Mutterschutz in Russland

Du willst eine russisch-deutsche Ehe eingehen, die allgemeinen Tipps im Internet helfen Dir aber nicht mehr weiter? Oder Du bist schon russisch-deutsch verheiratet und hast einen guten Rat für andere binationale Ehen? Dann melde Dich hier zu Wort!

Moderator: Dietrich

matt83
Pfadfinder/in
Pfadfinder/in
Beiträge: 25
Registriert: Sonntag 12. Juni 2011, 20:36

Mutterschutz in Russland

Beitrag von matt83 » Donnerstag 21. Juli 2011, 14:37

Liebes Forum,

kann mir jemand sagen, wie die aktuellen Mutterschutz-Bedingungen in Russland sind?

Insbesondere:
- Einmalzahlung von Schwangerschafts- und Geburtenbeihilfe
- monatliches Kindergeld
- Einmalzahlung 60% aus dem durchschnittlichen Einkommen der letzten 12 Monate x 2. Was ist da dran?

Dass die Mutter 70 Tage vor Geburt und 70 Tage nach Geburt im Mutterschutz ist und insgesamt 3 Jahre in unbezahlte Elternzeit gehen kann, ist mir bekannt. Doch mit welcher monatlichen Unterstuetzung vom Staat bzw. Arbeitgeber kann man rechnen? Ich lese im Internet nur widerspruechliche Angaben dazu, teilweise nicht mehr aktuell.

Ist zum Bezug der o.g. Leistungen der Lebensmittelpunkt in Russland zu halten (wie das in anderen Laendern ueblich ist)?

Danke & besten Gruss!



matt83
Pfadfinder/in
Pfadfinder/in
Beiträge: 25
Registriert: Sonntag 12. Juni 2011, 20:36

Re: Mutterschutz in Russland

Beitrag von matt83 » Donnerstag 21. Juli 2011, 14:46

...und das hier vielleicht noch als Ergaenzung, um die Verwirrung zu komplettieren:
http://www.mdz-moskau.eu/print.php?date=1296579285

Benutzeravatar
manuchka
Tipp-Königin
Tipp-Königin
Beiträge: 7369
Registriert: Dienstag 15. März 2005, 17:08
Wohnort: HH
Kontaktdaten:

Re: Mutterschutz in Russland

Beitrag von manuchka » Donnerstag 21. Juli 2011, 16:02

Hier steht alles: http://posobie.info/law/ für 2011 in russischer Sprache, aber deine Freundin wird es ja verstehen.

Kurze Zusammenfassung für die Nichtsprachkundigen:
A: Schwangerschaft

1. Einmalzahlung (jedinovremennoe posobie)
wofür: für Frauen, die sich frühzeitig als schwanger beim Frauenarzt haben registrieren lassen (bis zur 12. Schwangerschaftswoche)
wieviel: 438,87 RUR
wer hat Anspruch: nur Arbeitnehmerinnen oder Studierende / Bedienstete
wer zahlt aus: der Arbeitgeber bzw. die Bildungseinrichtung / Dienststelle
wann: nach Vorlage der "spravka" vom Frauenarzt

2. Mutterschutzgeld (posobie po beremennosti i rodam)
wofür: für die Zeit des Mutterschutzes (70 Tage vor und 70 Tage nach dem errechneten Geburtstermin, bei schwieriger Geburt oder Mehrlingen auch länger)
wieviel: abhängig vom Durchschnittsgehalt der letzten 2 Jahre vor dem Monat, in dem der Mutterschutz beginnt. Formel: Gesamteinkommen (welches für Sozialabgaben herangezogen wird) der letzten 2 Jahre geteilt durch 730 Kalendertage und das wieder multipliziert mit der Anzahl der Tage des Mutterschutzes (also in der Regel 140). Obergrenze für die Berechnung ist ein Jahreseinkommen von 415.000 RUR (Monatsgehalt ca. 34.600 RUR) - wer mehr verdient, bekommt trotzdem nicht mehr. Rechenbeispiel für Monatsverdienst 30.000 RUR: (720.000 RUR / 730)*140=138.082 RUR für den gesamten Zeitraum von ca. 4,5 Monaten, macht auch ca. 30.000 pro Monat. Man kann aber auf Wunsch auch das alte Berechnungsmethode wählen, da wird nur ein Jahr herangezogen, und Krankheitszeiten u.ä. werden da rausgerechnet.
wer hat Anspruch: Arbeitnehmerin unter Vorlage des Krankenscheins für den Mutterschutz (den stellt der Frauenarzt aus, wenn es soweit ist) / arbeitslose Frauen bekommen nur 412 RUR pro Monat
wer zahlt aus: Arbeitgeber / wenn arbeitslos, der Sozialversicherungsfonds
wann: nach Vorlage des Krankenscheins

B: Nach der Geburt

1. Einmalzahlung bei Geburt (jedinovremennoe posobie pri rozhdenii rebjonka)
wofür: Geburt eines Kindes
wieviel: 11.703,13 RUR (wird jedes Jahr indexiert, wenn also das Kind erst 2012 geboren wird, gibt es sicher wieder mehr)
wer hat Anspruch:
wer zahlt aus:wenn einer der beiden Elternteile arbeitet - der Arbeitgeber (egal wessen, aber natürlich wird nur einmal ausgezahlt), sonst die lokale Behörde für soziale Sicherheit (im Volksmund "SoBez" genannt)
wann: nach Vorlage der Unterlagen: Geburtsurkunde, "spravka" aus dem Standesamt, "spravka" vom Arbeitgeber des anderen Elternteils, dass dort keine Zahlung erfolgt ist (oder vom Arbeitsamt, wenn der andere Elternteil nicht arbeitet)

2. Mutterkapital
wofür: Geburt des 2. oder weiteren Kindes (nach 1.1.2007)
wieviel: einmalig 365.000 RUR (wird auch jedes Jahr mehr), davon kann man 12.000 auszahlen lassen, der Rest ist zweckgebunden und wird nicht ausgezahlt
wer hat Anspruch: Mütter mit russischer Staatsangehörigkeit - ich krieg also z.B. keins, obwohl meine Kinder auch Staatsangehörige der RF sind
wer zahlt aus: vom Rentenversicherungsfonds bekommt man das Zertifikat nach Vorlage von x Dokumenten
wann: keine genaue Angabe


weitere lokale Auszahlungen - für Moskau (in anderen Regionen können ähnliche Regelungen gelten, die Info gibt es in der lokalen Behörde für soziale Sicherheit):

3. einmalige Ausgleichszahlung (jedinovremennaja kompensazionnaja vyplata
wofür: Geburt eines Kindes
wieviel: 1. Kind: 5.500 RUR, 2. und weitere Kinder: 14.500 RUR
wer hat Anspruch: Eltern mit Wohnsitz in Moskau (ein Elternteil reicht, aber das Kind muss an dessen Wohnsitz in Moskau gemeldet sein
wer zahlt aus: die lokale Behörde für soziale Sicherheit (im Volksmund "SoBez" genannt) - mein Mann hat damals das Geld nicht in bar bekommen, sondern auf ihn ist bei der Bank Moskaus ein Konto eröffnet worden, er hat dann die Kontokarte bekommen, und da war das Geld drauf.
wann: nach Vorlage der Unterlagen (müssen innerhalb von max. 6 Monaten nach der Geburt eingereicht werden): Geburtsurkunde, "spravka" aus dem Standesamt, "spravka" von der Wohnungsverwaltung darüber, dass das Kind am Wohnsitz des Moskauer Elternteils gemeldet ist

4. zusätzliche Einmaligzahlung für junge Familien (dopolnitelnoe jedinovremennoe posobie pri rozhdenii rebjonka molodim semjam
wofür: Geburt eines Kindes
wieviel:Wert des in Moskau zur Zeit der Geburt des Kindes gesetzlich festgelegten Existenzminimus - für das 1. Kind multipliziert mit 5, für das 2. Kind multipliziert mit 7, für jedes weitere Kind multipliziert mit 10
wer hat Anspruch: Eltern, die bei jünger als 30 sind
wer zahlt aus: die lokale Behörde für soziale Sicherheit (im Volksmund "SoBez" genannt)
wann: nach Vorlage der Unterlagen: Geburtsurkunde, "spravka" aus dem Standesamt, "spravka" von der Wohnungsverwaltung darüber, dass das Kind am Wohnsitz des Moskauer Elternteils gemeldet ist

Zum monatlichen Elterngeld: http://www.fss.ru/docs/11106/Ezhemesiatchnoe.doc - viel und kompliziert, nur kurz die Beträge:
Für ein Kind mindestens 2.060,41 RUR, maximal 8.241,64 RUR - für den Elternteil, der also tatsächlich mit dem Kind zu Hause sitzt und kein EInkommen erzielen kann.

Was den Lebensmittelpunkt betrifft, würde ich mal vorsichtig behaupten, dass der in Russland liegen sollte, wenn man diese Leistungen beziehen möchte:
A.1. - die spraka kann man ja sofort vorlegen, wenn man sie hat, danach umziehen kein Problem.
A.2. - Mutterschutzgeld - dafür muss man zumindest bis zum Beginn des Mutterschutzes in RUS leben, weil man ja den nach russischen Normen ausgestellten Krankenschein vorlegen muss
B.1. - da braucht man die "spravka" vom Standesamt, und die kriegt man, wenn man die Geburt bei einem russischen Standesamt registriert, sprich, dann sollte das Kind auch in Russland geboren sein. Ob man bei Vorlage einer ausländischen Geburtsurkunde auch nachträglich so eine "spravka" bekommen kann, weiß ich nicht.
B.2. - ist für euch nicht aktuell, erst ab 2 Kind
B.3. - siehe B.1., zusätzlich muss ein Elternteil in Moskau registriert sein und das Kind in der Wohnung anmelden - das sollte auch mit ausländischer Geburtsurkunde gehen, aber wird schon kompliziert
B.4. - hängt ab von eurem Alter, ansonsten siehe B.3.

Elterngeld - sollte man wohl beantragen, solange man in RUS wohnt, aber wenn das einmal zugesprochen wurde, kann man wohl auch umziehen, aber die Zahlungen werden sicher nur auf ein russisches Konto angewiesen.

Hilft das erst mal weiter? :-P
Du erntest, was du säst.

matt83
Pfadfinder/in
Pfadfinder/in
Beiträge: 25
Registriert: Sonntag 12. Juni 2011, 20:36

Re: Mutterschutz in Russland

Beitrag von matt83 » Donnerstag 21. Juli 2011, 16:28

manuchka hat geschrieben:Hilft das erst mal weiter? :-P
Wow!!! Danke! Das ist super, wirklich. Vielen Dank fuer die Zusammenfassung!

Das heisst dann aber...falls wir im Oktober bereits nach Oesterreich gehen (das Kind kommt im Maerz), bekommt sie das Mutterschutzgeld nicht. Und das waere bei ihrem Gehalt ein ganz schoener Batzen :(

Benutzeravatar
Norbert
Vize Admin
Vize Admin
Beiträge: 11906
Registriert: Freitag 30. Juni 2006, 11:25
Wohnort: Nowosibirsk, Dresden
Kontaktdaten:

Re: Mutterschutz in Russland

Beitrag von Norbert » Donnerstag 21. Juli 2011, 16:28

Manuchka, meine Frau hat bis zum 18. Monat unseres Sohnes noch monatlich 12.000 Rubel bekommen - für die Elternzeit. Dieses Geld vermisse ich in Deiner ansonsten sehr vollständigen Übersicht.

Dann noch eine Frage, die ich bislang nie klären konnte, aber mehrfach gefragt wurde: Die Mutter bleibt beim ersten Kind zu Hause, auch über diese 18 Monate hinaus. Nach zwischen 2. und 3. Geburtstag bekommt sie ein zweites Kind. Laut Gesetz wird aber, wenn ich es richtig deute, bei der Berechnung des Durchschnittseinkommens der letzten zwei Jahre nur die Zeit bis zum 18. Monat rausgerechnet (aber 19. bis zur Geburt des zweiten Kindes nicht). Da sie im Rahmen der unbezahlten Elternzeit länger zu Hause geblieben ist, hat sie Einkommen = 0 und bekommt nur noch die Minimalsummen. Stimmt dies so? (Wäre sehr ungerecht, denn in Novosibirsk bekommt man einen Kindergartenplatz nicht vor dem 3. Geburtstag, man hat also gar keine Chance, Arbeiten zu gehen!)
matt83 hat geschrieben:Das heisst dann aber...falls wir im Oktober bereits nach Oesterreich gehen (das Kind kommt im Maerz), bekommt sie das Mutterschutzgeld nicht. Und das waere bei ihrem Gehalt ein ganz schoener Batzen :(
Dafür bekommst Du ja dann in Europa diverse Gelder, wie Kindergeld, etc. - die ich in Russland für meinen Sohn beispielsweise nicht bekomme. Dies ist im ersten Moment zwar ein Verlust, aber langfristig wesentlich mehr! Und man kann halt nur eins von beiden haben (oder die Behörden austricksen - was aber zu Rückzahlungsforderungen führen kann).



matt83
Pfadfinder/in
Pfadfinder/in
Beiträge: 25
Registriert: Sonntag 12. Juni 2011, 20:36

Re: Mutterschutz in Russland

Beitrag von matt83 » Donnerstag 21. Juli 2011, 16:38

Norbert hat geschrieben:Dafür bekommst Du ja dann in Europa diverse Gelder, wie Kindergeld, etc. - die ich in Russland für meinen Sohn beispielsweise nicht bekomme. Dies ist im ersten Moment zwar ein Verlust, aber langfristig wesentlich mehr! Und man kann halt nur eins von beiden haben (oder die Behörden austricksen - was aber zu Rückzahlungsforderungen führen kann).
In Oesterreich faellt mir dazu nur die Familienbeihilfe = Kindergeld ein, was beim 1. Kind einem Betrag von ca. 106 EUR/Monat entspricht. Noch dazu muessen wir sie in meiner Versicherung mitversichern (=3.4% weitere Sozialabgaben!), dass sie ueberhaupt erstmal entbinden kann und die Schwangerschaftsvorsorge hat. Dann habe ich natuerlich als Vater die Moeglichkeit Elternzeit zu nehmen bei Fortzahlung von ca. 80% des Nettoeinkommens. Dann muesste sie allerdings wieder arbeiten gehen, sonst wird's knapp... das Mutterschutzgeld aus Russland waere wirklich Gold wert, wo sie doch ueber mehrere Jahre mehr als hart gearbeitet hat und sich staendig fuer die Firma aufgeopfert hat :(

Weiteres faellt mir aber an Leistungen in Europa nicht ein, hab ich was vergessen?

Benutzeravatar
Norbert
Vize Admin
Vize Admin
Beiträge: 11906
Registriert: Freitag 30. Juni 2006, 11:25
Wohnort: Nowosibirsk, Dresden
Kontaktdaten:

Re: Mutterschutz in Russland

Beitrag von Norbert » Donnerstag 21. Juli 2011, 16:55

matt83 hat geschrieben:Noch dazu muessen wir sie in meiner Versicherung mitversichern (=3.4% weitere Sozialabgaben!), dass sie ueberhaupt erstmal entbinden kann und die Schwangerschaftsvorsorge hat.
Gut, dafür bekommst Du ja aber auch was - nämlich eine sehr gute ärztliche Versorgung! Wenn Du mal lesen willst, wie das bei uns in Russland lief: http://deutsche-novosibirsk.de/geschich ... ibirsk/#47

Der Arzt in der staatlichen Entbindungsklinik stellte uns vor die Wahl: "Entweder sie machen, was ich will oder sie gehen! Ich kann Ihnen auch gern noch Bilder von toten Säuglingen zeigen!" Vier Tage vor der Geburt! Wir sind dann zur Privatklinik gegangen, die 90.000 Rubel pro Entbindung nimmt. (Am Ende haben wir dann noch eine andere Variante gewählt, aber das nur am Rande.)

Jetzt hat mein Sohn ab und zu Probleme mit den Ohren - der HNO der staatlichen Polyklinik ist aber nur auf dem Papier existent. Pro Krankheit lassen wir daher in einer privaten Praxis auch weit über 100 Euro. Vom russischen Kindergeld - was es sowieso nur bis zum 18. Monat gab - bleibt also nicht so viel übrig. ;)

Aber egal, wir schweifen ab. Warten wir lieber mal die Antworten von Manuchka zu meinen Rückfragen ab.

Benutzeravatar
manuchka
Tipp-Königin
Tipp-Königin
Beiträge: 7369
Registriert: Dienstag 15. März 2005, 17:08
Wohnort: HH
Kontaktdaten:

Re: Mutterschutz in Russland

Beitrag von manuchka » Donnerstag 21. Juli 2011, 17:05

Norbert, ich kann nur das weitergeben, was ich gefunden habe. Wir hatten jedenfalls keinen Anspruch auf 12.000 RUR pro Monat, max. 1.500 RUR (war 2009), und auch da war gar nicht sicher, ob wir was bekommen, wir haben es nicht versucht. Ist das möglicherweise eine lokale Regelung? Oder "junge Familie" oder so? Denn die bekommen mehr.

Was deine Frage mit dem 2. Kind während der Elternzeit betrifft - damit habe ich mich nicht befasst, kann also dazu erstmal nichts sagen.

Matt, wenn deine Freundin mindestens 12 Monate in Ö gearbeitet hätte, würde sie neben dem Kindergeld auch ein ordentliches "Karenzgeld" abhängig vom vorherigen Gehalt bekommen. Es gibt dafür 5 verschiedene Modelle, je nachdem wie lange man zu Hause bleiben möchte, ändert sich die monatliche Summe. Bei 1 Jahr Karenz kann man bis zu 2.000 EUR monatlich beziehen. Aber es ist nunmal so, dass sie nur in Russland die Anspruchsvoraussetzungen für die Sozialleistungen erfüllen kann, also muss sie die auch dort in Anspruch nehmen und solange dort bleiben oder eben drauf verzichten, anders geht es nicht.
Wenn ihr nach der Geburt euren Lebensmittelpunkt nach Ö verlegt, könnt ihr das Mutterschaftsgeld in RUS und die diversen Einmalzahlungen dort bekommen und auf das russische Elterngeld verzichten, ihr bekommt dann Familienbeihilfe für euer Kind in Ö. Das sind 105,40 EUR pro Monat + Steuerabsetzbetrag 58,40 EUR pro Monat, also 163,80 EUR, Antrag kann man rückwirkend ab dem Zeitpunkt stellen, ab dem Kind und mindestens ein Elternteil zusammen ihren Lebensmittelpunkt in Ö haben und im gemeinsamen Haushalt leben (Anmeldung am Wohnsitz).

Ich hoffe übrigens aus, dass du den Höchstbetrag für das Mutterschaftsgeld gesehen hast... egal, wie hoch das Gehalt tatsächlich ist, Bemessungsgrenze ist ein durchschnittlicher Monatsverdienst von knapp 35.000 RUR, was die Frau drüber verdient, fällt weg. Maximales Mutterschutzgeld dürfte so um die 160.000 RUR liegen, 4.000 EUR, dafür kannste in Moskau schon mal mindestens 60.000 RUR für die Geburt rechnen, wenn du keine schlecht betreue Geburt in einem Massenkreißsaal mit anschließender staatlicher Neugeborenenstation, Dusche und Toilette auf dem Gang für x Frauen, Zwangsimpfungen, Besuchsverbot usw. haben willst. An eurer Stelle würde ich da nicht lange überlegen - Umzug nach Ö vor der Geburt. Damit dann ordentliche medizinische Versorgung mit einigem Komfort auch für die werdende Mutter ohne große Extra-Kosten. Die Aufnahme in deine Krankenversicherung dauert 10 Minuten an einem frühen Morgen und nur ein paar Unterlagen. Du hast gesagt, dein Gehalt reicht gut für euch aus, dann lass doch deine Frau zu Hause mit dem Kind, geh 100% arbeiten. Sie wird sowieso eine Zeit lang brauchen, um sich einzugewöhnen, die Sprache zu lernen. Und noch was: Man braucht keine Riesenfinanzen für ein kleines Kind, man kann z.B. vieles gebraucht sehr sehr günstig erwerben. Und deine Familie ist gleich bei dir und nicht irgendwo in der Ferne, und du musst nicht nach Moskau, um die Staatsbürgerschaft für dein Kind bestätigen und einen Pass machen zu lassen, deine Frau muss nicht zu x Behörden nach der Geburt, um den Knirps in alle Pässe eintragen zu lassen, damit sie dann zusammen ausreisen können. Das könnt ihr dann in Ruhe in Ö machen. Ich würde keine Minute nachdenken, ob ich an eurer Stelle lieber die ganzen Nachteile einer Geburt in RUS in Kauf nehme oder auf 4.000 EUR verzichte.

Es ist auch wurscht, ob sich deine Frau für die Firma abgerackert hat oder nicht - es zahlt zwar der Arbeitgeber aus, aber die Leistung kommt von der Sozialversicherung. Bei uns in der Firma hat der Arbeitgeber allerdings (sehr toll, muss ich schon sagen!) freiwillig für die Mutterschutzzeit den damaligen Höchstbetrag der Sozialleistung von ca. 25.000 RUR monatlich auf das volle Nettogehalt der angestellten Schwangeren aufgestockt.

PS: Ich hab in den obigen Beitrag noch was eingefügt, nur zur Info. Und ich wollte noch sagen, dass zumindest für die Moskauer Zusatzleistungen man auch ordentliche Rennerei hat, bis man diese Anmeldung am Wohnort gemacht hat. Wir hatten das Glück, dass mein Mann das machen konnte (und sowieso musste, denn er ist ja der Moskauer) - als Mutter mit Kleinstkind Behördengänge erledigen ist wahrscheinlich eher unmöglich.
Du erntest, was du säst.

Benutzeravatar
harald63
Zar/iza
Zar/iza
Beiträge: 1980
Registriert: Donnerstag 11. Mai 2006, 12:11
Wohnort: Karlsruhe

Re: Mutterschutz in Russland

Beitrag von harald63 » Donnerstag 21. Juli 2011, 18:04

Hmmm, mir wird so langsam klar, warum die Russen bei der Visavergabe jetzt auch einen Nachweis der Rückkehrwilligkeit wollen. Ins russische Sozialsystem zu wechseln hört sich wirklich extrem verlockend an. :-P

Benutzeravatar
Norbert
Vize Admin
Vize Admin
Beiträge: 11906
Registriert: Freitag 30. Juni 2006, 11:25
Wohnort: Nowosibirsk, Dresden
Kontaktdaten:

Re: Mutterschutz in Russland

Beitrag von Norbert » Dienstag 26. Juli 2011, 08:25

manuchka hat geschrieben:Norbert, ich kann nur das weitergeben, was ich gefunden habe. Wir hatten jedenfalls keinen Anspruch auf 12.000 RUR pro Monat, max. 1.500 RUR (war 2009), und auch da war gar nicht sicher, ob wir was bekommen, wir haben es nicht versucht. Ist das möglicherweise eine lokale Regelung? Oder "junge Familie" oder so? Denn die bekommen mehr.
Manuchka, das ist definitiv russlandweit so, nennt sich "Пособие на период отпуска по уходу за ребенком до достижения им возраста 1,5 лет"

Minimal sind es 4.000 Rubel, maximal 14.000 Rubel. Diese werden die ersten 18 Monate gezahlt. Ich schlage vor, dass wir dies in Deiner Aufzählung oben noch ergänzen!

http://www.kukuzya.ru/page/posobie-na-p ... t-3-kh-let



Antworten

Zurück zu „#Partnerschaft | #Ehe“