Auswandern nach Russland / doppelte Staatbürgerschaft

Für alle die nicht in Russland leben. Hier können Susi und Klaus über die weißen Nächte in Petersburg sinnen, die russische Seele aus der Ferne transzendieren oder die nächste Russendisko in Sindelfingen planen.

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russland2020
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Auswandern nach Russland / doppelte Staatbürgerschaft

Beitrag von russland2020 » Dienstag 6. Oktober 2020, 20:30

Hallo liebe Forumsmitglieder, vielleicht kann mir kurz jemand bei einigen Fragen helfen. Ich bin deutscher Staatsbürger und mit einer Russin verheiratet. Wir sind in der Vergangenheit immer zwischen den Staaten gependelt. Im Frühjahr ist unser Kind in Russland zur Welt gekommen und eigentlich sollte dann die Familienzusammenführung in Deutschland stattfinden. Corona machte dieser Planung einen Strich durch die Rechnung. Ich merke mittlerweile, dass meine Frau wohl aufgrund mehrerer Gründe (geliebte Mutter, allgemeine Situation in Europa und Deutschland macht ihr langsam Angst) fast lieber hätte, wenn ich nach Russland auswandere. Ich bin dem gar nicht so abgeneigt, da ich eigentlich über kurz oder lang Richtung Italien wollte (wegen dem Klima und der für mich besseren Lebensqualität). Nun gibt es in Russland ja auch die Schwarzmeerküste, die ein ähnliches Klima bietet. Ich bin der russischen Sprache nicht mächtig, würde diese aber dann natürlich versuchen zu erlernen. Ich müsste aus finanziellen Gründen nicht zwingend dort arbeiten...aber ewig stillsitzen werde ich wohl ohnehin nicht können. Soweit die Vorbemerkungen. Nun meine Fragen: Als Ausländer darf man in bestimmten Regionen keine Immobilien erwerben, ist dies auch so, wenn man einen russischen Ehepartner hat? Sonst bliebe nur die Einzeleintragung über meine Frau...allerdings habe ich keine Ahnung wie es mit Erbschaftsrecht usw. ist...besser man macht sich vorher Gedanken, auch wenn man hofft ein solcher Fall tritt nie ein (in Deutschland geht ja alles automatisch an den Ehepartner über, es sein denn, man vereinbart etwas anderes 2) Kann ich auf einfachem Wege eine zweite Staatsbürgerschaft erhalten und welche Vorteile bzw. Nachteile bringt dies mit sich? Ich fühle mich bei den Menschen in Russland eigentlich sehr wohl, aber natürlich weiß ich nicht, wie es dann im "wahren" Leben aussieht (wird man ausgegrenzt usw.). Gut - letztlich steht es meiner Frau ja auch bevor, sollte Sie nach Deutschland kommen (allerdings ist meine Frau der deutschen Sprache schon mächtig). Ich vermute ich würde mich schwerer mit der Sprache tun, allein schon wegen der Zeichen. Für Eure Antworten bedanke ich mich schon jetzt im Voraus.



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m5bere2
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Re: Auswandern nach Russland / doppelte Staatbürgerschaft

Beitrag von m5bere2 » Dienstag 6. Oktober 2020, 21:27

russland2020 hat geschrieben:
Dienstag 6. Oktober 2020, 20:30
Sonst bliebe nur die Einzeleintragung über meine Frau...
Egal was wo eingetragen ist: da ihr verheiratet seid, seid ihr gemeinsamer Eigentümer an allem, was in der Ehe angeschafft wird.

kamensky
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Re: Auswandern nach Russland / doppelte Staatbürgerschaft

Beitrag von kamensky » Dienstag 6. Oktober 2020, 21:49

m5bere2 hat geschrieben:
Dienstag 6. Oktober 2020, 21:27
russland2020 hat geschrieben:
Dienstag 6. Oktober 2020, 20:30
Sonst bliebe nur die Einzeleintragung über meine Frau...
Egal was wo eingetragen ist: da ihr verheiratet seid, seid ihr gemeinsamer Eigentümer an allem, was in der Ehe angeschafft wird.
Existiert in Russland bzw. Deutschland kein sogenanntes Frauen- bzw. Mannesgut, oft auch Eigengut genannt? Dabei handelt es sich um Vermoegen jeglicher Art, was die Eheleute zuvor (also vor der Eheschliessung ) hatten.

Eigengut Definition:

Unter das Eigengut fallen danach persönliche Gebrauchsgegenstände eines Ehegatten, Vermögenswerte, die ihm bereits vor der Eheschliessung gehörten oder danach unentgeltlich zufallen, Genugtuungsansprüche sowie Ersatzanschaffungen des Eigengutes.
ATTN @all: Ich bin weder der Verfasser noch ein Redaktionsmitarbeiter von der/den vorstehenden Verlinkung/en.

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Re: Auswandern nach Russland / doppelte Staatbürgerschaft

Beitrag von bella_b33 » Dienstag 6. Oktober 2020, 22:53

m5bere2 hat geschrieben:
Dienstag 6. Oktober 2020, 21:27
Egal was wo eingetragen ist: da ihr verheiratet seid, seid ihr gemeinsamer Eigentümer an allem, was in der Ehe angeschafft wird.
So hat mir das meine Frau auch erklärt, als ich mal gefragt hatte.....is lang her ;-)
“Wow, eine superleichte Profi-Angel für 10Euro! Wo ist der Haken?"
"Es gibt keinen Haken..."

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Re: Auswandern nach Russland / doppelte Staatbürgerschaft

Beitrag von Norbert » Mittwoch 7. Oktober 2020, 00:30

Man darf in Russland, außer in diversen grenznahen Gebieten (Krim) problemlos Immobilien besitzen. Auch, wenn man keinen russischen Ehepartner hat. In Russland gilt die Errungensgemeinschaft, im Gegensatz zur Zugewinngemeinschaft in Deutschland. Bitte google mal die Unterschiede, es sind Feinheiten.

Als Ehepartnerin einer Russin hast Du ein Anrecht auf eine vorläufige Aufenthaltsgenehmigung, die später zur dauerhaften wird und noch später zur Staatsbürgerschaft führen kann. Dafür musst Du aber die deutsche Staatsbürgerschaft abgeben oder eine Beibehaltigungsgenehmigung beantragen. Mit einem russischen Kind kannst Du die vorläufige Aufenthaltsgenehmigung überspringen. Du musst jedoch dennoch einen Sprachtest, einen Geschichtstest und einen Verfassungstest bestehen. Es gibt Agenturen, die dabei helfen. Die Bürokratie sollte man aber dennoch nicht unterschätzen - man muss schon wirklich verliebt oder an fremden Kulturen interessiert sein, um daran Spaß zu haben.

Einen direkten Vorteil hat die Staatsbürgerschaft nicht. Die Corona-Zeit ist nun aber ein Beispiel, wo sie das Reisen erleichtert. Ansonsten gewinnst Du Sicherheit dazu - denn eine Aufenthaltsgenehmigung kann man schon bei zwei Ordnungswidrigkeiten verlieren, eine Staatsbürgerschaft nicht. Du bekommst leichter Kredite und darfst wählen. Dafür sinkt die diplomatische Unterstützung Deutschlands, wenn Du in rechtliche Probleme gerätst. Dies sollte man für sich selbst abwägen.

Eine Diskriminierung als Deutscher habe ich in 15 Jahren faktisch nie erlebt. Im Gegenteil, mehrmals kam ich in die unangenehme Situation, dass mich Taxifahrer dafür lobten, dass wir Deutschen die Welt fast vor den Juden gerettet hätten. Brrrrr.

Bitte unterschätze dennoch nicht den Kulturschock und auch die Schwierigkeiten der russischen Sprache.



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Re: Auswandern nach Russland / doppelte Staatbürgerschaft

Beitrag von Wladimir30 » Mittwoch 7. Oktober 2020, 10:13

Eine Diskriminierung aufgrund der Tatsache, dass Du evtl. als Deutscher in Russland bist, halte ich ebenfalls für wenig wahrscheinlich. Andere Länder sind da viel schneller und krasser in ihren Aussagen hierzu.

Die russische Sprache, ja. Die Buchstaben schrecken am meisten ab, sind aber am einfachsten zu lernen. Inwieweit die Sprache selber als schwer empfunden liegt, liegt an Deinem eigenen Anspruch. Das eigentliche Problem wird das Hörverstehen sein. Selber zu sprechen, wenn es darum geht, sich auszudrücken, ist zunächst einmal natürlich schwer. Wie eigentlich in jeder Fremdsprache am Anfang. Die Grammatik ist anfangs kompliziert, weil sie stark flexionsorientiert ist, was einen erheblichen Lernaufwand erfordert, anders als im Englischen beispielsweise. Dafür wird es nach dem Erlernen der Grundgrammatik einfacher, weil es verhältnismäßig wenige Ausnahmen gibt (anders als im Deutschen oder im Englischen). Wenn es Dir ausreicht, dass man Dich versteht, wenn du also keinen Anspruch auf grammatikalische Richtigkeit hast, ist Russisch abgesehen von den vielen Flexionsformen nicht so überwältigend schwer. Wenn du aber schon "richtig" sprechen willst, ja, dann wird es schon sehr aufwendig. Vokabeln: anders als bei den relativ eng verwandten Sprachen in Westeuropa unterscheiden sich slawische Sprachen schon im Wortschatz, man kann mit den Wörtern erstmal wenig bis nichts anfangen.

Kulturschock: hier ist dann Deine Frau gefragt, diesen zu mindern. Den größten Fehler, den Du meiner Meinung nach hierbei machen kannst, ist, Verhaltensweisen, die Du in Russland beobachtest, zu beurteilen unter dem Blickwinkel dessen, was Du aus Deutschland gewöhnt bist. Eine Verurteilung der russischen Verhaltensweisen ("Die haben ja keine Ahnung, die machen das ja komplett falsch") liegt schnell auf der Hand. Dieser Fehler ist sehr verbreitet. Außer Frust bei sich selber und Unbehagen bei den Russen wirst Du damit nichts erreichen. Nun sagen alle immer gleich "Das ist klar, verstehe ich, mache ich natürlich nicht" - und machen es dann doch.
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Re: Auswandern nach Russland / doppelte Staatbürgerschaft

Beitrag von saransk » Mittwoch 7. Oktober 2020, 14:39

Kann mich da den Vorrednern nur anschließen.
Was ich aber bei eurer gemeinsamen Olanung noch mit in die Waagschale werfen würde, sind zwei andere Aspekte, die in jungen Jahren (Du schreibst, das euer Kind im Frühjahr dort zur Welt kam, da gehe ich mal davon aus, das ihr noch "relativ" jung seid) oftmals nicht beachtet werden.

- Es sollte keiner Chronisch krank sein, oder auf bestimmte Medikamente angewiesen. Habe es vorletztes Jahr bei Schwiegervater gesehen. Sowohl dieser, als auch der Ex meiner Frau sind in Saransk bzw Moskau elendlich an Krebs krepiert, weil es keine vernünftige Behandlung gab (der Ex-Mann war noch nicht vierzig, und hätte bei rechtzeitiger Behandlung vollkommen geheilt werden können), und auch potente Schmerzmittel wie Morphium oder Tramadol in der Endphase nicht verabreicht wurden, weil die behandelnden Ärzte Angst vor einer Anzeige wegen des Verstoßes gegen Drogengesetze hatten. Auch harmlosere Medikamente wie Ritalin können nicht verabreicht werden, da ADHS oder spezielle Formen von Autismus bei Kindern in Russland immer noch nicht als Krankheit akzeptiert sind. Zitat einer Mutter bei OK z.B.: "Solchen Kindern muß man nur rechtzeitig den A... hauen". Andere Kommentare waren noch heftiger.

- Kläre bitte, was mit Deinen Rentenansprüchen wird. Du willst ja später Deiner Frau nicht auf der Tasche liegen müssen.
In D. musst Du entsprechende Entgeltpunkte ansammeln, bis zu einer gewissen Obergrenze. Durch beitragsfreie Jahre ohne Nachweis sinkt diese Gesamtpunktzahl jedoch schnell wieder, und nachher stehst Du dann mit einem Taschengeld da.

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Re: Auswandern nach Russland / doppelte Staatbürgerschaft

Beitrag von Norbert » Mittwoch 7. Oktober 2020, 14:49

Stimmt, die medizinische Versorgung ist ein großes Thema. Für kleine Dinge ist es teils einfacher und besser: In Deutschland warte ich als gesetzlich Versicherter teils Monate auf einen Facharzttermin, wenn ich ihn überhaupt bekomme. In Russland sind Privatärzte gut verfügbar und auch bezahlbar, man hat auch sofort einen Termin. Dasselbe für banale Standardoperationen, komplexere Zahnbehandlungen, Augen lasern oder ähnliches.

Unangenehm wird es, wenn man in Russland zu den staatlichen Ärzten muss: Die Reihenuntersuchungen für Kinder sind in Novosibirsk organisatorisch beispielsweise eine Zumutung - statt zu einem Allgemeinarzt, der die grundsätzlichen Dinge prüft und ggf. zum Facharzt überweist, muss man in Russland eine Runde zu allen Fachärzten, die sich teils auf mehrere Gebäude im Stadtteil verteilen. Überall warten, ausziehen, prüfen, anziehen, weiter.

Was in Russland ganz schlechte Ideen sind: Herzinfarkt, Krebs, OPs die es nur in staatlichen Krankenhäusern gibt. Ein vergleichsweise junger Deutscher in Novosibirsk ist am Infarkt verstorben, denn der Krankenwagen kam erst nach 40 Minuten. Meine Schwiegeroma ist an einer simplen Gangräne verstorben. Beides Fälle, wo die Überlebenschancen in Deutschland wesentlich höher gewesen wären.

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Re: Auswandern nach Russland / doppelte Staatbürgerschaft

Beitrag von russland2020 » Mittwoch 7. Oktober 2020, 20:33

Vielen Dank für die ganzen Antworten. Bin doch etwas überrascht mit den Warnungen bzgl. des Gesundheitssystems. Ich hatte bisher immer genau den gegenteiligen Eindruck (Betreuung in der Schwangerschaft )...war eher begeistert. Gut die Gebäude sind teilweise etwas veraltet, aber ansonsten fand ich es top. Allerdings ist St. Petersburg vielleicht auch noch anders zu bewerten als irgendwo in einer kleinen Stadt und wir waren auch nicht in staatlichen Einrichtungen. Aber was hier zu ernsthaften Erkrankungen angemerkt wird ...ist dann doch eher abschreckend. Ich selbst habe die 50 schon länger geknackt und da kommen dann auch mal ein paar Zipperlein. Meine Frau ist noch etwas frischer:-) ...aber auch mittleren Alters. Was den Immobilienkauf betrifft ist ein Kauf in sehr vielen Gegenden verboten....gibt dort eine Liste und im Bereich Schwarzmeerküste doch fast überall. Aber durch die Frau dann letztlich ja kein Problem. Also die Taxifahrersprüche sind schon heftig. Ich war schon öfter in Israek, das erste Mal vor 30 Jahren und ich war seinerzeit so positiv überrascht von den Menschen. War teilweise schon bedrückend ältere Menschen mit den KZ Tätowierungen zu sehen und die waren trotzdem alle sehr nett und sehr interessiert wie es denn jetzt so in Deutschland läuft. Also was meint ihr denn mit Kulturschock? Ich habe bisher gar nicht so große Unterschiede erkennen können.

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Re: Auswandern nach Russland / doppelte Staatbürgerschaft

Beitrag von Axel » Mittwoch 7. Oktober 2020, 20:50

Das meinen wir mit Kulturschock:
https://www.youtube.com/watch?v=PfTaRq7Xu5I
So sehen viele Städte außerhalb Sankt Petersburg und Moskau aus.



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