Heirat in Russland - ein Erlebnisbericht

Du willst eine russisch-deutsche Ehe eingehen, die allgemeinen Tipps im Internet helfen Dir aber nicht mehr weiter? Oder Du bist schon russisch-deutsch verheiratet und hast einen guten Rat für andere binationale Ehen? Dann melde Dich hier zu Wort!

Moderator: Dietrich

pimpim

Heirat in Russland - ein Erlebnisbericht

Beitrag von pimpim » Montag 17. März 2008, 23:24

Hallo Leute
Vielleicht kann sich manch einer von euch noch an meine Anfragen vom Dezember erinnern, ich hatte dort angekündigt dass ich in Russland heiraten will. Das ist mittlerweile auch geschehen. Ich weiß nicht ob mein folgender Erlebnisbericht (denn es war wirklich ein Erlebnis) hier richtig positioniert ist. Falls nicht bitte ich um Entschuldigung und entsprechendes Verschieben :oops: .
Also zuerst zu den Vorrausetzungen.
Ich bin 30 Jahre alt, deutscher und war noch nie verheiratet, und habe auch keine Kinder. Ich bin promoviert, aber führe den Titel in keinen Dokumenten. Beruflich und finanziell kann ich mich als gesichert bezeichnen.
Nun zu meiner Frau. Sie ist ein Jahr älter als ich, hat eine 11 jährige Tochter und ist wohnlich in Moskau gemeldet. Bis vor kurzem hat sie einen Job als Verkäuferin in einer Parfümerie gehabt. Sie ist geschieden, jedoch für die Tochter liegt kein Sorgerechtsurteil vor. Obwohl der Vater keinen Unterhalt zahlt, und sich auch in der Ukraine aufhält, kann sie trotzdem nicht alleine über das Schicksal des Kindes entscheiden.
Meine Frau ist in Saransk geboren, und ihre Eltern wohnen auch heute noch dort.

Wir haben uns Ende Dezember entschieden heiraten zu wollen. Nachdem die Variante der Heirat in Dänemark nicht mehr der Königsweg ist, und mein Standesamt nicht gerade ein Muster an Kompetenz ist, haben wir uns entschieden in Russland zu heiraten. Da sie in Moskau gemeldet ist wäre das ZAGS 4 in Moskau für uns verantwortlich gewesen.
Meine Frau ist folglich dort vorstellig geworden und hat nachgefragt welche Dokumente wir benötigen, und ob meine Anwesenheit zur „Aufgebotsstellung“ notwendig sei.
Man wollte folgende Dokumente haben.
Von der Braut:
Passkopie, Geburtsurkunde, Scheidungsurteil
Von mir: Passkopie, Ledigkeitsbescheinigung, Geburtsurkunde, natürlich alles übersetzt und apostilliert.

Eine Aufgebotsstellung in meiner Abwesenheit wäre im Falle einer notariellen Vollmacht meinerseits kein Problem.

Meine Gemeinde hat mir eine Meldebescheinigung ausgestellt aus der auch mein Familienstand (nämlich ledig) draus hervorgeht.

Es war für mich nicht schwer alle Dokumente zu besorgen.

In der zweiten Januarwoche bin ich dann nach Moskau geflogen

Da ich am Wochenende angereist bin sind wir zuerst mit dem Nachtzug nach Saransk zu ihren Eltern gefahren. Dort hat mir dann meine jetzige Schwiegermutter gesagt, dass wir auch in Saransk heiraten könnten.

Ich wollte es nicht wirklich glauben, und so sind wir mit allen für Moskau vorgesehen Dokumenten aufs dortige ZAGS gegangen.
Die Beamtin war nicht wirklich freundlich, hat aber keine Probleme gesehen. Ich musste lediglich noch eine Kopie meines Visums abgeben, danach hatten wir alle Hürden gemeistert.
Wir hätten schon in kurzer Zeit einen Termin bekommen können, was aber bei mir aus beruflichen Gründen nicht möglich war. Ich habe dann mehrere für mich optimale Termine vorgeschlagen. Wir haben uns dann auf den 11. März geeinigt.

Am 07. März war ich dann wieder in Saransk. Sicherheitshalber habe ich mich ordnungsgemäß registrieren lassen. (Interessanterweise auf der Post ???).
Samstags haben wir noch einmal nachgefragt ob denn auch alles klar wäre mit unserer Hochzeit.
Am Montag haben wir uns die Dienstleistungen bezüglich der Zeremonie ausgesucht. Da ich nicht (und meine Frau auch nicht) auf Folklore stehen, haben wir eine einfache Variante gewählt.
Wir haben für Trauung, Streicher Ensemble, Sektempfang, Konfekt, 12 Profifotos insgesamt 1400 Rubel bezahlt.
Man muss vielleicht noch erwähnen, dass Saransk ein ganz neues Standesamt hat, welches bezüglich Ambiente sehr gut mit gehobenen deutschen Ansprüchen mithalten kann.

Am Dienstag war es dann soweit.

Auf dem Standesamt wurden wir von einer Art Zeremonienmeisterin in Empfang genommen. Die Trauung war natürlich vollständig in Russisch. Ein Dolmetscher war NICHT vorhanden, und ich verstehe auch nur einzelne Wörter im russischen. Außerdem hat niemand nach meinen Papieren gefragt, und ich musste mich zu keinem Zeitpunkt ausweisen. Meine Frau hat mir durch vorher vereinbarte Zeichen klargemacht wann ich ein deutliches “Da“ zu sagen habe.

Wir haben dann eine russische Heiratsurkunde erhalten, die auf der Rückseite noch einmal in Mordowinisch abgedruckt war.

Es war wirklich ein sehr schönes Ereignis, und auch der anschließende Restaurant besuch war sein Geld zu 100% wert.

Am nächsten Tag haben wir uns auf den Weg gemacht die Heiratsurkunde apostillieren zu lassen.
Da musste ich ein bisschen aufpassen, da meine Gastgeber unter apostillieren was anderes verstanden haben als ich. Beinahe hätte ich einen seltsamen Stempel in meinem Reisepass gehabt, aus dem hervorgehen soll, dass ich verheiratet bin.

Jedoch ist es mir irgendwann gelungen den Beteiligten klar zu machen, was die Funktion einer Apostille ist. Die übergeordnete Behörde war auch recht schnell ausgemacht (Saransk ist die Hauptstadt der Mordowinischen Republik), und nach der Überweisung von 300 Rubel auf der nächsten Bank hatte ich meine Apostille.

Mittlerweile bin ich wieder zurück in Deutschland.

Die nächsten Schritte sind - glaube ich zumindest - klar:

Visum für Familienzusammenführung.

Ich habe natürlich auf der Homepage der Botschaft und in eurem tollen Forum alle Informationen gefunden über die benötigten Dokumente. Habe aber trotzdem noch ein paar Fragen an die Profis:

Meine Frau muss ja ihre Deutschkenntnisse nachweisen. Die Prüfung beim Goetheinstitut ist am 23. April, jedoch wird sie die Ergebnisse erst 4 Wochen !!!!! später erfahren. Die Anmeldung zur Prüfung ist ab dem 08. April möglich, und sie muss auch sofort die Prüfungsgebühr bezahlen.

Haltet ihr es für möglich, dass man das Visum Verfahren in Gang bringen kann, mit einer Bescheinigung über die Anmeldung?
Soweit ich das Procedere verstanden haben, werden die Dokumente sowie so zuerst nach Deutschland zu meiner Ausländerbehörde geschickt. Es wäre also noch reichlich Zeit Dokumente (die auch nichts mit meiner Person zu tun haben) nachzureichen.

Ich bin auf eure Antworten gespannt.
Viele Grüsse
pimpim



Zeppelin
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Re: Erlebnisbericht Heirat in Russland

Beitrag von Zeppelin » Dienstag 18. März 2008, 00:10

pimpim hat geschrieben: Haltet ihr es für möglich, dass man das Visum Verfahren in Gang bringen kann, mit einer Bescheinigung über die Anmeldung?
Soweit ich das Procedere verstanden haben, werden die Dokumente sowie so zuerst nach Deutschland zu meiner Ausländerbehörde geschickt. Es wäre also noch reichlich Zeit Dokumente (die auch nichts mit meiner Person zu tun haben) nachzureichen.
Danke erst mal für den tollen Bericht und meine nachträglichen Glückwünsche zur Vermählung!

Was Deine Frage betrifft: Ich würde es auf jeden Fall probieren, das FZF-Visum schon jetzt zu beantragen und mich da auch nicht abwimmeln zu lassen. Es sollte genügen, das Sprachenzeugnis erst unmittelbar vor Ausstellung der Visums vorzulegen.
Vorher laufen nämlich erstmal die ganzen zeitraubenden Verwaltungsverfahren vom Konsulat an das BVA in Köln, von dort zur zust ABH etc. und umgekehrt wieder zurück.

Da wir uns diesen Wahnsinn nicht antun wollten, hatten wir da die Abkürzung genommen und unsere ABH gebeten, alles Nötige schon mal im Vorfeld zu überprüfen, damit sie umgehend reagieren kann, wenn das Verfahren an sie herangetragen wird.
Bei der regulären FZF nach aktueller Rechtslage braucht sich die ABH ja gar nicht um den Sprachnachweis zu scheren, da diese Verifizierung in der Zust. des Konsulats liegt.
Hier würde ich auch mal probieren, ob man sich das Zeugnis nicht ersparen kann, indem man im direkten Dialog mit den Konsulatsmitarbeitern beweist, dass man schon relativ gut Deutsch kann.

Aber eine ganz andere Frage ist ja, was aus der Tochter werden soll. Wollt ihr sie bei Verwandten lassen bzw. will sie gar nicht mit hierher?
Andernfalls braucht es meines Wissens mindestens einer Zustimmung des KV, damit die Kleine ein Visum bekommt.
"Wir brauchen Bürokratie, um unsere Probleme zu lösen. Aber wenn wir sie erst haben, hindert sie uns, das zu tun, wofür wir sie brauchen." (Ralf Dahrendorf)

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Re: Erlebnisbericht Heirat in Russland

Beitrag von St. Germain » Dienstag 18. März 2008, 20:21

Auch von mir herzlichste Glückwünsche zur Hochzeit
und das Eure Zusammenführung genauso leicht läuft.

Macht es besser als ich,
meine Ehge wird am 9. April nach knapp 27 Jahren geschieden.

Alles Liebe
St. Germain
Licht vom Lichte Gottes, wie jeder andere Mensch auch.

pimpim

Re: Erlebnisbericht Heirat in Russland

Beitrag von pimpim » Dienstag 18. März 2008, 21:55

Hallo Zeppelin

Zitat: "Aber eine ganz andere Frage ist ja, was aus der Tochter werden soll. Wollt ihr sie bei Verwandten lassen bzw. will sie gar nicht mit hierher?
Andernfalls braucht es meines Wissens mindestens einer Zustimmung des KV, damit die Kleine ein Visum bekommt."

Ja das ist eine gute Frage. Aber alle Beteiligten sind sich darüber einig, dass die Tochter mit nach Deutschland soll. Da wir nicht wissen wie lange das ganze sich hinzieht, haben wir die Kleine in Saransk bei den Grosseltern in der Schule angemeldet. Der Vater hatte schon einmal im Dezember eine notariell bestätigte Einwilligung ausgestellt, mit der meine Stieftochter mich besuchen konnte. Wir haben Gott sei Dank ein Faustpfand:
Der Vater meiner Stieftochter wurde bei der Scheidung aus der Wohnung ausgetragen, obwohl sie auf den Namen seiner Mutter privatisiert wurde. Meine Stieftochter wird in Moskau erst abgemeldet, wenn er seine Zustimmung zur Ausreise erteilt hat. Wir tauschen so zu sagen, Wohnung gegen Kind.
Daher denke ich, dass ich von der Seite keine Probleme zu erwarten habe.
Aber was meinst du mit KV? Ich als Apotheker muss dann immer sofort an die Krankenversicherung denken, aber die geht das doch nichts an?
Viele Grüsse pimpim

Zeppelin
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Re: Erlebnisbericht Heirat in Russland

Beitrag von Zeppelin » Dienstag 18. März 2008, 22:41

Sorry für die Abkürzung, aber im Zusammenhang mit dem Vormundschafts-, Standes-, Familenrecht blabla sind KV und KM gängige Abkürzungen für "Kindesvater" und "Kindesmutter".

Man verwendet diese Begriffe in Abgrenzung zu den ethisch höherwertigen Wörtern "Mutter" und "Vater", um eben letztere nicht zu kränken. Der Unterschied besteht eben darin, ob man halt nur biologisch und / oder formalrechtlich KV bzw KM ist oder eben das was man sich normalerweise unter richtigen Müttern und Vätern vorstellt.

Aber selbst der Begriff Krankenversicherung ist in Eurem Kontext relevant, da Deine Frau und Stieftochter ja ggf. in der GKV Anspruch auf Mitgliedschaft als Familienversicherte hätten. ;)
Aber das wollen wir mal nicht vertiefen und zurück zum Thema:

Was das Eigentumsrecht an Immobilen im Verhältnis zum Wohnrecht in RUS bedeutet ist mir etwas schleierhaft, weshalb ich wohl aus dem Satz
Der Vater meiner Stieftochter wurde bei der Scheidung aus der Wohnung ausgetragen, obwohl sie auf den Namen seiner Mutter privatisiert wurde. Meine Stieftochter wird in Moskau erst abgemeldet, wenn er seine Zustimmung zur Ausreise erteilt hat. Wir tauschen so zu sagen, Wohnung gegen Kind.
nicht so recht entnehmen kann, wo da genau das Faustpfand liegt, aber das hat womöglich etwas mit den Veräußerungsmöglichkeiten der Wohnung zu tun.

Und wenn dies so ist, würde ich mir drei mal überlegen, ob man den KV nicht auch ein oder zwei Preisklassen tiefer zu der Einwilligung zur Ausreise 'seiner' Tochter bewegen kann.
Ich denke dabei an die Zukunft und somit an die Offenhaltung einer Rückkehrmöglichkeit Deiner Stieftochter nach RUS, welche sie ja evtl. mal erwägen wird, wenn sie erwachsen ist.

Gruß,
Z.
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OT: Abkürzungen

Beitrag von Magdeburg-Moskva » Mittwoch 19. März 2008, 02:15

Zeppelin hat geschrieben:KV
KV - kriegsverwendungsfähig

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Re: OT: Abkürzungen

Beitrag von Zeppelin » Mittwoch 19. März 2008, 08:27

Magdeburg-Moskva hat geschrieben:KV - kriegsverwendungsfähig
falsch, denn das wäre kv
"Wir brauchen Bürokratie, um unsere Probleme zu lösen. Aber wenn wir sie erst haben, hindert sie uns, das zu tun, wofür wir sie brauchen." (Ralf Dahrendorf)

achim

Re: Erlebnisbericht Heirat in Russland

Beitrag von achim » Mittwoch 19. März 2008, 12:27

Hallo pimpim,

Herzlichen Glückwunsch zu Eurer Hochzeit!
vielen Dank für den ausführlichen Erlebnisbericht!

Ich würde diesen Beitrag gerne als "FAQ" im oberen Info-Bereich des Unterforums "Deutsch-Russische Partnerschaften/Ehen" aufnehmen.
Was halten die anderen Forumteilnehmer davon? Gibt es noch weitere Anmerkungen zum Beitrag?

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Re: Erlebnisbericht Heirat in Russland

Beitrag von 7punkt » Mittwoch 19. März 2008, 12:28

achim hat geschrieben:...Ich würde diesen Beitrag gerne als "FAQ" im oberen Info-Bereich des Unterforums "Deutsch-Russische Partnerschaften/Ehen" aufnehmen.
Was halten die anderen Forumteilnehmer davon?
Joo mach ma.
"Ich weigere mich, einen Unterschied zwischen den Voelkern zu machen und von guten und schlechten Nationen zu sprechen, aber einen Unterschied zwischen den Menschen muss ich machen." F. Duerrenmatt "Der Verdacht"

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Re: Erlebnisbericht Heirat in Russland

Beitrag von Norbert » Mittwoch 19. März 2008, 12:51

Achim, bekommen wir dort irgendwie eine Sortierung hin? Damit die FAQs ganz oben stehen? (Ähnliches gilt für die Visa-FAQ, die geht unter vier weiteren Hauptthemen in der Visa-Sektion etwas unter.)

Grundsätzlich bin ich natürlich dafür.



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