Klein-St.Petersburg: Riga

Für alle, die mehr über "Piter" wissen wollen.
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Re: Klein-St.Petersburg: Riga

Beitrag von DSPK79 » Samstag 28. November 2020, 10:46

Die baltischen Staaten betreiben seit 1992 eine konsequente Westorientierung, die breiter gesellschaftlicher Konsens, auch bei den dort lebenden Russen, war und ist. Mit so einer klaren Ausrichtung (sieht auch Belarus in die andere Richtung) fährt man m.E. grundsätzlich besser, als wenn man hin- und herschwankt (siehe Ukraine, Moldawien, Georgien...).

Bei den weiteren EU-Kandidaten sehe ich Montenegro und Nordmazedonien absolut unproblematisch. Beide Länder haben sich bis zur Pandemie positiv entwickelt. Zudem haben sie zusammengenommen gerade mal 2,7 Mio Einwohner, die Kosten für die EU-Nettozahler werden sich da in Grenzen halten.

Bei Albanien bin ich da schon kritischer, bei Serbien wird insbesondere die Kosovo-Frage wohl auf absehbare Zeit eine zu hohe Hürde sein.

Bei der Ukraine sind wir uns wiederum wohl alle einig, dass es in den nächsten mindestens 20 Jahren keine Chance auf einen EU-Beitritt geben darf und wird. Juncker hat sich vor 3-4 Jahren ja schon deutlich geäußert.



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Re: Klein-St.Petersburg: Riga

Beitrag von Norbert » Samstag 28. November 2020, 13:40

Die Integration der Russen im Baltikum ist aber auch bei weitem nicht so rosig, in meiner Wahrnehmung. Ihnen zu weiten Teilen die Staatsbürgerschaft zu verwehren und sogar als Nichtbürger zu bezeichnen, ist in meinen Augen kein durchweg gutes Zusammenleben. (Ich will nicht abstreiten, dass es dafür historische Gründ geben mag - mir fehlt der Einblick, für eine geschichtlich saubere Bewertung. Einzig der Begriff "gut zusammenleben" wundert mich.)

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Re: Klein-St.Petersburg: Riga

Beitrag von DSPK79 » Samstag 28. November 2020, 13:48

Wurde der Status der „Staatenlosen“ in Estland und Lettland nicht auch eingeführt, damit die dort lebenden Russen weiterhin visa-frei zwischen EU und Russland reisen können? Gibt ja trotz der West-Orientierung nach wie vor sehr viele enge und traditionelle Verbindungen.

In Lettland gibt es hinsichtlich des Status der russischen Sprache in der Tat Probleme, die auch das Zusammenleben erschweren. Im Vergleich zu Ukraine, Georgien oder Moldawien ist das aber absolut harmlos.

In Estland wiederum finde ich insbesondere die Lösung hinsichtlich des Sonderstatus der Region um Narva sehr gelungen.

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Re: Klein-St.Petersburg: Riga

Beitrag von Axel » Samstag 28. November 2020, 16:12

Den Pass der Staatenlosen bekommen hauptsächlich Leute, die nach 1940 unter sowjetischer Verwaltung nach Lettland angesiedelt wurden und somit nicht zur autochthohen Bevölkerung zählen. Diese Randgruppe kann den lettischen Pass bekommen, wenn sie eine Sprachprüfung im Lettischen ablegen. Daher sind die meisten Besitzer dieses Passes auch Russen über 40, die sich mit der lettischen Sprache schwertun. Vorteil dieses Passes ist, dass man visafrei für 90 Tage im Halbjahr zwischen EU und Russland pendeln kann, Nachteil, dass man in Lettland nicht wählen darf und von Beamtenberufen ausgeschlossen wird.
DSPK79 hat geschrieben:
Samstag 28. November 2020, 10:46
Bei der Ukraine sind wir uns wiederum wohl alle einig, dass es in den nächsten mindestens 20 Jahren keine Chance auf einen EU-Beitritt geben darf und wird. Juncker hat sich vor 3-4 Jahren ja schon deutlich geäußert.
Die Ukraine wird niemals Teil der EU, solange sie nicht auf die Krim und Teile im Osten des Landes verzichtet, denn für die Aufnahme der EU ist ebenso wie für die Aufnahme in die NATO die territoriale Vollintegrität ausschlaggebend. Deswegen tut sich auch Serbien so schwer, weil sie dann Kosovo anerkennen müssten. Es bleibt also bis dahin nur bei Partnerschaftsprogrammen. Das gleiche gilt für Moldawien und Georgien, auch sie haben abtrünnige Gebiete, die von russischen Truppen besetzt worden. Neuerdings hat jetzt auch Aserbaidschan zugestimmt, 1900 russische "Friedenstruppen" in die Karabachregion auf 5 Jahre begrenzt zu entsenden; da in Abchasien die russischen Truppen bis 2008 auch befristet waren und nun dauerhaft dort stationiert sind kann man davon ausgehen, dass dieser Einsatz ebenfalls nicht auf 5 Jahre begrenzt sein wird. Mit anderen Worten kann die EU aus heutigem Standpunkt nicht einfach ehemalige Sowjetstaaten in die EU und NATO ziehen, wie sie es beim Baltikum noch geschafft hat, ohne mit Russland zu verhandeln. Das ganze Ukraine-Rodeo ist auch Schuld der EU, weil man dachte, man kann einfach ohne Russland ein Land in seine Einflusssphäre ziehen, das für die Russen kulturell und geschichtlich von großer Bedeutung ist. Bei Belarus hat man wohl dazugelernt und übt sich deswegen in Zurückhaltung.

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Re: Klein-St.Petersburg: Riga

Beitrag von Klaus » Dienstag 1. Dezember 2020, 00:45

Mir hat es in Riga sehr gut gefallen.
Also habe ich nicht lange gefackelt, mir eine Wohnung gemietet und auch gleich den Residence-Status und Personalausweis beantragt. Ging alles in einer Woche.

Durch Corona ist es prinzipiell egal, wo ich arbeite - natürlich wäre da für viele "Malle" die naheliegende Option, aber für meine Pläne passt Riga einfach perfekt, insbesondere wenn sich die Grenzen gen Osten wieder öffnen und ich mit Sputnik-V gepiekst wurde...

Jetzt im Winter ist es nicht wirklich toll, weil kalt und dunkel - aber ich freue mich auf die Zeit ab April :D
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Re: Klein-St.Petersburg: Riga

Beitrag von Evgenij » Dienstag 1. Dezember 2020, 01:49

Klaus hat geschrieben:
Dienstag 1. Dezember 2020, 00:45
[... ] insbesondere wenn sich die Grenzen gen Osten wieder öffnen und ich mit Sputnik-V gepiekst wurde...
OT:
Ich persönlich würde da eher zum anderen Impfstoff greifen («ЭпиВакКорона»/vom Nowosibirsker "Wektor"-Institut).

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Re: Klein-St.Petersburg: Riga

Beitrag von m5bere2 » Dienstag 1. Dezember 2020, 08:59

Ja, wir hoffen hier auch darauf, dass wir bald den Vektor-Impfstoff kriegen. :D

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Re: Klein-St.Petersburg: Riga

Beitrag von bella_b33 » Dienstag 1. Dezember 2020, 10:55

Evgenij hat geschrieben:
Dienstag 1. Dezember 2020, 01:49
OT:
Ich persönlich würde da eher zum anderen Impfstoff greifen
Auf jeden Fall nichts Neues Russisches direkt, da würd ich erstmal die Nebenwirkungen abwarten.
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Re: Klein-St.Petersburg: Riga

Beitrag von Bobsie » Dienstag 1. Dezember 2020, 11:05

bella_b33 hat geschrieben:
Dienstag 1. Dezember 2020, 10:55
Auf jeden Fall nichts Neues Russisches direkt, da würd ich erstmal die Nebenwirkungen abwarten.
Da stellt sich dann nur die Frage: Wer ist schneller? Corona oder die Nebenwirkungen :roll:

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Re: Klein-St.Petersburg: Riga

Beitrag von Wladimir30 » Dienstag 1. Dezember 2020, 13:09

Es sollte wohl eher heißen, was ist schlimmer, Corona oder die Nebenwirkungen
Winter is coming....



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