Alte deutsche Sprache

Für alle die nicht in Russland leben. Hier können Susi und Klaus über die weißen Nächte in Petersburg sinnen, die russische Seele aus der Ferne transzendieren oder die nächste Russendisko in Sindelfingen planen.

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Re: Alte deutsche Sprache

Beitrag von Norbert » Montag 30. März 2015, 06:45

In Novosibirsk gibt es eine recht große katholische Kirche, die auch irgendwie mit den Russlanddeutschen verbunden ist. Diese Gemeinde ist aber zugegeben auch für die ganze Fläche bis zum Pazifik zuständig.



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Re: Alte deutsche Sprache

Beitrag von klaupe » Montag 30. März 2015, 09:37

Norbert hat geschrieben:In Novosibirsk gibt es eine recht große katholische Kirche, die auch irgendwie mit den Russlanddeutschen verbunden ist. Diese Gemeinde ist aber zugegeben auch für die ganze Fläche bis zum Pazifik zuständig.
Da liegt vielleicht die Problematik. Statt in kleinen Gemeinden zu operieren, die mitunter fast schon einer Verschwörung glichen und sich abkapseln konnten, waren die Katholiken immer hierarchisch bis hinauf zum Vatikan organisiert. Der Vatikan war weit und nahezu unerreichbar, hatte in der UdSSR auch nichts zu melden und in den Zwischenebenen gab es noch Kompetenzstreitigkeiten und Machtkämpfe. Kein Wunder, dass da die Katholiken leicht zu schwächen waren.
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Re: Alte deutsche Sprache

Beitrag von _RGP_ » Montag 30. März 2015, 16:39

Norbert hat geschrieben:Diese Gemeinde ist aber zugegeben auch für die ganze Fläche bis zum Pazifik zuständig.
Das ist nicht ganz korrekt.

Das Bistum NSK geht "nur" von (ca.) Ural bis NSK. Ostlich schließt sich das Bistum Irkutsk an, das den restlichen Osten abdeckt.

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Re: Alte deutsche Sprache

Beitrag von Norbert » Dienstag 31. März 2015, 08:06

War das schon immer so? Früher wurde dies immer so stolz berichtet, dass man das weltgrößte Bistum vom Ural bis zum Pazifik wäre. (Kann aber falsch oder unaktuell sein - ich bin da nicht so im Thema.)

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Re: Alte deutsche Sprache

Beitrag von _RGP_ » Dienstag 31. März 2015, 09:50

Laut Tante Wiki(pedia) wurde NSK 1999 in NSK und Irkutsk aufgeteilt.
Irkutsk ist seitdem das größte Bistum der Welt.



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Re: Alte deutsche Sprache

Beitrag von klaupe » Dienstag 31. März 2015, 10:03

Norbert hat geschrieben:War das schon immer so? Früher wurde dies immer so stolz berichtet, dass man das weltgrößte Bistum vom Ural bis zum Pazifik wäre. (Kann aber falsch oder unaktuell sein - ich bin da nicht so im Thema.)
Ich fand gerade:
Bistum St. Josef von Irkutsk
Erzbistum Mutter Gottes von Moskau
Bistum der Verklärung von Nowosibirsk
Bistum St. Clemens in Saratow

Bei der Aufteilung der Bistümer gab es schon immer erhebliche Veränderungen, zumal die orthodoxe Kirche in ständigem Clinch mit den Katholiken steht, da sie sich als einig legitimer Vertreter der russischen Christen sieht.
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Re: Alte deutsche Sprache

Beitrag von GIN » Donnerstag 9. April 2015, 23:58

Ich schreibe hier von echten Russlanddeutschen Gemeinden. Die meisten sind in evangelischen Kirchen organisiert und pflegen dort die deutsche Sprache. Unter Deutsch verstehe ich.... Deutsch sprechen als Muttersprache und nicht ein genetisches Markenzeichen. Diese Gemeinden sterben aus. Die Abwanderung und Vor allem diese schlechte Bildung in den Familien ist schuld.
Deutsch bleibt man in dem man bedingungslos sich deutsche Bücher anschafft und sehr viel Zeit mit den Kindern investiert. Diese nach Deutschland zur Bildung senden und Traditionen lebt. Gemeinden machen das halt mit der Bibel und Religion..
Die russische Sprache muss Aussen gelebt werden sonst geht das Deutschtum kaputt. Ich bezweifele das diese "Deutschen" dort in diesen katholischen Gemeinden Deutsch sprechen.
Mir noch nie begegnet. Die meisten Russlanddeutschen die ich auch in Deutschland treffe würde ich aus dem Land schmeissen. Sprechen noch nicht einmal Deutsch in Deutschland

Dialekt von der Wolga um Saratow https://www.youtube.com/watch?v=p30HKWLkPOE
Um Engels https://www.youtube.com/watch?v=O1yGvWMQHSs
Typisches Balteln.. nich nich--- https://www.youtube.com/watch?v=8HwhDEaOPLs
Ural-Deutsche https://www.youtube.com/watch?v=dpu-lTJHiUo

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Re: Alte deutsche Sprache

Beitrag von klaupe » Freitag 10. April 2015, 01:23

GIN hat geschrieben:Die meisten Russlanddeutschen die ich auch in Deutschland treffe würde ich aus dem Land schmeissen. Sprechen noch nicht einmal Deutsch in Deutschland
Die wurden hier ja mit vielen Versprechungen angelockt, meiner Meinung nach, nur um eine Überlegenheit des deutschen Systems (politisch) zu demonstrieren. Am Anfang ging man da auch recht wahllos ran, da zählten die Statistiken.
Böse Zungen behaupten, dass es ausreichte, mal einen deutschen Schäferhund gesehen zu haben, um als Russlanddeutscher zu gelten. Wenn dann einer sich hier eingenistet hat, hat er den ganzen Clan hinterhergezogen.
Damals war es auch noch attraktiver, denn Sozialunterstützung brachte mehr ein, als harte Arbeit in Russland bzw. Kasachstan.
Dumm nur, dass man denen in Windeseile einen deutschen Pass (Staatsbürgerschaft) verpasst hat. Damit konnte man sie nicht mehr los werden, denn eine Ausbürgerung ist gesetzlich nicht vorgesehen.

Inzwischen sind die Hürden viel höher geworden. Sogar Deutsch muss man können, bevor die Reise losgeht. Entsprechend drastisch sind auch die Zuwandererzahlen gesunken.

Eine typische Erscheinung: Eine Freundin Oxana ist Russin, kam aus Kasachstan und ist immer noch verheiratet mit einem "Russlanddeutschen". Sie spricht inzwischen gut Deutsch, ihr "Deutscher" Mann nur mit viel Mühe, gerade mal ausreichend, um Bier und Zigaretten selbst zu kaufen oder mit den Kindern herumzumeckern. Seine auch nachgezogenen Eltern können kein Wort Deutsch und das nach inzwischen 14 Jahren in Deutschland. Wenn man sie aber als "Russen" bezeichnet, sind sie tödlich beleidigt und erklären lautstark (in Russisch!) dass sie Deutsche sind.
Meine Freundin musste Deutsch erst hier lernen und machte das mit viel Fleiß, denn sie war ja "nur" Russin. Inzwischen ist sie stolze Deutsche und erheblich deutscher, als die "Deutsche" Sippschaft. Die beiden Kinder -- hier geboren -- können sich mit dem Vater, Oma und Opa nur mühsam unterhalten, da sie nur minimal Russisch gelernt haben.

Ich habe nun weißgott nichts gegen die echten Russlanddeutschen, die hier ihre ererbte Kultur und Sprache pflegen, denn sie sind ein Teil der Geschichte und ein Kulturgut. Es wäre schade, wenn das durch unsere moderne Kultur plattgewalzt wird. Da muss man einfach das Erbe bewahren, auch wenn sie dadurch vielleicht ein lebendes Museum sind. Leider integrieren gerade de ziemlich schnell und deren Kindern ist es fast schon peinlich, wenn erkannt wird, dass die Eltern Zuwanderer sind.

Danke für die Sprachbeispiele. Der baltische Beitrag ist mir vertraut, genau aus dieser Gegend stammt meine Frau. Zur Sommersonnenwende werden wir wieder da sein. Sie ist aber Russin ohne deutsche Wurzeln und hat Deutsch erst lernen müssen. Inzwischen berlinert sie wie alle in der Nachbarschaft. Nur beim Beamtendeutsch tut sie sich schwer und bei den Führerscheinfragen musste ich manchen Fachbegriff oder umständlich formulierte Vorschriften erklären. Nicht immer einfach, denn manchmal verstehe ich das "Chinesisch" auch nicht mehr.
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Re: Alte deutsche Sprache

Beitrag von GIN » Sonntag 19. April 2015, 00:54

Russlanddeutsche sind schon faktisch ausgestorben. Das wird noch etwa 10-20 Jahre gehen und dann ist es vorbei. Die neuen Russlanddeutschen sind die Deutschen die in Russland jetzt leben. Davon gibt's genug hier im Forum. :D

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Re: Alte deutsche Sprache

Beitrag von eku-pilz » Freitag 12. Juni 2015, 11:25

Ja, noch 10, 20 Jahre - könnte so kommen. So wurde das ja auch vor Jahrzehnten angelegt, von der großen Politik: Verteilung in der Masse und damit einhergehende Integration waren die Ziele - herausgekommen ist wohl eher eine Entwurzelung und Abspaltung von nicht zuletzt dem deutschen Erbe, das viele Russlanddeutsche lange Zeit und gegen den Russifizierungsdruck gepflegt hatten. Ein Aufgehen in der hiesigen, allgegenwärtigen Beliebigkeits- oder auch Pidgin"kultur". Ist es nicht so?



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