Allgemeine Infos für Entdecker der Küche in Russland

Die russische Küche ist einfallslos und fettig? Hier könnt Ihr das Gegenteil beweisen oder Klischees rahmen. Na sdorovje!???

Moderator: Wladimir30

Benutzeravatar
Wladimir30
Globaler Moderator
Globaler Moderator
Beiträge: 3582
Registriert: Dienstag 7. Oktober 2014, 11:14
Wohnort: Celle / Wladimir

Allgemeine Infos für Entdecker der Küche in Russland

Beitrag von Wladimir30 » Freitag 19. Juni 2015, 09:32

„Die Geschmäcker sind verschieden“. Diese Weisheit betrifft sowohl einzelne Leute als auch ganze Völker. Russland ist bekanntlich ein Vielvölkerstaat, wobei die einzelnen Völker (immerhin über 100) mehr oder weniger erfolgreich ihre eigenen Kulturen und eigenen Sprachen zu bewahren suchen.

Deshalb sollte es sich verbieten, von „der russischen Küche“ zu sprechen. Schließlich kann z.B. eine bayerische Schweinshaxe ebenso wenig für „typisch deutsche Küche“ gelten wie ostfriesischer Labskaus.

Wer sich in Russland aufhält, sollte die Gerichte, die ihm begegnen, einfach probieren und für sich möglichst unvoreingenommen hinnehmen. Vieles mag fremd oder gar ungenießbar (z.B. das Horrorwort für viele – Gretschka, also Buchweizen), ungewohnt (z.B. sauer eingelegte Tomaten oder das Fehlen von Soßen bei Kartoffel- und Fleischgerichten), oder vielleicht einfach nur unverständlich (zu allem und jedem immer ein Stück Brot dazu essen) erscheinen. Der Vergleich mit den bekannten deutschen Geschmacksgepflogenheiten sollte jedenfalls, um der Geschmacksrichtung der jeweiligen Gerichte gerecht zu werden, vermieden werden.

Vieles in der Küche in Russland unterscheidet sich von dem, was man aus Deutschland her kennt. Ohne irgendeine der zahlreichen Suppen als Vorspeise ist für viele Russen ein Mittagessen eben kein Mittagessen. Apropos, wie viele Rezepte gibt es eigentlich für den „einzig echt originalen“ Borschtsch??? In den vier Fastenzeiten im Jahr kann es sein, dass man plötzlich ohne Fleisch verköstigt wird, Tee wird meist unglaublich stark gesüßt, Mayonnaise ist noch richtige Mayo, schmackhaft, aber schwer (wer nach Mayo light fragt, erntet vermutlich nur ein unverständliches Grinsen) und und und.

Das Gaststättenwesen in Russland (Restaurantbesuche u.ä.) hat einen anderen Stellenwert als in Deutschland. In großen Städten hat sich diesbezüglich in den letzten Jahren eine Kultur herausgebildet, die der europäischen ähnlich ist, in den anderen Gegenden wird jedoch auch weiterhin meist zuhause oder bei Freunden und Verwandten gespeist. Das sollte berücksichtigt werden.

Die Qualität der Lebensmittel ist stark schwankend. Im Geschäft schadet es garantiert nichts, wenn man einen Blick auf das Haltbarkeitsdatum wirft, bei alkoholischen Getränken kann man sich nie sicher sein, ob es sich nicht um ein Surrogat handelt, das im besten Falle nur scheußlich schmeckt, Obst, Gemüse und Fleisch kauft man in der Regel besser auf dem Markt. Die Frage aller Fragen lautet aber immer wieder, ob man gutes (vielleicht sogar deutsches?) Bier in Russland kaufen kann und ob das russische Bier überhaupt gut sei.

Nun, diese Frage kann nur eine Kostprobe vor Ort entscheiden…

In diesem Sinne: Wohl bekomm's und Приятного аппетита!
«Поздравляю всех с Новым годом, желаю, чтобы вы не знали горя, удачи, любви, счастья и особенно здоровья». Виталий Кличко.



Benutzeravatar
bella_b33
Ehrenmitglied
Ehrenmitglied
Beiträge: 9916
Registriert: Sonntag 27. April 2008, 06:24
Wohnort: nahe Saransk/Mordowien
Kontaktdaten:

Re: Allgemeine Infos für Entdecker der Küche in Russland

Beitrag von bella_b33 » Freitag 19. Juni 2015, 10:31

Wladimir30 hat geschrieben:Im Geschäft schadet es garantiert nichts, wenn man einen Blick auf das Haltbarkeitsdatum wirft,
Hierzu sei noch angemerkt, daß meist das Produktionsdatum und evtl. zusätzlich das MHD aufgedruckt ist. Nicht, daß man denkt, alle Quarks im Regal sind seit gestern abgelaufen :lol:
Wladimir30 hat geschrieben:das Horrorwort für viele – Gretschka,
Jop, wenn ich das schon riech...:lol:
Wladimir30 hat geschrieben:Wer sich in Russland aufhält, sollte die Gerichte, die ihm begegnen, einfach probieren
oder einfach nicht anrühren, je nach dem ;)

Gruß
Silvio
Erst wenn der Subwoofer die Katze inhaliert, fickt der Bass richtig übel!
-Wolfgang Amadeus Mozart, Österreichischer MC (1756-1791)

Benutzeravatar
Okonjima
Zar/iza
Zar/iza
Beiträge: 990
Registriert: Samstag 20. Oktober 2007, 13:14
Wohnort: Colditz

Re: Allgemeine Infos für Entdecker der Küche in Russland

Beitrag von Okonjima » Freitag 19. Juni 2015, 14:02

Erstmal vorab - tolles Thema! :D
Die "Suppenkultur" war glaub ich das erste was mir an der russischen Küche aufgefallen ist. Ohne Suppe geht sogut wie garnix.
Und mit einem Eintopf den wir hier so kennen hat die Suppe in RUS auch wenig zu tun. Es ist einfach Suppe... :lol:
Das hängt eben auch viel damit zusammen das in der russischen Küche die deftige bzw. auch scharfe Kost eher nicht vorkommt.
Bei Borschtschtschtsch ;) und Soljanka wird mir in RUS immer erzählt das dies ja eigentlich ukrainische Gerichte seien.
Ich sag dann immer - DIE EINZIG WAHRE SOLJANKA GAB ES NUR IN DER DDR!!! [genau]
Was ich aber am meisten vermisse sind die Soßen und im Gegensatz finden es die Russen sagen wir mal seltsam z.B. zu Fleischgerichten
eine Soße zu reichen. Mein selbstgemachter Gulasch mit Klößen (und der ist lecker ;) ) wurde zwar verzehrt, aber ich glaube eigentlich
hätten es ein paar Stücke Fleisch ohne Soße mit Kartoffeln auch getan.
Was für auch garnicht ging waren sauer eingelegte Pilze und ganz schlimm - die russische Sülze [run]
Trotzdem hab ich mich mit der russischen Küche einigermaßen arrangiert und sie hat ja auch gute Seiten ;)
(Blini, Pluschki, Pelmeni usw.)
"Die gefährlichste Weltanschauung ist die derer die die Welt nicht gesehen haben..."

Alexander v.Humboldt

Benutzeravatar
Alex KA
Zar/iza
Zar/iza
Beiträge: 1315
Registriert: Donnerstag 19. Juni 2008, 11:33
Wohnort: St.Petersburg, Russland

Re: Allgemeine Infos für Entdecker der Küche in Russland

Beitrag von Alex KA » Freitag 19. Juni 2015, 16:32

Sauer eingelegte Pilze und Sülze? Nah ja, das wird normalerweise in der Familie gegessen, bei jemanden zu Gast eher seltener, weil bei solchen Gerichten muss man schon Vertrauen haben, vielleicht das sind Pilze die Sie nicht sammeln, oder beim Sülze Zubereiten die Beine von Schwein nicht gründlich gewaschen.. Und was heißt "russische Sülze"? Es wird so gemacht, man nimmt die Pfoten von Schwein, gut wäscht sie und mit Messer etwas die Haut abkratzt, danach liegt in einen Schnellkochtopf und kocht.. Es ist in Grunde alles..

Benutzeravatar
bella_b33
Ehrenmitglied
Ehrenmitglied
Beiträge: 9916
Registriert: Sonntag 27. April 2008, 06:24
Wohnort: nahe Saransk/Mordowien
Kontaktdaten:

Re: Allgemeine Infos für Entdecker der Küche in Russland

Beitrag von bella_b33 » Freitag 19. Juni 2015, 16:46

Okonjima hat geschrieben:Erstmal vorab - tolles Thema! :D
Die "Suppenkultur" war glaub ich das erste was mir an der russischen Küche aufgefallen ist. Ohne Suppe geht sogut wie garnix.
Jo, da sprichst was an...am besten 8 Mal pro Woche Suppe, kenn ich :lol:
Okonjima hat geschrieben:DIE EINZIG WAHRE SOLJANKA GAB ES NUR IN DER DDR!!! [genau]
Hehe, da stimm ich Dir zu! Aber wir bekommen sie in RU mittlerweile auch ganz gut hin. Frag mich bloß nicht nach Rezepten, ich improvisier immer so lang mit allen Zutaten, bis es passt :)
Okonjima hat geschrieben:die russische Sülze
Holodetz? Schmeckt eigentlich meist ganz gut

Gruß
Silvio
Erst wenn der Subwoofer die Katze inhaliert, fickt der Bass richtig übel!
-Wolfgang Amadeus Mozart, Österreichischer MC (1756-1791)



Benutzeravatar
Okonjima
Zar/iza
Zar/iza
Beiträge: 990
Registriert: Samstag 20. Oktober 2007, 13:14
Wohnort: Colditz

Re: Allgemeine Infos für Entdecker der Küche in Russland

Beitrag von Okonjima » Freitag 19. Juni 2015, 17:17

Jo, da sprichst was an...am besten 8 Mal pro Woche Suppe, kenn ich :lol:
genauso - am besten früh, mittags, abends
Meine hat mal auf die Frage was Sie am meisten vermissen würde, wenn Sie auf Reisen d.h. außerhalb RUS ist, geantwortet:
"MEINE SUPPE!" :D An der italienischen Küche liebt meine Frau - na was wohl Minestrone :lol:
Hehe, da stimm ich Dir zu! Aber wir bekommen sie in RU mittlerweile auch ganz gut hin. Frag mich bloß nicht nach Rezepten, ich improvisier immer so lang mit allen Zutaten, bis es passt :)
Geheimrezept bei "unserer" Soljanka war glaub ich der DDR-Letscho. Der war viel würziger als das was man heute so bekommt.
Der Letscho in RUS ist eh viel zu lasch - für mich jedenfalls ;)
Außerdem - mindestens 1 Tag ziehen lassen, aufgewärmt schmeckt sie am besten.
Ansonsten nix besonderes - is wie Paella halt zusammengekehrte Küche :lol:
"Die gefährlichste Weltanschauung ist die derer die die Welt nicht gesehen haben..."

Alexander v.Humboldt

Benutzeravatar
Bluewolf
Zar/iza
Zar/iza
Beiträge: 254
Registriert: Donnerstag 25. November 2010, 14:18
Wohnort: Karlsruhe/ N.N.
Kontaktdaten:

Re: Allgemeine Infos für Entdecker der Küche in Russland

Beitrag von Bluewolf » Freitag 19. Juni 2015, 17:57

Ok meine Entdeckungen IN Russland sind schon ne Weile her, aber wir haben einiges davon auch nach Deutschland übernommen:
Das mit den Suppen hat meine Frau bis heute bewahrt.
Soljanka, Schtschi, Borschtsch ... eines davon gibt's mindestens jede Woche. Da ich Eintopf Fan bin, gibt's zusätzlich noch Pichelsteiner, Erbsen- Linsen- oder Serbischer Bohneneintopf usw. Im Herbst schmeißen wir manchmal auch einfach alles aus dem Garten mit Fleisch in den Topf und warten was rauskommt ;)
Dann gibt's zu bestimmten Tagen noch винегрет, diverse Grützen und Breie zum Frühstück (nein kein гречка Brei, alle drei Männer geben da ihr Veto ab :lol: )
In Russland waren meine einschneidenden Erfahrungen generell der Einkauf auf dem Markt in Bogorodsk (härter war eigentlich nur Saloniki^^, fairerweise muss ich aber auch erwähnen das die neu gebaute Markthalle sehr schön geworden ist), die Größe der Schaschlik und natürlich das Pilze sammeln und direkt anschließend gemeinsam verzehren - die sauere Variante sagt mir dabei auch nicht zu, aber eine Pilzpfanne aus frisch geschnittenen Steinpilzen -> Wahnsinn
Und bei solchen Oschis ist es auch nicht schwer 20 kg und mehr zusammen zu bekommen
Pilz.jpg
Mit Buchweizen komme ich eigentlich klar (bis auf den oben erwähnten Brei), inzwischen haben wir sogar neue Rezepte dabei, z. B. Buchweizen-Linsen-Puffer, schmeckt lecker mit venezianischer Leber.
Was ich gar nicht abkann ist der typische weiße Speck, vor allem morgens um 9 zusammen mit den Nachbarn und einer Menge Vodka ...
Du hast keine ausreichende Berechtigung, um die Dateianhänge dieses Beitrags anzusehen.

Benutzeravatar
Alex KA
Zar/iza
Zar/iza
Beiträge: 1315
Registriert: Donnerstag 19. Juni 2008, 11:33
Wohnort: St.Petersburg, Russland

Re: Allgemeine Infos für Entdecker der Küche in Russland

Beitrag von Alex KA » Freitag 19. Juni 2015, 18:28

Speck ist gut, weil in Winter braucht man viele Kalorien

Benutzeravatar
Wladimir30
Globaler Moderator
Globaler Moderator
Beiträge: 3582
Registriert: Dienstag 7. Oktober 2014, 11:14
Wohnort: Celle / Wladimir

Re: Allgemeine Infos für Entdecker der Küche in Russland

Beitrag von Wladimir30 » Freitag 19. Juni 2015, 23:48

Okonjima hat geschrieben:DIE EINZIG WAHRE SOLJANKA GAB ES NUR IN DER DDR!!!
Na na na.... Vorsicht mit solchen Verunglimpfungen der westlichen Bevölkerunggruppen... :karate:
ganz schlimm - die russische Sülze

Find ich auch. Die gibt es hier immer bei Hochzeiten und solchen Feiern zur Einstimmung. Wenn alle noch richtig hungrig sind. Und die wundern sich alle immer, wenn ich die trotz größtem Hunger nicht anrühre.
die russische Küche hat ja auch gute Seiten ;)
Eben, das meine ich ja.

Und nun - ich oute mich wohl als oberpevers: ich hab mich mittleweile sogar an Gretschka gewöhnt!! Mittwochs abends - Gretschka, nach dem Kochen mit Zwiebeln noch kurz angebraten. Mir wurde ganz anders zumute, als ich mich bei dem Gedanken erwischte "das schmeckt ja sogar.....".
Meine hat mal auf die Frage was Sie am meisten vermissen würde, wenn Sie auf Reisen d.h. außerhalb RUS ist, geantwortet:
"MEINE SUPPE!"
Außer der Suppe gibt es noch ein zweites, was viele im Ausland vermissen: das Brot zur Suppe.
Ansonsten nix besonderes - is wie Paella halt zusammengekehrte Küche
Ein gewagter Vergleich...
Bluewolf hat geschrieben:Was ich gar nicht abkann ist der typische weiße Speck
Mit Kartoffeln geht es doch ganz gut. Wenn er nicht zu stark gesalzen ist, mit Knoblauch und schwarzem Pfeffer eingepinselt... Geht dann auch ohne Wodka.
«Поздравляю всех с Новым годом, желаю, чтобы вы не знали горя, удачи, любви, счастья и особенно здоровья». Виталий Кличко.

Benutzeravatar
Axel Henrich
Zar/iza
Zar/iza
Beiträge: 3648
Registriert: Montag 16. August 2004, 20:38
Wohnort: Gera - Thueringen / Rasskasowo - Tambowski Oblast

Re: Allgemeine Infos für Entdecker der Küche in Russland

Beitrag von Axel Henrich » Samstag 20. Juni 2015, 02:31

Okonjima hat geschrieben:Mein selbstgemachter Gulasch mit Klößen (und der ist lecker ;) ) wurde zwar verzehrt, aber ich glaube eigentlich hätten es ein paar Stücke Fleisch ohne Soße mit Kartoffeln auch getan.
Oh ja, das kenne ich ... Lehnchen hat, typisch thueringisch, gruene Kloesse mit Gulasch gemacht.
Ich Kartoffeln gerieben und Schwiegervater die ganze Zeit immer mal in die Kueche geschaut und nur mit dem Kopf geschuettelt ... dann zur Schwiegermutti: "Рая, пусть они свои футбольные мячики варют, а ты щи вари ..." :lol:

Ан die sauer eingelegten Pilze komme ich aber auch nicht ran. Gretschka mit Milch und Zucker ist super lecker und natuerlich Pljuschki - hmmmm! ;)

-ah-



Antworten

Zurück zu „#Essen & #Trinken - Zuhause und im Restaurant“