Zurück nach Russland - oder - was will ich nun eigentlich ?

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olexpert
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Zurück nach Russland - oder - was will ich nun eigentlich ?

Beitrag von olexpert » Sonntag 29. Oktober 2017, 23:55

Liebes Forum,

als ich vor über 7 Jahren hier Mitglied wurde, hatte ich sicher auch vor, aktiver an den hier immer sehr Interessant geführten Diskussionen teilzunehmen. Aber meistens habe ich die eigenen Probleme selbst lösen können, und so war ich nur manchmal da und habe anderen Anregungen gegeben. Nun stehe ich aber vor einer wichtigen Frage und würde mich sehr freuen, wenn mich hier Meinungen zu dem erreichen, was ich hier nun schreiben werde.

In meiner Kurzvorstellung vor 7 Jahren hatte ich noch geschrieben, dass es jetzt an die RVP geht. Aber einiges ist in den letzten 7 Jahren anders gekommen, als ich mir das so vorgestellt habe... Nicht, dass es mehr schlechte als gute Erlebnisse gab, aber so ganz, wie alles seit dem gekommen ist, hatte ich es mir dann doch nicht gewünscht.

Die Vorgeschichte zum Jahr 2010 ist kurz beschrieben. Bei einer Fahrradtour im Jahre 2006 habe erstmals Kaliningrad kennengelernt. Kurze Zeit darauf, begann eines der wunderschönsten Dinge in meinem Leben. Ich habe im Internet meine jetzige Frau kennengelernt. Bedingt durch meine berufliche Tätigkeit im Vertrieb und der Betreuung von Software konnte ich schon nach kurzer Zeit quasi mein Homeoffice nach Kaliningrad verlegen und bin alle paar Wochen einmal nach Deutschland gefahren. Die jeweils mehrtägige Trennung von meiner Familie, wenn ich dann nach Deutschland musste, war mit das unschönste dieser Zeit. Meiner Frau und auch ihre Tochter aus erster Ehe, die als sie mich kennengelernte erst 5 war, empfanden das genauso. Nach unserer Hochzeit 2010 in Kaliningrad waren wir dann bald zu viert und unsere gemeinsame Tochter wurde geboren.

Die bisherige Zeit hatte ich immer mit Geschäftsvisa in Kaliningrad verbracht. Als dass dann nicht mehr so einfach war, habe ich eine OOO gegründet und mich als Generaldirektor selbst eingeladen. Ein paar kleine Geschäfte in der IT - Beratung waren dann auch immer am Laufen, also keine Briefkastenfirma. Diese Zeit, bald waren es ja schon 5 Jahre, empfinde ich auch jetzt noch als die schönste der letzten 10 Jahre.

Trotzdem haben wir 2012 nach intensiver Überlegung, die Entscheidung getroffen, nach Deutschland zu übersiedeln. Die zwei wesentlichen Gründe waren, nachträglich betrachtet, die ständigen Trennungen durch die D-Dienstreisen zu beenden und unseren Töchtern die besten Entwicklungsmöglichkeiten zu geben. Wie haben der älteren Tochter ein bisschen privaten Deutschunterricht organisiert (sie war inzwischen in der 5. Klasse), unser Nesthäkchen konnte schon gut deutsch und russisch.

Im Frühjahr 2013 ging es dann nach Sachsen, ins Vogtland in der Nähe von Zwickau. Das alles war vor Flüchtlings-, Ukraine- und Krim-Politik.

Nun sind über 4 Jahre hier in Deutschland vergangen. Meine politischen Ansichten werden von Jahr zu Jahr konservativer. Ich sehe, dass wir alle, mich eingeschlossen, hier in Deutschland nicht "mehr" zurechtkommen. Nicht das es uns finanziell schlecht geht oder es in der Familie kriselt, aber.... Ich vermisse Menschen, mit denen man offen und ehrlich reden kann. Trotz das ich in Sachsen und nicht in Frankfurt am Main wohne, kann ich einfach nicht verstehen, was manche Menschen in diesem Land denken und tun. Und ihr könnt Euch vorstellen, dass es meiner Frau da noch viel schlimmer geht. Ich werde das nicht ändern können.

Ich bin jetzt 56, meine Frau 43, die Kinder nun 16 und 7. Ich denke, ich möchte wieder nach Russland. Das Geld für die Familie werde ich wieder wie früher verdienen, vielleicht auch mit einer neuen Geschäftsidee in RUS. Den Kindern, beide können nun sehr gut deutsch und russisch sprechen, die Älterer ist -fast- die Klassenbeste und die Kleine gut in der 2. Klasse möchte ich die Möglichkeit geben, mit einigen weiteren Jahre in Russland später selbst zu entscheiden, welchen Weg sie gehen möchten.

So, nun das Ende der kurzen Geschichte. Ist meine Idee wieder zurück zu gehen gut oder einfach nur doof? Ich grübele nun schon viele Monate und komme nicht weiter. Sicher ist es hier im Vogtland schön, leben in einer Urlaubsgegend, Berge. Aber dass ist nicht alles im Leben. Also ich würde mich über einige Meinungen freuen.

Viele Grüße

Frank



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Re: Zurück nach Russland - oder - was will ich nun eigentlich ?

Beitrag von paramecium » Montag 30. Oktober 2017, 00:39

olexpert hat geschrieben:Liebes Forum,

Nun sind über 4 Jahre hier in Deutschland vergangen. Meine politischen Ansichten werden von Jahr zu Jahr konservativer. Ich sehe, dass wir alle, mich eingeschlossen, hier in Deutschland nicht "mehr" zurechtkommen. Nicht das es uns finanziell schlecht geht oder es in der Familie kriselt, aber.... Ich vermisse Menschen, mit denen man offen und ehrlich reden kann. Trotz das ich in Sachsen und nicht in Frankfurt am Main wohne, kann ich einfach nicht verstehen, was manche Menschen in diesem Land denken und tun. Und ihr könnt Euch vorstellen, dass es meiner Frau da noch viel schlimmer geht. Ich werde das nicht ändern können.
Kann ich nicht richtig nachvollziehen. Du lebst in einem Bundesland in dem die AFD bei der letzten Bundestagswahl stärkste Kraft geworden ist und findest niemanden der deine konservativen Ansichten teilt?
olexpert hat geschrieben:Ich bin jetzt 56, meine Frau 43, die Kinder nun 16 und 7. ... Den Kindern, beide können nun sehr gut deutsch und russisch sprechen, die Älterer ist -fast- die Klassenbeste und die Kleine gut in der 2. Klasse möchte ich die Möglichkeit geben, mit einigen weiteren Jahre in Russland später selbst zu entscheiden, welchen Weg sie gehen möchten.
Die Kinder wären für mich hier das wichtigste Entscheidungskriterium. Bevor deine älteste Tochter ihren Abschluss gemacht hat, würde ich keinesfalls nach Russland zurückziehen. Dass deine Kinder die Entscheidung über ihren Wohnort später selber einmal treffen können, ist möglicherweise nicht so problemlos möglich. Mit einer russischen Ausbildung oder einem Studienabschluss kannst du später in Deutschland in vielen Fällen nichts anfangen. Das erschwert eine Übersiedlung unter Umständen deutlich.

Für mich und meine russische Frau hat sich die Frage nach dem Land in dem wir leben nie gestellt. Die Lebensverhältnisse und Chancen für uns und unsere kleine Tochter in Deutschland sind deutlich besser. Wenn ich mal in deinem Alter jenseits der 50 bin, möchte ich zudem keinesfalls auf das katastrophale russische Gesundheitssystem angewiesen sein. Das haben wir im russischen Teil unserer Familie (tragischerweise im erweiterten Familienkreis auch ein Kleinkind mit eingeschlossen) schon mehrfach leidvoll erfahren müssen.

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Re: Zurück nach Russland - oder - was will ich nun eigentlich ?

Beitrag von olexpert » Montag 30. Oktober 2017, 01:11

paramecium hat geschrieben:
Kann ich nicht richtig nachvollziehen. Du lebst in einem Bundesland in dem die AFD bei der letzten Bundestagswahl stärkste Kraft geworden ist und findest niemanden der deine konservativen Ansichten teilt?
Das habe ich nicht so gemeint. Ich bin da, was das politische Umfeld betrifft, ja hier in Sachsen wirklich "gut" versorgt. Ich meine hier mehr, wo man wie und über was spricht. Wenn ich mal von meinem engsten Freundeskreis absehe, bin ich bei Gesprächen im erweiterten Bekanntenkreis oder auf beruflichen Reisen jeweils nach 5 Minuten mit der Größe des Hauses, der Stärke des Automotors oder der letzten Urlaubsreise in die Karibik konfrontiert. Genau das brauche ich nicht und möchte auch nicht, dass es die Kinder zum wichtigsten im Leben machen.
paramecium hat geschrieben:
Die Kinder wären für mich hier das wichtigste Entscheidungskriterium. Bevor deine älteste Tochter ihren Abschluss gemacht hat, würde ich keinesfalls nach Russland zurückziehen. Dass deine Kinder die Entscheidung über ihren Wohnort später selber einmal treffen können, ist möglicherweise nicht so problemlos möglich. Mit einer russischen Ausbildung oder einem Studienabschluss kannst du später in Deutschland in vielen Fällen nichts anfangen. Das erschwert eine Übersiedlung unter Umständen deutlich.
Der Schulabschluss steht 2019 an, eher will ich auch nicht weg. Die Problematik der Wohnortwahl sehe ich nicht so. An erster Stelle der Bildung steht immer die Sprache, das Problem haben wir geklärt. Klar, wenn eine mal Ärztin in D werden will wird natürlich auch ein Studium in D an erster Stelle stehen.
Frank

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Re: Zurück nach Russland - oder - was will ich nun eigentlich ?

Beitrag von bella_b33 » Montag 30. Oktober 2017, 03:11

olexpert hat geschrieben: So, nun das Ende der kurzen Geschichte. Ist meine Idee wieder zurück zu gehen gut oder einfach nur doof? Ich grübele nun schon viele Monate und komme nicht weiter. Sicher ist es hier im Vogtland schön, leben in einer Urlaubsgegend, Berge. Aber dass ist nicht alles im Leben. Also ich würde mich über einige Meinungen freuen.
Hi Frank,
Wenn ich Deine Gefühle richtig deute, bist Du mit dem Herzen in Russland......und das, da Du ja schon einige Jahre dort verbracht hast, ganz ohne rosa Brille. Wenn es Euch nicht schmerzt und Ihr Euch einig seid, WARUM DENN NICHT? Ich wünsch Euch bei Eurem Weg(egal wohin er Euch führt) alles Gute!

Ich/Wir fühlen uns in Russland auch sehr wohl und nach ein paar Wochen Deutschland bin ich auch immer wieder froh, daß ich wieder zurück bin.
Das mit den Dienstreisen und der Abwesenheit, joa mei....muss halt. Damit bist Du sicher nicht allein, glaub mir(bin gerade 1132km von zuhause entfernt für 2 Wochen). Ich mag meine zwei Leben(der Dienstreise-Arbeits-Silvio und der daheim-Papa-Silvio) schon und will weder das Eine noch das Andere missen ;). Aber ja, der Abschied vom Kind fällt manchmal schon etwas schwer.....aber heutzutage gibt's ja wirklich zahlreiche Möglichkeiten in Kontakt zu bleiben. Ich hab sogar ein Onlinespiel, was ich mit meinem Sohn zusammen zocke :D

Gruß
Silvio
Erst wenn der Subwoofer die Katze inhaliert, fickt der Bass richtig übel!
-Wolfgang Amadeus Mozart, Österreichischer MC (1756-1791)

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Re: Zurück nach Russland - oder - was will ich nun eigentlich ?

Beitrag von m5bere2 » Montag 30. Oktober 2017, 04:38

Also manchmal, wenn ich träume, wir würden in Deutschland wohnen, möchte ich in meinem Traum auch immer wieder zurück nach Russland. ;) Vor allem, wenn im Traum dann der eklige deutsche Winter anfängt.

In Russland lebt und spricht es sich einfach freier. In Deutschland stößt man überall an Grenzen, sowohl räumlich, als auch in der gesellschaftlich akzeptierten Meinung (von wegen Toleranz; und ich bin nicht konservativ), als auch in seinen Möglichkeiten. Obwohl die räumlichen Grenzen in Kaliningrad auch nicht weit sind. ;)

Zu den Zukunfssaussichten der Kinder mit russischem Abschluss: da kommt es immer darauf an, in welche Richtung sie gehen wollen. Wie oben schon jemand sagte: will man in Deutschland Arzt (oder Anwalt) werden, dann sollte man das wohl in Deutschland studieren. Mit einem Abschluss jedoch im MINT-Bereich an beispielsweise der Nowosibirsker Uni kommt man auch in Deutschland gut an, selbst komplett ohne Sprachkenntnisse. Mehrere unserer Bekannten sind die dieses Jahr nach Deutschland und USA, und zwar nicht zum Klo putzen ... bald wohnen wir hier alleine. :shock:

Auch meine Frau hatte nach ihrer Promotion in Mathematik in Tomsk sofort eine Forschungsstelle an der TU Berlin gekriegt gehabt, auch damals komplett ohne Sprachkenntnisse.



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Re: Zurück nach Russland - oder - was will ich nun eigentlich ?

Beitrag von paramecium » Montag 30. Oktober 2017, 11:28

m5bere2 hat geschrieben:Mit einem Abschluss jedoch im MINT-Bereich an beispielsweise der Nowosibirsker Uni kommt man auch in Deutschland gut an, selbst komplett ohne Sprachkenntnisse. Mehrere unserer Bekannten sind die dieses Jahr nach Deutschland und USA, und zwar nicht zum Klo putzen ... bald wohnen wir hier alleine. :shock:

Auch meine Frau hatte nach ihrer Promotion in Mathematik in Tomsk sofort eine Forschungsstelle an der TU Berlin gekriegt gehabt, auch damals komplett ohne Sprachkenntnisse.
So Verallgemeinern kann man das für die MINT-Fächer nicht. Klar Physik, Mathematik, Informatik sind grundsolide Studiengänge, bei denen einem auch mit einem russischen Abschluss die Türen offen stehen. Aber schon bei den angewandteren MINT-Fächern wie Biotechnologie (Frauenanteil ist hier über 50%), Bioverfahrenstechnik oder Chemieingeningenieurswesen kannst du den russischen Abschluss vergessen.

Aber gut, Frank/olexpert hat ja ein späteres Studium für seine Kinder in Deutschland nicht ausgeschlossen. Damit wäre dies wohl kein Problem.

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Re: Zurück nach Russland - oder - was will ich nun eigentlich ?

Beitrag von Wladimir30 » Montag 30. Oktober 2017, 13:14

Hallo olexpert,

sowohl Deine Geschichte als auch Deine Gedanken, die Dich beschäftigen, kann ich sehr gut nachvollziehen.

Du antwortest ja schon selber auf Deine Fragen, und die Anworten, die man sich selber gibt, sind immer die richtigen.

Dass Du Dich in Russland so wohl gefühlt hast, in Deutschland aber nicht, ist schon ein Fakt, den es einfach zu akzeptieren gilt. Die Diskussion, ob nun logisch gesehen Ansprechpartner en masse da sein müssten (AfD und Konsorten) halte ich für ein ziemlich unpassendes Argument.

Wo fühlt sich deine Frau wohler, in DEU oder in RUS?

Wo wollen die Kinder jetzt leben?

Ich finde es sehr gut, dass Du Euren Kindern die Chance geben willst, selber entscheiden zu können, wo sie später ihren Lebensmittelpubnkt haben wollen. Das kann man auch machen, wenn man in RUS wohnt und nach DEU fährt, um Verwandte zu besuchen und, was ich mindestens genauso wichtig erachte, die Kultur und den Alltag kennen zu lernen. Meine Kinder sind beide in RUS geboren und leben auch in RUS. Mindestens einmal pro Jahr sind sie in DEU, wo sie mal im Kindergarten für ein paar Wochen waren, dann einige Monate in der Schule, bei Verwandten und Freunden zu Besuch. Ergebnis: sie fühlen sich in beiden Kulturen heimisch, sprechen akzentfrei beide Sprachen und verhalten sich "anders, wenn sie in dem einen oder dem anderen Land sind. Sie können zu jedem Zeitpunkt selbst entscheiden, wo sie leben wollen.

Wenn man eine Entscheidung getrroffen hat (z.B. ein WE lang in die Pampa zu fahren mit Zelt etc.) und später feststellt, dass man mit dieser Entscheidung nicht glücklich wird (Regen, Mücken, sonstwas), dann fährt man halt einfach wieder zurück.

Was hindert Dich daran, in Deiner Situation genauso zu verfahren?
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Re: Zurück nach Russland - oder - was will ich nun eigentlich ?

Beitrag von inorcist » Montag 30. Oktober 2017, 15:10

Abgesehen vom oben genannten wie Gesundheitssystem, Infrastruktur, das beste für die Kinder, solltet ihr euch auch über ein im Klaren sein. Russland verändert sich in atemberaubender Geschwindigkeit. Eventuell gibt es das Russland, das ihr vermisst und sucht, gar nicht mehr. Du schreibst ja selbst, dass ihr 2013 nach Deutschland gezogen seid und Russland nach Krimannektion, Wirtschaftskrise und Sanktionen nicht so gut kennt.

Wir sind Anfang 2016 aus Moskau nach Luxemburg gezogen und waren im Sommer das erste Mal seitdem wieder in Moskau. Oberflächlich war alles so wie immer. Die Nuancen sind uns dann erst etwas später aufgefallen. Unsere Freunde reisen weniger und gehen maximal nur noch einmal im Monat aus. Für viele war unser Besuch überhaupt die erste Gelegenheit, mal wieder was zu unternehmen. Als ich mich mit meinem ehemaligen Chef getroffen hatte, meinte er, viel zu tun gäbe es im Moment nicht, das Business sei zwar profitabel, zwei Stunden arbeiten pro Tag würde momentan aber ausreichen.

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Re: Zurück nach Russland - oder - was will ich nun eigentlich ?

Beitrag von saransk » Montag 30. Oktober 2017, 15:18

Wladimir30 hat geschrieben:Wo fühlt sich deine Frau wohler, in DEU oder in RUS? Wo wollen die Kinder jetzt leben?
Hallo OLexpert,
dann möchte ich meinen Senf auch dazu geben, da uns diese Frage auch immer umtreibt.
Beides aus dem Zitat von Wladimir bedingt sich gegenseitig. Ich kann dies aus unserer Erfahrung bestätigen. Gerade die Frauen machen, noch mehr als wir Männer, den zukünftigen Aufenthaltsort vom Wohnort der Kinder abhängig. Und dies gilt es wahrscheinlich besonders zu berücksichtigen.
Ich schildere Dir mal unsere Situation, damit Du eventuell einige Schlüsse für Dich daraus ziehen kannst.

Wir leben in Deutschland, haben aber auch eine eigene Wohnung in Saransk. Meine Frau hat in Russland studiert, das Studium wird hier aber nicht anerkannt. Als sie nach D kam war ihre Tochter fünf, genau wie bei Dir. Diese hat in D ihr Abitur gemacht, und anschließend versucht in Russland zu studieren. Da sie dort an der UNI aber nicht wie in D als erwachsener, selbst denkender Mensch behandelt wurde, ist sie nach D zurück gegangen, und macht nun hier eine Ausbildung. Dadurch hat sie für sich die Entscheidung über ihren Lebensmittelpunkt, auch persönlich, getroffen.
Da meine Frau aber nicht nach Russland zurück möchte, wenn ihre Tochter hier lebt, ist dieses Thema eigentlich durch, obwohl sie (meine Frau) zwischenzeitlich in Moskau gearbeitet hat, und dort auch sofort wieder eine Stelle bekäme. Außerdem wird das Heimweh gefühlt jeden Monat größer.
So haben wir einen endgültigen Umzug erst mal auf die lange Bank geschoben. Wir haben jetzt noch zwei Kinder, welche in beiden Kulturen zu Hause sind, und die auch in Saransk und hier in Augsburg den Kindergarten besucht haben. An diesen sollte es also nicht scheitern.
paramecium hat geschrieben:Wenn ich mal in deinem Alter jenseits der 50 bin, möchte ich zudem keinesfalls auf das katastrophale russische Gesundheitssystem angewiesen sein.
Dies ist auch einer der Gründe, welche mir etwas sorgen machen. Ich habe erleben müssen, wie elendig der Stiefvater meiner Frau und auch ein weiterer Verwandter sterben mussten, obwohl man Ihnen in Deutschland noch hätte helfen können.

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Re: Zurück nach Russland - oder - was will ich nun eigentlich ?

Beitrag von m1009 » Montag 30. Oktober 2017, 15:59

In Russland lebt und spricht es sich einfach freier. In Deutschland stößt man überall an Grenzen, sowohl räumlich, als auch in der gesellschaftlich akzeptierten Meinung (von wegen Toleranz; und ich bin nicht konservativ), als auch in seinen Möglichkeiten.
Das fasst auch so ziemlich zusammen, warum unsere Familie in Russland lebt.

Und darueber, wo meine Toechter lernen/studieren/arbeiten/leben werden, mach ich mir Gedanken, wenn es so weit ist. Weil Eins ist sicher. Es kommt IMMER anders, wie geplant....



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