Wie stolz seid ihr auf euch? [zweisprachige Kinder]

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inorcist
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Re: Wie stolz seid ihr auf euch? [zweisprachige Kinder]

Beitrag von inorcist » Montag 25. Dezember 2017, 20:17

Я только понимаю вокзал ???



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bella_b33
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Re: Wie stolz seid ihr auf euch? [zweisprachige Kinder]

Beitrag von bella_b33 » Montag 25. Dezember 2017, 21:56

inorcist hat geschrieben:Я только понимаю вокзал
I only understand Railway-Station :lol:
“Wow, eine superleichte Profi-Angel für 10Euro! Wo ist der Haken?"
"Es gibt keinen Haken..."

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Norbert
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Re: Wie stolz seid ihr auf euch? [zweisprachige Kinder]

Beitrag von Norbert » Dienstag 26. Dezember 2017, 07:27

m5bere2 hat geschrieben:
Es gibt dabei Fehler, die systemimmanent sind und von Muttersprachlern gemacht werden, die Russen untereinander gar nicht bemerken, die aber auffallen, wenn es ein Ausländer sagt: "Много делов" ist hierfür ein gutes Beispiel. "Это ихний дом" ein weiteres.
"Сколько время" oder "до скольки?" sind auch beliebt.
Eine Sprache entwickelt sich. Sicher ist "до скoлькиx?" mit Betunung auf o korrekt, aber wie oft hört man dies im echten Leben? Ganz ehrlich, ich habe nun nachgeschaut, warum Du "до скольки?" als falsch bezeichnest - weil ich bewusst noch nie eine andere Formulierung im Alltag wahrgenommen habe.

So, wie sich im Deutschen eben irgendwann "Kommas" statt "Kommada" als korrekt eingeschliffen hat, wird dies auch hier geschehen. Und das ist auch nicht schlimm.

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Re: Wie stolz seid ihr auf euch? [zweisprachige Kinder]

Beitrag von m5bere2 » Dienstag 26. Dezember 2017, 09:04

Norbert hat geschrieben:Ganz ehrlich, ich habe nun nachgeschaut, warum Du "до скольки?" als falsch bezeichnest - weil ich bewusst noch nie eine andere Formulierung im Alltag wahrgenommen habe.
Das Interessante an "до скольки" ist: woher kommt denn bitte "скольки"? Diese Form des Wortes "сколько" gibt es in überhaupt keinem anderen Kontext und es passt auch überhaupt nicht zur Deklination anderer Wörter.
So, wie sich im Deutschen eben irgendwann "Kommas" statt "Kommada" als korrekt eingeschliffen hat, wird dies auch hier geschehen.
Bei "Kommas" ist wenigstens klar, woher das kommt, es gibt schließlich hunderte Analogien, wo der Plural so gebildet wird. Dass "Kommas" sich dementsprechend auch einschleift, ist daher nicht überraschend. Für "до скольки" allerdings gibt es überhaupt keine Analogien in der Sprache, das ist irgendeine komplett neue Wortform, die nirgends sonst auftaucht.

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Re: Wie stolz seid ihr auf euch? [zweisprachige Kinder]

Beitrag von Norbert » Dienstag 26. Dezember 2017, 10:17

Ich würde gern ab und zu sagen, dass mein Kopf gerade wie ein Sieb ist: Моя голова как дуршлаг. Würde vermutlich keiner verstehen.

Lustigerweise habe ich letztens in einem deutschen Text (SPON, meine ich) gelesen, eine Person hätte "Kakerlaken im Kopf". Diese Formulierung kannte ich ausschließlich im Russischen, "тараканы в голове". Kann man das wirklich auf Deutsch sagen?



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Re: Wie stolz seid ihr auf euch? [zweisprachige Kinder]

Beitrag von m5bere2 » Dienstag 26. Dezember 2017, 10:22

Ist mir im Deutschen noch nicht begegnet.

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Re: Wie stolz seid ihr auf euch? [zweisprachige Kinder]

Beitrag von Wladimir30 » Dienstag 26. Dezember 2017, 13:07

"Kommas" statt "Kommada"
Es heißt, glaub ich, Kommata. Dafür gibt es viele Beispiele. "Kaktüsse" statt "Kakteen", "Atlasse" statt "Atlanten" usw. Diese Formen stammen in der Regel von Wörtern, die aus einer Fremdsprache ins Deutsche gekommen sind und deren Flexion im Laufe der Zeit eingedeutscht werden. Das ist ein normaler Vorgang in jeder Sprache, ein normaler Sprachwandel. Jede Sprache strebt nach Vereinfachungen, und das geht am einfachsten entweder dadurch, dass Ausnahmen durch Analogiebildungen eingeebnet werden ("Kommas"), oder dass (meist lautlich) unbequeme Formen abgeschliffen werden (aus "Zimber" wurde "Zimmer"). Ist ja im Russischen auch so: Man muss sich ja nur mal Altrussisch (NICHT zu verwechseln mit (Alt-) Kirchenslawisch, also der Sprache, die man in Kirchentexten heute noch findet!) im Vergleich zum heutigen Russischen anschauen, wie auch Althochdeutsch mit dem heutigen.
"Kakerlaken im Kopf"
Ich vermute Parallelbildung zu "Flausen im Kopf".
"до скольки"

Wohl ein Regionalismus. Hier sagt man nur "до скольких", mit Betonung auf dem "и".
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Wie stolz seid ihr auf euch? [zweisprachige Kinder]

Beitrag von Tonicek » Dienstag 26. Dezember 2017, 15:14

Also zu "stolz auf Kinder" kann ich nichts sagen, ich habe keine, und wenn ich welche habe, dann kenne ich sie nicht . . .

Der gravierendste fremdsprachige Fehler passierte mir, als ich auf einem südafrik. Schiff zwangsläufig englisch lernen mußte.
Eine ältere Dame [wir hatten nur alte Passagiere - Tagespreis 500 $ / Person] fragte mich:

"Is the curry very hot?"
Ich sagte: "No, may be not so hot. But when it's to hot, you can wait little bit, this will be cold alone."

Mein Fehler bestand darin, daß ich HOT nur mit heiß übersetzte - sie meinte aber scharf / würzig, war schon peinlich.

Im Gespräch mit einem alten Mylord machte ich einen Scherz. Darauf die Frage des Mylord: "Toni, are you pulling my leg?"
Ich antwortete: "Excuse me, Sir, how I can pull your leg? Your legs are under the table!"

Was ich nicht wußte: "to pull somebodys leg" bedeutet: "Mit jemendem einen Spaß machen" - auf gut deutsch: Willst Du mich verscheißern?

Werde ich nie vergessen diese Dinge, aber auch nicht, als ich zum Obersteward in's Büro gerufen wurde u. er mir fauchend in's Gesicht zischte:

"Toni, if you don't improfe your English - you get a suck in the next port and a ticket to fly home . . .!!!"

Das hat gesessen, mir wurde ganz anders . . .

Lustig für amerik. Passagiere war auch immer mein Namensschild mit TONI - das ist im Amerikanischen eine Frau, mit Y wie TONY ist dann der Mann, abgeleitet von Anthony . . . Kann man ja als Deutscher nicht so ohne weiteres wissen.
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Re: Wie stolz seid ihr auf euch? [zweisprachige Kinder]

Beitrag von Ramenia » Dienstag 26. Dezember 2017, 16:47

Moin

@Tonicek , damals vielleicht nicht so Lustig in der Situation , wenn der Job dran haengt , aber hoerte sich doch ziemlich lustig an )))) Konnte der Mylord keinen Spass verstehen , hat er dich angeschissen ?

Ich nach mittlerweile 12 Jahren Russland hab's aufgegeben "perfekt" russisch zu lernen zu reden , ich bekomms nicht mehr rein.Liegt eben an der eigenen Faulheit und eben auch Unvermoegen eine Sprache lernen zu koennen.
Und in unserem kleinen Laden hier in Khimki ist es mittlerweile so eine Art Markenzeichen wenn ich so meine Phrasen und Parolen zum bestem gebe ))))
Das kommt bei vielen gut an , waehre aber auf hoeherer Managerebene total unangebracht. Ich war jetzt kein Supermanager aber wir hatten in den ersten Jahren die Moeglichkeit auf Dolmetscher zurueckzugreifen. Da wurde man schon sehr bequem , und es gab eben keinen wirklichen Grund die Sprache zu lernen. Es war ja auch nicht abzusehen wie lange man denn nun in RU bleiben wuerde , als ehemaliger Expat rechnete man in 2-3 Jahres Rhytmen. Das faellt mir nun auf den Fuss , meine eigene Bequemlichkeit und Faulheit.

Und deswegen finde ich es wie ein Geschenk fuer die Kinder wenn sie das so nebenbei mitbekommen , weil sie eben 2 sprachig aufwachsen und in der Schule eventuell noch eine 3. bzw 4. dazukommt. Schaun wir mal )))
--
Sylvio
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Wie stolz seid ihr auf euch? [zweisprachige Kinder]

Beitrag von Tonicek » Dienstag 26. Dezember 2017, 17:13

Ja, klingt alles sehr logisch. Mir sind Sprachen immer zugeflogen, hab' halt ein Talent dafür, dafür bekomme ich keinen Nagel gerade in die Wand, technisch bin ich ein Vollidiot.
Jetzt bin ich zu alt zum Lernen, das tschechische, was ich jetzt "lerne", leite ich vom Russischen + Polnischen ab, ist etwas ähnlich. Aber in den 27 Tg. RUS jetzt hab' ich gestaunt, was ich alles noch kann, auch die Grammatik mit den 6 Fällen vom Nominativ bis zum Präpositiv beherrsche ich, auch die Konjugation.
Und zum Polizisten kann ich immer noch: Ty swinasobaka sagen, klappt auch.

Was ist denn das für ein Laden in Khimki - obl. Mockba? Bist Du da Inhaber oder Manager?
Kleinere Städte interessieren mich, große machen mich noch nervöser, als ich so schon bin. Naja, lese gerade 220.000 Einw., nicht gerade wenig, dicht am Flughafen.

Die alten "Ladies & Mylords" auf dem Schiff waren eigentlich o.k., die wußten gar nicht, wieviel Geld sie haben, teils sehr anspruchslos, aber eben ihre Macken, wie das so ist - u. die ganze Reise dienern, mußte sein, am Ende gab's das Trinkgeld, was extrem wichtig war.
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