Scheidung in Abwesenheit ( Moskau Sags4 )

Du willst eine russisch-deutsche Ehe eingehen, die allgemeinen Tipps im Internet helfen Dir aber nicht mehr weiter? Oder Du bist schon russisch-deutsch verheiratet und hast einen guten Rat für andere binationale Ehen? Dann melde Dich hier zu Wort!

Moderator: Dietrich

Gunnar
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Re: Scheidung in Abwesenheit ( Moskau Sags4 )

Beitrag von Gunnar » Freitag 26. September 2014, 15:08

Norbert hat geschrieben:Gunnar, so wie ich es aber verstehe, ist ja Chris unter den gegebenen Umständen daran interessiert, dass die Scheidung in Deutschland Rechtsgültigkeit hat. Insofern wäre es ja sehr unklug, wenn er den deutschen Behörden auf die Nase bindet, dass er aus Moskau nicht ordnungsgemäß informiert wurde.
Ich wollte nur darauf hinweisen, damit er sich darüber im Klaren ist. Theoretisch besteht allerdings, selbst wenn es im deutschen Anerkennungsverfahren nicht herauskäme, die Möglichkeit, dass eine besonders fiese Ex sich später alles anders überlegt, nach Deutschland zurückkehrt und der Verwaltungsbehörde nachweist, dass die Scheidung in Deutschland nicht hätte anerkannt werden dürfen, weil das Verfahren nicht dem § 109 Abs. 1 Nr. 2FamFG entsprach. Mögliche Folge, die Ehe besteht aus deutscher Sicht noch. Was wenn die ehemalige bessere Hälfte nun Trennungsunterhalt fordert, weil die Ehe ja noch fortbestehe :twisted:
Ich würde (wenn ich die Scheidung auch wollte) auf die Einhaltung der Vorgaben nach FamFG genau achten und die Scheidung in D anerkennen lassen. Nur dann hat man die erwünschte endgültige Klarheit.
So lange jedoch das deutsche Standesamt nicht explizit darauf hingewiesen wird, werden sie wohl kaum von diesem Fall ausgehen. Und insofern sollte die Vorlage der apostillierten Scheidungsurkunde aus Russland ausreichen, um die Scheidung in Deutschland anzuerkennen.
Täuschen lässt sich die Behörde in solchen Sachen sicherlich ziemlich einfach, allerdings müssen die Voraussetzung bei dem Anerkennungsverfahren von Amts wegen geprüften werden und es besteht vor allem auch im Nachhinein die grundsätzliche Möglichkeit einer Wiederaufnahme des Verfahrens (§ 107 Abs. 7 S. 3 i.V.m. 48 Abs. 1 FamFG). So dass man sich nicht allzusehr in Sicherheit wiegen sollte, nur weil man die Anerkennung durch Verschweigen von Tatsachen bekommen konnte.
(Dann aber auch noch die Frage, ob denn die Ehe je in Deutschland registriert wurde - Familienbuch oder so. Wenn nein, dann reicht an sich die apostillierte Scheidungsurkunde so schon aus, meine ich. Denn eine Ehe, die in den deutschen Akten nicht existiert, kann man auch nicht beenden. Selbst wenn sie in Deutschland in der Praxis anerkannt wurde.)
Man muss sich unbedingt den Unterschied zwischen "wird schon gut gehen" und der tatsächlichen materiellen Rechtslage bewusst machen. Nur wenn man letztere einhält braucht man später nicht mit unschönen Überraschungen zu rechnen. Ist die Ehe in Russland oder sonstwo wirksam geschlossen worden, dann bleibt sie dass im deutschen Rechtsraum, wenn sie nicht wieder wirksam geschieden wurde und das im deutschen Anerkennungsverfahren nach FamFG bestätigt wurde.

Wenn also unser verlassener Chris eines Tages und vor seiner Ex ablebt was wir ihm nicht wünschen, was aber irgendwann nach derzeitigem Kenntnisstand jeden von uns ereilen wird, dann könnte die Ex davon Wind bekommen, sich auf den Weg nach Deutschland machen und einen Erbschein mit der Behauptung beantragen, sie sei nach Deutschem Recht weiterhin seine Ehegattin und damit (Mit-)Erbin des Nachlasses. Da könnten aber andere Berechtigte, insbesondere eine neue Ehefrau ganz dumm aus der Wäsche gucken. Die neue Ehefrau umso mehr, als sich plötzlich herausstellen würde, dass die alte Ehe gar nicht wirksam geschieden war und sie daher (vgl. § 1306 BGB) auch nicht die neue Ehefrau des noch verheirateten Mannes werden konnte (interessanter Fall im türkischen Recht siehe BGH XII ZR 41/00).

Das sind alles Worst-Case-Szenarien, aber die sollte man halt möglichst im Hinterkopf behalten ....



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Re: Scheidung in Abwesenheit ( Moskau Sags4 )

Beitrag von Admix » Freitag 26. September 2014, 15:16

... Rechtsanwälte und Versicherungsvertreter wollen schließlich auch gut leben :D
Aber es stimmt schon, die Welt ist gemein und häßlich. Manchmal in der Fantasie und dann halt auch ab und zu in der Realität.

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Re: Scheidung in Abwesenheit ( Moskau Sags4 )

Beitrag von Gunnar » Freitag 26. September 2014, 15:31

Aber es stimmt schon, die Welt ist gemein und häßlich. Manchmal in der Fantasie und dann halt auch ab und zu in der Realität.
... und letzteres öfter als man denkt. Die Leute können sich sowas von vergessen, wenn es um ihr Liebstes, nämlich das Geld geht. Und wenn dann noch unerfüllte oder verletzte Liebe im Spiel ist, dann kennt der Wunsch, gemeine Fantasien wahr werden zu lassen oft einfach keine Grenzen mehr ;)

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Re: Scheidung in Abwesenheit ( Moskau Sags4 )

Beitrag von herlitjan » Freitag 26. September 2014, 21:14

Aus eigenem Erleben: In Deutschland wird ein in Russland mit einer Apostille versehenes Scheidungsurteil anerkannt!

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Re: Scheidung in Abwesenheit ( Moskau Sags4 )

Beitrag von chris68 » Sonntag 28. September 2014, 20:38

Hallo zusammen ,
also da ich nun einen Schritt weiter bin und es über das Sags4 nicht laufen kann / wird " gar nicht mehr zuständig !!" für mich :-)
Die Aussage die ich von der Ach so lieben Mitarbeiterin am Telefon bekommen habe , hätte ich mir genauso gut aus dem eigenen "Ärmel"
ziehen gekonnt. -> Naja , kurz gesagt sind scheinbar selbst mit solchen Themen überfordert.
Das zags ist in so einem Scheidungsfall nur zuständig wie oben schon erwähnt wurde , falls beide Ehepartner einer Einvernehmlichen Scheidung zustimmen und es ohne Komplikationen über die Bühne bringen möchten.

Was meine Situation betrifft : Es ist ja "Menschlich" alles zu versuchen, sodass beide Parteien einen "normalen" abschluss finden können,da wie oben schon erwähnt mir jedoch jeden Kontakt untersagt bzw. verweigert wird habe ich nun andere Schritte eingeleitet.
Es sind leider viele viele unangenehme private Sachen ans "Licht" gekommen und nun liegt es bei der ...... in Moskau..!
Ich kann bzw. darf hier leider noch nicht schreiben welchen weg ich gegangen bin jedoch glaube ich wird sich meine Frau/Ex-Frau morgen sehr unangenehm umschauen " wer " vor ihrer Tür-stehen wird.

ich melde mich morgen und bitte bis um verständniss danke



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