Wie stolz seid ihr auf euch? [zweisprachige Kinder]

Hier findest Du Insiderinformationen zum mittel- oder langfristigen Aufenthalt in Russland die Dir helfen das Leben in Russland zu meistern. Du lebst (noch) nicht in Russland? Dann könnte dieses Unterforum für Dich besonders interessant sein, damit Du von unseren Erfahrungen profitierst. Expats are welcome!
Benutzeravatar
m5bere2
Zar/iza
Zar/iza
Beiträge: 1977
Registriert: Freitag 14. September 2012, 19:22
Wohnort: Nowosibirsk

Re: Wie stolz seid ihr auf euch? [zweisprachige Kinder]

Beitrag von m5bere2 » Mittwoch 24. Januar 2018, 08:37

Vor allem ganz witzig: sind wir auf der unteren Etage, wo Oma und Opa sind, da redet sie Deutsch. Sobald sie mit uns allein auf der oberen Etage ist, redet sie plötzlich wieder russisch. :lol:

Aber vermischt nix.



Benutzeravatar
fugen
Zar/iza
Zar/iza
Beiträge: 1311
Registriert: Samstag 4. Januar 2014, 13:45

Re: Wie stolz seid ihr auf euch? [zweisprachige Kinder]

Beitrag von fugen » Donnerstag 25. Januar 2018, 02:47

m5bere2 hat geschrieben:
jackie_rs hat geschrieben:Mir haben eigentlich alle Russen, die auch mal in Deutschland gelebt haben, gesagt es gäbe keine Dialekte in Russland
Das liegt daran, dass die meisten Russen, die mal in Deutschland gelebt und die Welt bereist haben, innerhalb Russland kaum aus ihrer Stadt rausgekommen sind. ;)
Wenn sie den überhaupt in Russland gewohnt haben ;-)

Benutzeravatar
jackie_rs
Insider/in
Insider/in
Beiträge: 115
Registriert: Dienstag 17. Januar 2017, 02:04
Wohnort: Moskau

Re: Wie stolz seid ihr auf euch? [zweisprachige Kinder]

Beitrag von jackie_rs » Donnerstag 25. Januar 2018, 23:05

fugen hat geschrieben:
m5bere2 hat geschrieben:
jackie_rs hat geschrieben:Mir haben eigentlich alle Russen, die auch mal in Deutschland gelebt haben, gesagt es gäbe keine Dialekte in Russland
Das liegt daran, dass die meisten Russen, die mal in Deutschland gelebt und die Welt bereist haben, innerhalb Russland kaum aus ihrer Stadt rausgekommen sind. ;)
Wenn sie den überhaupt in Russland gewohnt haben ;-)
Das ist dann das nächste. Bei mir in der Schule gab es einige Spätaussiedler bzw. Spätaussiedler-Kinder. Ich hatte natürlich keine Ahnung wie gut oder schlecht die Russisch sprechen, ich wusste nur dass sie es manchmal tun. Bis mir dann einer der erst vor 3-4 Jahren nach D gekommen war mir mal gesteckt hat, dass er es peinlich findet wie die anderen Russisch reden.
Zumal einige von ihnen sich gern als Russen betitelten obwohl ihre Eltern in Kasachstan gelebt hatten und von Deutschen abstammten - sie alle hatten typisch russische Vornamen aber deutsche Nachnamen.

Manchmal denke ich mir, es wäre interessant einigen von ihnen wiederzubegegnen. Nicht ausgeschlossen dass ich in gewisser Weise besser Russische spreche und Russland kenne als sie selber :D
дом там, где сердце

Benutzeravatar
GIN
Zar/iza
Zar/iza
Beiträge: 1963
Registriert: Dienstag 3. März 2009, 05:00
Wohnort: Schweiz

Re: Wie stolz seid ihr auf euch? [zweisprachige Kinder]

Beitrag von GIN » Freitag 26. Januar 2018, 03:48

jackie_rs hat geschrieben:Das ist dann das nächste. Bei mir in der Schule gab es einige Spätaussiedler bzw. Spätaussiedler-Kinder. Ich hatte natürlich keine Ahnung wie gut oder schlecht die Russisch sprechen, ich wusste nur dass sie es manchmal tun. Bis mir dann einer der erst vor 3-4 Jahren nach D gekommen war mir mal gesteckt hat, dass er es peinlich findet wie die anderen Russisch reden.
Zumal einige von ihnen sich gern als Russen betitelten obwohl ihre Eltern in Kasachstan gelebt hatten und von Deutschen abstammten - sie alle hatten typisch russische Vornamen aber deutsche Nachnamen.

Manchmal denke ich mir, es wäre interessant einigen von ihnen wiederzubegegnen. Nicht ausgeschlossen dass ich in gewisser Weise besser Russische spreche und Russland kenne als sie selber :D
Ich denke Du versteht den Begriff Russe völlig falsch. Diese Russlanddeutsche wie Du sie beschreibt fühlen sich oft so.... https://ru.wikipedia.org/wiki/Россияне
Das hat mit dem Russisch, wie viele Russen es verstehen, nichts zu tun.

Benutzeravatar
m5bere2
Zar/iza
Zar/iza
Beiträge: 1977
Registriert: Freitag 14. September 2012, 19:22
Wohnort: Nowosibirsk

Re: Wie stolz seid ihr auf euch? [zweisprachige Kinder]

Beitrag von m5bere2 » Freitag 26. Januar 2018, 06:51

Die Russlanddeutschen, die in Deutschland Russen genannt werden, werden in Russland Deutsche genannt. ;)
Zuletzt geändert von m5bere2 am Freitag 26. Januar 2018, 08:43, insgesamt 1-mal geändert.



Benutzeravatar
Norbert
Vize Admin
Vize Admin
Beiträge: 11343
Registriert: Freitag 30. Juni 2006, 11:25
Wohnort: Nowosibirsk, Dresden
Kontaktdaten:

Re: Wie stolz seid ihr auf euch? [zweisprachige Kinder]

Beitrag von Norbert » Freitag 26. Januar 2018, 08:27

GIN hat geschrieben:Ich denke Du versteht den Begriff Russe völlig falsch. Diese Russlanddeutsche wie Du sie beschreibt fühlen sich oft so.... https://ru.wikipedia.org/wiki/Россияне.
Aber sie sagen doch von sich, я русский немец und nicht я российский немец. Und Россияне kommt ja von Россия, zu denen sie als Bewohner der Kasachischen SSR auch kaum gehört haben. Höchstens als Ahnen jener Russlanddeutschen, die einst ins russische Zarenreich ausgewandert waren, aber die nennt man nicht Россияне.

Benutzeravatar
Wladimir30
Globaler Moderator
Globaler Moderator
Beiträge: 3685
Registriert: Dienstag 7. Oktober 2014, 11:14
Wohnort: Celle / Wladimir

Re: Wie stolz seid ihr auf euch? [zweisprachige Kinder]

Beitrag von Wladimir30 » Freitag 26. Januar 2018, 11:27

m5bere2 hat geschrieben:Die Russlanddeutschen, die in Deutschland Russen genannt werden, werden in Russland Deutsche genannt. ;)
Dann haben sie noch Glück gehabt.
«Поздравляю всех с Новым годом, желаю, чтобы вы не знали горя, удачи, любви, счастья и особенно здоровья». Виталий Кличко.

Benutzeravatar
Saboteur
Moderator
Moderator
Beiträge: 3065
Registriert: Montag 24. Juli 2006, 23:02
Wohnort: Berlin
Kontaktdaten:

Re: Wie stolz seid ihr auf euch? [zweisprachige Kinder]

Beitrag von Saboteur » Freitag 26. Januar 2018, 11:50

jackie_rs hat geschrieben: Zumal einige von ihnen sich gern als Russen betitelten obwohl ihre Eltern in Kasachstan gelebt hatten und von Deutschen abstammten - sie alle hatten typisch russische Vornamen aber deutsche Nachnamen.
Ich hatte vor 10-15 Jahren beruflich viel mit diesen jungen Leuten hier in Ostberlin zu tun. Oft wares es Jugendliche (die ich innerlich als total zerissen erlebt habe) mit hörbarem Akzent die in einem bestimmten Alter (meist ab Grundschule) mit den Eltern nach Deutschland gekommen sind und das in der Regel nicht freiwillig oder gerne. Sie trafen auf ein fremdes Land mit fremder Sprache, Kultur, Mentaliutät und so weiter. Absurderweise wurden ja auch teilweise Namen der Kinder eingedeutscht. Das alles unfreiwillig. Nicht so gute Vorraussetzungen. Sie haben sich als Russen bezeichnet. Meiner Meinung nach ein Resultat aus Ausgrenzung (beispielsweise hatten Sie bei der Jobsuche (nicht mal für Helferjobs) oft keine Chance) aber auch bewusste Abgrenzung gegenüber Deutschland und Identifikationsmöglichkeit in der eigenen Bezugsgruppe. Immerhin waren das ja sehr sehr viele Jugendliche/junge Erwachsene mit ähnlichen Erfahrungen die sich dann auch online vernetzt haben und sich durch ihre Sprache, Biografie, Werte, Erfahrungen, Dresscode, Musik verbunden fühlen. Der Begriff Russe war natürlich nicht groß inhaltlich/akademisch unterfüttert - man ist es oder nicht - die Sprache war das Eintrittstor. Ein Jugendlicher hat das mal eindrücklich beschrieben indem er sagte: "Hier bin ich nicht richtig angekommen. Komisches Land mit komischen Leuten. Aber zurückgehen ist auch nicht möglich. In unserem Dorf ist niemand mehr. Sie sind alle in Deutschland verstreut."

Natürlich wurde Russland auch verklärt. Ein richtiges Zauber- und Schlaraffenland wurde da beschrieben. Aber gut, das kann man dann eher als Sehnsuchtsort einordenen, den man sich natürlich schön ausmalt. Ist ja ein bekanntes menschliches Phänomen und durchaus nachvollziehbar. Der Einfluss kam dabei eher nicht durch die Eltern. Er war es der Glaube an etwas der sich dann gegenseitig bestätigt wurde.
помню айнц цвай полицай. все там с ума сходили. Под самогон...

Benutzeravatar
Axel
Berater/in
Berater/in
Beiträge: 97
Registriert: Donnerstag 3. August 2017, 20:14

Re: Wie stolz seid ihr auf euch? [zweisprachige Kinder]

Beitrag von Axel » Samstag 27. Januar 2018, 05:35

jackie_rs hat geschrieben:

Manchmal denke ich mir, es wäre interessant einigen von ihnen wiederzubegegnen. Nicht ausgeschlossen dass ich in gewisser Weise besser Russische spreche und Russland kenne als sie selber :D
Glückwunsch, du vergleichst Deutsche, die schon mindestens zwei Jahrzehnte hier leben, immer seltener russisch benutzen und alltäglich die deutsche Sprache sprechen mit Dir, die mit einem Russen verheiratet ist 24/7 die russische Sprache hört und wahrscheinlich in Russland lebt/oft in Russland ist. Mehr als albern. Denn auch wenn es einige nicht verstehen wollen, nirgends steht in Stein gemeißelt, dass Russlanddeutsche perfekt Russisch sprechen, geschweige denn ÜBERHAUPT russisch sprechen müssen, nur weil sie mal unter Zwang zwei Jahrhunderte lang einen sibirischen Husky in der Familie hatten. Ich kenne auch viele, die kein russisch mehr sprechen, meine Nachbarin ist Russlanddeutsche und versteht auch kein Russisch, ich bin Russlanddeutscher und spreche es noch, aber es ist nur ein Privileg, mehr nicht. Dass man sich damals als ``Russe´´ gefühlt hat ist ja wohl normal, man ist mit der russischen Kultur und Sprache aufgewachsen und in der Klasse wurde man auch als ``Russe´´ ausgegrenzt, aber als Erwachsener ist sowas Schnee von gestern und kein einziger, der Axel oder Harry heißt wird sich als Russe noch fühlen.
Zuletzt geändert von Axel am Mittwoch 9. Mai 2018, 22:47, insgesamt 1-mal geändert.

Benutzeravatar
saransk
Zar/iza
Zar/iza
Beiträge: 445
Registriert: Sonntag 13. November 2011, 01:25
Wohnort: Augsburg / Saransk

Re: Wie stolz seid ihr auf euch? [zweisprachige Kinder]

Beitrag von saransk » Samstag 27. Januar 2018, 13:18

Axel hat geschrieben: und kein einziger, der Axel oder Harry heißt wird sich als Russe noch fühlen.
Es sind halt eben immer wenige, auch unter den Rußlanddeutschen, die das Klischee auch heute noch bedienen (Russland-Schal im Heckfenster, Jogginghose und Lederjacke etc.) und damit eine ganze gesellschaftliche Gruppe in Verruf bringen. Ist wie bei den Türken.



Antworten

Zurück zu „#Expat | Leben und Arbeiten in RU und DE“