Russischen Namen annehmen

Du willst eine russisch-deutsche Ehe eingehen, die allgemeinen Tipps im Internet helfen Dir aber nicht mehr weiter? Oder Du bist schon russisch-deutsch verheiratet und hast einen guten Rat für andere binationale Ehen? Dann melde Dich hier zu Wort!

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Russischen Namen annehmen

Beitrag von jackie_rs » Freitag 3. Februar 2017, 14:23

Ich bin bisher nur fündig geworden dahingehend, welche Probleme auftreten wenn Russinnen Deutsche Namen annahmen und dann verschieden hin und her transkribiert wird.

Aber vielleicht kennt ja jemand von euch auch den Fall andersrum. Ich will nach der Hochzeit seinen russischen Namen annehmen. Die Übersetzung seiner Dokumente hat aber eine völlig andere Transkription geliefert als bei ihm im Reisepass drinsteht; ich will aber eben letzteres dann auch in meinem Reisepass haben. Kann man da mit dem Deutschen Konsulat reden was sie einem dann reinschreiben?
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Re: Russischen Namen annehmen

Beitrag von Packerowski » Samstag 4. Februar 2017, 15:07

Unsere lustigen Transkriptions-Probleme liegen schon eine Weile zurück, wir hatten vor Jahren mal viel Spaß wegen der Frage, ob lateinisch "ck" zu kyrillisch "к" oder doch besser "кк" werden sollte.

Aus dem Bauch hätte ich Dir den Rat gegeben, persönliche Wünsche zur Schreibweise von Namen bereits gegenüber dem Übersetzer zu äußern und im Rahmen des Zulässigen abzuklären. Deutsche Behörden in Deutschland schauen in der Regel auf die beglaubigten Übersetzungen, die ihnen vorgelegt werden, und richten sich in der Regel danach. Möglicherweise sind die Konsulatsmitarbeiter vor Ort in Russland aber kulanter, weil sie die Probleme kennen.

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Re: Russischen Namen annehmen

Beitrag von m5bere2 » Samstag 4. Februar 2017, 15:48

Packerowski hat geschrieben:Möglicherweise sind die Konsulatsmitarbeiter vor Ort in Russland aber kulanter, weil sie die Probleme kennen.
Im Gegenteil. Denen ist es egal, wie der beglaubigte Übersetzer die Namen übersetzt, die übersetzen die Namen nochmal manuell von der Original-Urkunde mit der zwar eineindeutigen aber unter Normalsterblichen wegen der vielen diakritischen Zeichen recht seltenen ISO9-Transkription: https://de.wikipedia.org/wiki/ISO_9

Selbst wenn sie also den ur-russischen Namen Шульц annimmt, so knallen ihr die deutschen Konsulate in die deutschen Dokumente "Šul'c", egal ob da jetzt "Schulz" in der beglaubigten Übersetzung stand. Und die Russen haben wiederum ihre eigene Transkription.

Um in Deutschland einen einheitlichen Ehenamen zu führen, muss man wahrscheinlich eine (kostspielige) Namenserklärung abgeben mit haufenweise Apostillen und Übersetzungen des Ehepartners.

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Re: Russischen Namen annehmen

Beitrag von Packerowski » Samstag 4. Februar 2017, 18:51

m5bere2 hat geschrieben:Im Gegenteil.
Schade, bei unseren Urkunden hatte das in einer ähnlichen Konstellation so funktioniert.

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Re: Russischen Namen annehmen

Beitrag von m5bere2 » Samstag 4. Februar 2017, 19:10

Packerowski hat geschrieben:Schade, bei unseren Urkunden hatte das in einer ähnlichen Konstellation so funktioniert.
Hofften wir auch... wir wollten, dass unser Sohn in deutschen Urkunden Alexander heißt und haben seine russische Geburtsurkunde entsprechend beglaubigt übersetzen lassen. Das Konsulat hat ihn in allen Anträgen schön wieder zu Aleksandr gemacht (ist immerhin lesbarer als im Falle Šul'c) und wir haben dann eben diese Namenserklärung abgegeben.

In etwa vier Jahren wird die durch sein, aber vorläufig hat man uns schonmal einen Pass auf "Alexander" ausgestellt, mit dem Vermerk, dass sein endgültiger Name in Deutschland noch nicht feststeht. ;-)



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Re: Russischen Namen annehmen

Beitrag von Magdeburg-Moskva » Samstag 4. Februar 2017, 22:57

Frage 1: Wie heißt dein Mann?

Ihr heiratet in Russland. Somit wirst du zu gosposha Petrowa, Petrenko, Petrowskaja, Sjutkina oder Krawtschuk.

Könntest Du "kurz" ausreisen und die Ehe in Deutschland nachbeurkunden lassen? Einen neuen Pass gibt es dann auch ruck-zuck, kostet nur mehr Geld.



Sprich mal mit deinem deutschen Standesamt am Wohnort und dem Einwohnermeldeamt darüber. Dein deutscher Pass wird dann auf dieser Grundlage ausgestellt. Preisfrage ist dann natürlich, wie Du nach RU zurückkommst.

Allerdings sind die Personenstandsbücher nach ISO 9:1995 zu führen, s. u. Eine Ausnahme bildet die Schreibweise in ausländ. Urkunden, z. B. Reisepass. Einen solchen hast du nicht. Hierbei könnte man mit der Behörde rechtzeitig versuchen über eine Namensänderung verhandeln. Ich würde mich dabei auf Usus bei der Passausstellung und Schwierigkeiten bei der Namensführung sowie den Gedanken der einheitlichen Schreibweise von Familiennamen mit landesüblicher Hervorhebung des Geschlechts (Petrov / Petrova) berufen. Immerhin sollte der Beamte an der Grenze erkennen können, dass Herr Shchedrin und Frau Shchedrina aufgrund des gleichen Familiennamen-Wortstamms vermutlich Eheleute oder wenigstens Familienangehörige sind. Bei Shchedrin und Ŝedrina ist das zweifelhaft. Auch können bestimmte lat. Schreibweisen dich in Russland wegen der Obszönität der Lächerlichkeit preisgeben, z.B. Щукина - Shchukina - Ŝukina - Sukina. (Schimpfwortstamm für Hündin)

Lass Dir auf jeden Fall eine bis zwei Powtornyje von der Eheurkunde mit Apostille geben. Kann sein, dass du eine da lassen musst.

Die Übersetzung würde ich wie folgt vornehmen:

Nach der Eheschließung werden folgende Familiennamen geführt - von ihm: Shchedrin*, von ihr: Ŝedrina**

* Wiedergabe nach Kopie des Reisepasses XXXXXXXXX, die Umschrift nach ISO 9:1995 lautet: Ŝedrin
** Wiedergabe nach ISO 9:1995. Die abweichende Schreibweise nach russischer Passverordnung XYZ würde in Anlehnung an den o. g. Pass des Ehemannses Shchedrina lauten.


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Re: Russischen Namen annehmen

Beitrag von jackie_rs » Dienstag 7. Februar 2017, 02:44

Ihr habt mich ganz schön verschreckt. Da es sich um einen ursprünglich ukrainischen Namen handelt fällt die -a Anpassung weg, aber wenn man es in Iso-9 transkribiert und dann die Akzentsoße weglässt kommt doch was ziemlich anderes dabei raus.

Von Panik gepackt (bei den Russen achte ich scharf darauf ... oder sie achten scharf drauf ... dass die Papiere alle passen) habe ich dem zuständigen Konsularreferat gemailt... und da hieß es als Antwort "falls Sie eine Kopie des Reisepasses Ihres Ehemannes zur Passbeantragung mitbringen, wird die Schreibweise aus diesem übernommen."

Ich nehm mir vor hier zu schreiben was dann am Ende dabei rausgekommen ist. Gibt viel zu viele Freds im Internet wo die Leute Lösungen suchen und dann am Ende nicht schreiben wie's ausgegangen ist...
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Re: Russischen Namen annehmen

Beitrag von jackie_rs » Samstag 6. Mai 2017, 14:04

Die Dame im Konsulat wusste sogar, dass ich ihnen deswegen gemailt hatte, und es ist auch dabei geblieben. Ich hatte sogar den Pass meines Mannes im Original mitgenommen und sie haben die Schreibweise daraus uebernommen.
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Re: Russischen Namen annehmen

Beitrag von Packerowski » Sonntag 7. Mai 2017, 01:06

Schön, dass alles in Eurem Sinne ausgegangen ist!



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