Großbauern vs. Öko Bauern

Hier findest Du Insiderinformationen zum mittel- oder langfristigen Aufenthalt in Russland die Dir helfen das Leben in Russland zu meistern. Du lebst (noch) nicht in Russland? Dann könnte dieses Unterforum für Dich besonders interessant sein, damit Du von unseren Erfahrungen profitierst. Expats are welcome!
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Alex KA
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Re: Großbauern vs. Öko Bauern

Beitrag von Alex KA » Dienstag 27. Oktober 2015, 00:07

Aber russische Käse das bei uns in Regalen liegt für mein Geschmack ganz gut, oft aber nicht ausgereift.



frei von und zu
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Re: Großbauern vs. Öko Bauern

Beitrag von frei von und zu » Montag 14. Dezember 2015, 00:07

Hallo, Euer Gespräch hatte ich als Interessent gelesen und mich jetzt angemeldet.
Was denkt Ihr/denken Sie, wenn die Hälfte aller in Deutschland zu kaufenden Paprikaschoten in den Niederlanden hergestellt sind? Ebenso die 'knackigen frischen Tomaten' im Winter und anderes mehr?
Kann man ohne einzuhalten an der TTIP- und CETA-Diskussion vorbeigehen? Hat jemand die Meldungen auf Sputniknews oder RT zu Roundup/Monsanto gelesen? Ich meine, das kann doch niemanden mehr unberührt lassen?! Das geht doch jeden an.
Als Jäger bin ich vielleicht zusätzlich sensibilisiert, möchte aber doch wenigstens darauf aufmerksam machen, dass verbreitet eben z.B. Gemüse niemals Erde gesehen hat und dem Wild es egal ist, ob es GMO oder Monsanto-verseuchte Nahrung aufnimmt. Es ist unschuldig.
Wir lieben Blumen, auch im Winter.Wir kaufen aber keine mehr, weil auch die keine Erde gesehen haben. Was aber anstelle dessen?
Soll ich noch etwas schreiben zu industriellen Mastanlagen? Seid froh, wenn Ihr von einem Schwein abbeißen könnt, das jemals in der Erde wühlen durfte. Vorausgesetzt, es ist überhaupt Fleisch, was Ihr da meint, zu essen.
Wir riskieren unsere Lebensgrundlagen, wenn wir unkalkulierbare Risiken eingehen.
Es ist ein einziges Verbrechen, was westliche Agrarindustrie mit Patenten, mit Saatgut, mit GMO, mit Herbiziden, Pestiziden usw. an uns allen verüben.
Ich persönlich finde es auch ätzend, dass ich mir tagtäglich um sowas Gedanken machen muss und nicht vertrauensvoll einfach essen kann, was mir angeboten ist.
Insofern finde ich jeden Versuch, das einzudämmen oder zu verhindern, nur gut.

bauplan
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Re: Großbauern vs. Öko Bauern

Beitrag von bauplan » Montag 14. Dezember 2015, 12:12

Ich möchte gerne nochmal etwas allgemeines zu dem Biohof-Projekt schreiben.
Es geht dort zwar auch darum Geld zu verdienen, aber nicht im industriellen Maßstab. Wir wollten zeigen, dass es möglich ist eine "humane" Tierhaltung zu haben, biologisch anzubauen und auch ökologisch (Windrad, Sonnenzellen etc.) einen Betrieb aufzuziehen.
Wer sich mal mit der alten russischen Obschina auseinandergesetzt hat, weiß welche Gedanken bei uns auch dahinterstehen.
Im Moment wollen sich immer mehr Kleinstbauern daran beteiligen.
Es ist also nicht nur Biohof, sondern auch ein politisches Projekt. Vielleicht auch endlich die Möglichkeit die Träume aus der 70er Jahre Ökobewegung umzusetzen.
Im Moment haben wir einen gewaltigen Zuspruch aus allen Gegenden Russlands. Bei Vielen ist und wird es nur Träumerei bleiben so ein Projekt aufzuziehen.
Wir werden ab Januar eine Rubrik einrichten, wo wir per Video, Foto und per Text laufend von der Farm berichten werden. Uns ist es wichtig, dass wir die Entwicklungen stärker kommunizieren.
Zu kaufen sind die Produkte direkt auf der farm, in unserem Stiftungshaus in Tarusa und es soll ein sonntäglicher Jahrmarkt in Tarusa eingerichtet werden. Leider muss Vieles vorbestellt werden, weil die Nachfrage die Produktion im Moment noch überschreitet.

Gruss Gunnar aus Tarusa

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Re: Großbauern vs. Öko Bauern

Beitrag von bella_b33 » Montag 14. Dezember 2015, 12:21

bauplan hat geschrieben: Wir werden ab Januar eine Rubrik einrichten, wo wir per Video, Foto und per Text laufend von der Farm berichten werden.
Da bin ich sehr gespannt drauf :)

Gruß
Silvio
Erst wenn der Subwoofer die Katze inhaliert, fickt der Bass richtig übel!
-Wolfgang Amadeus Mozart, Österreichischer MC (1756-1791)

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Re: Großbauern vs. Öko Bauern

Beitrag von Wladimir30 » Montag 14. Dezember 2015, 13:03

Ja, wirklich sehr interessant!!!
«Поздравляю всех с Новым годом, желаю, чтобы вы не знали горя, удачи, любви, счастья и особенно здоровья». Виталий Кличко.



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Re: Großbauern vs. Öko Bauern

Beitrag von klaupe » Dienstag 15. Dezember 2015, 13:53

frei von und zu hat geschrieben:Wir riskieren unsere Lebensgrundlagen, wenn wir unkalkulierbare Risiken eingehen.
Es ist ein einziges Verbrechen, was westliche Agrarindustrie mit Patenten, mit Saatgut, mit GMO, mit Herbiziden, Pestiziden usw. an uns allen verüben.
Ich persönlich finde es auch ätzend, dass ich mir tagtäglich um sowas Gedanken machen muss und nicht vertrauensvoll einfach essen kann, was mir angeboten ist.
Insofern finde ich jeden Versuch, das einzudämmen oder zu verhindern, nur gut.
Das Risiko beginnt schon beim Einkauf. Es gibt immer noch genügend in Deutschland ansässige Kunden, die sich lieber billig mit Produkten von ALDI, Kaufland, LIDL, NETTO usw. vergiften, statt in den Öko-Läden und beim BIO-Bauern ihr Geld zu opfern, wo einwandfreie Ware geliefert werden.

Neulich wurde in unserer Gegend ein Bio-Hof geschlossen. Frei von Chemie hat er seine Felder mit Mist und Gülle so "ökologisch" gedüngt, dass das Grund- und Oberflächenwasser eine deutlich höhere Nitrat- (oder Nitrit-?)Belastung aufwies.
Der am Anwesen angrenzende Bach und See ist quasi biologisch tot.
Manchmal muss man im Leben zwischen gutem Ruf und dem Vergnügen wählen und stellt fest, das der gute Ruf kein Vergnügen ist.

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Re: Großbauern vs. Öko Bauern

Beitrag von bauplan » Dienstag 15. Dezember 2015, 15:55

klaupe hat geschrieben: Neulich wurde in unserer Gegend ein Bio-Hof geschlossen. Frei von Chemie hat er seine Felder mit Mist und Gülle so "ökologisch" gedüngt, dass das Grund- und Oberflächenwasser eine deutlich höhere Nitrat- (oder Nitrit-?)Belastung aufwies.
Der am Anwesen angrenzende Bach und See ist quasi biologisch tot.
Wenn man zu viel Viehzeug auf zu wenig Land hat, dann hat das nichts mehr mit Ökologie zu tun. Aber da in Europa ein extremer Preiskampf ist und keiner bereit ist reale Preise zu bezahlen kommt so etwas vor.
In Russland haben wir bessere Bedingungen, weil wir deutlich mehr Land pro Vieh zur Verfügung haben und sich durch guten Fruchtwechsel und Brache die Felder immer wieder erholen und nicht überdüngt werden.

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Re: Großbauern vs. Öko Bauern

Beitrag von klaupe » Dienstag 15. Dezember 2015, 16:52

bauplan hat geschrieben:In Russland haben wir bessere Bedingungen, weil wir deutlich mehr Land pro Vieh zur Verfügung haben und sich durch guten Fruchtwechsel und Brache die Felder immer wieder erholen und nicht überdüngt werden.
So sehe ich das auch.
Anstatt Russland Lebensmittel importiert könnten sie sich als das OKO-BIO-Winderland präsentieren und die Handelsbilanz deutlich aufwerten und von Rohstofflieferungen unabhängiger machen.
Unabhängig von den Landwirtschafts-Problemgebieten in Sibirien, hat Russland sicherlich pro Kopf weitaus mehr nutzbare Ackerfläche als z.B. die EU-Staaten.
Wenn ich dann so etwas wie sogenannte "Deutsche Markenbutter" (Danke Anke) in Russland sehe, bekomme ich einen Lachkrampf.
Offensichtlich fehlt es deutlich an Vertrauen und Stolz in eigene Produkte
Manchmal muss man im Leben zwischen gutem Ruf und dem Vergnügen wählen und stellt fest, das der gute Ruf kein Vergnügen ist.

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Re: Großbauern vs. Öko Bauern

Beitrag von bauplan » Dienstag 15. Dezember 2015, 17:15

klaupe hat geschrieben: Offensichtlich fehlt es deutlich an Vertrauen und Stolz in eigene Produkte
Nein, das größte Problem war die EU.
Durch die durch Brüssel hochsubventionierten Lebensmittel waren Lebensmittel aus der EU billiger, als sie in Russland hergestellt werden konnten. Ein Problem was ja auch in Afrika sehr aktuell ist.
Erst die Sanktionen gegen die EU, wenn sie denn lange genug erhalten bleiben, werden der russischen Landwirtschaft wieder die Möglichkeit geben richtig auf die Beine zu kommen.
Nur eine rigerose Abschottung gegen EU-Lebensmittel kann da helfen. Darum hat Russland ja auch die Grenze zur Ukraine dichtgemacht, denn sonst würden über die Ukraine die EU-Lebensmittel nach Russland kommen.
Übrigens war das der Grund, warum Russland gegen das Assoziierungsabkommen EU-Ukraine war, wenn Russland nicht mit einbezogen wird.

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Re: Großbauern vs. Öko Bauern

Beitrag von klaupe » Dienstag 15. Dezember 2015, 17:52

bauplan hat geschrieben:
klaupe hat geschrieben: Offensichtlich fehlt es deutlich an Vertrauen und Stolz in eigene Produkte
Nein, das größte Problem war die EU.
Schön das die EU mehr Vertrauen genießt, als das eigene Land. Schön für die EU natürlich.
Durch die durch Brüssel hochsubventionierten Lebensmittel waren Lebensmittel aus der EU billiger, als sie in Russland hergestellt werden konnten. Ein Problem was ja auch in Afrika sehr aktuell ist.
Aha, liegt wohl daran, dass EU-Großbauern effizienter arbeiten, denn verschenken tun die sicherlich nichts. Aber da bleibt ja noch das Heer an Bio-Bauern, die vermutlich in Russland deutlich billiger produzieren könnten.
Erst die Sanktionen gegen die EU, wenn sie denn lange genug erhalten bleiben, werden der russischen Landwirtschaft wieder die Möglichkeit geben richtig auf die Beine zu kommen.
"Möglichkeit" ist nett umschrieben. Eher ist es notwendig geworden. Ist nun der Salat oder Kohl dadurch teurer geworden? Bei Südfrüchten aus den Tropen sieht man aber auch inzwischen deftige Preise. Vermutlich weil die nicht EU-subventioniert sind. Die Idee, mal auf Handesbilanz und Rubelschwäche zu sehen ist wohl zu absurd.
Nur eine rigerose Abschottung gegen EU-Lebensmittel kann da helfen.
Ich bin sogar dafür, dass es zweiseitig passiert.
Darum hat Russland ja auch die Grenze zur Ukraine dichtgemacht, denn sonst würden über die Ukraine die EU-Lebensmittel nach Russland kommen.
Schmarrn! Bei der aktuellen Lage fressen die Ukrainer alles selbst auf, ehe die Tomaten & Co. in Russland landen.
Früher war es umgekehrt, da kam russisches Gas auch "bereinigt" in Westeuropa an.
Übrigens war das der Grund, warum Russland gegen das Assoziierungsabkommen EU-Ukraine war, wenn Russland nicht mit einbezogen wird.
Nee ne. Mit anderen Worten, Putin würde ja gerne mit der EU, aber die böse EU mag ihn nicht, nicht mal als Geschäftspartner.
Lustiger Tag heute :lol:
Manchmal muss man im Leben zwischen gutem Ruf und dem Vergnügen wählen und stellt fest, das der gute Ruf kein Vergnügen ist.



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