt, planen sie so unvorstellbar aufwändig, dass es leider nichts wird. Statt effektiv kleine Brötchen zu planen, will man gleich wieder das Megaprojekt, was aber gar nicht finanzierbar ist. Irrsinn.
Die Moskauer Wagen sehen wirklich ganz gut aus, aber ich war gebügelt, was für massive Lackschäden die nach so kurzer Zeit schon wieder haben. Von den Berlinern könnte der Betrieb noch mehr vertragen. Ich glaube auch bei der Nordstrecke, dass das Projekt bewusst kaputt gerechnet wird. Das hat schon Methode - wenn ich die Kosten hoch treibe, wird auch nicht gebaut. Das kommt vielen Leuten sehr gelegen. :cry:

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Re: Ural: Sperrzonen zwischen Nischni Tagil und Woltschansk

Beitrag von Norbert » Mittwoch 16. Mai 2018, 05:15

Izhevsk hat geschrieben:[Novokusnetsk:] Stimmt, auf der Strecke gen Westen bin ich zufällig noch vor zwei Jahren gefahren, kurz danach war Schluss.
Dabei wäre es perfekt gewesen, sie um einen Kilometer in die benachbarte Plattenbausiedlung zu verlängern. Ein durchgängig eigener Bahnkörper war vorhanden - eine sensationell gute Anbindung. Aber mit einer Bahn alle 30 Minuten und dann noch 15 Minuten weiter zu Fuß - das kann nicht funktionieren.
Izhevsk hat geschrieben:Mit der weiteren Stilllegung würde man ja auch den Bahnhof vom Straßenbahnnetz abklemmen.
Ähnlich hier. Vor einigen Jahren wurde die Grünfläche vor dem Bahnhof durch einen Parkplatz und eine zentrale Bushaltestelle ersetzt. Aber wie immer kam keiner auf die Idee, die Straßenbahn auch da durchzulegen - es wäre da um 200 Meter Gleis gegangen. Auf diese Weise wäre auch die zweite Strecke zum Bahnhof erhalten geblieben.
Wenn das "geschafft" ist, dann wird vermutlich die Strecke zum Aluminumwerk auch noch eingestampft und so bleibt am Ende wirklich kaum noch was über. Was ich aber auch für möglich gehalten hätte: Dass man sich von der isolierten Linie 10 trennt. Die fährt im Norden der Stadt, ist relativ unbekannt und der Fahrzeugpark auch ziemlich durch.
Ja, beide Strecken warten auf ihr Schicksal.
[Novosibirsk:] Ich glaube auch bei der Nordstrecke, dass das Projekt bewusst kaputt gerechnet wird. Das hat schon Methode - wenn ich die Kosten hoch treibe, wird auch nicht gebaut. Das kommt vielen Leuten sehr gelegen. :cry:
Die Grundproblematik ist leider, dass die Kassen leer sind. ÖV, der sich nicht selbst trägt, hat keine Chance zur Entwicklung. Novosibirsk ist da ein Trauerspiel, weil auch alle Buslinien privatisiert wurden. Nach 20 Uhr fährt kaum noch ein Bus - rentiert sich halt nicht. Von Straßenbahnen brauchen wir da gar nicht erst zu reden ...

Ich war letztes Jahr in Samarkant, leider wenige Tage vor der Eröffnung der neuen (!) Straßenbahn mit den Wagen aus Taschkent. Aber da wurde erschreckend altbacken gebaut - die Chance eines neuen zeitgemäßen Netzes wurde also in meinen Augen vertan.

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Re: Straßenbahnbetriebe in Russland

Beitrag von Izhevsk » Mittwoch 16. Mai 2018, 10:59

Dabei wäre es perfekt gewesen, sie um einen Kilometer in die benachbarte Plattenbausiedlung zu verlängern. Ein durchgängig eigener Bahnkörper war vorhanden - eine sensationell gute Anbindung. Aber mit einer Bahn alle 30 Minuten und dann noch 15 Minuten weiter zu Fuß - das kann nicht funktionieren.
Das Phänomen habe ich schon öfter beobachtet: Dicht besiedelte Gebiete werden zwar tangiert, aber nicht effektiv erschlossen. Im Osten des "Netzes" ist es ja im Grunde nicht anders. Einfach schade, dass man aus der Weststrecke nicht mehr gemacht hat, zumal ein Teil - und damit auch die teuren Weichenverbindungen - ohnehin bestehen bleiben muss, solange das Depot noch in Betrieb ist. Wohl auch nur noch eine Frage der Zeit ...
Ähnlich hier. Vor einigen Jahren wurde die Grünfläche vor dem Bahnhof durch einen Parkplatz und eine zentrale Bushaltestelle ersetzt. Aber wie immer kam keiner auf die Idee, die Straßenbahn auch da durchzulegen - es wäre da um 200 Meter Gleis gegangen. Auf diese Weise wäre auch die zweite Strecke zum Bahnhof erhalten geblieben.
Auto und Bus sind Trumpf. Die Bahnen werden halt überall als Störfaktor gesehen, es wundert mich nicht, dass man den Bahnhof auf alle Zeiten schienenfrei lassen wird. Aber den Lückenschluss zwischen Pl. Kalinina und Pisareva bekommt man ja auch nicht hin ...
Die Grundproblematik ist leider, dass die Kassen leer sind. ÖV, der sich nicht selbst trägt, hat keine Chance zur Entwicklung. Novosibirsk ist da ein Trauerspiel, weil auch alle Buslinien privatisiert wurden. Nach 20 Uhr fährt kaum noch ein Bus - rentiert sich halt nicht. Von Straßenbahnen brauchen wir da gar nicht erst zu reden ...
Problem ist: Welcher ÖV trägt sich schon selbst? Die Privatisierung ist aber wirklich dramatisch. ÖV ist keine Daseinsfürsorge, sondern einfach nur Geschäft. Kann nicht klappen ...
Ich war letztes Jahr in Samarkant, leider wenige Tage vor der Eröffnung der neuen (!) Straßenbahn mit den Wagen aus Taschkent. Aber da wurde erschreckend altbacken gebaut - die Chance eines neuen zeitgemäßen Netzes wurde also in meinen Augen vertan.
Wenn ich mich richtig erinnere, dann haben die nicht nur die Wagen aus Taschkent recycled, sondern auch die Gleise. Das führt natürlich dazu, dass der Zustand jetzt schon unter aller Kanone ist und die Straßenbahn keine Chance hat, eine wirklich attraktive Alternative zu werden.

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Re: Straßenbahnbetriebe in Russland

Beitrag von Norbert » Mittwoch 16. Mai 2018, 11:26

Die Schienen sahen in Samarkand (nach dem Bau) gar nicht so übel aus.



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