Sehnsucht nach der "guten alten Zeit"?

Für alle die nicht in Russland leben. Hier können Susi und Klaus über die weißen Nächte in Petersburg sinnen, die russische Seele aus der Ferne transzendieren oder die nächste Russendisko in Sindelfingen planen.

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Simone
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Sehnsucht nach der "guten alten Zeit"?

Beitrag von Simone » Dienstag 27. Januar 2009, 10:34

http://einestages.spiegel.de/static/top ... deckt.html

"...Die Einrichtung der Wohnung erinnerte den Entdecker allerdings wenig an den gewissen Ost-Charme, wie ihn das aus der Zeit gefallene Plattenbauappartement im Filmhit "Goodbye Lenin" verströmte: Im Bad stand lediglich eine Zinkbadewanne ohne Wasseranschluss, im Wohnzimmer eine schlichte Couchgarnitur aus den Siebzigern,..."

So ging es vielen Leuten, die in der DDR nicht das Privileg der Neubauwohnung oder DeMark für San-Technika hatten - also sehr vielen... und das haben eben einige vergessen und wünschen sich heute die DDR zurück. In diesem Jahr werden wir noch viel über das Thema hören, denn im Herbst werden 20 Jahre Mauerfall gefeiert.



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Re: Sehnsucht nach der "guten alten Zeit"?

Beitrag von Norbert » Dienstag 27. Januar 2009, 10:42

Die Bilder dieser Wohnung (siehe Link oben) stehen für mich aber nicht für die DDR. Das Möbiliar ist nicht typisch DDR! Vermittelt wieder einmal ein tolles Bild, finde ich.

Leute aus dieser Wohnung hätten wir als DDR-Schulkinder "Assi" genannt.

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Re: Sehnsucht nach der "guten alten Zeit"?

Beitrag von Axel Henrich » Dienstag 27. Januar 2009, 15:36

Norbert hat geschrieben:Die Bilder dieser Wohnung stehen für mich aber nicht für die DDR.
Was man nicht alles in Bilder interpretieren kann ... ;)
"Die Schubladen stehen noch offen. Der letzte Bewohner musste vermutlich schnell weg."
Es koennten ja auch immer mal wieder Leute im naeheren Umfeld in all den Jahren die Wohnung nach brauchbaren durchsucht haben, oder dort genaechtigt, oder, oder, oder ...

Nimm heuer mal eine Wohnung unter den selben Bedingungen im Westen aus der selben Zeit, im selben Umfeld ...
Norbert hat geschrieben:Vermittelt wieder einmal ein tolles Bild, finde ich.
Naja, wer verbindet denn diese Bilder zwangslaeufig mit "DDR" in dem Sinne? Es sind Bilder von frueher, ja ...
Den Spueltisch z.B. kenn ich auch noch von meiner Oma, aber das ist wieviel Jahre her.

-ah-

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Re: Sehnsucht nach der "guten alten Zeit"?

Beitrag von Axel Henrich » Dienstag 27. Januar 2009, 15:45

Simone hat geschrieben:So ging es vielen Leuten, die in der DDR nicht das Privileg der Neubauwohnung oder DeMark für San-Technika hatten - also sehr vielen... und das haben eben einige vergessen und wünschen sich heute die DDR zurück.
Naja, ich denke mal, dass die, die sich die "alten Zeiten" zurueck wuenschen, sich oftmals die soziale Sicherheit und Geborgenheit zurueck wuenschen, auch den Menschenschlag, der nicht so egoistsich und aggressiv war, etc.. Man sagt es einfach so hin ...

-ah-

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Re: Sehnsucht nach der "guten alten Zeit"?

Beitrag von Zeppelin » Dienstag 27. Januar 2009, 16:15

Norbert hat geschrieben:Die Bilder dieser Wohnung (siehe Link oben) stehen für mich aber nicht für die DDR. Das Möbiliar ist nicht typisch DDR! Vermittelt wieder einmal ein tolles Bild, finde ich.

Leute aus dieser Wohnung hätten wir als DDR-Schulkinder "Assi" genannt.
Also, ich weiß nicht. In so mancher Wohnung z.B. in DD-Neustadt, aber auch Provinznestern wie Wittenberge, Anklam, Neustrelitz ... und eben erst recht im berühmten Berliner LSD-Viertel (Prenzlauer Berg) oder Scheunenviertel (Mitte), sah es kaum anders aus.
Die beiden letzeren gehören inzwischen übrigens zu den "angesagtesten" und entsprechend teuersten Wohngebieten in Berlin.

Assi-Wohnungen? Das mag so mancher etablierte DDR-Bürger gedacht haben. "Was!? Nicht einmal eine Schrankwand aus Dresden-Hellerau, wenn schon kein Jugendstilsofa ..."
Aber wer so dachte oder denkt, kannte sich wohl wenig mit der subalternen Szene aus.

Ich hatte allerdings in den Jahren 1988 bis 1990 durchaus die "Gelegenheit", in mehr als 1000 Fällen solche verlassenen Wohnungen (in Berlin) zu öffnen und in Augenschein zu nehmen.
Zumeist waren deren ehemalige Bewohner in den Westen ausgewandert (oder hatten das zumindest versucht), waren vor den Abrissplänen des Berliner SED-Magistrats geflohen oder hatten sich dem Druck der Wohnungsverwaltungen wegen illegaler Besetzung gebeugt.

Der Anblick der zurückgelassenen Schicksale - erkennbar an den persönlichen Gegenständen - war selten erbaulich. Das werde ich sicher nie vergessen.
Wer allerdings sein Wohnung so zurück ließ, muss schon starke Motive gehabt haben.

PS: Ich wäre für eine Verschiebung des Themas nach "Inside Germany"
"Wir brauchen Bürokratie, um unsere Probleme zu lösen. Aber wenn wir sie erst haben, hindert sie uns, das zu tun, wofür wir sie brauchen." (Ralf Dahrendorf)



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Re: Sehnsucht nach der "guten alten Zeit"?

Beitrag von Simone » Dienstag 27. Januar 2009, 17:12

Zeppelin hat geschrieben:Ich hatte allerdings in den Jahren 1988 bis 1990 durchaus die "Gelegenheit", in mehr als 1000 Fällen solche verlassenen Wohnungen (in Berlin) zu öffnen und in Augenschein zu nehmen.
Zumeist waren deren ehemalige Bewohner in den Westen ausgewandert (oder hatten das zumindest versucht), waren vor den Abrissplänen des Berliner SED-Magistrats geflohen oder hatten sich dem Druck der Wohnungsverwaltungen wegen illegaler Besetzung gebeugt.
Habe 1989 mit meinen Eltern die "Altbau-Wohnung" meines Bruders, nachdem die StaSi alles untersucht hatte, ausräumen dürfen. Er war geflüchtet. Keiner konnte zu diesem Zeitpunkt ahnen, daß man sich mal wiederseht. Wie uns zumute war,... Das ist wahrlich deutsche Geschichte!

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Re: Sehnsucht nach der "guten alten Zeit"?

Beitrag von Paulchen » Dienstag 27. Januar 2009, 20:29

Zeppelin hat geschrieben:
Ich hatte allerdings in den Jahren 1988 bis 1990 durchaus die "Gelegenheit", in mehr als 1000 Fällen solche verlassenen Wohnungen (in Berlin) zu öffnen und in Augenschein zu nehmen.
Echt? wow. Wie kommt man denn dazu? Warst Du mal Gerichtsvollzieher? :D

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Re: Sehnsucht nach der "guten alten Zeit"?

Beitrag von Zeppelin » Dienstag 27. Januar 2009, 21:29

Paulchen hat geschrieben:Echt? wow. Wie kommt man denn dazu? Warst Du mal Gerichtsvollzieher?
Nein, weit profaner. Ich war nach meiner Eliminierung aus dem DDR-Bildungssystem schlicht und einfach genötigt, mir als Schlosser bei einer städtischen Wohnungsbaugesellschaft (KWV) die Brötchen zu verdienen.
Und als solcher Bestand der Hauptteil meiner Aufgaben darin Wohnungen zu öffnen, die zwar als vermietet galten, für die aber über einen gewissen Zeitraum keinen Mieteingänge mehr verzeichnet worden waren.
Es blieb dabei zum Glück auf nur einen Fall beschränkt, dass ich Schlimmeres vorfand, als nur eine verlassene Wohnung ...
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Re: Sehnsucht nach der "guten alten Zeit"?

Beitrag von Nikolaus » Dienstag 27. Januar 2009, 23:15

Na, da hattest Du aber wirklich besondere Erlebnisse... Typisch fuer die DDR waren die aber sicherlich nicht.

Zumindest hast Du aber jetzt einen absolut krisensicheren Job. (Ich habe erst kuerzlich fuer das Oeffnen meiner Wohnung durch einen Schluesseldienst rund 200 Euro abgeliefert...)

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Re: Sehnsucht nach der "guten alten Zeit"?

Beitrag von Norbert » Mittwoch 28. Januar 2009, 17:40

Axel Henrich hat geschrieben:
Norbert hat geschrieben:Vermittelt wieder einmal ein tolles Bild, finde ich.
Naja, wer verbindet denn diese Bilder zwangslaeufig mit "DDR" in dem Sinne? Es sind Bilder von frueher, ja ...
SPIEGEL-Online. Die Überschrift lautet: "Unberührte DDR-Wohnung in Leipzig entdeckt", was sich auch im Text fortsetzt.

Aber sorry, so wurde und wird vielleicht in einigen Stadtvierteln gelebt, aber es ist definitiv keine typische DDR-Wohnung. Oder ich habe meine Kindheit in einem anderen Land verbracht. :D



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