Scheidung nach 4 Jahren

Du willst eine russisch-deutsche Ehe eingehen, die allgemeinen Tipps im Internet helfen Dir aber nicht mehr weiter? Oder Du bist schon russisch-deutsch verheiratet und hast einen guten Rat für andere binationale Ehen? Dann melde Dich hier zu Wort!

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Scheidung nach 4 Jahren

Beitrag von SP23 » Dienstag 4. Februar 2014, 17:44

Hallo, meine Frau und Ich wollen uns scheiden lassen da sich die Ehe useinandergelebt hat. Ich bin Deutscher und meine Frau ist Russin. Wir leben beide in Deutschland und meine Frau hat eine Niederlassungserlaubnis im dritten Jahr bekommen. Nun meine Fragen:

- Wir haben in Russland geheiratet. Findet nun die Scheidung in Russland statt oder kann man diese auch nach deutschem Recht machen? Welches Recht gilt? Sie ist ja noch keine deutsche Staatsbürgerin.
- Meine Frau arbeitet seit sie hier lebt und hat einen sicheren Vollzeitjob der gut bezahlt ist. Könnte sie Probleme kriegen bzw. müsste sie das Land verlassen? Die Angaben im Internet sind da etwas widersprüchlich

Vielen Dank für eure Antworten



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Re: Scheidung nach 4 Jahren

Beitrag von manuchka » Dienstag 4. Februar 2014, 19:02

Wenn deine Frau eine Niederlassungserlaubnis hat, dann bekommt sie keine Probleme, auch wenn sie geschieden ist.

Scheiden lassen könnt ihr euch auch in D, denn du bist ja Deutscher, außerdem habt ihr ja beide euren Wohnsitz da. In D dauert es halt länger und herrscht Anwaltszwang. Bei Scheidung in RU braucht dein Exemplar der Scheidungsurkunde eine Apostille, die Scheidung musst du dann in D anerkennen lassen.
Du erntest, was du säst.

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Re: Scheidung nach 4 Jahren

Beitrag von SP23 » Dienstag 4. Februar 2014, 22:00

Danke für die Antwort. Nun hätte ich noch ein paar Fragen:
- Was wird im Endeffekt rein finanziell teurer für uns beide?
- Welche Vor- bzw. Nachteile hätte es sich in Russland scheiden zu lassen?
- Nach welchem Recht wird dann eigentlich geschieden wenn man sich in Deutschland scheiden lässt? Nach Deutschem? Die Ehe wurde nach meiner Auffassung ja nach russischem Recht geschlossen?
- Kann bspw. meine Frau darauf bestehen sich in Deutschland scheiden zu lassen? Findet dies dann nach deutschen Recht statt?

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Re: Scheidung nach 4 Jahren

Beitrag von manuchka » Mittwoch 5. Februar 2014, 02:10

Für die Antwort auf deine Fragen brauche ich ein paar mehr Infos:
- Ihr habt in RU geheiratet - wo hatte jeder von euch bei bzw. nach der Eheschließung seinen Wohnsitz/gewöhnlichen Aufenthalt?
- ist deine Frau noch in RU gemeldet?
- gemeinsame Kinder j/n?
- gibt es gemeinsames Vermögen, was aufzuteilen wäre?
Du erntest, was du säst.

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Re: Scheidung nach 4 Jahren

Beitrag von SP23 » Mittwoch 5. Februar 2014, 18:56

manuchka hat geschrieben:Für die Antwort auf deine Fragen brauche ich ein paar mehr Infos:
- Ihr habt in RU geheiratet - wo hatte jeder von euch bei bzw. nach der Eheschließung seinen Wohnsitz/gewöhnlichen Aufenthalt?
- ist deine Frau noch in RU gemeldet?
- gemeinsame Kinder j/n?
- gibt es gemeinsames Vermögen, was aufzuteilen wäre?
- Der gewöhnliche Aufenthalt war während der Heirat bei meiner Frau Russland und bei mir Deutschland. Ein paar Monate später dann bei uns beiden Deutschland.
- Ich denke ja. Damals hat sie sich nicht abgemeldet.
- Keine gemeinsamen Kinder
- Wenn bezüglich gemeinsamen Vermögen Wohnungen etc... gemeint sind nein. Großartiges Vermögen außer ein paar gespaarten Euro gibt es nicht.

Danke :-)



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Re: Scheidung nach 4 Jahren

Beitrag von manuchka » Donnerstag 6. Februar 2014, 01:16

Alles Pluspunkte... aber bitte bissel Geduld, ich möchte noch was nachlesen, bevor ich dir antworte; melde mich spätestens am WE.
Du erntest, was du säst.

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Re: Scheidung nach 4 Jahren

Beitrag von herlitjan » Freitag 7. Februar 2014, 16:45

SP23 hat geschrieben:Hallo, meine Frau und Ich wollen uns scheiden lassen da sich die Ehe useinandergelebt hat. Ich bin Deutscher und meine Frau ist Russin. Wir leben beide in Deutschland und meine Frau hat eine Niederlassungserlaubnis im dritten Jahr bekommen. Nun meine Fragen:

- Wir haben in Russland geheiratet. Findet nun die Scheidung in Russland statt oder kann man diese auch nach deutschem Recht machen? Welches Recht gilt? Sie ist ja noch keine deutsche Staatsbürgerin.
- Meine Frau arbeitet seit sie hier lebt und hat einen sicheren Vollzeitjob der gut bezahlt ist. Könnte sie Probleme kriegen bzw. müsste sie das Land verlassen? Die Angaben im Internet sind da etwas widersprüchlich

Vielen Dank für eure Antworten
Aus eigenem Erleben kann ich Dir empfehlen - sofern es in Deinem Fall möglich ist - die Scheidung in Russland durchzuführen. Du ersparst Dir den oft unlogischen und überteuerten deutschen Bürokratismus. In Russland wird man in der Regel am Standesamt des gemeldeten Wohnortes (Stadtteil) geschieden. Gegen geringe Gebühren, ohne Trennungsjahr und ohne Anwalt ist die Scheidung nach vier Wochen rechtskräftig. Voraussetzung ist, dass keine vermögensrechtliche Fragen zu klären sind. Dann, nur dann, wäre ein Gericht für die Scheidung zuständig. Nach meiner Rückkehr nach Deutschland habe ich keiner Behörde ein mit der Apostille versehenes Scheidungsurteil vorlegen müssen. Bei einer Wiederverheiratung ist das anders. Dieses ist in russischer Ausfertigung in meinem Besitz. Zur Eheschließung und zur Scheidung (sofern diese in Russland durchgeführt werden) gibt es sich widersprechende, oft falsche Auskünfte der Botschaft in Moskau, wie auch im Internet!

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Re: Scheidung nach 4 Jahren

Beitrag von Sibirier » Freitag 7. Februar 2014, 23:19

Aufgrund des Aufenthaltstatuses von Deiner Frau und Dir gehe ich davon aus, das ein dt. Gericht für Euch zuständig ist. Mit Ausnahme, wenn Deine Frau schon wieder zurück in die RF ist..., was ich aber nicht glaube....
Ha, Waschmaschine verarscht. Socken einzeln gewaschen....

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Re: Scheidung nach 4 Jahren

Beitrag von SP23 » Montag 10. Februar 2014, 00:38

Sibirier hat geschrieben:Aufgrund des Aufenthaltstatuses von Deiner Frau und Dir gehe ich davon aus, das ein dt. Gericht für Euch zuständig ist. Mit Ausnahme, wenn Deine Frau schon wieder zurück in die RF ist..., was ich aber nicht glaube....
Das heißt dann Anwaltszwang und Trennungsjahr?

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Re: Scheidung nach 4 Jahren

Beitrag von manuchka » Mittwoch 12. Februar 2014, 23:25

So, sorry, dass ich mich jetzt erst wieder melde.
Erst mal dazu, in welchem Land die Gerichte für euch zuständig wären. Das alleine ist schon kompliziert. vorrangig gilt EU-Recht, nämlich die Brüssel IIa-VO (EheVO). Nach der ergibt sich die allgemeine internationale Zuständigkeit eines Gerichts der Mitgliedsstaaten aus Art. 3 der Verordnung. Maßgeblich sind
◾ die gemeinsame Staatsangehörigkeit (Art. 3 I Buchstabe b)
◾ ein gemeinsamer Aufenthalt der Ehegatten (Art 3 I Buchstabe a 1. Spiegelstrich)
◾ der gewöhnliche Aufenthalt des Antragsgegners (Art. 3 I Buchstabe a 1. und 3. Spiegelstrich)
◾ der gewöhnliche Aufenthalt des Antragstellers (Art. 3 I Buchstabe a 2., 4. und 6. Spiegelstrich)
EU-Recht geht hier nationalem (deutschem) Recht vor. Bei euch isses der gemeinsame Aufenthalt, der ja auch der jeweilige gewöhnliche Aufenthalt ist - also sind für die Scheidung die Gerichte in Deutschland zuständig. (Aber auch nach dt. Recht wären die dt. Gerichte zuständig, weil es dafür reicht, wenn einer der Ehegatten deutscher Staatsangehöriger ist.)

Da Russland aber nicht EU-Mitglied ist, ist es nicht an die EU-Verordnung gebunden, somit kann die Scheidung auch durch russische Gerichte/Behörden erfolgen, und zwar für dauerhaft im Ausland lebende Russen sogar im für ihren Wohnort zuständigen Konsulat. Einzige Bedingung für eine Scheidung im Konsulat: Für die Scheidung müsste in RUS das ZAGS und nicht das Gericht zuständig sein, und das ist der Fall, wenn die Scheidung einvernehmlich erfolgt und keine gemeinsamen minderjährigen Kinder vorhanden sind - deswegen hatte ich danach gefragt.

Da hier zwei Zuständigkeiten gegeben sind, könnt ihr meines Wissens wählen.

Wenn ihr euch für die deutsche Gerichtsbarkeit entscheidet, würde das deutsche Gericht dann prüfen, welches Recht zur Anwendung kommt. Auch dafür gibt es eine EU-Regelung, die direkt geltendes Recht ist und auch für Nicht-EU-Ausländer gilt, die ihren Aufenthalt in einem der Länder haben, die dieser Verordnung beigetreten sind!!! Gemäß dieser Verordnung (Art. 8 ROM III-VO) gilt in der folgenden Reihenfolge:
◾ das Recht des Staates, in dem die Ehegatten zum Zeitpunkt der Anrufung des Gerichts ihren gewöhnlichen Aufenthalt haben, anderenfalls
◾ das Recht des Staates, in dem die Ehegatten zuletzt ihren gewöhnlichen Aufenthalt hatten, sofern dieser nicht vor mehr als einem Jahr vor Anrufung des Gerichts endete und einer der Ehegatten zum Zeitpunkt der Anrufung des Gerichts dort noch seinen gewöhnlichen Aufenthalt hat, oder anderenfalls
◾ das Recht des Staates, dessen Staatsangehörigkeit beide Ehegatten zum Zeitpunkt der Anrufung des Gerichts besitzen, oder anderenfalls
◾ das Recht des Staates des angerufenen Gerichts.
Hier wäre wieder euer gewöhnlicher Aufenthalt in Deutschland maßgeblich, es käme deutsches Recht zur Anwendung --> Trennungsjahr etc.
Aber: die Ehegatten können vor Einreichung des Scheidungsantrags gemäß Art. 5 Abs. 1 ROM III-VO in notariell beglaubigter Form eine Rechtswahl treffen, sprich aussuchen, welches Recht anwendbar sein soll. Die Auswahl ist nur nach den folgenden Kriterien möglich:
das Recht des Staates, in dem die Ehegatten zum Zeitpunkt der Rechtswahl ihren gewöhnlichen Aufenthalt haben, oder
◾ das Recht des Staates, in dem die Ehegatten zuletzt ihren gewöhnlichen Aufenthalt hatten, sofern einer von ihnen zum Zeitpunkt der Rechtswahl dort noch seinen gewöhnlichen Aufenthalt hat, oder
◾ das Recht des Staates, dessen Staatsangehörigkeit einer der Ehegatten zum Zeitpunkt der Rechtswahl besitzt, oder
◾ das Recht des Staats des angerufenen Gerichts.
Danach könntet ihr also auch russisches Recht wählen, mit der Folge, dass das deutsche Gericht das russische (materielle, sprich die Scheidung an sich regelnde) Recht anzuwenden hätte, also zB kein Trennungsjahr erforderlich wäre. Um einen Rechtsanwalt würdet ihr aber meines Wissens nicht herumkommen, weil der Anwaltszwang eine Frage des Prozessrechts ist, und da wendet das deutsche Gericht auch das deutsche Prozessrecht an.

Wenn ihr euch für die russische Zuständigkeit entscheidet, könnte es bissel einfacher werden. Dann müsstet ihr beide beim Standesamt (ZAGS) am gemeldeten Wohnort deiner Frau erscheinen und den Scheidungsantrag stellen. Oder eben wahlweise beim zuständigen Konsulat, das auch im standesamtlichen Verfahren scheidet. Beide werden sich nicht mit dt. Recht rumschlagen, das wäre im Zweifel Sache eines russischen Gerichts, und dann wären ZAGS und Konsulat nicht zuständig. Rechtskräftig wird die Scheidung dann innerhalb vier Wochen oder 1 Monat, das weiß ich grad nicht 100%. Auf dein Scheidungsurteil müsste eine Apostille, und falls du wieder heiraten willst, müsstest du die Scheidung in DE anerkennen lassen - siehe herlits Beitrag oben. Weder ZAGS noch Konsulat entscheiden über Unterhaltsansprüche oder Vermögensaufteilung! Die deutschen Gerichte schon.

So, das war jetzt viel an Info. Alles nach bestem Wissen und Gewissen, aber ohne Haftung oder Garantie, versteht sich.
Wenn deine Frau auf einer Scheidung in DE (dt. Gericht) besteht, dann wird es darauf hinauslaufen, denn eine Scheidung in RU bzw. im RU-Konsulat in DE im vereinfachten (standesamtlichen) Verfahren müsste in beiderseitigem Einvernehmen stattfinden, und wenn sie nicht einverstanden ist, wird es schwer bis unmöglich.

Da deine Frau schon eine Niederlassungserlaubnis hat, hat sie ein eigenständiges, vom Bestehen einer Ehe mit einem Deutschen unabhängiges Aufenthaltsrecht - deswegen hatte ich vorher schon geschrieben, dass die Scheidung daran nichts ändert.
Du erntest, was du säst.



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