Adoption Russland

Für alle die nicht in Russland leben. Hier können Susi und Klaus über die weißen Nächte in Petersburg sinnen, die russische Seele aus der Ferne transzendieren oder die nächste Russendisko in Sindelfingen planen.

Moderator: Dietrich

pippie

Re: Adoption Russland

Beitrag von pippie » Sonntag 17. Juni 2012, 16:30

Saboteur hat geschrieben: Ich stelle mir an dieser Stelle die Frage wir man ernsthaft in Erwägung ziehen kann ein 15 jähriges Kind zu adoptieren, welches dann in ein fremdes Land, in eine fremde Kultur gebracht werden soll - das ganze ohne Sprachkenntnisse. (da gibt es schon genug Beispiele wo das gründlich schief gegangen ist). Ich stelle mir die Frage ob die Kinder nicht schon genug durchmachen mussten...
Wie wollt ihr denn Eltern sein bzw. die Bedürfnisse des Kindes erkennen wenn ihr nicht miteinander reden könnt? Was mich noch viel mehr erstaunt ist die Tatsache, dass die russische Seite diese Idee unterstützt.Ich finde das in höchstem Maße fragwürdig hoffe aber, dass ich mich irre und ich hoffe für die Kinder das Beste!
Die selben Gedanken hatte ich auch schon. Mit 15 ist man so ziemlich drin in der Pubertät und wenn man da keinen hat, mit dem man seine "normalen" Probleme teilen kann, geschweige denn so eine Umstellung - das kann schon bei gesunden Jugendlichen sehr schief gehen. Und mal ehrlich, auch wenn ihr die Sprache relativ gut könntet, Jugendliche in dem Alter wenden sich mit Problemen eher an vertraute Freunde und nicht an "neue Eltern". Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht - eher selten.
Dass die russische Seite das unterstützt, hängt wohl damit zusammen, dass man "Probleme" loswerden will.



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MarcelBremen
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Re: Adoption Russland

Beitrag von MarcelBremen » Donnerstag 16. August 2012, 17:14

hallo, vielleicht ist dies kein wirklich alt zu konstruktiver Beitrag, aber ich möchte meinen tiefen Respekt zum Ausdruck bringen. Das alles ist nicht leicht, aber engergiert wie du bist. Alle Achtung.

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Dietrich
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Re: Adoption Russland

Beitrag von Dietrich » Donnerstag 16. August 2012, 17:49

Zu dem Thema ist mir ein Abschnitt aus einem Bericht über "Bereitschaftspflege" von Spiegel Online im Gedächtnis geblieben:
Das ist erstaunlich, denn vor ihrer Zeit als Bereitschaftspflegefamilie waren Meiers gescheitert - an einem Pflegekind, das dauerhaft bei ihnen bleiben sollte. Der Junge, Sohn einer drogenabhängigen und psychisch kranken Mutter, war von 2001 bis 2004 in der Familie. Er riss Tapeten ab, zerstörte Möbel, schmierte Kot an die Wände und aß ihn. Gemeinsame Ausflüge wurden unmöglich, ein Erwachsener musste sich exklusiv um ihn kümmern.
"Unsere Familie war am Limit", sagt Silke Meier. "Wir mussten entscheiden: Das Dauerpflegekind oder wir." Rückblickend sagen Meiers, sie seien naiv gewesen. Es stimme eben nicht, dass ein Kind nur in eine liebevolle Familie, ein stabiles Umfeld kommen müsse, und alles werde gut.
Der ganze Artikel: http://www.spiegel.de/panorama/gesellsc ... 46357.html

Ich hoffe für euch, dass ihr da mehr Erfolg/Glück habt und das Kind eure Fürsorge und Liebe "akzeptiert"....
"Each one hopes that if he feeds the crocodile enough, the crocodile will eat him last."
W. Churchill (1940)

Monika
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Re: Adoption Russland

Beitrag von Monika » Montag 22. Oktober 2012, 17:24

Liebe Susanne,
schade, dass ich Deinen Beitrag erst heute entdeckt habe. Gerne hätte ich Dich dann schon früher zu Eurer Entscheidung beglückwünscht und Dir Mut zugesprochen.
Wahrscheinlich sind die Kinder jetzt schon da, und Du wirst alle Hände voll zu tun und viel um die Ohren haben. Vielleicht findet sich aber doch noch ein bisschen Zeit zum Lesen.
Vor fast 7 bzw. vor 3 einhalb Jahren sind wird diesen Weg ebenfalls gegangen, um damals im "hohen" Alter über 50 doch noch eine Familie zu gründen. Um es kurz zu sagen: wir haben es nie bereut! Es ist die spannendste Zeit unseres Lebens!
Natürlich war und ist diese Zeit auch mit viel Aufregung verbunden.
Unsere Kinder waren zum Adoptionszeitpunkt 5, 8 einhalb und 13 einhalb Jahre alt. Jetzt sind sie fast 12, 15 und fast 17. Und es sind wunderbare Kinder!!!
Besonders wird Euch sicher interessieren, wie es mit unserem Ältersten läuft, der unser jüngst adoptiertes Kind ist. Er ist jetzt 3 einhalb Jahre bei uns. Er spricht gut Deutsch, mit russischem Akzent und der russischen Spracheigenschaft, keine Artikel zu verwenden ;-). Die jüngeren sprechen akzentfrei und haben leider die russische Sprache auch vergessen. Wir haben es leider nicht geschafft, sie zweisprachig aufzuziehen, auch weil wir Eltern selbst kein Russisch sprechen.
Schule ist sicherlich das Thema, das im normalen Familienleben einen sehr breiten Raum einnimmt und nicht immer zu den angenehmsten Themen gehört.
Unser Großer hat in der Schule zunächst für ein halbes Jahr eine "Intensivklasse Deutsch" besucht. Unser Bundesland ist Hessen, das ist die Intensivklasse Deutsch vorgeschrieben. Da er in Russland (Schwarzmeer-Region) bis zu seiner Adoption wenig Englischunterricht hatte, haben wir für ihn beim Staatlichen Schulamt den "Wechsel der Sprachenfolge" beantragt. Das wurde uns auch gestattet. So hatte unser Großer Russisch statt Englischunterricht. Wir waren der Auffassung, dass er eine eine neue Familie kennenlernen muss, ein neues Umfeld, die Deutsche Sprache, da wollten wir es ihm ersparen, auch noch Englisch aufholen zu müssen. Er verließ Russland mit Ende des 5. Schuljahres, wurde aufgrund seines Alters nach der Intensivklasse Deutsch dann in die 7. Klasse eingeschult, hat also gegenüber Russland eineinhalb Schuljahre übersprungen.
Er ging auf die Hauptschule und konnte dem Unterricht recht gut folgen. Seinen Russischunterricht hat er auf dem Gymnasium erhalten. Lass Dich nicht abschrecken, wenn Euch der Hauptschulbesuch nahegelegt wird. Für uns war es in Ordnung. Angesichts von G8 ist der Einstieg auf ein Gymnasium nur zu vertreten, wenn das Kind eine ausgesprochene Sprachbegabung hat und nach der Intensivklasse die deutsche Sprache beherrscht.
Unser Sohn hat mittlerweile die Schule abgeschlossen und macht seit August eine Ausbildung zum Tischler. Sein Lehrherr war sehr berührt von unserer Familiengeschichte und ist der Auffassung, dass man solchen jungen Menschen eine Chance geben muss. Unser Sohn ist allerdings auch sehr motiviert und hat große Freude an seinem Beruf.
In unserem Umfeld haben wir viel Wohlwollen für unsere Kinder erlebt.
In den ersten beiden Jahren sind wir jedes Jahr nach Russland geflogen, damit unser Sohn sein Heimweh stillen konnte. Er hat dann einige Tage bei seiner Erzieherin gelebt und frühere Kameraden getroffen. Dieses Jahr wollte er nicht mehr so dringend nach Russland reisen. Es war ihm wichtiger, die Sommerferien vor Beginn der Berufsausbildung zu Hause zu verbringen und beliebig lang zu schlafen. Mit Heimweh und jährlichen Russlandreisen solltet Ihr in den ersten Jahren aber vielleicht rechnen.
Wir haben uns sehr gefreut, wie selbstbewußt unser Sohn bei Gericht zum Adoptionstermin aufgetreten ist. Denn er wurde gefragt, ob er adoptiert werden möchte. Zu schade, dass wir seine Aussage nicht verstanden haben. Aber ihr könnt Euch freuen, dass Eure Tochter sich für die Adoption entschieden hat. Kinder in diesem Alter sind sich nicht nur bewußt, dass sie etwas gewinnen werden, sondern durchaus auch, dass sie viel aufgeben.
Vielleicht magst Du auch diese Beiträge lesen - es ist unsere Adoptionsgeschichte; Namen geändert
http://www.moses-online.de/artikel/mich ... nsversuchs
http://www.moses-online.de/artikel/erfa ... nnenlernen
http://www.moses-online.de/artikel/erfa ... -wartezeit
http://www.moses-online.de/artikel/erfa ... ls-familie
http://www.moses-online.de/artikel/erfa ... stprogramm

Ich hoffe, wir erfahren bald Weiteres von Euch und Eurem großen Familienabenteuer
Herzliche Grüße
Monika

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Re: Adoption Russland

Beitrag von Dietrich » Montag 22. Oktober 2012, 18:24

Hallo Monika,

danke für deine Geschichte.
Es ist schön zu lesen, dass es trotz vieler Probleme auch viele viele (so hoffe ich doch) Fälle gibt, in denen die Freude diese Probleme überstrahlt.

Ich wünsche Euch noch viele schöne Erfahrungen mit eurer tollen Familie!

Dietrich.
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W. Churchill (1940)



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Re: Adoption Russland

Beitrag von Sibirier » Montag 22. Oktober 2012, 19:17

Hallo Monika,

Wie habt Ihr denn es geschafft, den aeltesten Jungen nach Hause zu bekommen?

Kennt Ihr Euch eigentlich? Dietrich und Du?
Ha, Waschmaschine verarscht. Socken einzeln gewaschen....

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Re: Adoption Russland

Beitrag von Monika » Montag 22. Oktober 2012, 21:42

Hallo Sibierer,

nein, Dietrich und ich kennen uns nicht, obwohl wir beide Wiesbadener sind.

Gerade habe ich auch eine Antwort geschrieben, wie die Adoption unseres Großen doch noch zustande kam, aber - beim Absenden war der gesamte Text weg! Musste mich wieder anmelden. Schade, ich hatte den Text sonst nirgends gespeichert.
dann muss ich wohl bei anderer Gelegenheit alles nochmal schreiben, oder kann ich den Textirgendwie wiederherstellen?
Viele Grüße
Monika

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Re: Adoption Russland

Beitrag von Admix » Montag 22. Oktober 2012, 22:37

Monika hat geschrieben: oder kann ich den Textirgendwie wiederherstellen?
Viele Grüße
Monika
Normalerweise nein. Allerdings kann man durch den Zurück-Button im Browser manchmal die Seite (aus dem Chache) nochmal aufrufen. Und dann ist der Text mit etwas Glück noch vorhanden.

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Re: Adoption Russland

Beitrag von Monika » Mittwoch 24. Oktober 2012, 20:43

Hallo Sibierer,
nun will ich Deine Frage im 2. Anlauf beantworten:
es ist eine lange Geschichte, bis wir es doch noch geschafft haben, unseren Ältesten zu adoptieren und ich will versuchen, sie „kurz“ zusammenzufassen.
Im Grunde war es so, dass wir hartnäckig waren und die Zeit für uns gearbeitet hat.
Aber der Reihe nach:

Unser örtliches Jugendamt lehnte unseren Adoptionswunsch ab. Ablehnung heißt hierbei, dass uns die Erstellung eines befürwortenden Sozialberichts verweigert wurde. Der Sozialbericht ist bei einer Adoption das wichtigste Dokument, ohne ihn braucht man die weiter erforderlichen Dokumente gar nicht erst zu beschaffen.
Unsere Auslandsadoptionsvermittlungsstelle wiederum wollte uns nur im Einvernehmen mit dem Jugendamt unterstützen – und dieses Einvernehmen war nicht zu erzielen.

Über ein Jahr kämpften wir, besuchten immer wieder das Jugendamt, holten z. B. bei einer Gerichtspsychologin ein Gutachten über unsere Familiensituation ein, wandten uns an Adoptionsexperten, gewannen bekannte Unterstützer für unser Vorhaben, schalteten den Oberbürgermeister ein, sprachen beim Landesjugendamt vor, beim Sozialministerium unseres Bundeslandes, bei der Bundeszentralstelle für Auslandsadoptionen usw.
Nach einem Jahr gaben wir es auf, das Jugendamt doch noch für die Adoption gewinnen zu wollen. Unsere Lage war aussichtslos.

Parallel dazu versuchten wir, Kontakt zu unserem Jungen, dem Bruder unserer beiden Kinder, zu bekommen. Unterstützung von offizieller Seite, also von der Adoptionsvermittlungsstelle, dem städtischen Jugendamt oder dem Landesjugendamt erhielten wir nicht.
Es war rührend und auch abenteuerlich, welche Hilfestellung wir von privater Seite bekamen und wie der Kontakt dann doch zustande kam:
Gute Freunde vom Verein der Deutschen aus Russland schrieben einen russischen Fernsehsender an, der in einer Sendereihe Menschen zusammenführt, die vom Schicksal getrennt wurden und einander suchen.
Unsere liebe Freundin, die in den ersten Monaten für unsere Kinder übersetzte und ihnen beim Einstieg in die Schule half, suchte mit den wenigen Anhaltspunkten, die wir aus den Adoptionsunterlagen hatten, im Internet nach Kinderheimen in dieser Region und telefonierte sie alle ab. Und tatsächlich fand sie ein Heim, in dem unser Großer einige Zeit untergebracht war. Zum Glück waren ihre Gesprächspartner offen für unsere Familiengeschichte. Über diesen Weg erhielt sie Kontakt zu dem Internat, in dem er sich danach befand. Sie sprach sogar mit seiner Sozialpädagogin. Nun hatten wir seine Adresse und konnten ihm Briefe schreiben und Fotos seiner Geschwister schicken. Unsere Freundin erkundigte sich auch von Zeit zu Zeit immer wieder telefonisch nach seinem Wohlergehen.
Leider verbot uns dann der Direktor des Heims diesen inoffiziellen Kontakt. Vielleicht aus Sorge, dass wir Hoffnungen und Erwartungen erwecken würden, die wir nicht erfüllen konnten.
Die Stadt, in der sich die russische Jugendbehörde befindet, hat eine Partnerstadt in Deutschland. Wir baten den Bürgermeister der deutschen Partnerstadt um Unterstützung, eine offizielle Besuchserlaubnis zu erhalten. Es klappte – fast zwei Jahre nach Adoption unserer beiden Kinder reiste die Familie wieder nach Russland, diesmal um dem großen Bruder zu besuchen.
Die Begegnung der Kinder war für uns Eltern sehr bewegend. Die Kinder gingen mit größter Selbstverständlichkeit miteinander um und waren einander in keiner Weise fremd – obwohl die beiden Jüngeren mittlerweile kein Russisch mehr sprachen. Sie erweckten den Eindruck, als hätten sie sich erst gestern zum letzten Mal gesehen.
In Verlaufe dieses Treffens richtete unser Ältester die Frage an uns, ob wir ihn mitnehmen. Mir zerriss es fast das Herz, als wir ihm sagen mussten, dass man uns erst nach seiner Schulzeit erlauben wird, ihn zu uns zu holen. Sicher war er enttäuscht, er ging damit aber ruhig und gefasst um.
Regelmäßig erhielt unser Großer nun Briefe von uns, die von lieben hilfsbereiten „Russlanddeutschen“ übersetzt wurden.

Nachdem wir unsere Bemühungen beim Jugendamt eingestellt hatten, verfolgten wir neben der Suche nach unserem Jungen auch einen Plan B. Wir ließen durch einen Rechtsanwalt die Möglichkeiten einer „Erwachsenenadoption mit Wirkung einer Minderjährigenadoption“ prüfen. Für eine Erwachsenenadoption wird kein Sozialbericht benötigt. Gelingt es, die Adoption mit Minderjährigenwirkung durchzuführen, besteht auch Anspruch auf die deutsche Staatsbürgerschaft. Theoretisch besteht diese Möglichkeit, allerdings bin ich mir nicht sicher, ob sie sich praktisch würde umsetzen lassen.

Es wollte mir einfach nicht in den Kopf, dass wir es hinnehmen müssen, dass die Geschwister nicht gemeinsam aufwachsen dürfen.
Gut zwei Jahre nach unserer letzten Anfrage bei unserer Auslandsadoptionsvermittlungsstelle versuchte ich es wieder.
Und in der Zwischenzeit hatte sich ein Wandel vollzogen!
Anscheinend war auch bei anderen Adoptionswilligen ein einvernehmliches Vorgehen mit den örtlichen deutschen Jugendämtern nicht immer zu erreichen. Einvernehmen stand nun nicht mehr im Vordergrund. Mittlerweile erwarten die russischen Adoptionsbehörden sogar, dass der Sozialbericht von der Auslandsadoptionsvermittlungsstelle erstellt wird. Sozialberichte der Jugendämter sind nicht mehr erwünscht. Außerdem kam uns zugute, dass die sozialpädagogische Fachkraft gewechselt hatte und die neue Kraft war bereit, mit uns den Weg zu gehen. Glück war sicher auch, dass die Auslandsadoptionsvermittlungsstelle in einem anderen Bundesland liegt und damit einem anderen Landesjugendamt unterstellt ist. Die Auslandsadoptionsvermittlungsstelle hat sich jedenfalls bei ihrem Landesjugendamt rückversichert und da gab es wohl keine größeren Widerstände. Wir durchliefen nun also das Adoptionsbewerbungsverfahren ganz von vorn mit dem Ergebnis eines befürwortenden Sozialberichts. Etwa 9 Monate später war die Familie komplett.

Wenn ich in den Medien immer wieder erfahre, dass Menschen über viele Jahre auf der Suche nach ihren Geschwistern sind, von denen sie – aus welchen Gründen auch immer – getrennt wurden, dann bin ich sehr froh, dass wir hartnäckig geblieben sind und nicht aufgegeben haben. So ermöglichen wir unseren Kindern, ihre Jugend gemeinsam zu erleben. Und wir erfreuen uns daran, drei gesunde und muntere Kinder beim Aufwachsen zu begleiten. Die drei kommen übrigens gut miteinander aus.

Unser örtliches Jugendamt hat unseren Adoptionswunsch seinerzeit mit folgenden Begründungen abgelehnt:
1. Brief (ca. 3 bis 4 Zeilen): wir seien zu alt und wir seien gesundheitlich angeschlagen – das konnten wir mit einem Ärzteattest widerlegen
2. Brief (ca. 3 bis 4 Zeilen): die Kinder seien schon seit 4 Jahren getrennt und bei unserem Ältesten stehe die Pubertät bevor – als ob Sehnsucht und Geschwisterliebe ein Verfallsdatum hätten
Im 3. Brief hat sich das Jugendamt dann richtig Mühe gegeben und eine Begründung gefunden, die einer Klage vor dem Verwaltungsgericht standgehalten hätte. Es wurde nun angeführt, dass das Jugendamt keine Erfahrung habe, ob die Adoption eines Kindes in diesem Alter noch Erfolg haben kann und sie brachten ihre Befürchtung zum Ausdruck, dass mit der Adoption des älteren Kindes die Familie auseinander brechen könnte.

Mein Zorn gegenüber unserem Jugendamt hat sich im Laufe der letzten Jahre gelegt. Insbesondere, weil ich nun aus Berichten weiß, dass Kinder, die aus ihren Familien herausgenommen werden müssen, nur etwa bis zum Alter von 8 oder 9 Jahren in Pflegefamilien vermittelt werden. Ältere Kinder kommen in „Einrichtungen“, seien es Heime oder Wohngruppen für Jugendliche. Bei russischen Jugendbehörden hat Familie also einen deutlich anderen Stellenwert als bei deutschen Jugendämtern.

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Re: Adoption Russland

Beitrag von Sibirier » Donnerstag 25. Oktober 2012, 08:11

Vielen Dank fuer den Bericht. Freut mich sehr, dass ihr es geschafft habt. Ja, die Jugendaemter, einerseits stecken die so viel Energie, um Euch die Adoption unmoeglich zu machen, dafuer schauen sie an anderer Stelle weg, wo es eigentlich angebracht waere. Aber das ist ein anderes Thema.
Ha, Waschmaschine verarscht. Socken einzeln gewaschen....



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